Rock Kiss #2

U_9927_1A_LYX_ROCK_KISS_ICH_BERAUSCHE_MICH_AN_DIR_02.inddRock Kiss – Ich berausche mich an dir | Nalini Singh | Egmont LYX | erschienen 2016
ISBN 978-3-8025-9927-9 | 9.99€
Leseprobe

Über Nalini Singh:
Nalini Singh, geboren 1977 auf den Fidschi-Inseln, wuchs in Neuseeland auf und lebt dort. Sie schreibt Romantic-Fantasy und ist New York Times Bestseller-Autorin.
Quelle: Wikipedia, Rock Kiss

Charlotte Baird bekommt einen neuen Boss – Gabriel Bishop, einen ehemaligen Rugby-Spieler. Dieser soll dem schwächelnden Unternehmen wieder auf die Beine helfen. Bei ihrer ersten Begegnung wirft sie ihm einen Tacker an den Kopf und als er sie am nächsten Tag in sein Büro ruft, macht sie sich auf das Schlimmste gefasst. Schließlich hat T-Rex, wie sie ihn heimlich nennt, einen guten Teil der Führungsriege gefeuert. Überraschenderweise macht dieser sie jedoch zu seiner persönlichen Assistentin. Das ist ein Schock für Charlotte, da sie sich lieber Hintergrund halten würde. Zudem hat sie eine traumatische Erfahrung in ihrer ersten Beziehung gemacht und fragt sich, ob sie dem T-Rex gewachsen ist, als dieser auch privat Interesse an ihr zeigt.

Dieses Buch ist der zweite Teil der Rock Kiss-Reihe von Nalini Singh und gefällt mir besser als Teil 1. Ganz großer Pluspunkt im Vergleich zum Vorgänger: Hier entwickeln sich die Gefühle zwischen den beiden wirklich. Gabriel kann seiner Assistentin zunächst einmal, von der beruflichen Effizienz abgesehen, wenig abgewinnen und Charlotte erzittert jedesmal vor seiner grimmigen Präsenz. Dies wandelt sich jedoch mit der Zeit: Charlotte beginnt, ihm zu vertrauen und öffnet sich immer mehr, während Gabriel langsam die kämpferische Persönlichkeit in der grauen Maus kennen, schätzen und lieben lernt.
Beide verhalten sich sehr ihrer Vergangenheit entsprechend. Charlotte schleppt eine furchtbare Erfahrung mit sich herum, welche die Geschichte sehr dominiert und sie verhält sich auch wie man das von einem traumatisierten Menschen erwartet. Daher fand ich es passend, dass sie ihr Trauma nicht von einem Tag auf den anderen überwindet, sondern dass sie daran arbeitet, Gabriel zu vertrauen.
Man muss sowieso sagen, dass es Nalini Singh wieder einmal gelungen ist, wunderbare und realistische Charaktere zu erschaffen: der sehr selbstbewusste Gabriel, der alles daransetzt, Charlotte zu helfen und sich eine Beziehung und ein Leben mit ihr aufzubauen, sowie die schüchterne Charlotte, die langsam merkt, dass sie doch stark genug ist, um Gabriel die Stirn zu bieten und eine glückliche Beziehung mit ihm zu führen. Singh hat es auch geschafft, Charlotte zwar mit all ihren Macken zu beschreiben und auch genauer auf diese traumatische Erfahrung einzugehen, ohne komplett in die Mitleidsschiene zu verfallen. So erlebt man Charlotte nicht als mitleiderregende Einsiedler-Maus, sondern als eine starke Frau, die eine furchtbare Vergangenheit hat und sich Mühe gibt, diese zu verarbeiten. Mir war Charlotte von Anfang an sympathisch und dass Gabriel absolut zum verlieben ist sollte ja wohl klar sein 😉 Ein intelligenter Mann, der die Frauen reihenweise mit seinem Traumkörper in den Bann zieht und sich dann ausgerechnet das Aschenputtel aussucht. Ein bisschen hat die Autorin sich hier schon an den Klischees bedient, aber es rutscht in meinen Augen nicht ins Kitschige ab.
Irritierend und unpassend finde ich nur das Cover, da Gabriel kein Rockstar ist und ich es daher ein wenig unpassend finde, die Geschichte unter dieses Motto zu stellen,

Insgesamt muss ich sagen, dass es Singh wieder gelungen ist, eine nette Lektüre für zwischendurch zu schreiben. Es mag keine qualitativ hoch anspruchsvolle Literatur sein, aber es macht Spaß zu lesen und ich freue mich auf Teil drei der Rock Kiss-Reihe, der im Juli erscheint.

Niemand konnte einen steinigen Weg ganz allein gehen.
– Charlotte Baird

4Sterne

28 Tage lang

28_Tage_lang28 Tage lang | David Safier | Rowohlt | erschienen 2014
ISBN 978-3-499-266638 | 9.99€
Leseprobe

Über David Safier:
1966 in Bremen als Sohn österreichischer Juden geboren machte David Safier nach dem Abitur eine Ausbildung zum Journalisten. Seit 1996 schrieb er überwiegend Drehbücher und war beispielsweise Hauptautor für die erfolgreiche Fernsehserie Berlin, Berlin. 2007 erschien sein Debütroman Mieses Karma, in den folgenden Jahren noch fünf weitere Romane. 28 Tage lang ist sein neuestes Buch und ist seinen Großeltern gewidmet, die im Ghetto von Lodz getötet wurden.
Safier lebt zusammen mit seiner Frau und den zwei Kindern in Bremen.

Mira ist sechzehn und lebt im Jahr 1943 im Warschauer Ghetto. Um sich und ihrer Familie das Überleben zu sichern, schmuggelt sie Lebensmittel ins Ghetto. Auf einer dieser Touren lernt sie Amos kennen. Er ist im Widerstand tätig, der den Aufstand gegen die Nazis plant. Als Mira klar wird, dass die Nazis sie alle vernichten wollen, geht auch sie in den Untergrund.
Tatsächlich können die verzweifelten jüdischen Kämpfer den Deutschen länger Widerstand leisten, als irgendjemand erwartet hat: 28 Tage lang.

Was für ein Mensch willst du sein?

Mich hat vermutlich noch nie ein offenes Ende so sehr mitgenommen, wie in 28 Tage lang. Ich hab mir unglaublich gewünscht zu wissen, wie es mit der Heldin des Romans, Mira, weiter geht.
Wenn wir aber mal vorne anfangen: Mira ist eine der Charaktere, die einem ans Herzen wachsen, die man aber oft sehr gerne auf den Mond schießen würde und die es einem manchmal wirklich schwer machen, sie zu mögen.
Ich hätte niemals erwartet, dass mir so oft die Tränen in den Augen stehen während dem Lesen. Ich bin ein kleiner Geschichtsfreak und habe schon einige Bücher über den Holocaust gelesen, aber Mira und ihr Überlebenskampf haben mich sehr berührt. Miras Geschichte ist nicht wie die von KZ-Überlebenden, die wirklich nur ums Überleben kämpften und bei denen es nie einen Zweifel gibt, dass die Menschen leben wollen. Mira kämpft auch ums Überleben, aber anders als im KZ zweifelt sie immer daran, ob es richtig ist, was sie tut: das Schmuggeln, der Widerstand gegen die Nazis. Mich hat es sehr berührt, wie sehr sie mit ihrem Schicksal gehadert hat, auch noch, als sie sich für den Widerstand entschieden hatte.
Andererseits liefert sie manchmal Vorstellungen ab, dass man sich wirklich an die Stirn greift. Teilweise ist sie einfach nur ein unglaublich egoistischer Teenager. Nur muss dieser Teenager unter extrem schwierigen Umständen leben. Und so wenig man Mira in solchen Situationen versteht, zeigen sie doch auch, dass diese Menschen eben nicht ihre Persönlichkeiten aufgegeben haben und sosehr das Ghetto sie verändert hat, bleiben sie doch sie selbst. In meinen Augen haben diese Situationen Mira authentischer gemacht, denn letzten Endes ist sie eine 16jährige, die eine unglaubliche Verantwortung übernehmen muss. Auch die Menschen des Widerstands, egal in welcher Form und in welchem Land, waren keine unfehlbaren Helden, sondern hatten eigene, manchmal nicht ganz einfache, Persönlichkeiten, die sie auch in dieser Extremsituation nicht aufgaben.
Auch die anderen Charaktere sind toll und glaubwürdig dargestellt. Besonders gefallen hat mir auch, dass Janusz Korczak in dem Buch auftaucht. Die Deportation „seiner“ Kinder hat mir während des Lesens die Tränen in die Augen getrieben.
Ich fand es erstaunlich, wie unterschiedlich die Menschen im Ghetto waren. In meiner Vorstellung waren alle diese armen Teufel Juden, die quasi nichts hatten und jeden Tag ums Überleben kämpften. Im Buch wird aber gezeigt, dass manche dieser Juden sich gar nicht als solche sahen und es wie auch außerhalb des Ghettos quasi verschiedene Schichten gab, die es unterschiedlich schwer hatten.
Zudem hat es mir gut gefallen, ein Buch über den Aufstand im Warschauer Ghetto zu lesen und so wieder in Erinnerung gerufen zu bekommen, dass eben nicht alle Juden sich komplett passiv und widerstandslos in die KZs haben führen lassen.

Insgesamt ein sehr gelungenes Buch, dass nicht nur Jugendlichen, sondern auch Erwachsenen zu empfehlen ist. In meinen Augen ein Buch, das man mal gelesen haben sollte, absolut Spaß macht zu lesen und es trotzdem schafft, dieses traurige Kapitel deutscher Geschichte anschaulich und glaubwürdig darzustellen.

„Die Frage ist […], wie willst du sterben? Willst du ein Mensch sein, der sich wehrlos abschlachten lassen will? Oder einer, der sich wehrt?“
– Amos

goldene_Sterne

Der Jahrhundertsturm

Der_JahrhundertsturmDer Jahrhundertsturm | Richard Dübell | Ullstein | erschienen 2015
ISBN 978-3-548-28664-8 | 9.99€
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Über Richard Dübell:
Dübell wurde 1962 in Landshut geboren, wo er mit seiner Frau und den zwei Söhnen auch heute lebt. 1997 erschien sein erstes Buch, Der Tuchhändler, eine historische Detektivgeschichte. Nach dem Erfolg des Romans schrieb Dübell vier weitere Geschichten mit dem Helden Peter Bernwald. Neben historischen Romanen schreibt er auch Krimis, Jugend- und Kinderbücher. Zudem sind auch schon Artikel von ihm in P.M. History erschienen.
Quelle: Autorenwebsite

Deutschland ist im Jahr 1840 ein Land im Umbruch: neue Techniken werden erfunden, neue Probleme tun sich auf und gleichzeitig versucht besonders der Adel Traditionen zu bewahren. In dieser Zeit verbindet eine Freundschaft die Männer Alvin von Briest und Paul Baermann, die in Teilen für eben diese unterschiedlichen Tendenzen stehen. Denn Alvin gehört dem alten Adelsgeschlecht der von Briest an und will seiner Rolle als preußischer Junker gerecht werden, während der Bayer Paul davon träumt Eisenbahningenieur zu werden. Beide sind sie verliebt in die gleiche Frau: die Französin Louise. Sie willigt ein Alvin zu heiraten, obwohl ihr Herz Paul gehört – denn Alvin hat sie aus der Pariser Gosse gerettet. Doch dann bauen sich die Spannungen zwischen Frankreich und Deutschland auf – und mittendrin ist ein Junkersfreund von Alvin: Otto von Bismarck.

Der Jahrhundersturm hat mich von der ersten Seite an gefesselt! Zunächst wird jeweils die Geschichte von Alvin, Paul und Louise erzählt, bevor die Stränge zusammengeführt werden: wie Alvin und Paul sich kennen lernen, spannend auch, wie sie Fuß im Berufsleben fassen und schlussendlich die Rettung Louises und ihrer Mutter.
Alle drei Hauptpersonen sind gut und glaubwürdig dargestellt, auch wenn mir Louise mit ihrer Liebe zu BEIDEN Männern, die sie manchmal nicht so recht zu handhaben weiß, oft sehr merkwürdig vorkam. Gut gefallen hat mir auch, dass alle drei sehr offen gegenüber Neuem und allgemein modern eingestellt sind. Das mag damit zusammenhängen, dass besonders Paul als Eisenbahnenthusiast regen Anteil an den neuen Entwicklungen nimmt. Da auch Alvin einige Zeit für ein Eisenbahn-Unternehmen arbeitet (diese werden alle in ihren Ansichten recht liberal dargestellt) und sich beide zudem oft in Frankreich aufhalten, eine Französin lieben, ist es wohl kein Wunder, dass sie beide sich offen gegenüber neuen Techniken und Entwicklungen zeigen.
Auch mein Bild über Otto von Bismarck wurde ein wenig verändert. War er mir aus dem Geschichtsunterricht doch eher unsympathisch, hat seine Darstellung in Der Jahrhundersturm daran etwas geändert. Zwar ist er wie im echten Leben sehr berechnend (ich sag da mal nur „Emser Depesche“), aber er hilft doch auch immer seinen Freunden (aka Alvin von Briest) und zeigt sich besonders ihnen gegenüber doch auch mal sehr uneigennützig. Wenn ich ehrlich bin, hat zu diesem „weicheren“ Bild von ihm auch seine hoffnungslose Liebe zu Marie von Thadden-Trieglaff beigetragen.
Mir persönlich hat auch gut gefallen, dass aus meiner Sicht alle Sparten des 19. Jahrhunderts abgedeckt wurden: die technische Entwicklung mit Eisenbahn und Telegraphie, die politische Entwicklung mit der 48er-Bewegung, Revolutionen und Kriegen, sowie das alltägliche Leben der Ober-, Mittel- und Unterschicht. In meinen Augen hat Dübell es geschafft, eine Mischung aus diesen drei Elementen zu finden, die das Lesen nie langweilig macht.
Oft musste ich auch ein wenig über unsere heutige Gesellschaft und ihre Luxusprobleme schmunzeln: Regen wir uns doch manchmal schon darüber auf, dass eine Website nicht in 0.01 Sekunden lädt, war es damals eine echte Neuerung, innerhalb von ein, zwei Stunden (!) eine Nachricht zu verschicken. Das ist eine Sache, die mir an historischen Romanen allgemein so gut gefällt: sie führen uns immer wieder vor Augen, wie froh wir (besonders Frauen!) sein können, dass wir in der heutigen Zeit in einem Land wie Deutschland leben dürfen! Allein wenn ich mir angucke, wie viel gefährlicher eine Fahrt mit der Eisenbahn zu dieser Zeit war, mache ich schon drei Kreuze 😉
Gut, dies soll ja keine Lobrede auf das 21. Jahrhundert sein, also weiter im Text 😀
Richard Dübells Schreibstil hat mir gut gefallen. Obwohl das Buch aus 1032 Seiten besteht, ist es gut zu lesen, wird nicht langweilig und wartet mit gut ausgearbeiteten Charakteren auf. Es hat also alle Zutaten, die ein Buch lesenswert machen – das interessante Thema darf man natürlich nicht vergessen. Dem Autor ist es gelungen, ein realistisches Bild der damaligen Zeit auf spannende Weise zu schreiben.

„Diese grenzenüberschreitenden Bekanntschaften und Freundschaften werden Kriege verhindern, weil man nicht auf seine Bekannten und Freunde schießen möchte.
– August Borsig

5Sterne

Im Tal der Zitronenbäume

Im_Tal_der_ZitronenbäumeIm Tal der Zitronenbäume | Sofia Caspari | Bastei Lübbe | erschienen 2015
ISBN 978-3-404-17212-2 | 9.99€
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Über Sofia Caspari:
Caspari wurde 1972 geboren. Mehrmals ist sie bereits nach Mittel- und Südamerika gereist, wo auch ein Teil ihrer Verwandtschaft lebt. Argentinien hat sie tief beeindruckt, dort hat sie auch längere Zeit gelebt; Grund für ihre dreiteilige Argentinien-Saga. Nach Stationen in Frankreich und Irland lebt sie mittlerweile mit Mann und Sohn im Nahetal.

1859: Pauline muss mit ihrem Vater Valentin aus Sizilien fliehen, weil dieser den örtlichen Patron betrogen hat. Auf der Überfahrt in die neue Welt lernen sie die Familie Hartung kennen, die ihr ärmliches Leben in Deutschland zurückgelassen haben, um ihr Glück in Brasilien zu suchen. Jonas Hartung und Pauline fühlen sich sofort zueinander hingezogen, doch Paulines Vater hat andere Pläne für seine Tochter. Und auch Jonas‘ Ziehschwester steht der Beziehung misstrauisch gegenüber.

Ein Grund für mich, dieses Buch zu kaufen, war die Tatsache, dass ich noch nie ein Buch über die Auswanderung nach Brasilien gelesen habe. Es gibt eine ganze Reihe von Büchern über die Auswanderung in die USA, aber Brasilien?! Daher war ich gespannt, inwiefern sich dieses Thema von der, salopp gesagt, ganzen USA-Auswanderung unterscheidet.
Um ehrlich zu sein hatte ich das ein wenig mehr erwartet. Alles in allem war mir das Buch ein zu wenig historisch und viel zu viel Liebesgeschichte. Klar steht vorne nicht „Historischer Roman“ drauf, aber es spielt immerhin Mitte des 19. Jahrhunderts. Wären nicht hin und wieder mal Sklaven erwähnt worden, hätte man fast meinen können, das Ganze spielt sich in heutiger Zeit ab.
Auch der Ausflug in die Welt der armen Auswanderer war mir zu kurz. Das Thema wird ganz kurz angeschnitten, aber wie es den Menschen, die ihre Heimat verlassen und in der Neuen Welt doch kein Glück haben, geht, wird eher wenig behandelt.
Von diesen etwas negativen Punkten abgesehen, hat mir das Buch sehr gut gefallen. Besonders Pauline war mir von Anfang an sympathisch, auch im Umgang mit ihren Bediensteten und ihren Gedanken über die Stellung der Frau. Gut fand ich, dass die Gründe für das Handeln aller Personen immer nachvollziehbar waren; teilweise mit einer aus heutiger Sicht verdrehten Logik, aber Logik war auf jeden Fall da.
Auch die „Bösewichte“ der Geschichte wurden gut dargestellt, sodass man als Leser ihre Handlungen nachempfinden konnte und teilweise wirklich Mitleid mit ihnen hatte.
Im Plot gingen mir zwei Dinge aber eindeutig zu schnell: die Entwicklung der Gefühle zwischen Jonas und Pauline und der Schluss. Zum Schluss hin hat sich wirklich in einigen wenigen Seiten komplett alles geändert und ich habe mich an einer Stelle auf Fragen müssen, ob das wirklich so möglich gewesen wäre.

Insgesamt sollte man also nicht zu hohe Erwartungen an das Buch stellen, was den historischen Hintergrund angeht; es hat schon seinen Grund, warum das „Roman“ unter dem Titel steht. Allerdings wartet das Buch mit guten Charakteren auf und ist schön zu lesen.

„Nicht immer bekommt man in der Neuen Welt das, was man sich wünscht.“
– Alter Fischer

3Sterne

Der Engelsbaum

Der Engelsbaum | Lucinda Riley | Goldmann | erschienen 2014
ISBN 978-3-442-48135-4 | 9.99€
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Über Lucinda Riley:
Riley wurde in Irland geboren, verbrachte aber während ihrer Kindheit einige Jahre in Bangkok. Zunächst arbeitete sie als Theater- und Fernsehschauspielerin. Ihr erster Roman, Lovers und Players, wurde 1992 veröffentlicht. Mittlerweile widmet sie sich ausschließlich dem Schreiben. Seit der Veröffentlichung von Das Orchideenhaus 2010 stürmte jedes ihrer Bücher die internationalen Bestsellerlisten.
Sie lebt mit Mann und Kindern in Norfolk, England, und in ihrem Haus in der Provence.

Greta hat nach einem Unfall ihr Gedächtnis verloren. Nun kehrt sie in das Herrenhaus Marchmont Hall in Wales zurück, welches Jahre lang ihre Heimat war. Doch dort kehren nach und nach ihre Erinnerungen zurück – an ihre Tochter, ihr einziges Enkelkind und ihre große Liebe. Aber sie macht auf einem Grabstein im Wald auch eine verstörende Entdeckung. Und die Geschichte ihres Lebens erfordert allen Mut, den sie hat.

Dieses Buch ist bei mir eingezogen, weil mir Der Palazzo am See von Sophia Cronberg so gut gefallen hat und es hieß, dass es ein Buch für Lucinda Riley-Fans wäre. Als ich jetzt also Der Engelsbaum für wenig Geld auf reBuy gesehen habe, dachte ich: das probier ich doch mal aus! Aber ich muss ehrlich sagen, das Sophia Cronbergs Buch mir doch besser gefallen hat.
Eher ungünstig war schon mal, dass mir die Hauptperson Greta von Anfang an recht unsympathisch war. Ich habe sie als unglaublich egozentrisch empfunden, die unbedingt ihren Traum von einem Leben ohne Sorgen erfüllen will. Dafür geht sie zwar nicht über Leichen, aber wie sie dieses Ziel über alles stellt hat mir nicht gefallen. Im Verlauf des Buches ist dieses Problem noch ein wenig größer geworden, da erst Gretas Enkelin Ava mir wirklich gefällt. Aber bevor sie auftritt, muss man sich quasi durch Gretas Geschichte und die ihrer Tochter Cheska arbeiten.
Irritierend fand ich auch, dass die Geschichte erzählt wird, weil Greta ihr Gedächtnis wieder erlangt. Aber plötzlich werden auch Erinnerungen erzählt, die sie miterlebt hat – nach dem Unfall. Das hat mich ein wenig gestört. Das hätte man meiner Meinung nach vielleicht ein wenig anders gestalten können.
Auch die Sprache ist mir stellenweise ein wenig auf die Nerven gegangen. Oft waren die Sätze sehr einfach. Mehrfach kam auch vor, dass ganze Seiten ohne wörtliche Rede auftauchen. Diese waren manchmal so langweilig, dass ich weitergeblättert habe. Vielleicht hat sich dies im Laufe der Zeit ja geändert (Erstveröffentlichung war Mitte der 90er) und ich gebe irgendwann einem neueren Buch von Riley noch eine Chance. Im Augenblick denke ich aber, dass ich in Zukunft lieber wieder auf Sophia Cronbergs Bücher zurückgreife.

„Die Liebe ist ein seltsames Ding […]. Sie kann das ganze Leben verändern und einen dazu bringen, Dinge zu tun, die man bei klarem Verstand eindeutig als falsch erkennen würde.“
– Greta Marchmont

2Sterne

The Monogram Murders

The_Monogram_MurdersThe Monogram Murders | Sophie Hannah | HarperCollins | erschienen 2014
ISBN 978-0-00-810238-8 | £6.99
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Über Sophie Hannah:
Hannah wurde 1971 im englischen Manchester geboren. 1995 veröffentlichte sie einen ersten Band mit Gedichten. Seitdem wurden zahlreiche Gedichte veröffentlicht, die an einigen höheren Schulen im gesamten Königreich zum Lehrstoff gehören. Außerdem ist sie New York Times Bestseller-Autorin und hat neben ihren Gedichten auch Krimis, Psychothriller, Kinderbücher und Romane geschrieben. Sie lebt mit ihrem Mann und den zwei gemeinsamen Kindern in Cambridge.
The Monogram Murders ist das erste Buch mit Hercule Poirot nach dem Tod seiner Erfinderin, Agatha Christie, das von den Besitzern der Copyright-Rechte autorisiert wurde.

Im angesehenen Bloxham Hotel in London werden drei Leichen gefunden: jede einzeln in einem Hotelzimmer aufgebahrt, jede mit einem Manschettenknopf im Mund und alle drei wurden vergiftet. Obwohl man zunächst keine Verbindung zwischen den Opfern herstellen kann, wird schnell klar, dass alle drei vor fast zwei Jahrzehnten im gleichen Dorf gelebt haben. Als der Erzähler und Scotland Yard-Beamte dort hin fährt, um ein mögliches Mordmotiv zu entdecken, stößt er auf eine Mauer des Schweigens – und auf eine Tragödie, die sechzehn Jahre zurückliegt.

Dieses Buch ist eines der wenigen Bücher, die ich in hohem Maße wegen des Covers gekauft habe. Mir gefällt es richtig gut! Dann war ich natürlich neugierig, wie Poirot in diesem Krimi umgesetzt wird. Und auch der Klappentext hat mir sehr zugesagt. Also war der Kauf quasi beschlossene Sache 😉
Zunächst einmal muss gesagt sein, dass Englisch nicht meine Muttersprache ist. Und obwohl ich sehr viel Zeit in England verbringe, gibt es nun mal das ein oder andere Wort, das ich nicht kenne und mir auch nicht herleiten kann. Dementsprechend finde ich es ein wenig schwer zu beurteilen, inwiefern Hannahs Sprache mit der Agatha Christie übereinstimmt. Denn nur weil ich ein Wort nicht kenne, heißt das ja nicht zwangsläufig, dass es im englischen nicht mehr regelmäßig genutzt wird.
Wenn man mir davon also absieht, ist es der Autorin in meinen Augen wunderbar gelungen, die Atmosphäre der Christie-Krimis wiederzugeben. Besonders in der Person des Poirot sah ich keine Unterschiede. Er hat immer noch seinen enormen Schnurrbart, ein Gefühl für den großen Auftritt und lässt den Leser bis ganz zum Schluss im Unklaren.
Das einzige, was sich in meinen Augen geändert hat, ist, dass es während der Auflösung dann doch noch ein bisschen Action gibt. Zwar nur minimal wenig, aber bei einem der Original-Bücher ist mir das noch nicht aufgefallen.
Daneben macht der Fall und dessen Auflösung Agatha Christie alle Ehre: er hat mir wirklich das Gefühl gegeben, ein weiteres Buch von Christie in der Hand zu halten. Ich hoffe, dass es nicht bei diesem einen Poirot-Buch von ihr bleibt!

I wondered, out of all the people that ever ran away, how many did so for that very reason: because they would rather not be asked, whatever the question might be.
– Edward Catchpool

goldene_Sterne

Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet

Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet | Alan Bradley | blanvalet | erschienen 2010
ISBN 978-3-442-37624-7 | 8.99€
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Über Alan Bradley:
Bradley wurde 1938 in der kanadischen Provinz Ontario geboren. Zunächst machte er eine Ausbildung zum Elektrotechniker und arbeitete für verschiedene Radio- und Fernsehstationen, bevor er Direktor für Fernsehtechnik an einer kanadischen Universität wurde. Seit 1994 hat er sich aus dem Berufsleben zurückgezogen und widmet sich ausschließlich dem Schreiben. Zusammen mit seiner Frau Shirley lebt er auf Malta.

Flavia de Luce ist die jüngste von drei Töchtern, die zusammen mit ihrem Vater auf dem Anwesen Buckshaw leben. 1950 ist sie elf Jahre alt und findet im Hauseigenen Gurkenbeet eine Leiche. Schnell steht fest, dass der Tote vergiftet wurde – und die Polizei nimmt Flavias Vater als Tatverdächtigen fest. Flavia ist jedoch fest von dessen Unschuld überzeugt und macht sich selbst an die Ermittlungen. Als Elfjährige selbstverständlich von allen unterschätzt, kann sie den Beteiligten Löcher in den Bauch fragen. So kommt sie einem Geheimnis ihres Vaters auf die Spur und muss sich fragen, ob die Polizei nicht möglicherweise doch recht hat.

Flavia ist schon eine Marke! Mit elf Jahren versteht sie mehr von Chemie als manch einer nach acht Jahren Chemie im Gymnasium und mischt ihrer Schwester als Rache eine Portion Giftefeu in den Lippenstift. Aber auch als Amateurdetektivin überzeugt sie. Sie geht die „Befragungen“ offensiv an und lässt sich auch nicht von kleinen Hindernissen wie geschlossenen Geschäften abhalten.
Das Buch ist sehr humorvoll geschrieben. Toll fand ich vor allem die kurzen, aber sehr anschaulichen Charakterisierungen der Menschen, die Flavia während ihrer Ermittlungen begegnen. Dabei ging es nicht nur um das Äußere, sondern vor allem darum, wie herablassend sie teilweise als Kind behandelt wird.
Zu ihrem sehr großen Selbstbewusstsein und den vielleicht nicht ganz altersgerechten Giftkenntnissen kommen noch eine sehr rasche Auffassunsgabe und Beobachtungen, die Hercule Poirot alle Ehre machen.
Das Buch soll zwar ein Jugendbuch sein, aber ist definitiv auch für Erwachsene gut zu lesen. Es dauert zwar ein bisschen, bis sich die Spannung so richtig aufbaut, aber es wird trotzdem nicht langweilig das Buch zu lesen. Der durchtriebene Humor von Flavia und ihre extreme Freude über die chemischen Vorgänge, die sie in ihrem Labor durchführt machen das Buch absolut lesenswert und auch die weiteren Bücher der Reihe stehen ganz weit oben auf meiner Wunschliste.

Meine besondere Vorliebe galt den Giften.
– Flavia de Luce

5Sterne

Wie man einen Prinzen heiratet

Wie_man_einen_Prinzen_heiratetWie man einen Prinzen heiratet | Sophie Page | Goldmann | erschienen 2011
ISBN 978-3-641-06270-5 | 4.99€ (Kindle Edition)/0.48€ (Taschenbuch)
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Über Sophie Page:
Sophie Page ist das Pseudonym der britischen Autorin Jenny Haddon, die unter ihrem echten Namen sowie den zwei Pseudonymen Sophie Page und Sophie Weston schreibt. Jenny Haddon lebt und arbeitet in London.
Quelle: Jenny Haddon

Bella Greenwood ist gerade zwei Monate zu früh von einem enttäuschenden Job nach London zurückgekehrt. Dort findet sie Unterschlupf bei ihrer Freundin Charlotte, die sie am ersten gemeinsamen Wochenende zu einer Party mitnimmt. Auf dieser Party begegnet sie dem attraktiven Richard, der ihr Herz im Sturm erobert. Erst Tage später erfährt sie, dass Richard Thronfolger des englischen Königshauses ist. Und als sich trotz Bellas Abneigung gegenüber dem Rampenlicht eine feste Beziehung zwischen den beiden entwickelt, muss sie sich nicht nur mit aufdringlichen Paparazzi und missgünstigen Bloggern herumschlagen, sondern auch mit der Hofetikette und deren Hütern.

Dieses Buch musste sich bei mir gar keinen allzu hohen Erwartungen stellen. Ich wollte die freie Zeit hier in Deutschland nutzen, um mit einer der Challenges, Märchenhaft durch 2016, zu beginnen. Im Zuge dessen ist mir eben dieses Buch in die Hände gefallen und da mich der Klappentext angesprochen hat, landete es auf meinem Kindle. Jetzt war es also endlich so weit und ich muss sagen: das Buch ist toll!
Zunächst einmal war es sehr gut geschrieben und dementsprechend auch sehr gut zu lesen. Trotz Unterbrechungen habe ich insgesamt nur etwas mehr wie einen Tag gebraucht, um die 380 Seiten zu verschlingen.
Page schreibt humorvoll ohne dabei gezwungen zu wirken und ihre Protagonistin Bella ist mir sehr schnell ans Herz gewachsen. Sie ist ein ziemlicher Tollpatsch, nimmt ihre Missgeschick aber mit viel Humor und Selbstironie.
Auch Prinz Richard ist wirklich zum Verlieben. Kein Bad Boy, der wie durch ein Wunder durch die Liebe zu Bella alles umkrempelt, sondern ein Gentleman wie er im Buch steht, der trotz mit Bella und auch über sich lachen kann.
Ebenso ist in diesem Buch ein Leben im Rampenlicht, wie man es sich als Außenstehende(r) vorstellt, realistisch dargestellt. Mir hat auch gefallen, dass hier offensichtlich wird, welche Zwänge einem Thronfolger auferlegt sind. Anders als in den beliebter werdenden Superstar-Büchern ist ein „Über die Stränge schlagen“ für die royale Familie und eben auch das „First Girlfriend“ in Form von Bella nicht drin. Ganz offensichtlich sind die Konventionen durch ein Leben im Scheinwerferlicht hier noch schwieriger zu handhaben.
Gefallen hat mir ehrlich gesagt zudem die Tatsache, dass ein durchgetaktetes Leben von Seiten Richards, mit teilweise mehreren Terminen an einem Tag, dargestellt wird. Dass dies eben auch zu Problemen führt und vor allem, wie alle Beteiligten damit umgehen, hat mich fasziniert. Dadurch hatte ich wirklich das Gefühl, einen Einblick in das Leben der fiktiven royalen Familie zu bekommen.
Kleiner Pluspunkt, der mir sehr gut gefallen hat: Die Kapitelüberschriften sind als Schlagzeilen aus den Zeitungen und Zeitschriften dargestellt.

„Du kennst mich und ich kenne dich, und wir wissen beide, dass wir zusammen stärker sein werden als jemals alleine. Und wir werden außerdem verdammt viel mehr Spaß dabei haben.“
– Prinz Richard

5Sterne

Wolken über Fairfield Hall

Wolken_über_Fairfield_HallWolken über Fairfield Hall | Margaret Dickinson | Weltbild | erschienen 2015
ISBN 978-3-95569-478-4 | 10.99€
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Über Margaret Dickinson:
Dickinson wurde in Lincolnshire, im Osten Englands, geboren. Während ihrer Kindheit zog die Familie ans Meer, wo sie ihre Liebe zum Meer und der Landschaft von Lincolnshire entwickelte. Bereits im Alter von 25 Jahren veröffentlichte sie ihr erstes Buch, dem zahlreiche weitere folgten. Viele ihrer Bücher spielen in Lincolnshire.
Dickinson ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter.

England 1896: Für den ehrgeizigen Geschäftsmann Ambrose Constantine geht ein Traum in Erfüllung als seine Tochter und einziges Kind Annabel den Earl of Fairfield heiratet. Der Earl wird damit von seinen finanziellen Sorgen erlöst und Constantine kauft seiner Tochter den Titel.
Von der stattlichen Mitgift erfährt diese erst, als sie bereits in Fairfield Hall angekommen ist. Dort fällt ihr vor allem die Not der Menschen im Dorf sieht, die ebenfalls unter der finanziellen Schieflage ihrer adligen Herren gelitten haben. Annabel macht es sich zur Aufgabe, das Herrenhaus und das Dorf wieder aufzubauen und erobert damit die Herzen der Menschen. Als sie ihrem Mann dann auch noch einen Sohn gebiert, scheint das Happy End zum Greifen nahe. Doch es gibt eine Person, die mit dem Glück der jungen Countess nicht einverstanden ist: ihre Schwägerin Dorothea.

Als ich den Klappentext gelesen habe, war ich wirklich begeistert: „Aufbaugeschichten“ wie diese gefallen mir sehr gut und ich konnte es kaum erwarten, mit dem Buch loszulegen. Und in diesem Punkt wurde ich auch nicht enttäuscht. Annabel steckt sehr viel Geld in das Anwesen und das dazugehörige Dorf. Und es ist auch keine „One-Woman-Show“: Sie erhält viel Unterstützung von ihrer Familie, aber auch den Menschen im Dorf. Daher kann ich mir durchaus vorstellen, dass es so hätte ablaufen können. Da es zum Ende des 19. Jahrhunderts spielt, dachte ich mit meinen eher bescheidenen Kenntnissen, dass eine entschlossene Frau damals durchaus einiges hätte ändern können – selbstverständlich mit männlicher Unterstützung und nur in dem kleinen Rahmen eines Anwesens.
Die Story an sich hat mir also gut gefallen, war auch flüssig geschrieben und Fehler sind mir keine aufgefallen. Insgesamt gut zu lesen.
Und jetzt kommt das Aber 😉 Ich hatte oft das Gefühl, dass die Einstellungen und Ansichten der dargestellten Menschen ein wenig zu modern sind. Hin und wieder erwähnt Annabels Ehemann, dass sie nicht alleine ins Dorf gehen sollte. Aber abgesehen von ihm scheint sich sonst niemand darum zu kümmern, ob Annabel sich angemessen verhält. Das halte ich bei einer Frau doch für sehr ungewöhnlich. Insbesondere Annabel scheint sich wirklich gar nicht darum zu kümmern, was die Personen in ihrem Umkreis von ihr halten. Selbstverständlich will sie in allererster Linie helfen, aber dass sie sich überhaupt nicht an die Konventionen hinwegsetzt hat mich doch sehr gestört. Denn das ist mir an einem historischen Roman einfach wichtig: Ich muss das Gefühl haben, dass es sich tatsächlich so hätte abspielen können, um in der Geschichte zu versinken. Bei diese Buch habe ich mich einfach ein paar mal zu oft gefragt, ob das damals wirklich so hätte laufen können.

4Sterne

Amy Snow

Amy_SnowAmy Snow | Tracy Rees | Quercus | erschienen 2015
ISBN 978-1-78429-145-7 | £7.99

Über Tracy Rees:
Tracy Rees wurde im Süden von Wales geboren und studierte an der Universität Cambridge. Sie arbeitete acht Jahre lang als Journalistin, bevor sie sich dem Schreiben widmete. Amy Snow ist ihr Debütroman.
Quelle: Quercus

Im Januar 1831 wird ein Neugeborenes im Schnee gefunden und im nahe gelegenen Hatville Court aufgenommen. Die Herren des Hauses sind davon wenig begeistert und auch die Diener sehen in dem Mädchen, das Amy Snow genannt wird, eher eine Belastung.
Die einzige Freundin ist die acht Jahre ältere Aurelia, Erbin von Hatville Court. Bei dieser wird jedoch ein Herzfehler diagnostiziert und so stirbt sie im Alter von nur 25 Jahren.
Amy ist vor Kummer außer sich. Als Erbe wird sie von Aurelia auf eine Schatzsuche quer durch England geschickt.

Amy Snow war für mich ein kleiner Noteinkauf; es galt knapp vier Stunden Wartezeit am Flughafen in Birmingham und anderthalb Stunden Flug zu überbrücken. Mich hat erstmal das Cover angesprochen – das finde ich sehr schick. Und dazu noch eine Schatzsuche – ich war gleich mal begeistert!
Und nachdem ich mich ans lesen gemacht habe, war ich auch vom Inhalt begeistert. Das Buch war gut zu lesen. Ich hatte wirklich keine Probleme mit dem Englischen und damit, der Story zu folgen.
Tracy Rees gelingt es auf wunderbare Weise, die Entwicklung Amys von einer verschüchterten grauen Maus zu einer selbstbewussten jungen Frau darzustellen. In den ersten paar Kapiteln war ich von Amy eher wenig begeistert. Ich hatte wirklich kein Problem damit, dass sie ein wenig schüchtern ist, aber die Verehrung, die sie Aurelia entgegenbringt, ist manchmal schon übertrieben. Und abgesehen von Aurelia scheint es nichts in ihrem Leben zu geben. Es ist, als hätte sie nur gelebt. um Aurelia zu dienen, deren Freundin zu sein.
Dies ändert sich allerdings im Laufe der Geschichte. Amy wird selbstbewusster und selbstständiger. Als sie einen kleinen Wutausbruch bekommt, weil Aurelia ihr Leben so sehr bestimmt, auch noch nach deren Tod, und weil sie sich ihr Leben so bestimmen lässt, habe ich das fast als Erleichterung empfunden. Auch wenn Aurelia noch immer ein wichtiger Bestandteil ihrer Vergangenheit ist, baut sie sich doch nach und nach ein Leben auf: mit eigenen Freunden, eigenen Entscheidungen und dem perfekten Mann (natürlich 😉 )
In meinen Augen wird auch das Leben einer Frau in der Mitte des 19. Jahrhunderts authentisch dargestellt. Mich stört an vielen historischen Romanen der Zeit, dass die Heldinnen offenbar auch alle Rebellinnen sind, die sich nicht darum scheren, was die Gesellschaft von ihnen denkt und sich dagegen auflehnen. An Amy Snow hat mir daher auch gefallen, dass sie sich durchaus darum kümmert, was die Sitten der Zeit vorgeben. Selbst Aurelia, die wenig Wert darauf legt, verheiratet zu werden und Kinder zu zeugen, verhält sich im Großen und Ganzen doch recht regel konform.
Zu Beginn des Buches haben mich nur die Rückblenden gestört. Es wird die Geschichte Amys und die Entwicklung der Freundschaft zwischen den beiden Mädchen beschrieben. Stellenweise saß ich dran und wollte einfach nur wissen, wie es mit der Schatzsuche weitergeht. In meinen Augen hätte man dies entweder weniger ausführlich gestalten oder über das Buch verteilen müssen. Dies hat sich aber gegeben, als die Rückblenden in der Gegenwart angelangt waren und ab da hat mir das Buch wirklich nur noch Freude bereitet.

The beauty of impossible dreams is that they are impossible – the hows and whens don’t really matter.
– Amy Snow

5Sterne