Intimer Betrug

Intimer_BetrugIntimer Betrug | Laura Landon | AmazonCrossing | erschienen 2012
ISBN 978-1-612-18472-2 | €9.99 (Taschenbuch)/€2.99 (Kindle-Edition)
Leseprobe

Über Laura Landon:
Landon arbeitete zehn Jahre lang als Lehrerin an einer Highschool, bevor sie ihr eigenes Eiscafé betrieb. Dieses gab sie jedoch auf, nachdem ihr erster Roman fertig war, und widmet sich seitdem ausschließlich dem Schreiben. Mittlerweile hat sie einige historische Romane veröffentlicht; vier davon sind auf deutsch erschienen.
Zusammen mit ihrer Familie lebt sie im mittleren Westen der USA.

Um einer arrangierten Ehe zu entgehen, ringt Lady Grace Warren sich zu einem drastischen Schritt durch: sie will ihre Jungfräulichkeit verlieren. Dafür muss ein Mann her, der keine Ansprüche hat und keine Fragen stellen. Der scheint schnell gefunden zu sein: Vincent, Duke of Raeburn. Doch dieser will nach dem Verlust zweier Frauen im Kindbett nie wieder das Leben einer Frau riskieren – und schon gar nicht heiraten. Doch nach einer leidenschaftlichen Nacht in einem Edelbordell fürchtet er, das Leben einer weiteren Frau zu riskieren und macht sich auf die Suche nach der vermeintlichen Kurtisane. Als Grace dem Mann gegenüber steht, dem sie ihre Freiheit verdankt, ist sie entsetzt. Können die beiden trotz aller Widrigkeiten ein glückliches Leben führen?

In diesem Buch hat mich vor allem eines überzeugt: die Charaktere. Sie sind wunderbar herausgearbeitet, haben beide eine schwierige Vergangenheit hinter sich – Grace, die das Wohl ihrer Schwestern über ihr eigenes stellt und Vincent, der seine zwei Ehefrauen im Kindbett verloren hat. Man leidet richtig mit den beiden mit. Grace war mir von Anfang an sympathisch in ihrem Bemühen, ihren jüngeren Schwestern ein gutes Leben zu bieten. Auch Vincent, der zu Beginn noch recht barsch erscheint, weicht langsam auf und wird immer zugänglicher.
Insgesamt war das Buch wirklich angenehm zu lesen. Man muss an und für sich über keinerlei Hintergrundwissen verfügen, um der Handlung folgen zu können. Auch wenn die Geschichte recht wild beginnt, entwickelt sie sich ganz angenehm und (sieht man mal vom historischen Aspekt ab) auch logisch. Jede der Handlungen zieht eine realistische Konsequenz nach sich und besonders Vincent durchläuft während der Handlung eine echte Wandlung.
Weniger gut hat mir gefallen, dass es meiner Meinung nach nicht ganz realistisch war. Ich habe oft gedacht: „So wäre das bestimmt nicht möglich gewesen.“ Und da mir die Authentizität bei historischen Romanen wichtig ist, ging das für mich nicht.
Zudem ist es meiner Meinung nach manchmal zu sehr ins Kitschige abgerutscht. Besonders die Liebesszenen der beiden waren manchmal noch kitschig, dass ich sie übersprungen habe. Klar wollte ich keinen Porno auf Papier, aber das war oft einfach nur peinlich!

Alles in allem ist das Buch eine ganz nette Lektüre für zwischen durch, aber man sollte keine allzu hohen Erwartungen anstellen, sonst wäre man enttäuscht.

Er liebte diesen Teil des Tages, die Zeit, in der sie allein waren. Die kostbaren Minuten, in denen es der Außenwelt nicht erlaubt war, sie zu stören.
– Vincent Germaine, Duke of Raeburn

NYPD Red 3

NYPD_Red_3NYPD Red 3 | James Patterson | Century | erschienen 2015
ISBN 978-1-780-89274-0 | £9,- (Hardcover)
Leseprobe (englisch)

Über James Patterson:
Patterson wurde 1949 geboren, studierte Englische Literatur und arbeitete als Werbetexter bei einer großen amerikanischen Werbeagentur. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, für seinen ersten Krimi Die Toten aber wissen gar nichts, einen Verlag zu finden, erschien das Buch 1976. Ab 1992 erschienen die erfolgreichen Alex-Cross-Krimis.
Mittlerweile zählt Patterson zu den internationalen Bestsellerautoren, mit über 100 Millionen verkauften Büchern, die in mehr als 40 Sprachen übersetzt wurden.
Mit seiner Frau und seinem Sohn lebt er in Palm Beach, Florida.
Quelle: Wikipedia

Der Multimillionär Hunter Alden Jr. hat alles was man sich wünschen kann: eine schöne Frau, einen Sohn und genug Geld, um niemals arm zu werden. Doch als er an Neujahr den Kopf seines Chauffeurs in der Garage findet und erfährt, dass sein Sohn gekidnappt wurde, scheint sich sein Glück zu wenden. Denn der Kidnapper kennt ein Geheimnis, das nicht nur Hunters Leben auf den Kopf stellen, sondern die Welt, wie wir sie kennen, verändern kann.
Die Detectives Kylie MacDonald und Zach Jordan, Teil des NYPD Eliteteams Red, übernehmen den Fall. Doch je näher sie dem Kidnapper kommen, desto mehr bringen sie sich selbst in Gefahr.

Zur Abwechslung habe ich mich einmal vom Women’s Murder Club abgewendet und mir stattdessen ein Buch aus der Serie NYPD Red vorgenommen – keine schlechte Wahl!
Zunächst einmal zur Handlung: Die Geschichte hat mir super gefallen! Es gibt die ein oder andere überraschende Wendung, die einem die Kinnlade fallen lassen, aber dennoch logisch und nachvollziehbar sind. Gut hat mir auch gefallen, dass man sich wirklich auf diesen einen Fall konzentrieren konnte, ohne dass man durch zu viel Privatleben von Seiten der Detectives oder weitere Fälle abgelenkt wurde. Das Buch fängt mit einem ziemlichen Knaller an und hatte dann ein paar Seiten, die nicht unbedingt durch Spannung, aber durch echte, langweilige Polizeiarbeit bestechen. Das soll nicht heißen, dass die Lektüre langweilig wird, denn das Geplänkel zwischen Kylie und Zach lockert das Ganze sehr auf und sorgt für den ein oder anderen Lacher.
Gut hat mir an diesem Buch auch wieder gefallen, dass das Hauptaugenmerk auf dem Fall lag; es gibt auch eine private Seite der Detectives, aber diese dominiert nicht. Wenn ich einen Krimi lese, dann will ich nicht vom Privatleben der Ermittler erschlagen werden.
Auch mit der Sprache hatte ich bei diesem Buch keine Probleme. Ich musste nur ein Wort nachschlagen, aber ansonsten konnte man es sich aus dem Kontext erschließen.
Allerdings gilt auch für dieses Buch: ein Thriller ist es in meinen Augen nicht. Es wird zwar zum Ende hin mal recht actionreich, aber so richtig thrilling inklusive Gänsehaut dann doch nicht.

Wer also einen Thriller erwartet ist hier am falschen Ort. Für die Krimi-Fans ist es auf jeden Fall ein schönes Buch – ich kann nicht glauben, dass sie die Serie noch nciht ins deutsche übersetzt haben!

„Welcome to Red. […] Some of our best customers are dirty, but your job is to be there for them when they’re victimized, not spend your time trying to figure out what felonious and immoral shit they’re doing under the radar.
– Captain Cates

5Sterne

12th of Never

12th_of_Never12th of Never | James Patterson | Century | erschienen 2013
ISBN 978-1-78-089029-6 | £4,- (Paperback)
Leseprobe (englisch)

Über James Patterson:
Patterson wurde 1949 geboren, studierte Englische Literatur und arbeitete als Werbetexter bei einer großen amerikanischen Werbeagentur. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, für seinen ersten Krimi Die Toten aber wissen gar nichts, einen Verlag zu finden, erschien das Buch 1976. Ab 1992 erschienen die erfolgreichen Alex-Cross-Krimis.
Mittlerweile zählt Patterson zu den internationalen Bestsellerautoren, mit über 100 Millionen verkauften Büchern, die in mehr als 40 Sprachen übersetzt wurden.
Mit seiner Frau und seinem Sohn lebt er in Palm Beach, Florida.
Quelle: Wikipedia

Kurz nach der Geburt ihrer Tochter kehrt Lindsay Boxer in ihren Job bei der Mordkommission von San Francisco zurück, denn es stehen einige wichtige Fälle an. So spaziert ein exzentrischer Professor ins Gebäude und behauptet, von einem Mord geträumt zu haben, der noch nicht geschehen ist. Kurz nachdem dieser tatsächlich geschieht, kehrt der Professor zurück – nach einem weiteren Traum. Zudem wird die Freundin eines angehenden Football-Superstars erschossen und ihre Leiche verschwindet aus der Gerichtsmedizin. Der persönlichste Fall scheint aber noch anzustehen: als ein Serienkiller aus dem Koma erwacht und nach Lindsay verlangt, bevor er die Orte verrät, wo er seine Opfer begraben hat.
Das alles gerät allerdings in den Hintergrund, als das Leben ihrer kleinen Tochter auf dem Spiel steht.

Dieses Buch ist mein drittes Buch von James Patterson und gleichzeitig auch mein drittes über den Women’s Murder Club (nach Der 1. Mord und 9th Judgement). Im Großen und Ganzen muss man sagen, dass mich Patterson auch bei diesem Buch nicht im Stich im gelassen hat: Interessante Fälle und noch interessantere Auflösungen sowie sympathische Charaktere (obwohl das nicht wirklich anders zu erwarten war, schließlich handelt es sich um eine Reihe).
Die Wendung, die dieses Buch genommen hat, hat mich sehr überrascht und mir daher gut gefallen.
Weniger gut gefallen hat mir dagegen, dass meiner Meinung nach das Buch für seine rund 400 Seiten ein bisschen zu überfüllt war. In diesem Buch liegt ein Großteil der Aufmerksamkeit auf Lindsays Privatleben, was auch gut ist. Schließlich ist die Geburt eines Kindes nichts, was man einfach abhaken kann und sich dann wieder dem Business as usual zuwendet. Also ist es nur natürlich, dem Privaten so viel Raum lassen. Allerdings hätte es mir besser gefallen, wenn der berufliche Teil dafür ein wenig runtergefahren worden wäre. In meinen Augen hätte man auch ohne den Fall um den Football-Spieler einen wirklich gelungenen Roman auf die Beine stellen können. Dass hätte nicht die Spannung genommen, aber ich als Leser hätte mich nicht von ständigen Themenwechseln und vor allem einer Fülle an Themen erschlagen gefühlt.
Außerdem verstehe ich bei diesem Band noch einmal viel weniger, warum das ein Thriller sein soll. Die Spannung in den Fällen wurde ein Stück weit dadurch genommen, dass ständig zwischen Lindsays Privatleben und den Fällen gewechselt wurde. Es gab einfach zu viele Unterbrechungen für einen anständigen Spannungsbogen.
Das soll nicht heißen, dass es kein guter Krimi ist; das sit es nämlich. Aber wer einen Thriller erwartet wird enttäuscht werden.
Zum Englischen bleibt auch bei diesem Buch zu sagen, dass ich keine Probleme hatte, es zu lesen. Unbekannte Wörter sind eher selten aufgetaucht und konnten aus dem Kontext erschlossen werden.

Für mich werden die Bücher der Reihe mittlerweile zur „Lektüre zwischendurch“, aber sie sind auf jeden Fall lesenswert – besonders wenn man gerne über starke Frauen liest.

„It’s always about life and death.“
– Yuki Castellano

4Sterne

Plague

PlaguePlague | C. C. Humphreys | Arrow | erschienen 2014
ISBN 978-0-099-58117-8 | £8.99

Über C. C. Humphreys:
Eigentlich Chris Humphreys, wurde in Toronto, Kanada, geboren und wuchs in London auf. Neben seiner Arbeit als Autor ist er auch als Schauspieler tätig und hat schon zahlreiche Rollen gespielt. 2002 erschien sein erstes Buch, The French Executioner, dem zahlreiche historische Romane folgten. Außerdem schrieb er mehrere Fantasy-Bücher für junge Erwachsene.
Seine zwei Bücher Plague und Fire sind Thriller, die vor dem Hintergrund zweier großer Katastrophen in London spielen: der Pest 1665 und dem Großen Feuer 1666.
Zusammen mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn lebt Humphreys in Kanada.
Quelle: sein Blog, Wikipedia

London: 1665: Der Straßenräuber William Coke hat einen wirklich schlechten Tag, als er seine ausgewählten Opfer tot in deren Kutsche findet – auf bestialische Weise ermordet. Noch schlechter wird der Tag, als er erfährt, dass alle Welt ihn für den Mörder hält. Bald tauchen weitere Opfer auf und neben ihrer Todesursache haben sie alle eines gemeinsam: ein Edelstein steckt in ihrem Mund. Der Detektiv Pitman heftet sich an Cokes Fersen. Doch als es ihm gelingt, den Räuber und vermeintlichen Mörder festzunehmen, regen sich in ihm Zweifel an dessen Schuld. Und so machen sie sich zusammen auf die Suche nach dem wahren Mörder – während gleichzeitig in den Slums der Stadt ein anderer Massenmörder wieder erwacht: die Pest.

Ich habe weder von dem Autor noch von dem Buch zuvor gehört, einen guten Grund, es zu lesen gibt es trotzdem: die History und Englisch Lese-Challenge. Und ich bin wirklich froh darum, das Buch gelesen zu haben.
Zum einen wartet es mit wunderbaren Charakteren auf, die alle eine interessante Vergangenheit haben und (mindestens genauso wichtig) sehr realistisch sind. Sie wirken gut recherchiert und fallen nicht aus dem Rahmen dessen, was zur damaligen Zeit erlaubt war. Dies gilt im übrigen nicht nur für die Charaktere, sondern für das ganze Buch: es ist alles sehr authentisch und wahrheitsgetreu beschrieben. Ich habe nie, wie in manch anderem historischen Roman, das Gefühl bekommen, dass es so doch niemals hätte laufen können.
Wenn man mal von meiner Schwärmerei für authentische historische Romane absieht, ist es Humphrey auch sehr gut gelungen, Spannung in der Mörderjagd aufzubauen. Man fiebert mit den beiden mit und das zusätzliche Themenfeld, das sich durch den Ausbruch der Pest ergibt, steigert die Spannung noch einmal. Zudem schafft der Autor es mühelos, Mitgefühl im Leser zu wecken und ihn mitleiden zu lassen. Der Geschichte hat auch gut getan, dass es zwar hin und wieder einen kleinen Cliffhanger gab, Humphreys es damit aber nicht übertrieben hat.
Das einzige was mich stellenweise gestört hat, ist, wie detailgetreu auch die blutigsten Szenen beschrieben wurden. Klar sind auch Thriller und Fernsehserien/-filme heute recht blutgetränkt und das Mittelalter war auch nicht unbedingt das sanftmütigste aller Zeitalter, aber ich hatte es nicht erwartet. Das heißt aber nicht, dass es das Buch schlechter macht – ich habe es wirklich geliebt und werde mir auch C. C. Humphreys Buch Fire auf die Wunschliste schreiben!

Dem Autor ist es gut gelungen, die Atmosphäre Londons zur Zeit der Pest einzufangen und einen wunderbar realistischen Roman zu schreiben!

„They can’t hang us“, said Pitman […].
„And why not, pray?“
„Because you and me, Captain [Coke], are already dead.“

5Sterne

9th Judgement

9th_Judgement9th Judgement | James Patterson | Arrow | erschienen 2011
ISBN 978-0-316-03627-6 |
Leseprobe (englisch)

Über James Patterson:
Patterson wurde 1949 geboren, studierte Englische Literatur und arbeitete als Werbetexter bei einer großen amerikanischen Werbeagentur. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, für seinen ersten Krimi Die Toten aber wissen gar nichts, einen Verlag zu finden, erschien das Buch 1976. Ab 1992 erschienen die erfolgreichen Alex-Cross-Krimis.
Mittlerweile zählt Patterson zu den internationalen Bestsellerautoren, mit über 100 Millionen verkauften Büchern, die in mehr als 40 Sprachen übersetzt wurden.
Mit seiner Frau und seinem Sohn lebt er in Palm Beach, Florida.
Quelle: Wikipedia

San Francisco wird von einem Serienkiller in Atem gehalten: er tötet Mütter und deren Babys und obwohl dies an öffentlichen Plätzen geschieht, können Lindsay Boxer und ihr Women’s Murder Club, sowie die Polizei von San Francisco ihn nicht identifizieren. Die einzige Spur, die er hinterlässt, ist eine kryptische Botschaft, welche er mit Lippenstift an den Tatorten hinterlässt. Gleichzeitig muss Lindsay den Mord an der Frau eines bekannten Schauspielers aufklären. Vermeintlich wurde sie das Opfer eines Juwelendiebs, den sie überraschte, aber dann taucht ein Paket mit der Diebesbeute auf – ist der Juwelendieb vielleicht der Schlüssel zu dem Serienkiller?

Nach Der 1. Mord ist dies hier mein zweites Buch von James Patterson – ausgeliehen aus der örtlichen Bücherei und innerhalb eines Tages gelesen. Wie auch schon eben jenes erstes Buch des Women’s Murder Club gefällt mir dieses Buch sehr gut.
Besonders die Taten des Serienmörders gehen sehr unter die Haut (in erster Linie, weil Kinder betroffen sind). Allerdings würde ich auch dieses Buch nicht als einen Thriller bezeichnen. dafür war es nicht thrilling genug. Ich persönlich finde das aber gar nicht schlecht, denn Krimis gefallen mir um einiges besser als Thriller. Allerdings hätte von mir aus die Auflösung der Geschichte um den Serienmörder spannender sein können – dies war das Einzige, was mich an diesem Buch ein wenig enttäuscht hat.
Auch in diesem Buch haben mich die Protagonist(inn)en sehr überzeugt. Die vier Mitglieder des Women’s Murder waren wieder sehr sympathisch und tough in ihren Berufen und schaffen es trotzdem, im Gegensatz zu manch testosterongesteuerten männlichen Hauptpersonen, auch mal ich verletzliche Seite und Gefühle zu zeigen; was sie letzten Endes noch um einiges tougher erscheinen lässt. Auch wie alle vier Frauen es immer wieder schaffen, ihren Teil zur Auflösung eines Falles beizutragen, ist schön geschrieben und wirkt nicht gezwungen.
Gut hat mir auch gefallen, dass nicht zu viel Wert auf das Privatleben der Frauen gelegt wird. Es zu erwähnen, auch zu beschreiben, welche Auswirkungen der Job auf ihre Beziehungen hat (sowohl im positiven, als auch im negativen Sinne), finde ich gut. Wäre mehr davon eingebaut worden, wäre es ein wenig zu einem Romantic thriller „verkommen“ und die sind mir manchmal nicht so ganz recht. Man muss nicht überall eine Liebesgeschichte einbauen und James Patterson schafft es, die Balance zu halten.
Zur Sprache bleibt zu sagen, dass ich eigentlich kaum Probleme hatte. Selbst wenn ich ein Wort nicht verstanden habe, konnte man es sich recht gut aus dem Kontext herleiten.

„Everyone wants to be a cop, but it beats the hell out of me why.“
– Lindsay Boxer

5Sterne

Als ich dich fand

Als_ich_dich_fandAls ich dich fand | Catherine Ryan Hyde | Amazon Crossing | erschienen 2015
ISBN 9781503999480 | 9.99€ (Taschenbuch)/4.99€ (Kindle-Edition)
Leseprobe

Über Catherine Ryan Hyde:
Hyde wurde 1955 geboren und wuchs im US-Bundesstaat New York auf. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin ist sie auch Referentin und stand bereits mehrmals mit Bill Clinton auf der Bühne. Sie erreichte bereits mehrere Erfolge mit ihren Kurzgeschichten, bevor ihr der Roman Pay it Forward (Das Wunder der Unschuld) 1999 zum Durchbruch verhalf; ein Jahr später wurde das Buch auch verfilmt. Seitdem hat sie mehr als 20 weitere Romane und zahlreiche Kurzgeschichten veröffentlicht.
Hyde ist außerdem eine begeisterte Hobbyfotografin und geht gerne auf Reisen und Wanderungen.
Quellen: Amazon, Wikipedia, Blog

An einem Oktobertag 1960 ändert sich das Leben von Nathan McCann für immer: im Wald findet er ein halbvergrabenes Baby, welches entgegen seiner Erwartungen noch lebt. Der Junge soll bei seiner Großmutter aufwachsen, obwohl Nathan ihn an Kindes statt aufnehmen will. Und Jahre später macht die alte Dame das Versprechen, dass sie ihm gegeben hat, wahr und setzt einen schwierigen, wütenden Teenager bei Nathan ab, der sich ihr gegenüber verschlossen hat, nachdem er die Wahrheit über seine Herkunft erfahren hat.

Dieses Buch hat wirklich gute Rezensionen auf Amazon erhalten und da mich der Klappentext sehr angesprochen hat, habe ich es mir ausgeliehen. Ich hatte vorher noch kein Buch von Catherine Ryan Hyde gelesen und war dementsprechend gespannt, was mich erwartet.
Dieses Buch hat mich wirklich vom Hocker gehauen! Ich hatte wirklich nicht damit gerechnet, von der Geschichte so mitgerissen zu werden – und danach so mitgenommen zu sein! Sie hat mir immer wieder Tränen in die Augen getrieben und mich unglaublich berührt.
Das fängt schon damit an, wie Nathan das Baby im Wald findet und sich im übertragenen Sinne auf den ersten Blick verliebt. Auch wie er sofort bereit ist, sein Leben für das Kind auf den Kopf zu stellen, erschien im Buch absolut logisch und nachvollziehbar.
Immer wieder wird aus der Sicht von Nat erzählt, der nach seinem Finder benannt wurde. Wie dieser langsam das Vertrauen in seine Großmutter verliert und sich zu einem Problemkind entwickelt, wurde auf sehr eindrückliche Weise beschrieben und hat Mitleid mit dem Kind und trotzdem Mitgefühl mit der Großmutter hervorgerufen. Eine Frage stand dabei immer im Raum: Wie hätte man sich selber an ihrer Stelle verhalten? Und so war auch ihr Verhalten absolut nachvollziehbar.
Der Einzige, dessen Verhalten immer ein bisschen kryptisch bleibt, ist Nathan – und Als ich dich fand ist das erste Buch, bei dem diese Aussage etwas positives hat 😉 Letztendlich ist nie ganz klar, was Nathan dazu bewogen hat, Nat aufzunehmen und wie sein eigenes Kind zu behandeln.

Mehr will ich an dieser Stelle gar nicht verraten, denn das wäre spoilern. Hyde hat auf jeden Fall wunderbare Charaktere geschaffen, die einen absolut überzeugen. Für dieses Buch also fünf goldene Sterne und für euch eine dicke Kaufempfehlung!

Er spürte, dass eine Geschichte Form annahm, deren Tragweite noch nicht voll erfasst werden konnte.
– Nathan McCann

goldene_Sterne

Ein Surfer zum Verlieben

Ein_Surfer_zum_VerliebenEin Surfer zum Verlieben | Violet Truelove | Selbstverlag | erschienen 2014
ISBN 9781505386523 | 10.99€
Leseprobe

Über Violet Truelove:
Violte Truelove ist ein Pseudonym der Autorin Viola Plötz. Sie wurde 1979 geboren, studierte Kommunikationsdesign und wurde danach selbständige Hochzeitsfotografin und Designerin. 2014 erfüllte sie sich mit Ein Surfer zum Verlieben ihren Traum vom eigenen Roman, dem noch vier Bücher unter dem Pseudonym Violet Truelove folgten. Als Ava Innings schrieb sie zudem die Waves of Love-Reihe.
Sie lebt mit ihrem Mann und den beiden Kindern im Taunus.

Die Bestsellerautorin Lindsay Lovejoy hat sich gerade ihren Traum vom eigenen Haus auf Hawaii erfüllt – nach dem Erfolg ihres vierten Romans kann sie sich das auch leisten! In ihrer neuen Heimat läuft sie ausgerecht in Warden Palmer, attraktiver Surfstar und Lindsays Schwarm aus Jugendzeit. Dieser ist wenig amused, als er erfährt, dass er Vorbild für eine ihrer berühmten Romanfiguren ist (die sie auch noch Palmer Warden genannt hat – Zweifel an der Patenschaft gibt es also keine). Lindsays größtes Problem: Wie soll sie ihm die expliziten Sexszenen in ihrem Buch erklären? Und so wenig Palmer von eben diesen begeistert ist, muss er sich notgedrungen damit abgeben, insbesondere, da eine angebliche Affäre zwischen den beiden für gute Publicity sorgt. Genau die kann er gerade dringend brauchen, denn seine Freundin hat ihn verlassen und auch sein Hauptsponsor ist abgesprungen.

Über dieses Buch habe ich eine Rezension auf einem anderen Blog gelesen (und ich weiß einfach nicht mehr, wo :/ ) und das hat sich echt gut angehört. Ich finde auch die Idee toll: Ich hätte keine Ahnung, wie ich solche Sexszenen erklären sollte 😀
Und im Großen und Ganzen muss man sagen, dass ich keinen Fehlgriff gelandet habe. Die Charaktere sind glaubwürdig und sympathisch, wenn auch manchmal ein wenig rüpelhaft, und auch das ganze Drumherum hat mir gut gefallen. Ich stecke nicht in einem Autoren-Leben, aber ich hatte das Gefühl, dass die Arbeit, die hinter einem Roman-Projekt steckt, sehr wahrheitsgetreu wiedergegeben wurde. Man hat gemerkt, dass es wirklich viel Arbeit ist, vom Schreiben zu Leben, und eben nicht „nur so Geschreibsel nebenher“. Auch das Surf(er)-Vokabular wurde immer mal wieder eingebaut – mehr hätte es allerdings nicht sein dürfen, da es sonst für einen Laien wie mich eher genervt hätte.
Auch der Schreibstil der Autorin ist angenehm und in meinen Augen absolut angemessen. Nichts „hochliterarisches“, aber das hatte ich auch nicht erwartet und in diesem Fall auch nur als unpassend empfunden. Dennoch ist die Sprache auch nicht zu einfach, um mich zu nerven.
Es gab allerdings zwei Punkte, die mich beim Schreiben ein wenig gestört haben. Zum einen entwickelt sich die Beziehung zwischen Lindsay und Warden nach meinem Befinden ab einem gewissen Punkt zu schnell. Im einen Moment ist er noch wütend auf sie wegen des Romans, sie findet ihn viel zu unhöflich und rüpelhaft und im nächsten Moment flirten sie miteinander. Das ging mir ein wenig zu schnell.
Zum anderen fand ich es irritierend, dass mir die Geschichte von Lindsays Vergangenheit hingeklatscht wurde, ohne dass diese irgendeine Rolle für die Beziehung der beiden gespielt hätte. Meiner Meinung nach hätte man sie entweder mehr einbauen müssen, wenn man sie schon erwähnt, oder ganz rauslassen sollen.

Ansonsten hat dieses Buch aber genau erfüllt, was ich erwartet habe und war schön zu lesen. Eben diese „Nicht-Nachdenken“-Lektüre, die man manchmal braucht.

Eine Veränderung kam von einem selbst, sie kam von innen heraus – ebenso wie Glück.
– Lindsay Lovejoy

4Sterne

Rock Kiss #2

U_9927_1A_LYX_ROCK_KISS_ICH_BERAUSCHE_MICH_AN_DIR_02.inddRock Kiss – Ich berausche mich an dir | Nalini Singh | Egmont LYX | erschienen 2016
ISBN 978-3-8025-9927-9 | 9.99€
Leseprobe

Über Nalini Singh:
Nalini Singh, geboren 1977 auf den Fidschi-Inseln, wuchs in Neuseeland auf und lebt dort. Sie schreibt Romantic-Fantasy und ist New York Times Bestseller-Autorin.
Quelle: Wikipedia, Rock Kiss

Charlotte Baird bekommt einen neuen Boss – Gabriel Bishop, einen ehemaligen Rugby-Spieler. Dieser soll dem schwächelnden Unternehmen wieder auf die Beine helfen. Bei ihrer ersten Begegnung wirft sie ihm einen Tacker an den Kopf und als er sie am nächsten Tag in sein Büro ruft, macht sie sich auf das Schlimmste gefasst. Schließlich hat T-Rex, wie sie ihn heimlich nennt, einen guten Teil der Führungsriege gefeuert. Überraschenderweise macht dieser sie jedoch zu seiner persönlichen Assistentin. Das ist ein Schock für Charlotte, da sie sich lieber Hintergrund halten würde. Zudem hat sie eine traumatische Erfahrung in ihrer ersten Beziehung gemacht und fragt sich, ob sie dem T-Rex gewachsen ist, als dieser auch privat Interesse an ihr zeigt.

Dieses Buch ist der zweite Teil der Rock Kiss-Reihe von Nalini Singh und gefällt mir besser als Teil 1. Ganz großer Pluspunkt im Vergleich zum Vorgänger: Hier entwickeln sich die Gefühle zwischen den beiden wirklich. Gabriel kann seiner Assistentin zunächst einmal, von der beruflichen Effizienz abgesehen, wenig abgewinnen und Charlotte erzittert jedesmal vor seiner grimmigen Präsenz. Dies wandelt sich jedoch mit der Zeit: Charlotte beginnt, ihm zu vertrauen und öffnet sich immer mehr, während Gabriel langsam die kämpferische Persönlichkeit in der grauen Maus kennen, schätzen und lieben lernt.
Beide verhalten sich sehr ihrer Vergangenheit entsprechend. Charlotte schleppt eine furchtbare Erfahrung mit sich herum, welche die Geschichte sehr dominiert und sie verhält sich auch wie man das von einem traumatisierten Menschen erwartet. Daher fand ich es passend, dass sie ihr Trauma nicht von einem Tag auf den anderen überwindet, sondern dass sie daran arbeitet, Gabriel zu vertrauen.
Man muss sowieso sagen, dass es Nalini Singh wieder einmal gelungen ist, wunderbare und realistische Charaktere zu erschaffen: der sehr selbstbewusste Gabriel, der alles daransetzt, Charlotte zu helfen und sich eine Beziehung und ein Leben mit ihr aufzubauen, sowie die schüchterne Charlotte, die langsam merkt, dass sie doch stark genug ist, um Gabriel die Stirn zu bieten und eine glückliche Beziehung mit ihm zu führen. Singh hat es auch geschafft, Charlotte zwar mit all ihren Macken zu beschreiben und auch genauer auf diese traumatische Erfahrung einzugehen, ohne komplett in die Mitleidsschiene zu verfallen. So erlebt man Charlotte nicht als mitleiderregende Einsiedler-Maus, sondern als eine starke Frau, die eine furchtbare Vergangenheit hat und sich Mühe gibt, diese zu verarbeiten. Mir war Charlotte von Anfang an sympathisch und dass Gabriel absolut zum verlieben ist sollte ja wohl klar sein 😉 Ein intelligenter Mann, der die Frauen reihenweise mit seinem Traumkörper in den Bann zieht und sich dann ausgerechnet das Aschenputtel aussucht. Ein bisschen hat die Autorin sich hier schon an den Klischees bedient, aber es rutscht in meinen Augen nicht ins Kitschige ab.
Irritierend und unpassend finde ich nur das Cover, da Gabriel kein Rockstar ist und ich es daher ein wenig unpassend finde, die Geschichte unter dieses Motto zu stellen,

Insgesamt muss ich sagen, dass es Singh wieder gelungen ist, eine nette Lektüre für zwischendurch zu schreiben. Es mag keine qualitativ hoch anspruchsvolle Literatur sein, aber es macht Spaß zu lesen und ich freue mich auf Teil drei der Rock Kiss-Reihe, der im Juli erscheint.

Niemand konnte einen steinigen Weg ganz allein gehen.
– Charlotte Baird

4Sterne

28 Tage lang

28_Tage_lang28 Tage lang | David Safier | Rowohlt | erschienen 2014
ISBN 978-3-499-266638 | 9.99€
Leseprobe

Über David Safier:
1966 in Bremen als Sohn österreichischer Juden geboren machte David Safier nach dem Abitur eine Ausbildung zum Journalisten. Seit 1996 schrieb er überwiegend Drehbücher und war beispielsweise Hauptautor für die erfolgreiche Fernsehserie Berlin, Berlin. 2007 erschien sein Debütroman Mieses Karma, in den folgenden Jahren noch fünf weitere Romane. 28 Tage lang ist sein neuestes Buch und ist seinen Großeltern gewidmet, die im Ghetto von Lodz getötet wurden.
Safier lebt zusammen mit seiner Frau und den zwei Kindern in Bremen.

Mira ist sechzehn und lebt im Jahr 1943 im Warschauer Ghetto. Um sich und ihrer Familie das Überleben zu sichern, schmuggelt sie Lebensmittel ins Ghetto. Auf einer dieser Touren lernt sie Amos kennen. Er ist im Widerstand tätig, der den Aufstand gegen die Nazis plant. Als Mira klar wird, dass die Nazis sie alle vernichten wollen, geht auch sie in den Untergrund.
Tatsächlich können die verzweifelten jüdischen Kämpfer den Deutschen länger Widerstand leisten, als irgendjemand erwartet hat: 28 Tage lang.

Was für ein Mensch willst du sein?

Mich hat vermutlich noch nie ein offenes Ende so sehr mitgenommen, wie in 28 Tage lang. Ich hab mir unglaublich gewünscht zu wissen, wie es mit der Heldin des Romans, Mira, weiter geht.
Wenn wir aber mal vorne anfangen: Mira ist eine der Charaktere, die einem ans Herzen wachsen, die man aber oft sehr gerne auf den Mond schießen würde und die es einem manchmal wirklich schwer machen, sie zu mögen.
Ich hätte niemals erwartet, dass mir so oft die Tränen in den Augen stehen während dem Lesen. Ich bin ein kleiner Geschichtsfreak und habe schon einige Bücher über den Holocaust gelesen, aber Mira und ihr Überlebenskampf haben mich sehr berührt. Miras Geschichte ist nicht wie die von KZ-Überlebenden, die wirklich nur ums Überleben kämpften und bei denen es nie einen Zweifel gibt, dass die Menschen leben wollen. Mira kämpft auch ums Überleben, aber anders als im KZ zweifelt sie immer daran, ob es richtig ist, was sie tut: das Schmuggeln, der Widerstand gegen die Nazis. Mich hat es sehr berührt, wie sehr sie mit ihrem Schicksal gehadert hat, auch noch, als sie sich für den Widerstand entschieden hatte.
Andererseits liefert sie manchmal Vorstellungen ab, dass man sich wirklich an die Stirn greift. Teilweise ist sie einfach nur ein unglaublich egoistischer Teenager. Nur muss dieser Teenager unter extrem schwierigen Umständen leben. Und so wenig man Mira in solchen Situationen versteht, zeigen sie doch auch, dass diese Menschen eben nicht ihre Persönlichkeiten aufgegeben haben und sosehr das Ghetto sie verändert hat, bleiben sie doch sie selbst. In meinen Augen haben diese Situationen Mira authentischer gemacht, denn letzten Endes ist sie eine 16jährige, die eine unglaubliche Verantwortung übernehmen muss. Auch die Menschen des Widerstands, egal in welcher Form und in welchem Land, waren keine unfehlbaren Helden, sondern hatten eigene, manchmal nicht ganz einfache, Persönlichkeiten, die sie auch in dieser Extremsituation nicht aufgaben.
Auch die anderen Charaktere sind toll und glaubwürdig dargestellt. Besonders gefallen hat mir auch, dass Janusz Korczak in dem Buch auftaucht. Die Deportation „seiner“ Kinder hat mir während des Lesens die Tränen in die Augen getrieben.
Ich fand es erstaunlich, wie unterschiedlich die Menschen im Ghetto waren. In meiner Vorstellung waren alle diese armen Teufel Juden, die quasi nichts hatten und jeden Tag ums Überleben kämpften. Im Buch wird aber gezeigt, dass manche dieser Juden sich gar nicht als solche sahen und es wie auch außerhalb des Ghettos quasi verschiedene Schichten gab, die es unterschiedlich schwer hatten.
Zudem hat es mir gut gefallen, ein Buch über den Aufstand im Warschauer Ghetto zu lesen und so wieder in Erinnerung gerufen zu bekommen, dass eben nicht alle Juden sich komplett passiv und widerstandslos in die KZs haben führen lassen.

Insgesamt ein sehr gelungenes Buch, dass nicht nur Jugendlichen, sondern auch Erwachsenen zu empfehlen ist. In meinen Augen ein Buch, das man mal gelesen haben sollte, absolut Spaß macht zu lesen und es trotzdem schafft, dieses traurige Kapitel deutscher Geschichte anschaulich und glaubwürdig darzustellen.

„Die Frage ist […], wie willst du sterben? Willst du ein Mensch sein, der sich wehrlos abschlachten lassen will? Oder einer, der sich wehrt?“
– Amos

goldene_Sterne

Der Jahrhundertsturm

Der_JahrhundertsturmDer Jahrhundertsturm | Richard Dübell | Ullstein | erschienen 2015
ISBN 978-3-548-28664-8 | 9.99€
Leseprobe

Über Richard Dübell:
Dübell wurde 1962 in Landshut geboren, wo er mit seiner Frau und den zwei Söhnen auch heute lebt. 1997 erschien sein erstes Buch, Der Tuchhändler, eine historische Detektivgeschichte. Nach dem Erfolg des Romans schrieb Dübell vier weitere Geschichten mit dem Helden Peter Bernwald. Neben historischen Romanen schreibt er auch Krimis, Jugend- und Kinderbücher. Zudem sind auch schon Artikel von ihm in P.M. History erschienen.
Quelle: Autorenwebsite

Deutschland ist im Jahr 1840 ein Land im Umbruch: neue Techniken werden erfunden, neue Probleme tun sich auf und gleichzeitig versucht besonders der Adel Traditionen zu bewahren. In dieser Zeit verbindet eine Freundschaft die Männer Alvin von Briest und Paul Baermann, die in Teilen für eben diese unterschiedlichen Tendenzen stehen. Denn Alvin gehört dem alten Adelsgeschlecht der von Briest an und will seiner Rolle als preußischer Junker gerecht werden, während der Bayer Paul davon träumt Eisenbahningenieur zu werden. Beide sind sie verliebt in die gleiche Frau: die Französin Louise. Sie willigt ein Alvin zu heiraten, obwohl ihr Herz Paul gehört – denn Alvin hat sie aus der Pariser Gosse gerettet. Doch dann bauen sich die Spannungen zwischen Frankreich und Deutschland auf – und mittendrin ist ein Junkersfreund von Alvin: Otto von Bismarck.

Der Jahrhundersturm hat mich von der ersten Seite an gefesselt! Zunächst wird jeweils die Geschichte von Alvin, Paul und Louise erzählt, bevor die Stränge zusammengeführt werden: wie Alvin und Paul sich kennen lernen, spannend auch, wie sie Fuß im Berufsleben fassen und schlussendlich die Rettung Louises und ihrer Mutter.
Alle drei Hauptpersonen sind gut und glaubwürdig dargestellt, auch wenn mir Louise mit ihrer Liebe zu BEIDEN Männern, die sie manchmal nicht so recht zu handhaben weiß, oft sehr merkwürdig vorkam. Gut gefallen hat mir auch, dass alle drei sehr offen gegenüber Neuem und allgemein modern eingestellt sind. Das mag damit zusammenhängen, dass besonders Paul als Eisenbahnenthusiast regen Anteil an den neuen Entwicklungen nimmt. Da auch Alvin einige Zeit für ein Eisenbahn-Unternehmen arbeitet (diese werden alle in ihren Ansichten recht liberal dargestellt) und sich beide zudem oft in Frankreich aufhalten, eine Französin lieben, ist es wohl kein Wunder, dass sie beide sich offen gegenüber neuen Techniken und Entwicklungen zeigen.
Auch mein Bild über Otto von Bismarck wurde ein wenig verändert. War er mir aus dem Geschichtsunterricht doch eher unsympathisch, hat seine Darstellung in Der Jahrhundersturm daran etwas geändert. Zwar ist er wie im echten Leben sehr berechnend (ich sag da mal nur „Emser Depesche“), aber er hilft doch auch immer seinen Freunden (aka Alvin von Briest) und zeigt sich besonders ihnen gegenüber doch auch mal sehr uneigennützig. Wenn ich ehrlich bin, hat zu diesem „weicheren“ Bild von ihm auch seine hoffnungslose Liebe zu Marie von Thadden-Trieglaff beigetragen.
Mir persönlich hat auch gut gefallen, dass aus meiner Sicht alle Sparten des 19. Jahrhunderts abgedeckt wurden: die technische Entwicklung mit Eisenbahn und Telegraphie, die politische Entwicklung mit der 48er-Bewegung, Revolutionen und Kriegen, sowie das alltägliche Leben der Ober-, Mittel- und Unterschicht. In meinen Augen hat Dübell es geschafft, eine Mischung aus diesen drei Elementen zu finden, die das Lesen nie langweilig macht.
Oft musste ich auch ein wenig über unsere heutige Gesellschaft und ihre Luxusprobleme schmunzeln: Regen wir uns doch manchmal schon darüber auf, dass eine Website nicht in 0.01 Sekunden lädt, war es damals eine echte Neuerung, innerhalb von ein, zwei Stunden (!) eine Nachricht zu verschicken. Das ist eine Sache, die mir an historischen Romanen allgemein so gut gefällt: sie führen uns immer wieder vor Augen, wie froh wir (besonders Frauen!) sein können, dass wir in der heutigen Zeit in einem Land wie Deutschland leben dürfen! Allein wenn ich mir angucke, wie viel gefährlicher eine Fahrt mit der Eisenbahn zu dieser Zeit war, mache ich schon drei Kreuze 😉
Gut, dies soll ja keine Lobrede auf das 21. Jahrhundert sein, also weiter im Text 😀
Richard Dübells Schreibstil hat mir gut gefallen. Obwohl das Buch aus 1032 Seiten besteht, ist es gut zu lesen, wird nicht langweilig und wartet mit gut ausgearbeiteten Charakteren auf. Es hat also alle Zutaten, die ein Buch lesenswert machen – das interessante Thema darf man natürlich nicht vergessen. Dem Autor ist es gelungen, ein realistisches Bild der damaligen Zeit auf spannende Weise zu schreiben.

„Diese grenzenüberschreitenden Bekanntschaften und Freundschaften werden Kriege verhindern, weil man nicht auf seine Bekannten und Freunde schießen möchte.
– August Borsig

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