Rezension – Madame Piaf und das Lied der Liebe

Nachdem die deutschen Besatzer aus Paris abgezogen sind, wird die Sängerin Édith Piaf der Kollaboration angeklagt. Während sie versucht, die Anschuldigungen zu entkräften, verliebt sie sich in den aufstrebenden Sänger Yves Montand. Um sich von einem drohenden Auftrittsverbot abzulenken, beginnt sie, mit ihm zu arbeiten und bald wird aus den beiden ein Liebespaar. Die Beziehung inspiriert Édith Piaf zu einem ihrer berühmtesten Lieder: La vie en rose.

Vielen Dank an Vorablesen.de und den Aufbau-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Meinung

Vor kurzem habe ich das Buch Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe von der Autorin gelesen. Auch wenn mich Coco Chanel selbst nicht so ganz überzeugen konnte, fand ich die Idee hinter dem Buch – nur einen kurzen Einblick in Cocos Leben verknüpft mit einem ihrer berühmtesten Produkte – total interessant. Nun war ich gespannt, ob mir das bei Madame Piaf und das Lied der Liebe besser gefällt.

Tatsächlich hat mir dieses Buch besser gefallen. Zum einen fand ich Édith Piaf um einiges sympathischer, wodurch ich mich besser auf ihre Geschichte einlassen konnte. So habe ich mich gefühlt, als würde ich tatsächlich einen Blick in ihre Gefühlswelt werfen und die Beziehung mit Yves miterleben.

Liebe ist der Schlüssel zu allem. Ohne sie ist man nichts.

Édith Piaf, S. 143

Auch der oben beschriebene Ansatz, nur eine relativ kurze Zeitspanne (hier 1944-1947) zu beleuchten und dies mit einem großen Erfolg zu verknüpfen, hat gut funktioniert. In das Leben von Édith Piaf wird man quasi hineingeworfen. Aber Michelle Marly schreibt so, dass man der Handlung problemlos folgen kann. Einen deutlichen Unterschied im Vergleich mit Mademoiselle Coco gibt es hier allerdings: Piafs Leben ist dem Buch nach deutlich weniger auf die Schaffung dieses einen Liedes ausgerichtet, als Cocos Leben auf die Schaffung des Chanel No. 5 ausgerichtet war. Dafür erhält man zahlreiche Einblicke in das Paris und Frankreich zum und nach Ende des Zweiten Weltkriegs.

Ich empfand Madame Piaf auch spannender geschrieben als das Buch über Coco Chanel. Ich konnte wirklich kaum die Finger davon lassen, auch wenn es noch andere Dinge zu tun gab. Und wenn ich es doch einmal – zwangsläufig – aus der Hand legen musste, konnte ich es kaum erwarten, weiterzulesen.

Fazit

Ein Buch, das mich überzeugen konnte und das ich nur empfehlen kann. Es bietet einen (aus deutscher Sicht) veränderten Blickwinkel auf die Nachkriegszeit und Einblicke in das spannenden, nervenaufreibende und manchmal wilde Leben der Édith Piaf.

Das Leben kann wie eine Rose sein. Dann leuchtet es in denselben Farben wie ein romantischer Sonnenuntergang.

Édith Piaf, S. 324

Weitere Meinung zum Buch:
bücher in meiner hand (5/5 Punkte; „[…] ich bedauere nichts, vor allem nicht das Lesen dieser aussagekräftigen Geschichte!“)

Schwarz-Weiß-Bild von Édith Piaf in einem Glitzerkleid

Édith Piaf

Édith Piaf, mit bürgerlichem Namen Édith Giovanna Gassion, wurde 1915 in Paris geboren. Sie wurde geprägt von einer gewaltvollen Kindheit und der Alkoholsucht ihres Vaters; später hatte auch sie Alkoholprobleme. Mit 15 Jahren ging sie als Straßensängerin nach Paris, wo sie von einem Kabarettbesitzerin als Chanteuse entdeckt wurde. Er gab ihr auch den Namen Piaf (dt.: Spatz), da sie nur 1,47 m groß war. Ein Jahr später wurde sie schwanger und brachte ihr einziges Kind, Marcelle, zur Welt, die jedoch im Ater von zwei Jahren verstarb.
1935 nahm sie ihre erste Platte auf, in den folgenden Jahren gelang ihr dann der Durchbruch. Es folgten mehrere Tourneen durch ganz Europa. Nach Ausbruch des Krieges sang sie auch für französische Kriegsgefangene in einem Lager in Berlin. Ihre Sekretärin Andrée Bigard, die im französischen Widerstand engagiert war, und Édith Piaf konnten sie einigen Gefangenen zur FLucht verhelfen. Dies schützte Piaf nach dem Krieg vor Anschuldigungen als Kollaborateurin und damit einhergehenden Repressalien.
Auch nach dem Krieg arbeitete sie als Sängerin. Nach einem Unfall 1959 hielt sich Piaf monatelang im Krankenhaus auf und wurde morphiumsüchtig. Sie war zudem trockene Alkoholikerin und litt an chronischer Arthritis. Gegen Ende der 50er-Jahre war zudem ein unheilbares Krebsleiden festgestellt worden. Diesem erlag sie am 10. Oktober 1963 im Alter von 47 Jahren.
Quelle: Wikipedia

Über Michelle Marly:
Michelle Marly ist das Pseudonym der Autorin Micaela Jary. Unter ihrem Pseudonym schrieb sie ein Buch über Coco Chanel und die Entstehung des Chanel No. 5 sowie über Édith Piaf und die Entstehung ihres Liedes La vie en rose. Sie lebte einige Zeit in Paris, bevor sie nach Deutschland zurückkehrte, wo sie ihre Zeit zwischen Berlin und München aufteilt. Sie arbeitete zunächst als Reporterin, widmet ihre Zeit aber mittlerweile ausschließlich dem Schreiben von Büchern.
Quelle: Website der Autorin

WERBUNG

Klappenbroschur: ISBN 978-3-7466-3481-4 | 12,99€
E-Book: ISBN 978-3-8412-1716-5 | 9,99€
Hörbuch: ISBN 978-3-9457-3347-9 | 11,45€ | 740 Minuten
448 Seiten | erschienen 2019

Verlagswebseite zum Buch

Bildquellen
Édith Piaf: Coucou
Autorin: Website der Autorin
Cover: Aufbau Verlag

Rezension – Die Schokoladenvilla

Stuttgart im Jahr 1903: Eigentlich hat Judith Rothmann ein sehr komfortables Leben. Sie ist die Tochter eines wohlhabenden Schokoladenfabrikanten und lebt im Nobelstadtteil Degerloch, wo sich Bedienstete um jeden ihrer Wünsche kümmern. Doch ihr Vater hat eine Ehe für sie eingefädelt, die sie niemals glücklich machen könnte. Zudem stößt auch ihr Wunsch, an der Kreation neuer Schokoköstlichkeiten beteiligt zu sein bei ihrem Vater auf Ablehnung. Doch da begegnet ihr Victor Rheinberger. Der will sich in Stuttgart eine neue Existenz aufbauen – und ist so gar nicht der Richtige für eine Frau wie Judith.

Auf dieses Buch hatte ich mich riesig gefreut. Ich komme aus Stuttgart, meine Großeltern wohnen in Degerloch und ich habe noch viel zu wenig historische Bücher gelesen, die dort spielen. Dass hier nun auch noch Schokolade hinzukommt. Jetzt weiß ich nicht so recht, wie ich das Buch eigentlich fand.

Einerseits fand ich es spannend, aus einer komplett neuen Perspektive über bekannte Orte zu lesen. Degerloch ist mittlerweile nicht mehr der entfernt vom Stadttrubel liegende Luftkurort, der er Anfang des 20. Jahrhunderts war. Aber noch heute flucht so mancher Fahranfänger über die Wiensteige, die aus Stuttgarts Stadtmitte nach Degerloch führt, und noch immer führt die Zacke vom Marienplatz nach oben.
Viele Dinge, die wir heute als selbstverständlich hinnehmen, waren zu der Zeit zumindest noch erwähnenswert, oft aber auch ehrfurchteinflößend.

Zudem war das Buch spannend geschrieben, sodass ich froh um den Flug war, da ich dort ohne Unterbrechungen lesen konnte. Toll fand ich auch die beiden schokoladenhaltigen Rezepte in den Umschlagklappen des Buchs.

Aber in der Handlung selber gab es ein, zwei Sachen, die mich störten, da ich sie als unwahrscheinlich empfand. Dabei ging es weniger darum, dass dies nicht so stattgefunden haben könnte. Es war eher so, dass ich die Reaktionen von Judiths Umfeld auf manche Entscheidungen bzw. Entwicklungen nicht nachempfinden konnte. Selbst Dinge, die in der damaligen Zeit einen Skandal darstellten, wurden ganz überwiegend positiv aufgenommen.

Auch fand ich die Personen im Buch oft zu einseitig dargestellt. Es gab kaum Personen, die schwarz und weiß waren. Die meisten waren entweder ausschließlich gut (wie zum Beispiel Judith) oder ausschließlich schlecht. Charaktere, die mal gute, mal schlechte Entscheidungen trafen, waren selten.

Die Schokoladenvilla ist ein Buch, das sich super lesen lässt und zudem einen Blick in Stuttgarts Vergangenheit bietet. Leider konnte mich die Handlung nicht immer überzeugen.

Bücher der Reihe:
1. Die Schokoladenvilla
2. Die Schokoladenvilla – Goldene Jahre
3. [Name noch nicht bekannt]

Über Maria Nikolai:
Nikolai hat schon mehrere Sachbücher und einen historischen Roman geschrieben. Die Schokoladenvilla ist der Auftakt zu einer Trilogie rund um die Familie Rothmann und die Erfüllung eines Traums für Maria Nikolai.
Quelle: Autorinneninfo im Buch

WERBUNG

Taschenbuch: ISBN 978-3-328-10322-6 | 10,00€
E-Book: ISBN 978-3-641-23541-3 | 9,99€
Hörbuch: ISBN 978-3-8445-3055-1 | 25,95€
656 Seiten | erschienen 2018

Verlagswebseite zum Buch

Bildquellen
Autorin: Website der Autorin
Cover: Randomhouse

Rezension – Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe

An Weihnachten 1919 erhält Coco Chanel die furchtbare Nachricht, dass ihr langjähriger Geliebter Arthur Capel, genannt Boy, bei einem Unfall ums Leben kam. Von Trauer wie gelähmt, kann sie sich kaum aufraffen, den Erfolg ihres Modeunternehmens voranzutreiben. Doch dann erinnert sie sich an Boys und ihren gemeinsamen Plan, ein besonderes Parfum zu entwerfen. Auf der Suche nach dem perfekten Duft trifft sie den russischen Prinzen Dimitri Romanow. Gibt es vielleicht doch ein erfülltes Leben für sie nach Boys Tod?

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Rezension – Das Flüstern des Mondfalters

Estelle Thompson lebt Anfang der 30er-Jahre in Kalkutta und leidet unter der Tatsache, dass sie als „Mischling“ weder in der britischen, noch in der indischen Gesellschaft richtig zuhause ist. Daher liebt sie das Kino; dort ist egal, wer sie ist oder wie sie aussieht. Als sich ihr, dank eines Amerikaners mit Verbindungen nach Hollywood, die Chance bietet, selbst zum Filmstar zu werden, ergreift sie die Chance mit beiden Händen. Doch in London und Hollywood wird es umso wichtiger, dass niemand erfährt, woher die gefeierte Merle Oberon, wie sich Estelle fortan nennt, wirklich kommt. „Rezension – Das Flüstern des Mondfalters“ weiterlesen

Rezension – Der König der purpurnen Stadt

London 1330: Im Haushalt seines Cousins soll Jonah alles über den Tuchhandel erlernen. Es ist ein hartes Leben und Zuneigung erfährt der verwaiste 18-jährige nur durch seine Großmutter. Doch als er König Edward und Königin Philippa begegnet, wandelt sich sein Leben auf einen Schlag. Er findet Aufnahme in die Londoner Tuchhändlergilde – als jüngstes Mitglied. Und sein Aufstieg ist kometenhaft – bis hin zur Revolutionierung des Tuchhandels mithilfe der Königin. Doch mit seinem Erfolg kommen auch die Neider und Feinde. Und deren Intrigen werden zunehmend perfide. „Rezension – Der König der purpurnen Stadt“ weiterlesen

Rezension – Morgen gehört den Mutigen

Frankreich 1947: Die 19-jährige Charlie St. Clair bittet Eve Gardiner um Hilfe bei der Suche nach ihrer verschollenen Cousine. Eve entspricht gar nicht dem Bild einer freundlichen Hilfe: sie raucht Kette, flucht und ist entschieden abgeneigt, Charlie zu helfen. Doch dann erwähnt diese einen Mann, den Eve verdächtigt, sie im Ersten Weltkrieg als Spionin an die Deutschen verraten zu haben. Um ihre Rache zu bekommen, macht sie sich schließlich doch zusammen mit Charlie auf die Suche nach deren Cousine. „Rezension – Morgen gehört den Mutigen“ weiterlesen

Rezension – Die Gentlemen vom Sebastian Club

Im London von 1895 werden bei einer Mordserie Männer aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten gefoltert und ermordet. Die scheinbar zufällige Auswahl der Opfer verleitet die Polizei zu der Annahme, dass es sich um voneinander unabhängige Taten handelt. Diese Ansicht teilen die Ermittler vom Sebastian Club nicht. Dabei handelt es sich um einen Herrenclub, der sich Fällen annimmt, an denen die Polizei scheitert. Und sie finden auch schnell eine Verbindung zwischen den Morden. „Rezension – Die Gentlemen vom Sebastian Club“ weiterlesen

Rezension – The Chilbury Ladies‘ Choir

It’s 1940 and the vicar of Chilbury closes the choir due to a lack of male singers. But then Primrose Trent, music professor from London, steps up and puts a women-only choir into being: The Chilbury Ladies‘ Choir. At a time of turmoil, heart-break and death, the women support each other and find strength in the music. But then some villagers set a series of sinister acts into motion, that threaten to not only rip apart the choir but the whole village. „Rezension – The Chilbury Ladies‘ Choir“ weiterlesen

Cover des Buches und grundsätzliche Informationen

Rezension – Der englische Botaniker

Kurz nach dem Ersten Opiumkrieg wird der Botaniker Robert Fortune von der britischen Horticultural Society nach China entsendet, um dort mehr über die chinesische Pflanzenwelt und insbesondere Tee herauszufinden.
Während er Ehefrau und zwei kleine Kinder in Großbritannien zurücklässt, lernt er in China die kampferprobte Rebellin Lian kennen. Plötzlich ist die ohnehin gefährliche China-Expedition um einiges komplizierter, als sie zunächst schien. Und er steht, in botanischer und persönlicher Sicht, vor den schwierigsten Entscheidungen seines Lebens. „Rezension – Der englische Botaniker“ weiterlesen

Rezension – Berlin Beirut

Mahmoud kommt aus Beirut. Vor dem Bürgerkrieg in seinem Heimatland ist er 1977 in die DDR geflohen und wird von dort in den Westen geschleust.
Am Bahnhof Friedrichstraße wartet die 20jährige Maria auf ihn, um eben dies zu veranlassen. Ihr Onkel Albert, von den libanesischen Flüchtlingen Ali genannt, organisiert das Einschleusen. Wer seine Schulden nicht bezahlen kann, muss diese in seiner Diskothek abarbeiten – oder Autos in den Nahen Osten überführen.
Als Maria Mahmoud auf einem dieser Autokonvois begleitet, lernt sie seine Familie und den Bürgerkrieg kennen – und verliebt sich in ihn. Als sie schwanger wird, heiraten die beiden. Doch dann verstrickt sich Mahmoud in Deals, aus denen es keinen Ausweg zu geben scheint … „Rezension – Berlin Beirut“ weiterlesen