Betty und ihre Schwestern

Betty_und_ihre_SchwesternBetty und ihre Schwestern | Louisa May Alcott | cbj | erschienen 1868
ISBN 978-3-570-22102-0 | 4.95€

Über Louisa May Alcott:
Sie wurde am 29.11.1832 in Pennsylvania als zweite von vier Schwestern geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Wohl aus diesem Grund nahm Alcott zahlreiche Stellen an, so als Gouvernante, denn sie schwor sich, nie arm zu sein. Daneben veröffentlichte sie zahlreiche Bücher (1852 ihr erstes, Flower Fables) und Geschichten, beispielsweise in Zeitschriften. Zunächst wollte ihr Verleger das stark autobiografisch gefärbte Buch Little Women nicht veröffentlichen. Daraufhin ließ Alcott die Kapitel zunächst in ihrer Zeitschrift drucken. Dort wurden die Episoden so gut angenommen, dass ihr Verleger schließlich einknickte. Mit dem Buch gelang ihr der große Durchbruch.
Während ihrer Zeit als Krankenschwester im Sezessionskrieg steckte sie sich mit Typhus an und starb 1888 im Alter von 55 Jahren an einer Quecksilbervergiftung, die Folge der Typhus-Behandlung. Alcott heiratete nie und hatte auch keine Kinder.

Betty und ihre Schwestern spielt in der Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs. Der Vater der vier Mädchen ist als Soldat in den Krieg gezogen. Beschrieben wird das Leben seiner Familie, mit all den kleinen Alltagsproblemen, finanziellen Sorgen und den Rivalitäten unter den Kindern. Langsam entwickeln sich die Mädchen weiter, werden reifer, schließen neue Freundschaften und merken, wie wichtig ihre Familie ihnen ist. So sind sie ein ganzes Stück erwachsener geworden, als ihr Vater von der Front zurückkehrt.

Betty und ihre Schwestern steht schon eine ganze Weile bei mir im Regal und jetzt habe ich es nochmal in einem Rutsch verschlungen. Ich habe selbst drei Schwestern und es war verrückt zu sehen, dass sich in den letzten 150 Jahren einiges geändert hat – zum Glück! – aber die Reibereien, die es bei uns gab/gibt, waren schon damals präsent. Und auch in den Charakterzügen der vier Mädchen habe ich uns immer wieder erkannt. Daneben gibt es noch etwas zum Lachen, wenn Amy, die Jüngste, schwierige Wörter durcheinanderbringt und beispielsweise sagt: „Ich, Amy Curtis March, im Vollbegriff meiner geisternden Fähigkeiten …“.
Alle vier Mädchen durchlaufen im Roman eine Entwicklung, die sehr sympathisch und nachvollziehbar ist. Sie verändern sich nicht einfach von einem Tag auf den anderen und ohne erkennbaren Grund. Stattdessen werden bestimmte Situationen geschildert und anhand des Verhaltens der Mädchen gezeigt, wie sie sich verändert haben. Manchmal gibt es auch einen kleinen Schubs von Seiten der Mutter. Dieses „sich entwickeln“ spielt in Betty und ihre Schwestern eine große Rolle, ist aber dennoch auf angenehme und leichte Weise eingebracht. So wurden die Vier in meinem Kopf lebendig und ich habe richtig mit ihnen gelitten.
Natürlich ist das Frauenbild zu der damaligen Zeit ein ganz anderes gewesen, als heute und dieses gefällt mir nun mal nicht. Daraus kann man aber Louisa May Alcott wirklich keinen Vorwurf machen.
Meiner Meinung nach ist dieses Jugendbuch nicht nur für Jugendliche geeignet, sondern macht auch als Erwachsene(r) noch Spaß zu lesen.

„Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.“
– Betty March

5Sterne

Der Palazzo am See

DSC_0895Der Palazzo am See | Sophia Cronberg | Fischer | erschienen 2015
ISBN 978-3-596-19851-1 | 9.99€

Über Sophia Cronberg:
Cronberg, 1975 im österreichischen Linz geboren, entdeckte früh ihre Liebe zum Schreiben und so war im Alter von 14 Jahren der erste Roman abgeschlossen. Seit einigen Jahren ist sie hauptberuflich Schriftstellerin. Zusammen mit ihrer kleinen Tochter lebt sie in Österreich und Frankfurt am Main.

In Der Palazzo am See bekommt die junge Historikerin Stella den Auftrag, am Comer See eine Familienchronik über eine alte italienische Familie, die di Vairas,  zu schreiben. Bei den Forschungen für die Chronik stößt sie auch auf Tizia, die in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts ihren Mann und Stiefsohn bei einem Bootsausflug verlor – angeblich fielen diese einem Fluch zum Opfer. Seit Jahrhunderten soll dieser auf der Familie lasten, wodurch immer der Erstgeborene in jungen Jahren ums Leben kommt.
Zunächst hat Stella großes Mitleid mit Tizia, doch dann stößt sie auf das Tagebuch von Tizias Zofe und je mehr sie recherchiert, desto verworrener wird die Geschichte.
Gleichzeitig entgeht Stella immer wieder knapp Anschlägen auf sich selbst, muss sich mit mürrischen Bediensteten herumschlagen und lernt Matteo, den Enkel ihrer Auftraggeberin kennen. Zwischen den beiden knistert es von Anfang an heftig, aber Stella muss sich aufgrund der Anschläge fragen, ob sie ihm überhaupt vertrauen kann.

Mir hat Der Palazzo am See sehr gut gefallen. Im Buch werden quasi zwei Geschichten erzählt: einmal Stellas Geschichte in der Gegenwart und zum anderen die Geschichte um Tizia in den 1920ern. Beide Geschichten sind flüssig und spannend geschrieben. Auch wenn das Haptaugenmerk auf der Geschichte der di Vairas liegt, wird auch ein Einblick in das Italien der Zwanziger Jahre gegeben, zum Beispiel mit dem Aufstieg der Faschisten um Mussolini.
Cronberg hat vielschichtige Charaktere geschaffen, die im Laufe des Buches eine Entwicklung durchmachen. Immer wieder ändert sich das Bild über die Personen im Laufe der Geschichte. Besonders gefallen hat mir an den weiblichen Charakteren, dass sie, im positiven wie im negativen Sinne, für das kämpfen, was sie wollen und was sie als richtig erachten.
Enttäuscht hat mich nur die Auflösung der modernen Geschichte um Stella, die ein bisschen  abrupt und, aus meiner Sicht, auf merkwürdige Art kam.
Insgesamt ist es dennoch ein empfehlenswertes Buch, gut geeignet für den Sommer.

Er war sich nicht sicher, bei wem er sich entschuldigte. Bei dem Tamino, der er einst gewesen war, oder bei Tizia, über die er sich in seiner eigenen Rechtschaffenheit so empört hatte, obwohl er nun wusste, wie leicht es war, schuldig zu werden.
– Tamino Sivori

4Sterne

Rezension – Das Lächeln der Fortuna

England 1360: Der 12-jährige Robin läuft aus dem Kloster davon, nachdem sein Vater, der Earl of Waringham, Selbstmord begangen hat und das Gut der Waringhams einen neuen Earl bekommt. Zwischen dessen Sohn Mortimer und Robin, der sich als Pferdeknecht verdingt, entwickelt sich schnell eine tiefe Feindschaft. Schließlich verlässt Robin das Gut zusammen mit seinem taubstummen Freund Leofric. Als Mortimer ihn aufhalten will, besiegt er diesen im Kampf, gibt sich selbst als Earl of Waringham aus und schickt Mortimer ans andere Ende Englands. So führt in sein Weg wieder in die Welt des Adels und an der Seite des Duke of Lancaster kämpft er in zahlreichen Kriegen, bekommt schließlich ein eigenes Lehen zugesprochen – und steht Mortimer, dem rechtmäßigen Earl of Waringham, wieder gegenüber.

Das Buch ist seit 2009 in meinem Besitz und obwohl es ein dicker Schmöker mit über 1000 Seiten ist, habe ich es schon mehrere Male durchgelesen. Bücher, in denen der Aufstieg eines armen Menschen an die Spitze der Gesellschaft beschrieben wird, interessieren mich und zudem ist der Fall und Aufstieg von Robin spannend geschrieben. Gablé hat einen wirklich tollen Auftakt für ihren Ritterepos hingelegt. Die englische Geschichte ermöglicht es, einen spannenden Roman zu schreiben, mit Höhen und Tiefen wie im echten Leben. Zudem hat Gablé sympathische Hauptfiguren geschaffen und durch Robins Lebensweg erfährt man sowohl vom harten Leben der Bauern als auch dem ausschweifenden des Adels im mittelalterlichen England. Verständlich wird dadurch auch, warum Robin kein hochnäsiger Adliger wird, sondern immer ein „Bauernfreund“ bleibt. Trotz dieses eher untypischen Protagonisten, wird die Welt des Mittelalters anschaulich, interessant und ehrlich, eben auch mit den hässlichen Seiten, dargestellt.

Über Rebecca Gablé:
Rebecca Gablé wurde 1964 am Niederrhein geboren und machte nach dem Abitur eine Lehre zur Bankkauffrau. Als solche war sie auf einem Stützpunkt der Royal Air Force tätig, wo ihr Interesse an England erwachte. 1990 schrieb sie ihren ersten Roman und gab daraufhin ihren Beruf auf. In Düsseldorf begann sie ein Literaturstudium, wandte sich aber zunehmend der Mediävistik zu. 1995 erschien bei Lübbe ihr erster Kriminalroman, zwei Jahre später gelang ihr mit dem historischen Roman Das Lächeln der Fortuna der Durchbruch. Seitdem hat sie noch zehn weitere historische Romane veröffentlicht.
Quelle: Website der Autorin

WERBUNG

Hardcover: ISBN 978-3-431-03610-7 | 19,99€
Taschenbuch: ISBN 978-3-404-13917-0 | 12,90€
E-Book: ISBN 978-3-8387-0947-5 | 8,99€
Hörbuch: ISBN 978-3-7857-1429-4 | 14,99€
1.196 Seiten | erschienen 1997

Verlagswebseite zum Buch

Bildquelle
Rebecca Gablé: Facebook  – (c) by Olivier Favre

Rezension – Ein Vampir für gewisse Stunden

In Ein Vampir für gewisse Stunden wird die Barbesitzerin Leigh Gerard von einem Vampir angefallen und so selbst zum Vampir. Lucian Argeneau rettet sie vor dem sogenannten Abtrünningen, der sie gewandelt hat. In der Folge wacht er, mehr unfreiwillig, über ihre Wandlung und führt sie in das Leben als Vampir ein. Die beiden fühlen sich zueinander hingezogen, aber dann taucht der Abtrünnige wieder auf, um Leigh zurückzuholen.

Lucian taucht auch in den vorherigen Bänden der Argeneau-Reihe immer mal wieder auf – als mürrisches, eigenbrötlerisches und unsympathisches Familienoberhaupt, welches zumindest bei (angeheirateten) Teilen der Familie auch Angst einflößt.
In Ein Vampir für gewisse Stunden bekommt er mit Leigh ein ebenso starrsinnige, aber im Gegensatz zu ihm charmante und liebenswerte, Frau vor die Nase gesetzt.
Nach und nach wird die vielschichtige Persönlichkeit des Lucian Argeneau offenbar; seine jahrtausendealte Einsamkeit und sein Lebensüberdruss. Nach und nach wird er von Leigh aus seiner Reserviertheit gelockt und strengt sich für die Beziehung an, als er merkt, was für ein Schatz ihm mit Leigh in den Schoß gefallen ist.

Ich hatte schon ein paar Bücher von Lynsay Sands gelesen, bevor ich Ein Vampir für gewisse Stunden gekauft habe. Bei den vorherigen Büchern hatte ich schon das Gefühl, dass Sands es schafft, die Grundidee „Vampir/in findet menschlichen Lebensgefährten“ immer wieder interessant zu gestalten. Mit diesem Roman von ihr wurde ich positiv überrascht. Immer mal wieder konnte ich kaum an mich halten vor Lachen. Zwar waren auch die vorherigen Bücher immer mit einer Portion Humor versehen, aber hier hat Sands sich übertroffen. Zum Einen wirkten auf mich die humorvollen Szenen diesmal weniger angestrengt; als müsste sie sich Mühe geben, die Szene zu schreiben. Zum Anderen sind es diesmal nicht peinlich-lustige Missgeschicke, sondern ganz oft kleine Gesten oder ähnliches, die den Humor hervorbringen.
Alles in allem also ein gelungenes Buch zum zwischendurch mal kurz Lesen (das meine ich ganz wörtlich, ich hatte das Buch in anderthalb Stunden gelesen), bei dem man nicht viel nachdenken muss. Einfach eine angenehme, lustige Geschichte für den Sommer, auch wenn es schon etwas älter ist.

Weitere Meinungen zum Buch:
Tine’s Bücherwelt („eines der besten Bücher, wenn nicht sogar das beste Buch, in dieser Reihe geschrieben“)
Cora’s Bücherkiste („romantisch-erotisch-witzig“)
Booklove (6.2/10; „eine etwas oberflächliche und vorhersehbare Geschichte […] für entspannende Unterhaltung“)

Die Argenau-Reihe
Band 1: Eine Vampirin auf Abwegen Band 16: Rendezvous mit einem Vampir
Band 2: Verliebt in einen Vampir Band 17: Ein Vampir unterm Weihnachtsbaum
Band 3: Ein Vampir zum Vernaschen Band 18: Der Vampir in meinem Bett
Band 4: Immer Ärger mit Vampiren Band 19: Ein Vampir für alle Sinne
Band 5: Vampire haben’s auch nicht leicht Band 20: Vampir verzweifelt gesucht
Band 6: Ein Vampir für gewisse Stunden Band 21: Ein Vampir für alle Lebenslagen
Band 7: Ein Vampir und Gentleman Band 22: Ein Vampir zur rechten Zeit
Band 8: Wer will schon einen Vampir? Band 23: Ohne Vampir nichts los
Band 9: Vampire sind die beste Medizin Band 24: Tatsächlich Vampir
Band 10: Im siebten Himmel mit einem Vampir Band 25: Ein Vampir im Handgepäck
Band 11: Vampire und andere Katastrophen Band 26: Frühstück mit Vampir
Band 12: Vampire küsst man nicht Band 27: Ran an den Vampir
Band 13: Vampir zu verschenken Band 28: Vampir für dich
Band 14: Ein Vampir zum Valentinstag Band 29: Was der Vampir begehrt
Band 15: Vampir à la carte Band 30: Und ewig lockt der Vampir

Über Lynsay Sands:
Sands wurde in Kanada geboren, studierte Psychologie und schrieb zahlreiche Romane. Am bekanntesten ist die Argeneau-Reihe; diese verschaffte ihr auch den internationalen Durchbruch.
Quelle: Lübbe

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Originaltitel: Bite me if you can | Übersetzer: Ralph Sander
Taschenbuch: ISBN 978-3-8025-8254-7 | 9,95€
E-Book: ISBN 978-3-8025-8586-9 | 8,99€
384 Seiten | erschienen 2009

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Autorin: Website der Autorin
Cover: Lübbe

Rezension – Mit Maigret an die Côte d’Azur

Mit Maigret an die Côte d’Azur umfasst zwei Krimis mit Kommissar Maigret; zum einen Maigret in der Liberty Bar und Maigret und die verrückte Witwe.
In Maigret in der Liberty Bar wird ein reicher Mann, der mit seiner Geliebten und deren Mutter zusammenlebte, ermordet. Zunächst fällt der Verdacht auf seine Mitbewohnerinnen, doch dann landet Maigret in der Liberty Bar.
Maigret und die verrückte Witwe beginnt damit, dass eine alte Dame Maigret um Hilfe bittet. Sie fühlt sich verfolgt, zudem durchsucht jemand in ihrer Abwesenheit ihre Wohnung. Bevor Maigret die Dame besuchen kann, wird sie jedoch ermordet. Recht schnell konzentrieren sich Maigrets Ermittlungen auf die Nichte der betagten Witwe.
Nur Maigret in der Liberty Bar spielt komplett an der Côte d’Azur, im zweiten Roman reist er im Zuge der Ermittlungen für einen Tag in den Süden Frankreichs.

Zunächst einmal zu Maigret in der Liberty Bar: Von den beiden Krimis in diesem Sammelband, gefällt mir dieser weniger. Immer wieder bemerkt Maigret, dass ihm die Hitze wohl zu Kopf steigt, und so ist die Geschichte auch geschrieben. Ich fand es schwer, seine Gedankensprünge nachzuvollziehen. Das ist einfach eine Sache, die mir nicht gefällt und die mir das Buch ein kleines bisschen verdorben hat.
Davon mal abgesehen ist es ein spannender Roman in der Hinsicht, dass man (oder zumindest ich 😉 ) lange im Dunkeln tappt, wer wohl der Täter sein könnte. Und das überraschende Ende hat mir auch gut gefallen.

Bei Maigret und die verrückte Witwe liegt der Fall schon anders. Hier wird um einiges mehr mit Beweismitteln gearbeitet und nicht nur nach Bauchgefühl gehandelt. Ich konnte der Handlung besser folgen und habe am Ende verstanden, wie er auf den Täter/die Täterin gekommen ist. Diesmal war auch eher gegeben, was Wikipedia über Maigret sagt: „Typisch für die Maigret-Romane ist der Umschlag des anfänglich kriminalistischen Rätsels auf die psychologische Ebene der Erforschung des Motivs“. Dieses „psychologische Dingsbums“ gefällt vermutlich nicht jedem, aber für mich hat das auch einen gewissen Reiz ausgemacht.

Über Georges Simenon:
Simenon wurde am 12.02.1903 in Lüttich geboren und starb am 04.09.1989 in Lausanne. Seine bekannteste Figur ist Jules Maigret, über den er 75 Kriminalromane schrieb. Außerdem verfasste er unter seinem Namen über 100 weitere Romane, 150 Erzählungen und, unter verschiedenen Pseudonymen, 200 Groschenromane sowie über 1000 Kurzgeschichten. Simenon ist einer der meistgelesenen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts und zahlreiche Werke von ihm wurden verfilmt.
Quelle: Wikipedia

Bildquelle
Autor: Wikipedia (Von Jac. de Nijs / Anefo – Nationaal Archief, CC-BY 4.0)

Rezension – In Zeiten des abnehmenden Lichts

Der Roman erzählt die Geschichte einer Familie in der DDR, von den 1950er Jahren bis ins 21. Jahrhundert. Er spielt vornehmlich in der DDR, Nebenschauplätze sind aber auch Mexiko und Russland. Vom Aufbau der DDR bis zu ihrem Untergang; mit Vorurteilen gegenüber dem Westen, aber auch dem eigenen Sohn; Misstrauen gegenüber allem und jedem; Auflehnung der jüngeren Generationen und Festhalten der älteren Generationen. Beschrieben werden die Alltagsprobleme der DDRler, der florierende Schwarzmarkt,… Es gibt aber eben auch die Probleme, die uns heute noch plagen: Pubertät, Depressionen, Alkoholismus, anstrengende Schwiegermütter 😉

Auch In Zeiten des abnehmenden Lichts war, wie Die Türme des Februar, eine der SuB-Leichen, die bei mir herumlag. Ich hatte mal angefangen, das Buch zu lesen, aber bin nie fertig geworden. Jetzt hab ich mich da nochmal drangemacht – und war positiv überrascht. Zu Beginn fand ich es schwierig, in die Geschichte hineinzukommen, dazu haben insbesondere die vielen Rückblicke beigetragen. Das Buch spielt zwar zunächst im Jahr 2001, aber nur fünf der zwanzig Kapitel spielen 2001. Der zweite Negativ-Punkt ist, dass die Geschichte manchmal langatmig wird.
Sobald man in die Geschichte gefunden hat, erzählt Ruge einen spannenden Familienepos, mit teils autobiografischen Anwandlungen. Im Allgemeinen profitieren historische Romane meiner Meinung nach von den Überraschungen, die die Geschichte hervorgebracht hat. Auch dieser lebt von Ergebnissen, die so stattgefunden haben oder haben könnten. Daneben gibt es aber auch noch den ein oder anderen Cliffhanger und einige überraschende Wendungen.
Insgesamt also ein sehr spannender Roman über ein interessantes Stück deutscher Geschichte.

Weitere Meinungen zum Buch:
Heidtmanns Bücher (5 Sterne; „ein umfassendes literarisches Stimmungs- und Milieubild der DDR“; ein bisschen spoilerbehaftet)
Lesen und lesen lassen („ein sehr interessantes Buch, das eine DDR-Intellektuellenschicht in ihrem oft wenig bekannten Facettenreichtum darstellt“)
Lesen in Leipzig („Zum Glück wurde [die Geschichte] erzählt.“)

Über Eugen Ruge:
Ruge wurde 1954 in der Sowjetunion geboren, zwei Jahre nach seiner Geburt siedelte die Familie in die DDR über. Dort studierte er Mathematik und arbeitete dann an der Akademie der Wissenschaften der DDR. 1986 begann er seine Tätigkeit als Schriftsteller, Dokumentarfilmer und Drehbuchautor. Zwei Jahre später zog er in die BRD und wirkt seitdem vor allem als Autor für Theater, Film und Radio.
In Zeiten des abnehmenden Lichts ist Ruges Debütroman, 2011 erhielt er dafür den Deutschen Buchpreis.
Quelle: Wikipedia

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Taschenbuch: ISBN 978-3-499-25412-3 | 10,00€
E-Book: ISBN 978-3-644-01411-4 | 9,99€
Sonderausgabe: ISBN 978-3-499-26753-6 | 12,00€
432 Seiten | erschienen 2013

Verlagswebseite zum Buch

Trailer zur Buchverfilmung

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Autor: Rowohlt
Cover: Rowohlt

Rezension – Die Türme des Februar

Die Türme des Februar ist als Tagebuch aufgebaut. Dass es daher mit einem Datum beginnt ist nichts ungewöhnliches – das dieses Datum der 30. Februar ist, dagegen schon. Der Tagebuch-Schreiber, ein 14-jähriger Junge, steht plötzlich an einem Strand; Fußspuren führen aus dem Wasser bis zu ihm und er hat keinerlei Erinnerungen. Er weiß weder wie er heißt, noch woher er kommt und schon gar nicht, wie er an diesen Strand gekommen ist. Auf der Suche nach sich selbst beginnt er, das Tagebuch zu schreiben, begegnet Menschen, die ihm helfen, verliebt sich. Eine wichtige Rolle dabei spielen die zwei identischen Türme in den Dünen, die ihm bekannt vorkommen.

Zwar soll Die Türme des Februar ein Jugendbuch sein und es steht auch schon seit einigen Jahren in meinem Bücherregal, immer mal wieder angefangen und nie zu Ende gelesen. Ich würde es eher nicht Jugendlichen empfehlen. Tonke Dragt arbeitet viel mit Andeutungen, die ich nicht verstanden habe, als ich jünger war. Heute aber ist es ein spannendes Buch. Das Ende bleibt ein Stück weit offen, was mir normalerweise eher nicht gefällt. Da diese Geschichte aber so gut ist, macht es Spaß, sich vorzustellen, was wohl passiert.
Der Aufbau als Tagebuch sorgt dafür, dass man sehr gut mit dem „Autor“ mitfühlen kann, auch wenn man das ein oder andere vor diesem versteht. So wird es zu einem Buch, welches man kaum aus der Hand legen möchte.
Dass es sehr viele Andeutungen gibt ist für mich ein Grund, „nur“ vier Sterne zu vergeben – mir sind geradlinige Bücher lieber. Dennoch ist es ein geniales Buch, eben nicht nur für Jugendliche geeignet.

Über Tonke Dragt:
Tonke Dragt wurde 1930 in Jakarta geboren (dort arbeitete ihr Vater für die niederländische Regierung) und heißt mit vollem Namen Antonia Johanna Dragt. Zwischen ihrem zwölften und fünfzehnten Lebensjahr, während dem Zweiten Weltkrieg, wurde die gesamte Familie in einem japanischen Gefangenenlager interniert. Hier dachte Dragt sich erste Geschichten für Familie und Freunde aus.
Nach dem Krieg machte sie ihr Abitur in den Niederlanden und studierte dort Zeichnen. Daraufhin arbeitete sie als Zeichenlehrerin in den Niederlanden. 1961 erschien ihr erstes Buch Der Goldschmied und der Dieb: Geschichten von den ungleichen Zwillingsbrüdern. Insbesondere in den Niederlanden wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Quelle: Beltz

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Originaltitel: Verhalen van de Tweelingbroers | Übersetzerin: Liesel Linn
Taschenbuch: ISBN 978-3-407-78937-2 | 8,95€
464 Seiten | erschienen 1983

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Autorin: Beltz
Cover: Beltz

Rezension – Eine kurze Geschichte der Menschheit

Harari beschreibt in seinem Buch den Werdegang des Homo sapiens von einem Tier unter vielen zum Herrscher des Planeten. Daher geht’s von den Jägern und Sammlern über die ersten Bauern, die Könige des Mittelalters und Napoleon bis zu uns heute. Außerdem stellt er einige Theorien vor, wie sich der Mensch in einigen Jahren (oder Jahrtausenden) entwickelt hat und welche Rolle die Technik für unsere weitere Entwicklung spielt.

Auf den ersten Blick mag sich das nicht besonders spannend anhören: Ein Sachbuch! Aber ich kann den vielen begeisterten Pressestimmen nur zustimmen. Harari schreibt sehr anschaulich, schafft es, auch komplizierte Sachverhalt durch Beispiele zu erklären und streut immer mal wieder eine Brise Humor ein. Diese Mischung sorgt dafür, dass sich das Sachbuch wie ein Roman liest – noch dazu wie ein guter Roman 😀

Daneben regt das Buch durchgehend zum Nachdenken an. Zum Beispiel, wenn Harari die These aufstellt, dass „der Menschheit immer mehr Ressourcen zur Verfügung [stehen]“ (S. 428). Dies widerspricht schließlich dem, was viele (alle?) denken, dass unsere Ressourcen nämlich zur Neige gehen. Ich dachte bei solchen Thesen von Harari zunächst: Vielleicht hat der gute Mann in letzter Zeit keine Zeitung gelesen?! Aber dann stellt er anschaulich und gut dar, wie er dazu kommt, eine solche These aufzustellen. Schlussendlich sitzt man als Leser/in vor dem Buch und fühlt sich „gezwungen“ zuzustimmen.

Und schließlich beschreibt Harari am Ende des Buches einige Zukunftsszenarien, bei denen mir zumindest ein Schauer über den Rücken gelaufen ist. Diese sind nämlich kaum vorstellbar und dafür umso erschreckender. Tröstend bliebt da nur noch zu sagen, dass auch laut Harari die Geschichte weder lenk- noch vorhersehbar ist.

Wir haben die zweifelhafte Ehre, die mörderischste Art in der Geschichte des Lebens zu sein.

Kindle-Pos. 1309

Weitere Meinungen zum Buch:
Fabelhafte Bücher („Dieses Buch macht wirklich klug.“)
Bücherliebe (5/5 Sterne; „Es hat selten so viel Spaß gemacht ein Sachbuch zu lesen.“)
Swantje Niemann („deckt auf unterhaltsame Weise Zehntausende von Jahren ab und beleuchtet wichtige Stationen und Strukturen, die den Menschen zu dem gemacht haben, was er ist.“)

Über Yuval Noah Harari:
Harari wurde 1976 geboren und ist Professor für Geschichte an der Hebrew University of Jerusalem. Spezialisiert hat er sich auf Universal- und Militärgeschichte. Sein Buch Eine kurze Geschichte der Menschheit wurde 2011 in Israel zum Nr.1-Bestseller und auch in Deutschland ist das Buch ein Spiegelbestseller.
Quelle: DVA, Wikipedia

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Originaltitel: A Brief History of Mankind – Kizur Toldot Ha-Enoshut | Übersetzer: Jürgen Neubauer
Taschenbuch: ISBN 978-3-570-55269-8 | 14,99€
E-Book: ISBN 978-3-641-10498-6 | 13,99€
528 Seiten | erschienen 2013

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Autor: Website des Autors
Cover: Randomhouse

Rezension – Leopardenblut

2079 bevölkern drei verschiedene Bevölkerungsgruppen die Erde: Menschen, Mediale und Gestaltwandler. Mediale und Gestaltwandler stehen sich dabei quasi feindlich gegenüber. Mediale handeln grundsätzlich rational und behaupten von sich, keine Gefühle zu haben. Die Gestaltwandler dagegen sind gefühlsbeherrscht, besitzergreifend und legen viel Wert auf Berührungen.
In Leopardenblut trifft die Mediale Sascha Duncan auf den Gestaltwandler Lucas Hunter. Er ist das Alphatier der DarkRiver-Leoparden. Vom ersten Augenblick an fühlt sie sich zu ihm hingezogen,  aber in der Welt der Medialen sind Gefühle nicht erlaubt.

Zunächst einmal muss ich sagen, dass mir schon allein die Idee mit den Gestaltwandlern und Medialen gut gefällt. Nalini Singh hat diese gute Idee auch noch gut umgesetzt. Und ein super besitzergreifender, sexy, total verknallter, wilder Mann wie Lucas hat schon was 😉 Die Hauptfiguren sind sehr sympathisch und haben alle ihr Päckchen zu tragen. Ich habe ja schon mal erwähnt, dass ich keine perfekten Protagonisten mag und durch die Geschichten, welche die Protagonisten hinter sich haben, wird diese Vorliebe von mir erfüllt. Weniger gefällt mir, dass sich die Gefühle zwischen Sascha und Lucas nicht wirklich entwickeln. Sie sind einfach plötzlich da und das ging mir ein bisschen zu schnell. Sascha sagt zwar schon von Anfang an über sich, dass sie einen Defekt hat, da sie fühlt. Aber von einem Tag auf den anderen sieht sie das nicht mehr als Defekt an, ohne dass sie dabei eine wirkliche Entwicklung durchlebt.
Es ist noch zu erwähnen, dass dieser Roman an einigen Stellen als „Thriller“ angegeben wird. Das ist er nicht einmal ansatzweise! Zwar gibt es einen Art Krimi im Roman, aber die Liebesgeschichte zwischen Sascha und Lucas nimmt eindeutig mehr Raum ein.

Mittlerweile gibt es 18 Romane und Kurzgeschichten über die Gestaltwandler und ich habe fast alle gelesen, da man dabei einfach eher wenig denken muss. Aber grundsätzlich sind sich Singhs Romane über die Gestaltwandler alle sehr ähnlich und vor allem gibt es meiner Meinung nach zu wenig Unterschiede zwischen den weiblichen Hauptfiguren. Sie haben alle ähnliche oder sogar gleiche Charaktereigenschaften. Kennt man fünf der Romane, kennt man alle. Das ist schade, denn eigentlich kann man aus dieser Idee sehr viel herausholen.

Weitere Meinungen zum Buch:
Izzys Nerdvana („Ein großartiger Auftakt einer wundervollen Reihe.“)
Walking in the Clouds („Kreativer, spannender und sinnlicher geht es kaum.“)
Zwischen den Seiten (4/5 Sterne; „definitiv nicht meine letzte Begegnung mit dieser Buchreihe“)

Über Nalini Singh:
Nalini Singh, geboren 1977 auf den Fidschi-Inseln, wuchs in Neuseeland auf und lebt dort. Sie schreibt Romantic-Fantasy und ist New York Times Bestseller-Autorin.
Quelle: Wikipedia

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Originaltitel: Slave to Sensation | Übersetzerin: Nora Lachmann
Taschenbuch: ISBN 978-3-8025-8152-6 | 9.95€
E-Book: 978-3-8025-8763-4 | 8.99€
400 Seiten | erschienen 2008

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Autorin: Website der Autorin
Cover: Lübbe

Rezension – The Mysterious Affair at Styles

The Mysterious Affair at Styles ist der erste Krimi von Agatha Christie; geschrieben hat sie ihn während des Ersten Weltkriegs, genauer 1916, veröffentlicht wurde er aber erst vier Jahre später.
Erzählt wird der Roman aus der Sicht des Lieutnant Arthur Hastings. Er ist nach einer Kriegsverletzung zu Besuch bei seinem Freund John Cavendish auf dem Gut Styles, dem Gut der Cavendishs. Als die Mutter seines Freundes ermordet wird, bittet Hastings seinen Freund Hercule Poirot um Hilfe. Poirot ist ein pensionierter belgischer Polizeibeamter, der sich im Exil in England als Privatdetektiv betätigt.

The Mysterious Affair at Styles ist nicht mein erster Poirot-Roman – ich liebe sie einfach. Die Bücher, die Fälle und den belgischen Detektiv! Poirot ist sehr stark von seinen Fähigkeiten überzeugt, was ihn mir in bestimmten Situationen recht unsympathisch macht. Irgendwie macht aber auch das einen Reiz aus, ich finde es immer gut, wenn die Protagonisten keine perfekten Leute ohne Fehler sind. Sie müssen Ecken und Kanten haben und Poirot hat das. Zu diesem Ermittler kommt noch, dass Agatha Christie es immer wieder schafft, falsche Fährten zu legen. Diese sind so überzeugend, dass man als Leser dieser Idee folgt – und dann steht plötzlich Poirot da und zerpflückt die eigenen Schlussfolgerungen in der Luft. Manchmal erinnern mich die Bücher über Poirot an Sherlock Holmes. Besser gefällt mir hier, dass man als Leser im Nachhinein alles nachvollziehen kann. Holmes arbeitet oft mit Gerüchen oder ähnlichem und diese werden dem Leser nicht mitgeteilt. So sitzt man am Ende manchmal da ohne zu verstehen, wie Holmes auf die Lösung gekommen ist.
Die Bücher von Agatha Christie sind schon älteren Kalibers aber ich finde sie einfach genial! Da ich sie auf englisch lese, dauert es länger, bis ich sie gelesen habe, aber ich genieße jede einzelne Minute!

„The happiness of one man and woman is the greatest thing in all the world.“

Hercule Poirot (Kindle-Pos. 3421)

Weitere Meinungen zum Buch:
In Büchern leben (4/5; „Agatha Christie hat eindeutig schon stärkere und verzwicktere Fälle zu Papier gebracht!“)
Reactions to Reading (4.5/5; „I doubt there are many authors who have produced such a solidly accomplished first novel that is also perfectly readable and enjoyable ninety years after its release.“)
Leaves & Pages (7/10; „a well-constructed first attempt at the genre, and a grand little period piece“)

Über Agatha Christie:
Agatha Christie wurde 1890 im britischen Torquay geboren und starb 1976 in Wallingford.  Sie ist weltweit als die Queen of Crime bekannt und wird in den Verkaufszahlen ihrer Bücher nur von der Bibel und Shakespeare übertrumpft. Insgesamt schrieb Christie mehr als 60 Kriminalromane; daneben sind aber auch einige Kurzgeschichten und Bühnenstücke entstanden. Ihre berühmtesten Figuren sind Hercule Poirot und Miss Marple.
Quelle: Wikipedia & „The Mysterious Affair at Styles“

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deutscher Titel: Das fehlende Glied in der Kette
Paperback: ISBN 978-0-0075-2-749-6 | £8.99
E-Book: ISBN 978-0-0074-2-258-6 | £0.99
288 Seiten | erschienen 1920

Verlagswebseite
zum Buch

Bildquellen
Autorin: Website zu Agatha Christie – The Later Years
Cover: HarperCollins