The Little Paris Bookshop

Quelle: Abacus
Quelle: Abacus

The Little Paris Bookshop | Nina George | Abacus | erschienen 2013
ISBN 978-0-349-14037-7 | £8.99

Über Nina George:
Die Autorin wurde 1973 in Bielefeld geboren, verließ 1991 vor dem Abitur die Schule und machte eine journalistische Ausbildung. Nebenbei arbeitete sie in der Gastronomie. 1997 erschien ihr erstes Buch Gute Mädchen tun’s im Bett, böse überall. Die Idee dazu kam ihr, nachdem ein Kneipen-Gast sich ihr gegenüber besonders aufdringlich verhalten hatte. Seit 1993 ist sie als Journalistin und freie Schriftstellerin tätig.
Sie schreibt auch unter dem Pseudonym Anne West und ihrem Ehenamen Nina Kramer. Zusammen mit ihrem Ehemann schreibt sie unter dem Namen Jean Bagnol. Bisher hat sie mehr als 20 Bücher unter den verschiedenen Namen veröffentlicht.
Quelle: Wikipedia

Auf einem Boot auf der Seine hat Jean Perdu seine literarische Apotheke eröffnet. In diesem Buchladen verkauft er seinen Kunden Bücher, die deren Seele zu ein wenig Frieden verhelfen. Das funktioniert immer – außer bei ihm selbst. Als dann auch noch ihm gegenüber eine neue Nachbarin einzieht und sein Leben durcheinander wirbelt, animiert dies Perdu dazu, Paris zu verlassen (samt Buchladen und einem Autoren, der vor seinen Fans und seinem Verleger flieht) und sich auf die Suche nach der Liebe seines Lebens zu machen.

Vor ein paar Tagen hat Lotta vom Blog Lottas Bücher auf Tumblr geschrieben: „Kennt ihr das? Dieses Gefühl, wenn ihr ein neues Buch anfangt und ihr euch sofort wie zu Hause fühlt? Solche Bücher sind mir von Anfang an immer die liebsten.“ Obwohl sie sich auf ein anderes Buch bezog, hat sie damit sehr genau in Worte gefasst, wie ich mich gefühlt habe, als ich angefangen habe, dieses Buch zu lesen. Es ist eine unglaublich berührende Geschichte, die sich eröffnet. Und obwohl sie einige ernste Themen behandelt und von einer deutschen Autorin stammt, wird trotzdem der Flair Frankreichs und seiner Bewohner auf schöne und in Erinnerung bleibende Weise wiedergegeben.
Nina George hat in dieses Buch einige Themen gepackt, ohne dass es jemals überladen wirkt. Über allem steht es, zu leben. Eine Kundin sagt in dem Buch einmal zu Perdu:

„I’ve often wondered why people don’t write more books about living. Anyone can die. But living?“
– „The Grandma“ (S. 21)

Mit The Little Paris Bookshop hat man ein Buch in der Hand, das genau davon handelt: dem Leben. Es berichtet von den Freuden des Lebens und es ist eine Geschichte davon, sein Leben auch wirklich zu leben, alles zu genießen, was es zu bieten hat: Freundschaft, Liebe, Bücher, tanzen, Sterne am Himmel zählen, gutes Essen, ja, auch mit einem geliebten Menschen zu schlafen und noch Millionen andere Dinge, die das Leben lebenswert machen. Teilweise waren es die kleinsten Nuancen, die in diesem Buch den Unterschied gemacht haben.
Aber es geht eben auch um die traurigen Seiten, insbesondere um den Verlust eines geliebten Menschen. Und das hat Nina George auf sehr außergewöhnlich Art verarbeitet: mit viel Feingefühl, aber doch auch immer dem Fokus darauf, dass das Leben weitergeht. Damit hat sie mir regelmäßig Tränen in die Augen getrieben.
Sehr gut gefallen hat mir auch, dass die Leidenschaft Perdus für Bücher auf sehr ansprechende Weise wiedergegeben wird. Sie ist in vielen seiner Aktionen zu spüren – und geht Hand in Hand mit seiner Zuneigung für Kunden, denen es genau so geht. Besonders gut fand ich, dass ich mich hierin wirklich wiederfinden konnte. Mir passiert es oft, dass ich Bücher über die Leidenschaft zu Büchern lese (vor kurzem beispielsweise 84, Charing Cross Road von Helene Hanff) und mir unglaublich klein vorkomme. Da geht es um Klassiker (die ich zum größten Teil noch nicht gelesen habe) und Lyrik (die mich noch nie wirklich gereizt hat) und alles andere wird als ein Stück weit „verpönt“ dargestellt. In The Little Paris Bookshop ist das nicht der Fall. Es geht um die Liebe zu Büchern der Bücher wegen – ob das nun Gregs Tagebuch oder Jane Austen ist, spielt keine Rolle. Und ich halte das für wichtig. Letztendlich ist es erst einmal wichtig, dass überhaupt gelesen wird. An anspruchsvolle Lektüre kann man sich ja langsam herantasten.

Meiner Meinung nach ist dieses Buch ein kleines Plädoyer dafür, niemals zu vergessen, dass Schicksalsschläge nicht unser ganzen Leben bestimmen sollten. Es gibt immer einen Grund, weiter zu machen. Es geht auch darum, über sich selbst hinauszuwachsen und einmal aus der eigenen kleinen Wohlfühl-Blase hinauszugehen, über den Tellerrand zu schauen, sich etwas zu trauen. Und es geht um die Liebe zu Büchern, die einen durch jede Lebenslage bringen können – wenn man es nur will.

„Never listen to fear! Fear makes you stupid.“
– Jean Perdu (S. 122)

goldene_Sterne

Life of Pi

Life_of_PiLife of Pi | Yann Martel | Canongate | erschienen 2001
ISBN 978-0-85786-553-3 | £8.99

Über Yann Martel:
Martel wurde 1963 in Spanien geboren, wo seine kanadischen Eltern sich zu der Zeit aufhielten. Während seiner Kindheit und Jugend lebte die Familie u. a. in Alaska, Kanada, Frankreich, Costa Rica und Mexico;; später bereiste er beispielsweise Indien, den Iran und die Türkei. In Peterborough (Kanada) studierte er Philosophie; 1993 erschien sein erstes Buch, eine Kurzgeschichtensammlung. Während die Titelgeschichte davon 1994 verfilmt wurde, entwickelte sich sein erster Roman Self (1996) zu einem Flop. 2001 gelang ihm schließlich mit Life of Pi der Durchbruch, 2012 wurde das Buch verfilmt, der ein großer Erfolg auch in Deutschland war. Seitdem hat er noch zwei weitere Werke veröffentlicht.
Quelle: Wikipedia

Pi ist der Sohn eines indischen Zoodirektors, der aus wirtschaftlichen Gründen nach Kanada auswandern will. Daher begibt sich die Familie und ein Großteil des Zoos auf einen Frachter. Dieser gerät jedoch in einen Sturm und kentert. Als einziger Überlebender findet sich Pi zusammen mit einem Zebra, einem Orang-Utan, einer Hyäne und einem Tiger in einem Rettungsboot wieder. In dem darauffolgenden Überlebenskampf tötet die Hyäne zunächst das Zebra und den Orang-Utan, bevor sie selbst von dem Tiger getötet wird. Pi kann sich zunächst auf einem selbstgebautes Floß retten und beginnt, den Tiger zu zähmen. Dabei macht er sich insbesondere dessen Seekrankheit zunutze. Über die Monate auf See wachsen die beiden immer mehr zusammen, insbesondere, da sie in gewisser Form abhängig voneinander sind.

Seitdem der Film 2012 veröffentlicht wurde, wollte ich dieses Buch lesen. Ich bin einfach nicht wirklich der Film-Typ und Bücher gefallen mir normalerweise besser. Als ich also vor kurzem an einem Büchermarkt vorbeigekommen bin, wo es das Buch für 50 Pence gab, konnte ich daher nicht widerstehen.
An und für sich hat es gut angefangen mit der Erklärung, wie Piscine Molitor Patel zu seinem Spitznamen Pi kommt und über seine ersten Lebensjahre. Aber in meinen Augen haben sich die ersten ca. 100 Seiten schon sehr gezogen. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass es endlich auf den japanischen Frachter geht und er hat sich darüber ausgelassen, wie sich die Tiere verhalten, wie es in der Schule läuft, …
Gut gefallen hat mir an diesen ersten 100 Seiten ehrlich gesagt nur eine Sache: die Geschichte, wie der gläubige Hindu Pi sich für das Christentum und den Islam interessiert und vor allem, wie sein Umfeld darauf reagiert.
Diese „Drei-Religionen-Haltung“ von Pi macht in meinen Augen auch die immer wieder auftauchenden religiösen Bezüge lesenswert. Ich bin nicht so der gläubige Mensch und wenn darauf ein starker Fokus gelegen hätte oder Pi nicht diese sehr differenzierte Sichtweise hätte, weiß ich nicht, ob ich über diese 100 Seiten hinaus gelesen hätte. Und das wäre schade, denn danach mausert sich die Geschichte wirklich.
Auf sehr eindrückliche Weise beschreibt Martel den Überlebenskampf der vier Tiere und später auch die vorsichtige Zähmung des Tigers. Er schreibt über die Tiefs und Hochs, welche Pi durchläuft. Von der Hoffnung, gefunden zu werden; der Todesangst vor dem Tiger; die Freude über einen gefangenen Fisch. Er berichtet auch davon, wie Pi sich verschiedene Überlebenstechniken, wie das Angeln, aneignet und wie der Vegetarier seinen Ekel vor dem Fleisch überwindet. All das hat so realistisch gewirkt, dass ich mir wirklich vorstellen konnte, dass es diesen Pi gibt. Gut hat mir auch gefallen, wie sich die Beziehung zwischen Mensch und Tiger entwickelt. Pi vergisst nie, dass ihm ein hochgradig tödliches Tier gegenübersteht, aber im Nachhinein betrachtet, sieht er den Tiger als seinen Lebensretter, der Pis Lebenswillen gestärkt hat.
Ich persönlich hatte auch keine Probleme mit dem Englischen. Klar gibt es das ein oder andere Wort, insbesondere im Zusammenhang mit den Zootieren, welches ich nicht verstanden habe. Aber dieses war nie so wichtig für die Handlung, dass es meinen Lesefluss unterbrochen hätte.

Alles in allem hat mich das Buch wirklich überzeugt: es war absolut realistisch, spannend zu lesen und gut geschrieben. Wären diese verflixten ersten 100 Seiten nicht gewesen, hätte es die fünf goldenen Sterne von mir bekommen.

You must take life the way it comes at you and make the best of it.
– Pi

5Sterne

One Hundred Days of Happiness

One_Hundred_Days_of_HappinessOne Hundred Days of Happiness | Fausto Brizzi | Picador | erschienen 2015
ISBN 9781447269014 | 15.19€
Leseprobe (englisch)

Über Fausto Brizzi:
Brizzi wurde 1968 in Rom geboren. Er ist Drehbuchautor, Regisseur und Produzent zahlreicher Filme, für die er auch schon mehrfach ausgezeichnet wurde. Einer seiner erfolgreichsten Filme ist Notte prima degli esami (engl.: The Night Before The Exams), der über 15 Millionen Euro einspielte und mehrere italienische und europäische Preise erhielt. One Hundred Nichts of Happiness ist sein Debütroman, der in Italien zum Bestseller wurde und in über 20 Ländern verkauft wird.
In zweiter Ehe ist er seit 2014 mit der italienischen Schauspielerin Claudia Zanella verheiratet.
Quellen: Picador, Wikipedia

Als Lucio Battistini erfährt, dass er aufgrund von Krebs nur noch drei Monate, also rund hundert Tage, zu leben hat, beschließt er, diese zu glücklichen Tagen zu machen – und ein paar Dinge ins Reine zu Bringen. Seine Frau Paola hat ihn nämlich rausgeschmissen und er schläft im Hinterzimmer der Bäckerei seines Schwiegervaters. In dem Bemühen, seine Frau zurückzugewinnen, will er die ihm verbliebenen Tage so glücklich wie möglich gestalten. Dafür reist er mit Paola und den beiden gemeinsamen Kindern einmal quer durch Italien, schließt neue Freundschaften, lacht und gibt sich Mühe, der Mann zu sein, der er immer sein wollte.

Dieses Buch hat mich richtig begeistert und zählt jetzt schon zu meinen absoluten Highlights des Jahres!
Das ein Buch über Krebs begeistern kann, wissen wir spätestens seit Das Schicksal ist ein mieser Verräter alle. Obwohl One Hundred Days of Happiness ein ähnliches Thema behandelt, ist es doch ganz anders. Denn Lucio gehört zu jenen, bei denen eine Behandlung wenig Sinn macht und quasi keine Aussicht auf Besserung besteht – und er lebt nicht jahrelang mit seiner Krankheit, sondern eben nur hundert Tage lang.
Dieses Buch ist keine Liebesgeschichte, sondern berichtet davon, wie ein Mann versucht, mit sich und seinem Leben ins Reine zu kommen, wobei er die Menschen um sich (und den Leser) inspiriert, zum Nachdenken anregt, zum Lachen bringt und zu Tränen rührt.
Das Buch ist aus der Ich-Perspektive geschrieben. Dadurch kann man sich noch einfacher in Lucio einfühlen und er hat mich manchmal wirklich laut auflachen lassen und mich im nächsten Moment zum Heulen gebracht wie ein Baby. Ich hätte mich am liebsten in meinem Bett zusammengerollt und das Buch nie wieder hergegeben.
Der Autor hat nicht den Sinn für das Realistische verloren, sondern eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle geschrieben – wie man sie erwartet von jemandem, der erfährt, dass er nur noch hundert Tage zu leben hat.
Ich hatte während des ganzen Buches das Gefühl, dass wirklich Lucio Battistini zu mir spricht und er all das wirklich erlebt hat: Hoffnung, Rückschläge, Freundschaft, Depressionen, Liebe. Fausto Brizzi hat es zudem auch noch geschafft, eine unglaubliche Spannung aufzubauen. Ich habe mit Lucio mitgefiebert und mitgefühlt. Allerdings hätte ich ihm manchmal auch am liebsten eine verpasst – wenn er wieder einmal kostbare Tage „verschwendet“ oder ich Entscheidungen von ihm einfach nicht verstanden habe. Nichts war vorhersehbar. Allerdings hat das diesen Lucio in meinem Kopf noch wirklicher gemacht (denn wann ist das Leben schon vorhersehbar?!) und wann sind Menschen schon fehlerlos? Brizzi hat wunderbare, liebenswerte, fehlerbehaftete Charaktere geschaffen, die ich sofort ins Herz geschlossen habe.

Mich hat das Buch mit Gefühl zurückgelassen, dass ich inspiriert und zum Nachdenken angeregt wurde. Es hat mir in Erinnerung gerufen, dass die Menschheit viel erreicht hat, aber dass Mutter Natur uns in unsere Schranken weisen kann. Dass wir leben sollten, als wäre jeder Tag der letzte, aber auch immer an unsere Mitmenschen denken sollten. Wir sollten nicht zu Lange damit warten, unsere Träume zu erfüllen, zu leben, Fehler gerade zu biegen.

Always remember that the only riches we possess are the dreams we have as children. They are the fuel of our lives, the only force that pushes us to keep on going even when things have gone all wrong.
– Lucio Battistini

goldene_Sterne

The Red Notebook

The_Red_NotebookThe Red Notebook | Antoine Laurain | Gallic | erschienen 2015
ISBN 978-1-908313-86-7 | £8.99
Leseprobe (englisch)

Über Antoine Laurain:
Laurain wurde in Paris geboren. Er ist Autor, Journalist und Antiquitätensammler. Bisher hat er fünf Bücher geschrieben, zwei davon wurden ins Deutsche übersetzt (Der Hut der Präsidenten und Liebe mit zwei Unbekannten [engl.: The Red Notebook]). Für seine Bücher wurde er mehrfach ausgezeichnet und repräsentierte 2014 Frankreich bei der European Literature Night.
Quelle: Gallic Books

Der Buchhändler Lauent stolpert in Paris Straßen über eine Handtasche, die offenbar nach einem Raub dort abgelegt wurde. In dieser findet er, neben dem typischen Inhalt einer Frauen-Handtasche, auch ein kleines rotes Notizbuch, in dem die Besitzerin ihre Gedanken festgehalten hat. Laurent ist immer mehr fasziniert von der Unbekannten und macht sich schließlich auf die Suche nach ihr. Sein einziger Anhaltspunkt ist ihr Vorname; wie soll er sie also der Millionenstadt Paris aufspüren?

Kurz nachdem ich die Rezension zu Der Hut des Präsidenten bei Lisibooks gesehen habe, bin ich in der Buchhandlung über dieses kleine Büchlein gestolpert und musste es einfach haben. Mal davon abgesehen, dass ich die Story an sich toll fand, hat mir auch das Cover sehr gut gefallen (um einiges besser als dasjenige der deutschen Ausgabe).
Und nicht nur das Äußere, sondern auch der Inhalt konnten mich voll überzeugen. Die Geschichte um Laurent hat mich auf den knapp nur 160 Seiten immer mal wieder zu Tränen gerührt, aber auch zum Lachen gebracht. Es ist ein mitreißender Roman über die Liebe, aber vor allem darüber, wie das Leben spielt – manchmal auch mit uns. Eine locker leichte Lektüre, die aber dennoch zum Nachdenken anregt über allerlei Themen – und sei es nur darüber, ob man die Handtasche einer Frau durchwühlen darf oder nicht.
Die beiden Protagonisten sind keine Superhelden, sondern Menschen wir du und ich, die die gleichen Probleme plagen und ich fand es daher sehr einfach mich in sie hineinzufühlen. Dazu hat auch der angenehme Schreibstil des Autors beigetragen.
Außerdem fand ich es eine nette Abwechslung, dass wir Charaktere haben, die gelebt haben und Ecken und Kanten haben, aber nicht traumatisiert sind. Ich bekomme mittlerweile oft das Gefühl, dass in Liebesromanen mindestens eine Person traumatisiert sein MUSS, allerdings finde ich es einfacher, mich in jemanden hineinzufühlen, der eben nicht traumatisiert ist.
Und für den Büchermensch in mir war es toll, die häufigen Bezüge auf Autoren und Bücher zu lesen und diese Liebe zu Büchern zu erleben.
Ich will hier gar nicht mehr schreiben, denn sonst würde ich spoilern. Das Buch kann ich nur empfehlen, ich liebe, liebe, liebe es!

He  had opened a door into the soul of the woman with the mauve bag and even though he felt what he was doing was inappropriate, he couldn’t stop himself from reading on.
– Laurent Lettelier

goldene_Sterne

Als ich dich fand

Als_ich_dich_fandAls ich dich fand | Catherine Ryan Hyde | Amazon Crossing | erschienen 2015
ISBN 9781503999480 | 9.99€ (Taschenbuch)/4.99€ (Kindle-Edition)
Leseprobe

Über Catherine Ryan Hyde:
Hyde wurde 1955 geboren und wuchs im US-Bundesstaat New York auf. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin ist sie auch Referentin und stand bereits mehrmals mit Bill Clinton auf der Bühne. Sie erreichte bereits mehrere Erfolge mit ihren Kurzgeschichten, bevor ihr der Roman Pay it Forward (Das Wunder der Unschuld) 1999 zum Durchbruch verhalf; ein Jahr später wurde das Buch auch verfilmt. Seitdem hat sie mehr als 20 weitere Romane und zahlreiche Kurzgeschichten veröffentlicht.
Hyde ist außerdem eine begeisterte Hobbyfotografin und geht gerne auf Reisen und Wanderungen.
Quellen: Amazon, Wikipedia, Blog

An einem Oktobertag 1960 ändert sich das Leben von Nathan McCann für immer: im Wald findet er ein halbvergrabenes Baby, welches entgegen seiner Erwartungen noch lebt. Der Junge soll bei seiner Großmutter aufwachsen, obwohl Nathan ihn an Kindes statt aufnehmen will. Und Jahre später macht die alte Dame das Versprechen, dass sie ihm gegeben hat, wahr und setzt einen schwierigen, wütenden Teenager bei Nathan ab, der sich ihr gegenüber verschlossen hat, nachdem er die Wahrheit über seine Herkunft erfahren hat.

Dieses Buch hat wirklich gute Rezensionen auf Amazon erhalten und da mich der Klappentext sehr angesprochen hat, habe ich es mir ausgeliehen. Ich hatte vorher noch kein Buch von Catherine Ryan Hyde gelesen und war dementsprechend gespannt, was mich erwartet.
Dieses Buch hat mich wirklich vom Hocker gehauen! Ich hatte wirklich nicht damit gerechnet, von der Geschichte so mitgerissen zu werden – und danach so mitgenommen zu sein! Sie hat mir immer wieder Tränen in die Augen getrieben und mich unglaublich berührt.
Das fängt schon damit an, wie Nathan das Baby im Wald findet und sich im übertragenen Sinne auf den ersten Blick verliebt. Auch wie er sofort bereit ist, sein Leben für das Kind auf den Kopf zu stellen, erschien im Buch absolut logisch und nachvollziehbar.
Immer wieder wird aus der Sicht von Nat erzählt, der nach seinem Finder benannt wurde. Wie dieser langsam das Vertrauen in seine Großmutter verliert und sich zu einem Problemkind entwickelt, wurde auf sehr eindrückliche Weise beschrieben und hat Mitleid mit dem Kind und trotzdem Mitgefühl mit der Großmutter hervorgerufen. Eine Frage stand dabei immer im Raum: Wie hätte man sich selber an ihrer Stelle verhalten? Und so war auch ihr Verhalten absolut nachvollziehbar.
Der Einzige, dessen Verhalten immer ein bisschen kryptisch bleibt, ist Nathan – und Als ich dich fand ist das erste Buch, bei dem diese Aussage etwas positives hat 😉 Letztendlich ist nie ganz klar, was Nathan dazu bewogen hat, Nat aufzunehmen und wie sein eigenes Kind zu behandeln.

Mehr will ich an dieser Stelle gar nicht verraten, denn das wäre spoilern. Hyde hat auf jeden Fall wunderbare Charaktere geschaffen, die einen absolut überzeugen. Für dieses Buch also fünf goldene Sterne und für euch eine dicke Kaufempfehlung!

Er spürte, dass eine Geschichte Form annahm, deren Tragweite noch nicht voll erfasst werden konnte.
– Nathan McCann

goldene_Sterne

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

Die_unwahrscheinliche_Pilgerreise_des_Harold_FryDie unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry | Rachel Joyce | Krüger | erschienen 2012
ISBN 978-3-8105-1079-2 | 9.99€
Leseprobe

Über Rachel Joyce:
Joyce wurde 1962 in London geboren. Sie studierte Englisch und arbeitete danach als Schauspielerin. Schließlich begann sie, als Hörspielautorin für die BBC zu arbeiten; dafür wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Mit ihrem Debütroman Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry landete sie einen Welterfolg.
Joyce lebt mit ihrem Mann, dem Schauspieler Paul Venables, und ihren vier Kindern in Gloucestershire.

Harold Fry bekommt einen Brief von einer ehemaligen Arbeitskollegin, Queenie Hennessy. Darin teilt sie ihm mit, dass sie an Krebs erkrankt ist und bald sterben wird. Eigentlich will Harold nur die Antwort darauf in den Briefkasten schmeißen, doch dann läuft er am Briefkasten vorbei und immer weiter. So legt er in wenigen Monaten rund tausend Kilometer zurück. Auf seinem Weg trifft er einige Leute: Weggefährten auf Zeit, Helfer, Interessierte. Immer wieder zweifelt er an sich selbst und an seinem Vorhaben. Während seiner Pilgerreise arbeitet er nach und nach seine Vergangenheit auf; insbesondere die Beziehungen zu seiner Frau Maureen, seinem Sohn David und Queenie Hennessy.
Gleichzeitig wird die Geschichte aus der Sicht von Harolds Frau Maureen erzählt. Auch sie entwickelt sich während der Abwesenheit ihres Mannes, und obwohl er pilgert, beschäftigt sie sich mit den gleichen Ängsten und Sorgen in Bezug auf ihre Ehe und den gemeinsamen Sohn.

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry wurde nach seinem Erscheinen sehr gehypt. Ich wollte das Buch eigentlich schon immer mal lesen und versteh im Nachhinein nicht, warum es so lange auf meiner Wunschliste stand und ich nicht schon viel früher zugegriffen habe.
Es hat ein bisschen gedauert, bis ich mit Harold warm wurde und noch länger, bis ich mich mit Maureen angefreundet hatte. Umso einfacher ist es dagegen, in die Geschichte hineinzukommen. Joyce schreibt flüssig und nachvollziehbar. So wird selbst Harolds verrückte Idee plötzlich etwas absolut verständliches. Ich habe mit Harold und Maureen gelitten und war unglaublich berührt davon, wie die beiden ihre Gefühle füreinander wiederentdecken.
Sehr berührend sind auch die Begegnungen, die Harold auf seiner Reise hat. So führt er oft tiefschürfende Gespräche mit Wildfremden, vertraut ihnen Teile aus seinem Leben an und im Gegensatz tun diese das Selbe. So helfen sie sich gegenseitig. Insbesondere Harold entwickelt sich oft auch anhand solcher Gespräche weiter (ob der Gesprächspartner dies tut, kann man ja nicht wissen).

Insgesamt ist es in meinen Augen eine durchweg gelungene Geschichte, die mir immer mal wieder Tränen in die Augen getrieben hat, mich aber auch zum Lachen gebracht hat.

Er war nicht mehr jemand, der mal schnell zum Briefkasten wollte. Er war unterwegs zu Queenie Hennessy. Er fing noch einmal von vorne an.
– Harold Fry

5Sterne