Rezension – Solange sie tanzen

Ada Friedberg ist eine alte Dame. Nach dem Tod ihres geliebten Mannes Hans, gibt ihr besonders ihr Hund Hemingway Halt. Er sorgt für Struktur in ihrem Alltag und dafür, dass sie regelmäßig aus dem Haus kommt.
Während des allabendlichen „Fernsehens, bei dem sie ihre Nachbarn mit dem Fernglas beobachtet, entdeckt Ada im Haus gegenüber ein neues Paar. Und während sie diesem beim Tanzen zuschaut, erinnert sie sich an ihr Leben mit Hans: wie sie sich kennenlernten, ihre Ehejahre, die Kinder und Enkelkinder sowie die Zeit des Ruhestands. Die Gegenwart verschwimmt für Ada zunehmend, doch die Vergangenheit ist dafür umso klarer – und immer gibt ihr das tanzende Paar im Haus gegenüber Halt.

Vielen Dank an NetGalley.de und Tinte & Feder für dieses Rezensionsexemplar!

Meinung

Solange sie tanzen hat mich emotional mitgenommen, wie schon lange kein Buch mehr. Ich hab mir die Augen aus dem Kopf geweint und wirklich mit Ada mitgefühlt. Dazu trägt sicher bei, dass Barbara Leciejewskis Schreibstil sehr schön und einfühlsam ist. Hinzu kommt, dass Ada eine unglaublich sympathische Protagonistin ist.

Ich kenne das Alt-werden (und damit meine ich Seniorenalter), offensichtlich, nur aus einer beobachtenden Position und aus der Position des Sich-Wunderns über manche Eigenart der Senioren in der Familie. Aber Adas Gedankengänge sind so gut nachvollziehbar und es wird klar, wie schwierig es ist, nach einem selbstbestimmten Leben akzeptieren zu müssen, dass man alleine manchmal nicht mehr klarkommt.

Besonders schön fand ich auch, wie Adas und Hans‘ Beziehung beschrieben wird. Die beiden lernen sich 1957 kennen. Die Kapitel über die Anfangszeit ihrer Beziehung bieten spannende Einblicke in eine Gesellschaft, in der der Zweite Weltkrieg noch sehr präsent ist. Und mit den Eltern von Ada und Hans hat man auch Paare, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Über die Jahre ist in der Ehe der beiden nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Ada liebt die beiden gemeinsamen Kinder, gleichzeitig trauert sie oft ihren Karrieremöglichkeiten hinterher, die sie dadurch verpasst hat. Hans und Ada haben Phasen, in denen sie nicht genug miteinander reden, den anderen nicht wertschätzen.

Trotz all dem haben die beiden eine sehr liebevolle Beziehung und auch im Rückblick ist Hans für Ada ein unglaublich wichtiger Mensch, dessen Tod sie aus der Bahn wirft. Im Gespräch mit den gemeinsamen Kindern, aber auch durch Adas Sicht auf andere Menschen, wird wieder einmal deutlich, dass Beziehungen von außen oft nicht verständlich und nachvollziehbar sind. Aber hier bekommt man eben Adas Sicht mit und ich konnte mich nicht davon abhalten, mich auch ein bisschen in Hans zu verlieben.

Ein Lichtblick für Ada ist Hemingway, ein Hund. Dank ihm ist Ada nicht allein in der Wohnung, lernt neue Leute kennen und muss die Wohnung regelmäßig verlassen. Hemingway ist fast so etwas wie die dritte Hauptperson im Buch.

Fazit

Solange sie tanzen ist eines der aufwühlendsten Bücher, das ich je gelesen habe. Adas Geschichte, auch ihre Entwicklung im Lauf des Buches, sowie Hans und Hemingway haben mich immer wieder zu Tränen getrieben. Ich kann euch dieses Buch wirklich nur empfehlen, ihr solltet aber auch eine Packung Taschentücher zur Hand haben.

Weitere Meinungen zum Buch:
Sandras kreative Lesezeit („Ich kenne bisher keine Autorin, der es gelingt, das Thema älter werden und die damit verbundenen Schattenseiten, so berührend und so sensibel aufzugreifen wie es in dieser Geschichte Barbara Leciejewski gelungen ist.“)
Daggis Welt (5/5 Eulen; „eine Achterbahnfahrt der Gefühle“)
Lesen und Träumen (5/5 Sterne; „ein Roman, der unter die Haut geht, und der den Leser alle Emotionen durchleben lässt“)

Über Barbara Leciejewski:
Leciejewski wurde im rheinland-pfälzischen Mühlbach geboren und studierte Literaturwissenschaft, Linguistik und Theaterwissenschaft in München. Sie arbeitete in verschiedenen Jobs am Theater, schrieb ihre Magsiterarbeit über Kriminalromane und wurde Synchroncutterin.
Zwar schrieb sie ihren ersten Roman im Alter von 12 Jahren, beschloss dann aber, dass man vom Schreiben nicht leben kann. Doch sie besann sich darauf zurück und hat mittlerweile ihren siebten Roman veröffentlicht.
Quelle: Website der Autorin

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Taschenbuch: ISBN 978-2-91980-9-066 | 9,99€
Kindle-Edition: ASIN B07M77K8TM | 1,99€
368 Seiten | erschienen 2019

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Review – The Broken One

To single mum Heather, her adopted daughter Ava is everything. So when Ava loses her favourite stuffed animal Wolfie, she posts a social post offering a reward to whoever returns the stuffie. She did not expect that person to be just so gorgeous. But what makes her reach out to him is the sorrow in his eyes when he looks at Ava.
Sebastian, the man standing at her door returning Wolfie, has lost his wife and his unborn child five years ago in an accident. Since then he’s lived for the family business and he’s not sure whether he’s ready to give love another chance. But the beautiful and warm single mum and her adorable daughter might just be able to change his mind about love.

Thanks to Montlake Romance and NetGalley for this review copy!

When I first read a book by Ruth Cardello (Das Dienstmädchen des Milliardärs/Maid for the Billionaire) I did quite like it even though it wasn’t the best love story I’ve ever read. I especially didn’t like the 50 Shades of Grey-thing it had going in the beginning. But the blurb of The Broken One sounded really good, so why not give the author another try? And this time I was not disappointed.

One of the best things about this book is actually not a „thing“: it’s Ava. Heathers adopted daughter is one of the most adorable children ever. I also liked that she wasn’t just a way of getting the whole story started and then be pushed to the side, always being looked after by people other than her mother. In The Broken One, Ava is actually quite often getting in the way, delaying dates and makes Heather’s life that much more complicated.

The family generally plays an important role, both in Heather’s and Sebastian’s lives. Heather tries to raise Ava in an environment as happy as possible even though the contact with her own family is not very good. Sebastian, on the other hand, has a big and loving family that supports him. He is still struggling with the fact that his wife and unborn child died but at the same time really cares for the little family unit of Heather and Ava.

I really liked that Sebastian and Heather actually talked to each other. When they realize that they’ve made a mistake they apologize and talk it over. But they also discuss topics like their hopes and wishes, their pasts.
In addition, this book is really funny in this awkward, blurbing-out-whatever-is-going-through-one’s-mind way. And in the same way, Heather and Sebastian talk about sex which often makes things embarrassing. However, I’m a big fan of talking about sex in whichever way works best for the couple so that’s a big plus in this book.

All in all, I’ve got to admit that I am quite surprised how well I liked this book. Heather and Sebastian, as well as other people in the book, were really likeable, Ava is a pleasure to read about and it’s quite funny.

„[…] I thouht there was a right way and a wrong way. […] Eventually I realized that the only right way is the one I can live with. And the only wrong one is the one my heart cannot tolerate.“

Camilla Romano (p. 183)

About Ruth Cardello:
Cardello was born on Rhode Island as the youngest of 11 children. She spent her teenage years in cities around the globe before moving back to Rhode Island. For 20 years she worked as an educator, 11 of those years as a kindergarten teacher. When jobs were being cut, she turned to full-time writing.
Up until now, she has published more than 40 books.
While she’s not writing, she’s looking after her children or the small farm they live at.
Sources: Amazon & Cardellos website

COMMERCIAL

Paperback: ISBN 978-1-54200-9-706 | 9,99€
Kindle-Edition: ASIN B07PSG2X9J | 4,99€
Audiobook: ISBN 978-1-97869-1-278 | 16,50€
251 pages | published 2019

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Ruth Cardellos website

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Author: Amazon
Cover: Amazon

Rezension – Die Zeit der Weihnachtsschwestern

Weihnachten kommt näher und Suzanne McBride wünscht sich nichts mehr, als ein harmonisches Fest mit ihrem Ehemann und den drei Töchtern Hannah, Beth und Posy zu verbringen. Die drei sind so unterschiedlich wie es nur geht und das Verhältnis der Schwestern untereinander ist angespannt. Suzanne möchte das perfekte Weihnachtsfest bieten – doch dann wird sie von einer fiesen Grippe erwischt. Die Schwestern müssen sich zusammenreißen, um Weihnachten für die Enkelinnen von Suzanne festlich zu machen. Dabei werden alte Wunden neu aufgerissen und neue Geheimnisse enthüllt.

Vielen Dank an den mtb Verlag und NetGalley.de für dieses Rezensionsexemplar!

Meinung

Ich hatte nicht erwartet, wie sehr mich dieses Buch mitnehmen würde. Aber ich kann ganz ehrlich sagen, dass ich noch nie über eine Romanfigur gelesen habe, mit der ich mich so gut identifizieren kann, wie mit Hannah. Sie ist die älteste Schwester und sehr beschützerisch gegenüber ihren beiden „kleinen“ Schwestern. Auch wenn in meiner Familie – zum Glück – nie etwas so furchtbares passiert ist, wie in der der McBrides, so haben wir doch schon einiges als Familie erlebt. Und der unbedingte Wille von Hannah, ihre Schwestern vor den schlimmsten Auswirkungen dieses Unglücks zu bewahren, war für mich sehr gut nachvollziehbar.
Hinzu kommt, dass ich auch nachempfinden konnte, woher ihre Zweifel und die Angst vor Bindungen kommen. Und so habe ich an vielen Stellen geweint, weil ich mich so gut verstanden gefühlt habe.

Auch ansonsten liebe ich Die Zeit der Weihnachtsschwestern! Sarah Morgan schreibt mit einer oft subtilen Art von Humor, die mir gut gefallen hat. Sie versucht nicht, um jeden Preis witzig zu sein, ihr Witz lässt Unterhaltungen aber sehr realistisch wirken. Überhaupt ist das eines der besten Dinge an diesem Buch: ich hatte immer das Gefühl, einfach nur die Hand ausstrecken zu müssen und ich könnte die Schwestern berühren.

Dazu trägt auch bei, dass die drei sehr unterschiedlich sind, was in ihrem Verhalten, der Art wie sie reden und denken (der größte Teil des Buches ist abwechselnd aus Sicht der Schwestern erzählt) deutlich wird. Sarah Morgan muss nicht ständig betonen, wie unterschiedlich sie sind. Ich fand auch die Dynamik im Trio gut nachvollziehbar. Miteinander zu streiten, die anderen manchmal auf den Mond zu wünschen und oft das falsche zu sagen, aber nach außen immer zusammenzuhalten und immer auch froh darüber zu sein, dass es die Schwestern gibt.

Last but not least, hat mir gut gefallen, wie die Konflikte gelöst werden. Es passiert nicht einfach so, von einem Moment auf den anderen. Stattdessen fällt den Schwestern selbst auf, dass ihnen etwas an ihrem Leben nicht gefällt, über Probleme wird gesprochen. Sicher gibt es auch Streit, aber sie raufen sich auch wieder zusammen und sind vor allem gewillt, ihre Schwestern zu unterstützen. Letztendlich wollen sie alle nur das Beste für die Menschen die sie lieben, was für mich schön zu lesen war.

Fazit

Dieses Buch wird mir noch lange in Erinnerung bleiben, for all the right reasons. Ich hatte mit einem gemütlichen Buch für kalte Wintertage geredet. Das ist es gewissermaßen auch, vor allem ist es ein emotionales, witziges Buch, das mir eine Frau aufgezeigt hat, mit der ich mich unglaublich gut identifizieren konnte.

„Ihr könnt euer Leben nicht in der ständigen Angst verbringen, dass ihr verletzt werdet. Wenn ihr verletzt werdet, heilt das wieder. Und während man darauf wartet, dass es heilt, kann man daran zurückdenken, wie viel Spaß man hatte.“

Posy McBride (S. 275)

Weitere Meinungen zum Buch:
books dreamland (5/5 Sterne; „schöner und berührender Familienroman der einen nicht kalt lassen kann“)
Verena’s Buchwelt (5/5 Sterne; „ein wunderschönes Buch mit einem sehr tollen Schreibstil“)

Über Sarah Morgan:
Morgan wurde 1948 geboren und arbeitete ab dem Alter von 18 Jahren als Krankenschwester. Nach der Geburt ihres ersten Kindes, begann sie zu schreiben. 2001 erschien ihr erster Roman. Mittlerweile wurden ihre Bücher in mehr als 20 Sprachen übersetzt und haben zahlreiche Auszeichnungen erhalten.
Heute lebt sie in der Nähe von London, ist verheiratet und hat zwei Söhne. Neben dem Schreiben und Lesen, wandert sie und fährt Mountain Bike.
Quellen: Wikipedia & ihre Website

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Originaltitel: The Christmas Sisters | Übersetzerin: Judith Heisig
Taschenbuch: ISBN 978-3-74570-0-350 | 15,00€
E-Book: ISBN 978-3-74575-0-355 | 7,99€
304 Seiten | erschienen 2019

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Website der Autorin

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Autorin: Website von Sarah Morgan (© Ev Sekkides)
Cover: HarperCollins

Rezension – Bratapfel am Meer

Caro, Intensivkrankenschwester und seit kurzem in Scheidung lebend, hat ein anstrengendes Jahr hinter sic. Als eine Patientin sie kurz bevor sie stirbt darum bittet, eine Kette zu ihrer großen Liebe nach Juist zurückzubringen, beschließt Caro, den Jahreswechsel auf der kleinen Nordseeinsel zu verbringen und nach besagter großen Liebe zu suchen. Umgeben von Menschen, die sie freundlich aufnehmen, kann sie an den windumtosten Stränden der Insel dabei auch endlich die Auszeit nehmen, die sie dringend nötig hat.

Vielen Dank an NetGalley.de und den CORA-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Meinung

Es gibt ziemlich viel, das mir an diesem Buch gut gefallen hat. Aber besonders gut fand ich, dass die Leute miteinander reden. In vielen Büchern, vor allem wenn Beziehungen eine Rolle spielen, reden die Leute vor allem aneinander vorbei und nicht wirklich miteinander. In Bratapfel am Meer sind die meisten Charaktere Anfang 30. Dass sie eine mehr oder weniger erwachsene Sicht auf die Dinge haben und man das auch merkt, fand ich gut. Insbesondere Caro selbst spielt nicht gerne Spielchen wenn es um Gefühle (ihre oder die anderer) geht.

Es gab auch einige Themen, die teilweise nur am Rande angesprochen werden, die in meinen Augen ziemlich wichtig sind. Eins davon ist der Pflegenotstand, den Caro als Intensivkrankenschwester hautnah miterlebt. Zwar wird deutlich, wie gerne Caro in ihrem Beruf arbeitet, aber es ist auch offensichtlich, welch große Belastung ihr Job darstellt.
Wie schon gesagt, ist Caro Anfang 30. Ein weiteres Thema ist die berufliche Neuorientierung. Ich fand gut, dass hier deutlich wird, dass man nicht erst komplett zugrunde gerichtet sein muss durch den eigenen Beruf, um sich nach etwas neuem umzusehen.

Die Liebe spielt zwar eine große Rolle, aber es geht auch um das Leben im Allgemeinen. Es geht um den Tod, aber auch Geburt, Freundschaft, Familie und – ganz wichtig – das Essen. Caro backt gerne und auf Juist trifft sie eine ganze Reihe Menschen, die ebenfalls gerne und gut kochen oder backen. Mir hat daher auch gut gefallen, dass am Ende des Buches Rezepte zu einigen der erwähnten Gerichte aufgeschrieben waren.

Fazit

Alles in allem ein gelungenes Buch, das mit seinem gemütlichen Setting und dem Schreibstil perfekt in den Herbst passt. Also schnappt euch euren E-Book-Reader, macht euch einen Tee und kuschelt euch ein.

„Am Ende ist es immer nur die Liebe, die zählt.“

Elfriede Fischermann (S. 35)

Über Anne Barns:
Anne Barns ist das Pseudonym der Autorin Andrea Russo. Sie arbeitete lange als Lehrerin an einer Förderschule, gab dies jedoch auf, um sich vollständig dem Schreiben zu widmen.
Sie liebt es auch, zu Kochen und zu Backen, was besonders bei den Büchern von „Anne Barns“ eine große Rolle spielt. Außerdem geht sie gerne laufen und reist, um die Handlungsorte ihrer Bücher zu erkunden.
Zusammen mit ihrem Mann und Hund lebt sie im Ruhrpott, sie hat außerdem eine erwachsene Tochter.
Quelle: Website von Andrea Russo

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E-Book: ISBN 978-3-74575-0-379 | 8,99€
352 Seiten | erschienen 2019

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Autorin: Website der Autorin
Cover: Cora-Verlag

Rezension – Yalla, Feminismus!

Reyhan Şahin – besser bekannt als Lady Bitch Ray – verkörpert eine ebenso einzigartige wie aufregende Position im feministischen Diskurs: Als promovierte Linguistin, provokante Rapperin und alevitische Muslimin spricht sie über weibliche Sexualität, den Islam und Antirassismus wie keine andere. Denn sie kennt sich mit Diskriminierung aus: als Frau im wissenschaftlichen Universitätsbetrieb, als türkisch-muslimische Alevitin, als Rapperin in der männlich dominierten Hip Hop-Szene. Sie steht für einen neuen Feminismus, der sich der eindimensionalen Fixierung auf die weiße westliche Frau entgegenstellt und sich für Selbstermächtigung und Entscheidungsfreiheit für alle Menschen einsetzt. In einer Sprache, in der sich Ghettoslang und wissenschaftliche Analyse unverschämt nahekommen, zeigt sie, wo in Sachen Gleichberechtigung die großen Diskrepanzen liegen. Lady Bitch Ray engagiert sich für Frauensolidarität, bricht mit Sex-Tabus und macht deutlich, dass sich Kopftuch, Modebewusstsein und Feminismus keineswegs ausschließen. […]
(Klappentext leicht gekürzt übernommen; Quelle: Klett-Cotta)

Vielen Dank an den Tropen Sachbuch-Verlag und NetGalley.de für dieses Rezensionsexemplar!

Meinung

Warum man dieses Buch gelesen haben sollte, kann ich nur aus einer sehr privilegierten Sichtweise sagen: aus der einer weißen cis Frau mit Migrationsdefizit. Ich denke, dass es aber insbesondere für Menschen wie mich, die in ihrem Alltag selten oder nie Repressalien ausgesetzt sind, nur weil sie sind wie oder wer sie sind, wichtig ist, denen zuzuhören und Raum zu geben, die dieses Glück nicht haben. Dies gilt für den Alltag, wo wir uns öfter mit Menschen umgeben sollten, deren Erfahrungen ganz anders als unsere sind. Es gilt auch für unser professionelles Umfeld. Und Reyhan Şahin zeigt auf, warum es gerade im Zusammenhang mit feministischen Themen noch viel zu selten der Fall ist, dass wir ihnen zuhören und Raum geben.

Ich musste sehr oft den Kopf schütteln vor Unglaube. Nicht Unglaube, dass bestimmte Dinge nicht so vorgefallen sind, wie Şahin sie beschreibt. Sondern Unglaube darüber, dass es für manche Menschen in Ordnung geht, sich so zu verhalten. Besonders oft musste ich den Kopf schütteln im Abschnitt über die „Fuckademia“ in deren Betrieb ich ja ebenfalls drinstecke, wenn auch als Studentin. Denn, wie auch Şahin, dachte ich immer, dass Universitäten zu den offensten Orten zählen und entsprechend auch mit Menschen umgehen, die eben nicht weiß, cis und abled sind. Aus Student*innen-Sicht und im Umgang mit anderen Student*innen mag das vielleicht auch noch der Fall sein (auch hier wieder ine sehr privilegierte Sichtweise). Aber Şahins Beschreibungen ihrer Erlebnisse, die sicherlich nicht nur für sie gelten, zeigen, dass Universitäten eben nicht so offen sind, wie sich selbst gerne darstellen.

Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt: Feminismus und Rap, Feminismus und muslimisches Kopftuch und Feminismus und akademische Welt, von Şahin „Fuckademia“ genannt. Besonders in ersterem und letzterem Part fand ich, dass sich wieder einmal zeigt, dass Männer gerne für Dinge gefeiert werden, die bei Frauen und weiblich gelesenen Personen als vulgär und unangemessen angesehen werden.

Teilweise ziemlich witzig war für mich, wenn quasi die Rapperin durchkommt, in einem Absatz oder Kapitel, der sonst eher mit der Stimme der Wissenschaftlerin (also kaum Umgangssprache, keine „Schimpfwörter“, etc.) geschrieben ist.
Das ist auch mein einziger Kritikpunkt an Yalla, Feminismus!: gerade die wissenschaftlichen Absätze fand ich teilweise schwer zu lesen. Da musste ich oft zwei- oder dreimal drüber gehen, um sie zu verstehen.

Fazit

Ein wichtiges Buch, das jeder gelesen haben sollte. Es gibt jenen eine Stimme, die in feministischen Debatten viel zu selten gehört wurden und werden und die auch in Zukunft viel öfter gehört werden müssen. Besonders interessant war für mich die Aufklärung über das muslimische Kopftuch, das, sind wir einmal ehrlich, viel zu oft instrumentalisiert wird, ohne dass jene, die es tragen, sich an der Diskussion beteiligen können.

[Yalla] soll hier auch dafür stehen, Dinge ironisch zu hinterfragen, nicht alle Feminismus-Labels für bare Münze zu nehmen und sich mal zu trauen, Dinge kritisch anzusprechen, die einen stören. Damit sich die Diskussionen weiterentwickeln, Lücken geschlossen werden und Unsichtbares sichtbar gemacht werden kann.

Reyhan Şahin (S. 31)

Über Reyhan Şahin:
Şahin wurde 1980 in Bremen geboren. Sie begann im Alter von 12 Jahren zu rappen und wurde als Lady Bitch Ray bekannt.
Sie schloss ihre Schullaufbahn mit dem Abitur ab und studierte Linguistik und Germanistik in Bremen. Sie machte ihre Magisterarbeit und promovierte 2012 über Die Bedeutung des muslimischen Kopftuchs in Deutschland. Dafür erstellte sie auch die erste empirische Studie zum muslimischen Kopftuch und der Bedeutung desselben. Sie forscht mittlerweile zu Rechtspopulismus, Islam und Gender, während sie an ihrer Habitilation arbeitet.
Außerdem schreibt sie Artikel für unterschiedliche Zeitungen.
Einmal abgesehen von ihren wissenschaftlichen Arbeiten, ist Yalla, Feminismus! ihr zweites Buch nach Bitchsm, erschienen 2012.
Quellen: Wikipedia & Info im Buch

WERBUNG

Klappenbroschur: ISBN 978-3-608-50427-9 | 20,00€
E-Book: ISBN 978-3-608-19197-4 | 15,99€
316 Seiten | erschienen 2019

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Autorin: lit.Ruhr (© Carlos Fernandez Laser)
Cover: Klett-Cotta

Jane Austen – Stolz und Vorurteil

Ob man Klassiker nun mag oder nicht, ob man generell gerne Bücher liest oder nicht, um Jane Austen scheint man nicht herumzukommen. Bei mir hat der Deutschunterricht in der Schule lange dafür gesorgt, dass ich kein Interesse an Klassikern hab. Die zu lesen war in dem Rahmen ganz viel Arbeit und kein Vergnügen. Und so habe ich auch im „Jane-Austen-Jahr“ vor kurzem einen großen Bogen um die Bücher gemacht. Jetzt sind zwei Dinge zusammengekommen, die mich dazu bewogen haben, doch zu einem ihrer Bücher, nämlich Stolz und Vorurteil, zu greifen.
Das erste war meine Mitbewohnerin. Wir wohnen seit fast einem Jahr zusammen und sie schwärmt mir schon länger von Austens Büchern (und vielen anderen Klassikern) vor. Zudem habe ich vor kurzem Death Comes to Pemberley gelesen. Das hat mich dann doch neugierig auf die „Vorgeschichte“ gemacht.

Jane Austen hatte das Buch in den Jahren 1796 und 1797 geschrieben, damals noch unter dem Namen First Impressions. Einige Jahre zuvor hatte Frankreich Großbritannien den Krieg erklärt, im ganzen Land baute das Militär Lager auf. Darauf spielt Austen im Buch auch an, welches demnach in den Jahren 1793-1795 spielt. 1811 und ’12 nahm Austen umfassende Änderungen am Buch vor und änderte den Titel zu Pride and Prejudice.
Sie verkaufte die Rechte am Buch für £110 (heutiger Wert: ca. £7200), 1813 erschien die erste Ausgabe.
Noch im gleichen Jahr wurde die erste Ausgabe in einer anderen Sprache, nämlich französisch, veröffentlicht und es folgten bald weitere Sprachen. Die erste deutsche Übersetzung erschien 1830.
In Großbritannien gilt es als eines der beliebtesten Bücher aller Zeiten, es wurde insgesamt elfmal verfilmt. Zudem gab es zahlreiche literarische Adaptionen (u. a. eben das oben erwähnte Death Comes to Pemberley).

Vielleicht das überraschendste war für mich, wie leicht ich mich in das Buch einfand. Auf den ersten paar Seiten musste ich mich noch an den Schreibstil gewöhnen, aber danach fiel es mir überraschend leicht, das Buch zu lesen. Ich hatte auch nicht damit gerechnet, dass es mir so gut gefallen würde.

Zunächst einmal fand ich die Einblicke in das Leben um die Jahrhundertwende des 17./18. Jahrhundert spannend. Viele der damaligen Konvention wirken natürlich eigenartig aus heutiger Sicht, aber gleichzeitig ist es einfach total interessant.

Auch die Entwicklung der Beziehung und Gefühle zwischen Mr Darcy und Elizabeth fand ich nachvollziehbar. Darcy ist zu Beginn zwar tatsächlich kein knight in shining armour. Aber dass sich aus anfänglicher Abneinung zunächst Interesse und dann Liebe entwickelt, ist ja nicht so ungewöhnlich.

Stolz und Vorurteil hatte ich mir von meiner Mitbewohnerin ausgeliehen, aber ich werde definitiv weitere Klassiker lesen und mir bald das nächste Jane-Austen-Buch von meiner Mitbewohnerin ausleihen.

„Denk an die Vergangenheit nur dann, wenn die Erinnerung daran Vergnügen bereitet.“

Elizabeth Bennet (S. 428)

Jane Austen wurde am 16. Dezember 1775 in Steventon, in der Grafschaft Hampshire im Süden Englands, geboren. Rechts ist ihr Geburtshaus, das Pfarrhaus von Steventon, zu sehen. Ihr Vater war Geistlicher und sie war das sechste von sieben Kindern. Besonders zu ihren einzigen Schwester Cassandra (1773-1827) hatte Jane ein sehr enges Verhältnis.
Jane wuchs in einem sehr gebildeten und belesenen Haushalt auf und erhielt eine vergleichsweise gute Ausbildung für ein Mädchen der damaligen Zeit. Gefördert wurde dies durch ihren Vater, der sie ermutigte, sich mit literarischen Werken auseinanderzusetzen.

Bereits in jungen Jahren schrieb sie erste Werke und im Alter ab 12 Jahren setzte sie sich satirisch mit Gesellschaft und Literatur der Zeit auseinander. In Steventon entstanden auch die ersten Entwürfe ihrer späteren Werke.
1801 zogen Jane, Cassandra und ihre Eltern nach Bath. Über die Zeit dort ist wenig bekannt, da viele der damals geschriebenen Briefe der Familie zerstört wurden, allerdings ist davon auszugehen, dass Jane dort nicht glücklich war. Vor dem Umzug hatte sie sich negativ über die Pläne der Familie geäußert.
1802 hatte sie einen Heiratsantrag abgelehnt und sie würde auch nie heiraten.

1805 verstarb ihr Vater, woraufhin die drei Frauen zu einem von Janes Brüdern nach Southampton zogen. 1809 zogen sie drei und eine Freundin nach Chawton, süd-westlich von London, zu einem anderen Bruder der Austen-Schwestern. In dem Haus, das er ihnen zur Verfügung stellte, überarbeitete Jane ihre Romane. Alle wurden während der Zeit veröffentlicht.
Im Alter von 40 Jahren wurde sie schwer krank, heute nimmt man an, dass sie unter einer Niereninsuffizienz litt. Cassandra begleitete sie 1817 nach Winchester, wo sie auf Heilung hoffte. Am 18. Juli 1817 starb sie dort im Alter von 41 Jahren.
Das Haus, in dem zuletzt lebte, ist heute ein kleines Museum ihr zu Ehren.

Quelle: Wikipedia


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Bibliographische Angaben (dtv-Ausgabe)
Übersetzerin der aktuellen dtv-Ausgabe: Helga Schulz
Flexcover: ISBN 978-3-423-14160-4 | 12,90€
Taschenbuch: ISBN 978-3-423-12350-1 | 10,90€
E-Book: ISBN 978-3-423-40136-4 |8,99€
456 Seiten | aktuelle Ausgabe erschienen 2012

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Cover: dtv
Gbeurtshaus von Jane Austen: Wikipedia (von Austen-Leigh, J. E. (1798-1874) – Project Gutenberg – A Memoir of Jane Austen. 2nd ed. London: Richard Bentley and Son., Gemeinfrei)
Jane Austen (Gemälde, ca. 1810): Britannica
Jane Austen (Bild von Cassandra Austen): Wikipedia (Von Jane_Austen_Portrait.jpg: Cassandra Austen (1773–1845). Der ursprünglich hochladende Benutzer war Winniwuk in der Wikipedia auf Deutschderivative work: Amano1 – Diese Datei wurde von diesem Werk abgeleitet: Jane Austen Portrait.jpg:, CC BY-SA 3.0)

Rezension – Death Comes to Pemberley

1803, sechs Jahre nach ihrer Hochzeit, leben Darcy und Elizabeth glücklich auf Pemberley. Sie haben zwei kleine Söhne, Elizabeths Schwester Jane und deren Ehemann leben nicht weit entfernt und der große Lady Anne’s Ball steht ins Haus. Doch am Abend davor rast eine Kutsche auf das Haus zu, aus der Lydia Wickham entsteigt und schreit, dass ihr Ehemann in den Wäldern um das Gut ermordet wurde. Für die Helden aus Stolz und Vorurteil beginnt eine schwierige Zeit, in der alte Missverständnisse wieder aufleben.

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Rezension – Homecoming

Vor 70 Jahren verließ Eleanors Familie Irland, um in New York ein neues Leben zu beginnen. Nun kehrt sie nach Dublin zurück. Am Golden Square beobachtet sie aus ihrer Wohnung heraus das Leben dort und wird langsam in das Leben einiger Frauen hineingezogen.
Da ist zum einen Megan, gefeierte Schauspielerin, die eine falschen Entscheidung getroffen hat. Nun muss sie sich vor der Welt verstecken und lernen, mit diesem Fehler umzugehen.
Rae ist das Herz von Titania’s Palace Tearooms, ein kleines, gemütliches Café, dessen Managerin sie ist. Doch obwohl Rae ihren Mann liebt und seit Jahrzehnten eine wunderbare Ehe mit ihm führt, hat sie ein großes Geheimnis aus ihrer Jugend vor ihm, welches nun in ihr Leben einbricht.
Connie ist Lehrerin und ein sehr warmherziger Mensch. Sie geht auf die 40 zu und hat es aufgegeben, die große Liebe und ihr Glück zu finden.

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Rezension – Die Dame hinter dem Vorhang

Seit Generationen dienen die Banisters auf Gut Renishaw der Familie Sitwell. 1927 verlässt Jane Banister das Gut, um in London Edith Sitwell für zu arbeiten. Edith, Dichterin und einzige, wenn auch ungeliebte, Tochter des Hauses ist eine exzentrische Persönlichkeit. An ihrer Seite reist Jane durch Europa und lernt einige der größten Künstlerpersönlichkeiten der Zeit kennen. Aber sie lernt auch die Schattenseiten des glamourösen Leben kennen und sieht, welchen Preis ein Leben jenseits aller Konventionen Edith abverlangt.

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Rezension – Das Licht des Ozeans

Nachdem ein Attentäter dem Anführer des Menschenbundes, Bowen Knight, in den Rücken geschossen hat, erwacht dieser acht Wochen später erstaunlich gut ausgeruht auf der Tiefseestation Ryūjin. Ryūjin ist eine Stadt der Wassergestaltwandlergemeinschaft BlackSea. Dort lernt er die Köchin Kaia kennen, zu der er sich sofort hingezogen fühlt. Doch sie ist Menschen gegenüber misstrauisch eingestellt und so kommt es ihr gar nicht gelegen, dass auch sie die gegenseitige Anziehung sofort spürt.

„Rezension – Das Licht des Ozeans“ weiterlesen