Rezension – Mein Leben, mal eben

Anouk Vogelsang hat das Unnormal-Gen in sich und passt nirgends so recht hinein. Eines Tages beschließt sie daher, ganz normal zu werden. Sie wird sich für Popmusik interessieren, schminken lernen und ein ganz normales Computerspiel spielen, in dem sie eine ganz normale Familie erschafft.
Doch das Spiel lädt nicht und so fängt sie an ihre Memoiren aufzuschreiben. Diese drehen sich um ihre beiden Mütter MaMi und Matrix, ihren Samenspenderrockervater Philipp, die Neue in der Klasse und den ganz normalen Wahnsinn. Nebenbei soll sie auch noch einen Songtext für Moritz schreiben. Der hat allerdings auch dieses Unnormal-Gen – und das macht das Normal-Sein ganz schön knifflig.

Vielleicht ist es die Tatsache, dass Anouk nicht so richtig reinpasst. Oder, dass sie es wirklich versucht, reinzupassen. Und kläglich daran scheitert. Jedenfalls war sie mir von Anfang an sympathisch. Das Bemühen um „Normal-Sein“ (oder was ich dafür hielt) kenne ich von mir und so fühlte ich schnell mit Anouk.
Meines Erachtens hat sie mit etwas zu kämpfen, das viele aus ihrer Jugend kennen werden: sie passt nirgends so recht rein. Und sie lässt den Leser auf solch authentische, nette und manchmal verwirrte Weise daran teilhaben, dass man sie nur ins Herz schließen kann.

Ein großes Kompliment an Nikola Huppertz. Nicht eine Sekunde hatte ich das Gefühl, dass jemand anderes als eine 13-jährige hier schreibt. Die Mischung aus kindlicher Naivität, hormongebeutelter Jugendlichen und einer gewissen altklugen Weisheit wirkt wie aus dem Leben in ein Buch gesetzt. Während des Lesens hatte ich ständig das Gefühl, Anouk neben mir sitzen zu haben – in erwartungsvoller Spannung, was ich wohl von ihren Memoiren halte.

Toll fand ich auch, wie hier das Aufwachsen Anouks mit zwei Müttern dargestellt wird. Noch immer habe ich das Gefühl, dass Homosexualität (oder jeder andere Sexualität, die nicht heterosexuell ist) in den Augen vieler einer Erklärung bedarf. Im Buch wird ganz klar, dass dem nicht so ist – eben weil nicht erklärt wird.
Das Anouk MaMi und Matrix hat, ist eine Tatsache. Ihr geht es dadurch nicht schlechter oder besser als anderen Kindern; es ist einfach normal.

Ich muss ehrlich gestehen, dass genau diese Haltung bei mir etwas ins Rollen gebracht hat. Ich kenne aus meinem Umfeld nur sehr wenige Menschen, die nicht heterosexuell sind – und nur eine davon kenne ich besser als flüchtig. Sie hat sich vor nahezu 30 Jahren als homosexuell geoutet. Mein Leben lang (da ich erst 20 bin) war dies daher für mich eine Tatsache. Von meinem Umfeld bekam ich dennoch (vielleicht unbewusst) das Gefühl vermittelt, dass sie erklären muss, warum sie nicht heterosexuell ist.

So sehr ich mir gerne eingeredet habe, dass ich nie solchen Denkmustern verfallen werde, hat es sich doch manchmal eingeschlichen. Seit diesem Buch denke ich definitiv anders über das Thema – und allein das ist ein wichtiger (vielleicht der wichtigste) Grund, dieses Buch zu lesen.

Eine Wahrheit ist eine Wahrheit, ganz egal, mit welchen Wörtern und Sätzen und Liedern man sie verkleidet.
– Anouk Vogelsang, S. 231

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Über Nikola Huppertz:
Huppertz wurde 1976 in Mönchengladbach geboren. Sie studierte Violine und Psychologie und hat bereits zahlreiche Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht.
Zusammen mit ihrem Sohn und ihrer Tochter lebt sie in Hannover.
Quelle: Coppenrath Verlag


Cover: Coppenrath Verlag
Autorenbild: Coppenrath Verlag

Rezension – The Forty Rules of Love

Ella ist dreifache Mutter und hat gerade wieder angefangen zu arbeiten. Sie soll den Roman eines noch unbekannten Autors über den Poeten Rumi beurteilen. Darin trifft Rumi auf Shams von Tibriz, der ihm vieles beibringt – unter anderem die vierzig Regeln der Liebe. Fasziniert von der Geschichte und ihrem Autoren macht sich Ella auf die Suche nach diesem. Dafür riskiert sie, ihre Familie, Freunde und ihr bisheriges Leben zu verlieren. „Rezension – The Forty Rules of Love“ weiterlesen

Rezension – The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society

London 1946: Die Autorin Juliet Ashton grübelt über ein Thema für ihr nächstes Buch. Da erhält sie einen Brief von der Kanalinsel Guernsey. Was als eine Unterhaltung über Bücher beginnt, führt bald zu Freundschaften mit zahlreichen Menschen auf der Insel. Sie haben während der deutschen Besatzung die Literary and Potato Peel Pie Society gegründet. Und Juliet findet endlich Inspiration für ein neues Buch – beflügelt auch durch einen Besuch bei ihren neuen Freunden. „Rezension – The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society“ weiterlesen

Cover und Informationen zum Buch

Rezension – Die Krebsmafia

Krebs ist in Deutschland die zweithäufigste Todesursache1. Entsprechend groß ist die Nachfrage nach Medikamenten dagegen. Durch einige gesetzliche Schlupflöcher machen skrupellose Händler, Apotheker und Ärzte damit Millionen – und spielen teilweise mit dem Leben ihrer Patienten.
Schröm und Schenck sind den Konstrukten, die solche Machenschaften ermöglichen, auf den Grund gegangen. Und zeigen Lösungsansätze auf, um sie in Zukunft zu verhindern. „Rezension – Die Krebsmafia“ weiterlesen

Rezension – Wir werden glücklich sein

Am 13. November 2015 nehmen drei Terroristen im Bataclan in Paris hunderte Konzertbesucher als Geiseln und töten insgesamt 90 von ihnen. Unter den Getöteten ist auch Matthieu, der Freund von Aurélie Silvestre. Sie ist gerade schwanger mit dem zweiten gemeinsamen Kind – und muss nun ein Leben ohne ihre große Liebe aufbauen. In Wir werden glücklich sein berichtet sie von dem Tag, der alles veränderte. Und von den Monaten, die darauf folgen, bis zur Geburt ihrer Tochter. „Rezension – Wir werden glücklich sein“ weiterlesen

Cover und Infos zum diesem Buch um Flavia de Luce

Rezension – Thrice the Brinded Cat Hath Mew’d

Als Flavia de Luce aus dem Mädcheninternat in Kanada nach Großbritannien zurückkehrt, liegt ihr Vater krank darnieder. Um sich von der angespannten Situation zuhause fernzuhalten, erklärt sie sich bereit, einen Brief an einen eigenbrötlerischen Holzschnitzer zu liefern. Diesen allerdings findet sie tot auf: an seinen Füßen aufgehängt baumelt er an seiner Schlafzimmertür. Für Flavia erweist sich das als Glücksfall: endlich kann sie wieder ermitteln! „Rezension – Thrice the Brinded Cat Hath Mew’d“ weiterlesen

Zusammengefasst – Willkommen in Sanctuary

Von der Reihe Willkommen in Sanctuary habe ich zwei Bücher gelesen – das hat mir aber schon gereicht! Insgesamt sind es fünf Bände, die sich dem Tal Sanctuary und seinen Bewohnern widmen.

Man könnte fast schon von einem altbekannten Thema reden, wenn man die jeweiligen Geschichten beschreiben will: Gestaltwandler finden ihre Gefährtin bzw. ihren Gefährten. Der Twist hier kommt mit der Tatsache, dass nicht ein Gestaltwandler eine Gefährtin findet, sondern ein Gestaltwandler-Zwillingspaar welches eine Gefährtin findet. „Zusammengefasst – Willkommen in Sanctuary“ weiterlesen

Rezension – Geheime Tochter

Als Kavita in Indien eine Tochter bekommt, weiß sie, dass das Mädchen in ihrem Dorf nicht überleben wird. Sie trifft die schwere Entscheidung, die Kleine in einem Waisenhaus in Mumbai abzugeben.
Zeitgleich erfahren Somer und Kris, ein indisch-amerikanisches Ärztepaar aus den USA, dass sie keine Kinder bekommen können. Sie beschließen, ein Kind aus Kris‘ Heimat zu adoptieren – und verlieben sich auf den ersten Blick in die kleine Asha. „Rezension – Geheime Tochter“ weiterlesen

Rezension – Das Café der kleinen Wunder

Eigentlich würde Nelly niemals eine teure, rote Handtasche kaufen und Hals über Kopf Paris verlassen. Denn eigentlich liebt sie die Langsamkeit und eine solch überhastete Entscheidung entspricht nicht ihrem Wesen. Aber sie ist unglücklich verliebt und das ändert alles. Also macht sie sich kurzerhand auf den Weg nach Venedig – inklusive neuer roter Handtasche. Dort wandelt sie auf den Spuren ihrer Großmutter und findet ein Café, in dem Wunder möglich sind. „Rezension – Das Café der kleinen Wunder“ weiterlesen

Rezension – Ziemlich beste Mütter

Als Marie erfährt, dass der Vater ihres Sohnes Florian heiraten wird, beschließt sie, dass es Zeit für einen Tapetenwechsel wird. Daher zieht sie samt Kind und Kegel von Berlin nach München. Dort steht Florians Einschulung vor der Tür – und der erste Elternabend entwickelt sich zu einer Katastrophe. Überall um sie herum Super-Mütter, die sich jetzt schon Gedanken um die Zukunft ihrer Kinder machen. Gut, dass sie da Olivia, Katrin und Alexa trifft: mit bissigem Humor und ganz viel Imperfektionismus stellen sich die vier den ehrgeizigen Helikoptermüttern gegenüber und schaffen es nebenbei noch, ihre Kinder trotz Zucker und Smartphone zu erziehen. Und vielleicht findet Marie in Berlin ja doch eine neue Liebe? „Rezension – Ziemlich beste Mütter“ weiterlesen