Liebe mediterran – abgebrochen

Heute habe ich angefangen Liebe mediterran von Constanze Klingner zu lesen. Klar, nicht ganz das passende Thema für die Weihnachtszeit, aber ich muss gerade meinen kostenlosen Kindle Unlimited-Monat voll ausnutzen 🙂
Ich bin eigentlich schon ohne große Erwartungen an das Buch ran. Mit hat es gefallen, dass noch das ein oder andere Rezept im Buch vorkommt.

Trotz meiner nicht vorhandenen Erwartungen musste ich das Buch jetzt abbrechen.
Zunächst einmal ist in diesem Buch nicht einer der Hauptcharaktere wirklich sympathisch. Besonders Franziska, auf der das Hauptaugenmerk liegt, geht mir furchtbar auf die Nerven! Absolut nichts gegen starke Frauen, die ihren Weg gehen (eher im Gegenteil, die gefallen mir sonst sehr!), aber in diesem Buch ist das alles schon sehr abgedroschen.
Auch Alessandro, der männliche Hauptprotagonist, hat sich bei mir nicht wirklich beliebt gemacht. Ich konnte sein Verhalten überhaupt nicht nachvollziehen, viel zu sprunghaft ohne ersichtlichen Grund. Manchmal hab ich gedacht: „Wer von den beiden ist denn die Zicke?!“
Und Franziskas Mutter, die sich Sorgen macht, dass sie mit ihrer Erziehung etwas falsch gemacht hat – weil Franziska karriereorientiert und erfolgreich ist! Ich würde mir eher Sorgen machen, wenn das Kind Drogen nimmt oder den Schulabschluss nicht auf die Reihe kriegt!

Zu diesem sehr negativen Eindruck der Charaktere kommen noch einige Logikfehler, die mir das Lesen zusätzlich erschwert haben. Beispielsweise geht Luca, Alessandros Sohn, in die Schule, um dann kurz darauf von einem Baum auf dem Hof seines Vaters zu fallen. Auch von gefüllten Gnocchi habe ich noch nie gehört (vielleicht gibt’s die ja wirklich, aber das wäre mir nicht bekannt).

Liebe_mediterranInsgesamt bin ich vor allem froh, dass ich mir das Buch nur ausgeliehen habe!


Liebe mediterran
| Constanze Klingner | Amazon Publishing | erschienen 2015
4.99€
Leseprobe

abgebrochen

Capital Crimes

Capital_CrimesCapital Crimes – London Mysteries | Martin Edwards (Hrsg.) | The British Library | erschienen 2015
ISBN 978-0-7123-5749-4 | £8.99

Über Martin Edwards:
Edwards wurde 1955 im britischen Knutsford geboren. Er studierte Jura und arbeitet heute noch als Berater einer Rechtsanwaltskanzlei. Seit 1988 ist er verheiratet und hat zwei Kinder.
1991 erschien sein erster Krimi All the Lonely People; über den Detektiv des Buchs, Harry Devlin, hat er noch sieben weitere Krimis geschrieben. Bekannt ist auch seine Lake District Mysteries-Reihe. Zudem hat er über 50 Kurzgeschichten geschrieben. Er ist Mitglied der Crime Writers‘ Association, Vorsitzender des Komitees, das eine der höchsten Auszeichnungen der englischen Kriminalliteratur verleiht, und Archivar der Association.

Capital Crimes ist eine Zusammenstellung von 17 Kurzgeschichten, die alle in London spielen. Das ist auch schon die einzige Gemeinsamkeit (und natürlich, dass es alles Kriminalgeschichten sind). In dem meisten Fällen handelt es sich um Mord, aber es gibt auch die ein oder andere, die eher in Richtung Kurzthriller neigt und auch andere Verbrechen werden abgedeckt. Veröffentlicht wurden sie erstmals zwischen 1893 und 1946, decken also mehr als ein halbes Jahrhundert der englischen Kriminal-Kurzgeschichten ab. Unter den Autoren befinden sich so berühmte Namen wie Arthur Conan Doyle oder Edgar Wallace, zum größten Teil handelte es sich aber um Autoren die ich nicht kannte.

Ich muss zugeben, dass manche der Geschichten recht schwer zu lesen waren. Gerade bei Doyle waren mir einige der Worte unbekannt. Zudem wurden in einigen Geschichten wohl Dialekte wiedergegeben, was mir das Lesen nicht unbedingt erleichtert hat (als würde ein Ausländer ein auf schwäbisch geschriebenes Buch lesen 😀 ). Das hat sich aber in den späteren Kurzgeschichten gegeben, was ich vermutlich vor allem meinem exzessivem Agatha Christie-Lesen zu verdanken habe.

Davon einmal abgesehen aber ich auch einige neue Schätze entdeckt. Beispielsweise den blinden Amateur-Detektiv Max Carrados (erfunden von Ernest Bramah), oder die lippenlesende Judith Lee (von Richard Marsh).

Die kürzeste Geschichte geht über fünf Seiten, die längste über knapp 30. Allen gemeinsam ist, dass ihre Autoren es schaffen, auf sehr unterschiedliche Weise zu den unterschiedlichsten Verbrechen Spannung aufzubauen. Keine der Geschichten hat mich gelangweilt. Gefallen hat mir im übrigen auch, dass ein paar der Kurzgeschichten von Frauen stammen.

„I […] gravitated to London, that great cesspool into which all the loungers and idlers of the Empire are irresistibly drained.“
– Dr. John Watson

4Sterne

Karl der Große

Karl_der_GroßeKarl der Große – Der Roman seines Lebens | Thomas R. P. Mielke | emons | erschienen 1992 im Schneekluth-Verlag
ISBN 978-3-95451-170-9 | 11.90€
Leseprobe

Über Thomas R. P. Mielke:
Mielke wurde 1940 in Detmold geboren. Hauptberuflich war er lange Zeit Kreativdirektor in internationalen Werbeagenturen. Außerdem soll er der Erfinder des Kinder-Überraschungseis sein.
Als Ausgleich schrieb er in seiner Freizeit Romane. Der erste erschien 1960 und war ein Science-Fiction-Roman. 1988 wurde sein erster historischer Roman veröffentlicht; Gilgamesch, König von Uruk.
Mittlerweile lebt Mielke in Berlin; er ist verheiratet und hat vier erwachsene Kinder.
Quelle: Wikipedia

In Karl der Große macht Thomas R. P. Mielke aus der namengebenden Hauptfigur (wenn man in diesem Fall überhaupt von einer „Figur“ sprechen darf), die im Geschichtsunterricht mehr oder weniger gelangweilt hat und wie aus einer fernen Welt erschien, eine starke Persönlichkeit, deren Handlungen und Motive auf einmal nachvollziehbar werden. Karl der Große ist nicht mehr einfach nur eine der großen Persönlichkeiten aus Geschichtsbüchern, sondern ein Mensch wie jeder andere auch, der Probleme zu bekämpfen hatte, die wir uns heute nicht einmal mehr erträumen können. Der aber auch – ungelogen! – Probleme hatte, die wir heute noch sehr gut nachvollziehen können (Probleme mit eigenwilligen „Weibern“ beispielsweise). Und der mir vor allem mit einem Mal sehr viel moderner vorkam, als man es glauben sollte oder ich je geglaubt hätte – vor allem wenn man bedenkt, wann er gelebt hat!

Mir hat Karl der Große sehr gut gefallen! Zugegebenermaßen fand ich ihn auch im Geschichtsunterricht nie besonders langweilig, aber dieser Roman hätte mir auch gefallen, wenn ich nicht an ihm interessiert gewesen wäre!
Stellenweise hatte ich das Gefühl in einem fiktiven historischen Roman gelandet zu sein. Natürlich ist nicht jedes Wort überliefert, das Karl jemals von sich gegeben hat. Aber Mielke ist es in meinen Augen wunderbar gelungen, die schwarzen Löcher in Karls Biographie zu füllen; selbst Karls Bettgeflüster mit seinen diversen Ehe- und Nebenfrauen wirkt echt.
Mit dem Buch wurde mir der Mann auch sympathisch und nicht nur zu einer interessanten Perönlichkeit aus unserer Vergangenheit. Seine Liebe insbesondere zu seiner ersten Ehefrau und zu seinen Töchtern wird im Buch quasi spürbar. Auch sein aufgeschlossenes Denken, insbesondere in jungen Jahren, macht ihn zu etwas Besonderem – besonders wenn man bedenkt, dass Karl von 742-814 lebte.
Immer wieder hat mich der Roman auch ganz schön erstaunt, mit kleinen Anekdoten aus Karls Leben (‚War das jetzt erfunden?‘) und aus dem frühen Mittelalter.
An einigen Stellen ist mir das Buch ein wenig zu langatmig gewesen. Manchmal dachte ich, dass man dafür an anderer Stelle mehr Informationen hätte einfließen lassen können. Aber bei über 650 Seiten darf das auch mal vorkommen.
Insgesamt hat es sich trotzdem sehr flüssig, schnell und angenehm lesen lassen. Es ist nicht unbedingt leichte Lektüre, aber auf jeden Fall lesenswert!

“ Nicht, was die anderen von ihm erwarteten, war wichtig, sondern ganz allein das, was er selbst glaubte, fühlte und vertreten konnte.“
– Karl der Große

5Sterne

Engelskuss

U_8272_LYX_ENGELSKUSS_3A.IND5Engelskuss – Gilde der Jäger | Nalini Singh | Egmont LYX | erschienen 2010
ISBN 978-3-8025-8274-5 | €9.95

Über Nalini Singh:
Nalini Singh, geboren 1977 auf den Fidschi-Inseln, wuchs in Neuseeland auf und lebt dort. Sie schreibt Romantic-Fantasy und ist New York Times Bestseller-Autorin.
Quelle: Wikipedia

Die Jägerin Elena wird von Raphael, dem Erzengel von New York, angeheuert, um den Erzengel Uram zu jagen. Dieser wurde abtrünnig und richtet nun in Raphaels Herrschaftsgebiet ein Blutbad an. Eine ganz schöne Herausforderung – jagt Elena doch normalerweise Vampire!
Während dieser lebensgefährlichen Jagd, und damit zu einem recht unpassenden Zeitpunkt, weckt Raphael ihre Gefühle.

Engelskuss ist der erste Teil von Nalini Singhs Reihe Gilde der Jäger. Mittlerweile gibt es sieben Bände, vier davon drehen sich um Elena und Raphael.
Mir gefällt besonders Singhs Schreibstil. Er ist flüssig und gut lesbar. Durch unterschiedliche Ausdrucksweisen schafft sie es zudem, ihren Figuren Leben einzuhauchen. Deswegen hatte ich oft das Gefühl, dass Raphael, so modern er sich auch geben mag, eben doch ein jahrtausende alter Erzengel ist.
Mit Elena wird auch meine Vorliebe für starke Frauen befriedigt. Sie hat Raphael, seiner Folgschaft aus Engeln und Vampiren sowie ihrer „Beute“ Uram zwar körperlich eher wenig entgegenzusetzen. Aber sie lässt sich davon nicht unterkriegen und zumindest die Wortgefecht gewinnt sie regelmäßig und setzt sich so auch gegen Raphael durch.
Da ich insgesamt sechs Bücher der Reihe gelesen habe, kommt hier noch ein Pluspunkt: Im Gegensatz zu ihrer Gestaltwandler-Reihe finde ich die weiblichen Hauptpersonen besser gelungen. Die Unterschiede zwischen ihnen sind besser herausgearbeitet und werden auch besser dargestellt.

Insgesamt ist es eine nette Lektüre für zwischendurch, schnell gelesen, spannend, aber es fehlt ihr in meinen Augen das gewisse Etwas. Ich kann den Finger nicht wirklich drauflegen, was hier fehlt, um es zu einem wirklich, richtig guten Buch zu machen.

„Ich sterbe fast vor Angst. Aber Sie haben mich sicherlich nicht den ganzen Weg hierher kommen lassen, um mich vom Dach zu schubsen.“
– Elena Deveraux

4Sterne

Der Friedhof in Prag

Der Friedhof in Prag | Umberto Eco | dtv | erschienen 2010Der_Friedhof_in_Prag
ISBN 978-3-423-14227-4 | €11.90

Über Umberto Eco:
Eco wurde 1932 im piemontesischen Alessandria geboren. Er studierte zunächst Philosophie und Literaturgeschichte, arbeitete danach für kurze Zeit beim italienischen Fernsehen. Ab 1956 erschienen einige Sachbücher von ihm. Von 1975 bis 2007 war er als Professor an der Universität Bologna tätig. Außerdem erhielt er von 39 Universitäten weltweit die Ehrendoktorwürde.
Obwohl eines seiner Sachbücher, Einführung in die Semiotik, auch heute noch ein internationales Standardwerk ist, erlangte er weltweite Berühmtheit erst mit seinem Roman Der Name der Rose.
Seit 1962 ist er mit seiner deutschen Frau Renate Ramge verheiratet, mit ihr hat er zwei Kinder.

1830 wird der Protagonist des Romans, Simon Simonini, geboren. Zwar geht er bei einem Juristen in Lehre, erlernt dort aber in erster Linie das Fälschen von Dokumenten. Durch diese Tätigkeit kommt er im Laufe seines Lebens mit den unterschiedlichsten Geheimdiensten in Kontakt. Im Zuge seiner Arbeit wird er zu den Schauplätzen der französischen und italienischen Politik geführt, lernt wichtige Persönlichkeiten seiner Zeit kennen und wird durch seine Fälschertätigkeit zu einem der einflussreichsten Drahtzieher hinter den Kulissen. Letztendlich wird er als einer der Erfinder der Protokolle der Weisen von Zion dargestellt, quasi als Höhepunkt seines Lebens. Gleichzeitig wird so sein Einfluss auf das weitere Geschehen in der weltweiten Politik offensichtlich.
Der Roman ist als eine Art Tagebuch aus Simoninis Sicht geschrieben, unterbrochen immer mal wieder von einem Erzähler, der die Einträge kommentiert, sowie dem Abbé Dalla Piccola, der Simoninis Eintragungen ergänzt und teilweise einen Dialog mit ihm führt.

Die ersten paar Seiten von Der Friedhof in Prag fand ich verwirrend. Man wird in ein Geschehen hineingeworfen, welches der Protagonist nicht wirklich versteht. Das macht es dem Leser natürlich auch nicht leichter, zu verstehen, was da vor sich geht.
Wenn man aber einmal im geschehen angekommen ist, ist das Buch sehr spannend! Ich musste immer mal wieder schmunzeln, wenn Simonini hinter jeder Ecke eine jüdische oder freimaurerische oder jesuitische Verschwörung vermutet und dann eine Verschwörung gegen diese Verschwörung einleitet – sodass am Ende die einzige Verschwörung, die stattfindet, seine ist.
Ein wichtiges Thema des Buches ist der Antisemitismus, der sich während Simoninis Leben immer weiter verbreitet. Ich habe mich dabei immer gefragt, ob dass jetzt überspitzt dargestellt wurde oder nicht. Lachen musste ich dagegen über den ausgeprägten Frauenhass (oder die Frauenangst?!) Simoninis. Für die Frauen war das 19. Jahrhundert zwar nicht zum Lachen, aber wozu dieser Frauenhass Simonini treibt, ist schon erstaunlich!

Umberto Eco hat es in meinen Augen geschafft, mit viel Humor ein authentisches Bild der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen im 19. Jahrhundert zu erschaffen und dabei noch einen spannenden Roman zu schreiben!

„Beten wir dafür, dass es immer ein paar Juden gibt, die man fürchten und hassen kann. Wir brauchen einen Feind, um dem Volk eine Hoffnung zu geben.“
Pjotr Iwanowitsch Ratschkowski

4Sterne

The Murder of Roger Ackroyd

The Murder of Roger Ackroyd | Agatha Christie | Harper Collins | erschienen 1926
ISBN 978-0-00-714134-0 | £7.99The_Murder_of_Roger_Ackroyd
Leseprobe

Über Agatha Christie:
Agatha Christie wurde 1890 im britischen Torquay geboren und starb 1976 in Wallingford.  Sie ist weltweit als die Queen of Crime bekannt und wird in den Verkaufszahlen ihrer Bücher nur von der Bibel und Shakespeare übertrumpft. Insgesamt schrieb Christie mehr als 60 Kriminalromane; daneben sind aber auch einige Kurzgeschichten und Bühnenstücke entstanden. Ihre berühmtesten Figuren sind Hercule Poirot und Miss Marple.

Roger Ackroyd weiß, dass die Frau, die er liebt und heiraten will, erpresst wurde und sich deshalb das Leben nahm. Er ist der festen Überzeugung, dass sie ihm noch einen Brief geschrieben hat, in dem sie ihm den Namen des Erpressers mitteilt. Und sobald er diesen Namen weiß, will er damit zur Polizei gehen. Doch bevor er seinen Plan in die Tat umsetzen kann, wird er erstochen.
Hercule Poirot hatte sich in King’s Abbott niedergelassen, um seinen Ruhestand zu genießen. Doch dann bittet Mr Achroyds Nichte ihn, in dem Fall zu ermitteln und damit ihren Verlobten zu entlasten.
Erzählt wird der Krimi aus Sicht von Dr. James Sheppard, einem Freund von Roger Ackroyd und Doktor in King’s Abbott.

Das war das überraschendste Ende eines Krimis, das ich je gelesen habe!!
Ich habe ja nun schon einige Agatha-Christie-Bücher gelesen, aber wenn ich einen Favoriten auswählen müsste, wäre es dieses Buch!
Eigentlich darf ich über dieses Buch gar nicht mehr sagen, sonst müsste hier eine enorm große Spoiler-Warnung hin.
Wieder einmal lässt sich sagen, dass dieses Buch niemanden ansprechen wird, der spritzendes Blut und rauchende Pistolen erwartet. Dafür hat Christie erneut einen wunderbaren Denkkrimi à la Sherlock Holmes hingelegt.
In meinen Augen wird dieses Buch zurecht als einer der einflussreichsten Kriminalromane, die jemals geschrieben worden sind, und Christies Meisterstück bezeichnet (beide Angaben von Wikipedia).

Bei mir steht jetzt ein ganzer Stapel anderer Bücher auf dem Plan, aber ich kann es kaum erwarten, den nächsten Krimi von Agatha Christie zu lesen!

„Christie fooled you.“
– Dorothy L. Sayers

goldene_Sterne

Drei Tage im Mai

Drei Tage im Mai | Wolfgang Burger | Piper | erschienen 2015
ISBN 978-3-492-06018-9 | 14.99€Drei_Tage_im_Mai
Leseprobe

Über Wolfgang Burger:
Burger wurde 1952 im Schwarzwald geboren, lebt heute in Karlsruhe, ist verheiratet und hat drei Töchter.
1998 schrieb er seinen ersten Kriminalroman. Seit 2005 erscheint seine erfolgreiche Serie um den Heidelberger Kripochef Alexander Gerlach.
Mittlerweile wurden mehr als eine halbe Million seiner Bücher verkauft, er stand mehrfach auf der Spiegel-Bestsellerliste und zwei seiner Bücher wurden für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert.

In Heidelberg herrscht drückende Hitze, als die Kripo und deren Chef Alexander Gerlach zu einer Geiselnahme gerufen werden. Der Chef einer Immobilienfirma wird in seinem Büro festgehalten. Zeugen hören Streit und einen Schuss, dann tut sich nichts mehr. Der Geiselnehmer stellt auch keine Forderungen.
Verdächtige häufen sich, zimperlich war die Geisel bei ihrem Aufstieg an die Spitze der Immobilienfirma nämlich nicht.
Nach einer sehr ruhigen Nacht lässt Gerlach schließlich das Büro stürmen – aber Geiselnehmer und Geisel sind verschwunden!

Drei Tage im Mai war nicht mein erstes Buch über Alexander Gerlach und es hat mich voll überzeugt!
Man mag über Regional-Krimis sagen was man will; ich fand es schön, immer mal wieder zu denken: „Das kenn ich doch!“ oder „Da war ich schon!“
Auf der anderen Seite steht auf der Wikipedia-Seite von Wolfgang Burger, dass er die Einordnung als Regional-Krimi nicht besonders schätzt. Das verstehe ich absolut (Regional-Krimi hat in meinen Ohren immer einen etwas abfälligen Beiklang). Außerdem finde ich, dass diese Kategorie auf die Alexander-Gerlach-Reihe nicht zutrifft. Klar spielt der Roman in Heidelberg und Umgebung, aber irgendwo muss ein Krimi ja auch spielen. Wenn ich mal als drastisches Beispiel Agatha Christie anführen darf: Niemand würde ihre Krimis als regional einstufen, obwohl sie doch zum allergrößten Teil in London spielen.
Mich würden Burgers Romane auch ansprechen, wenn ich nicht zwei Jahre in Heidelberg gelebt hätte.

Eine Sache, die mir auch hier wieder gut gefällt: Es geht nicht nur darum, möglichst viel Blut zu vergießen. Kein wildes Rumgeballere, kein Blut oder Gehirnmasse die irgendwo hinspritzt oder runterläuft. Alexander Gerlach ist auch kein super aussehender Superheld, schlägt sich mit den gleichen Problemen rum wie wir (für pubertierende Teenager-Töchter ist es zwar bei mir noch zu früh, aber ihr wisst, was ich meine 😉 )

Ich bekomme bei Burgers Krimis immer das Gefühl, dass die beschriebene Polizeiarbeit eher der Wahrheit entspricht, als in vielen anderen Büchern. Hier wartet man tatsächlich auf Durchsuchungsbefehle – dass es die gibt, vergisst man manchmal beim Gucken von NCIS & Co.

Obwohl es sich hier nicht um einen Action-Krimi handelt, baut Burger eine Spannung auf, wie sie nur selten gelingt. Teilweise wartet man über vier Seiten mit der Kripo auf eine neue Entwicklung und es tut der Spannung und dem Lesevergnügen keinen Abbruch.

Oft ist es ein Segen, dass wir unsere Zukunft nicht kennen.
– Alexander Gerlach

5Sterne

The Complete Short Stories – Hercule Poirot

The Complete Short Stories – Hercule Poirot | Agatha Christie | HarperCollins |Short_Stories_Hercule_Poirot erschienen 2008
ISBN 978-0006513773 | £16.99

Über Agatha Christie:
Agatha Christie wurde 1890 im britischen Torquay geboren und starb 1976 in Wallingford.  Sie ist weltweit als die Queen of Crime bekannt und wird in den Verkaufszahlen ihrer Bücher nur von der Bibel und Shakespeare übertrumpft. Insgesamt schrieb Christie mehr als 60 Kriminalromane; daneben sind aber auch einige Kurzgeschichten und Bühnenstücke entstanden. Ihre berühmtesten Figuren sind Hercule Poirot und Miss Marple.

An dieser Stelle und für dieses Buch erübrigt es sich ein Stück weit, eine Zusammenfassung des Inhalts zu schreiben. Der Titel sagt eigentlich schon ganz genau, worum es in diesem Buch geht: Es ist eine Zusammenstellung von 52 Kurzgeschichten mit Hercule Poirot; eine der Kurzgeschichten wurde wohl zum letzten Mal im Jahr 1936 publiziert.
Es lässt sich noch sagen, dass es nicht nur um Mord geht, sondern auch um verschwundene Personen, Diebstahl und alle Verbrechen, die man sich nur vorstellen kann.

Mit knapp 900 Seiten war dieses Buch ein echtes Riesen“projekt“, andererseits war es absolut perfekt für mich! Dadurch, dass es Short Stories waren, konnte man das Buch auch mal für zwei Tage aus der Hand legen, ohne dass man sofort den Faden verloren hat. Das war richtig gut, da ich oft Abends einfach nur ins Bett gefallen bin, ohne überhaupt nur an Lesen zu denken!
Wieder einmal wurden meine Erwartungen absolut erfüllt! Egal ob die Kurzgeschichte über knapp 10 Seiten ging oder 50 Seiten gefüllt hat, Agatha Christie hat es immer geschafft, Spannung aufzubauen und eine erstaunliche Lösung des Falls zu präsentieren. Bei nicht einer dieser Geschichten war ich danach enttäuscht.
Auch gut gefallen hat mir, dass man Poirots Marotten (beispielsweise die Obsession mit seinem Schnurrbart) noch besser „kennenlernen“ konnte und Christies unterschwelliger Humor so gut zur Geltung kam.

„I, who have undoubtedly the finest brain in Europe at present, can afford to be magnanimous.“
– Hercule Poirot

5Sterne

Der faszinierende Alltag im Römischen Reich

Der faszinierende Alltag im Römischen Reich | Alberto Angela | Goldmann |
erschienen 2013Alltag_im_Römischen_Reich
ISBN 978-3-442-15763-1 | 10.99€
Leseprobe

Über Alberto Angela:
Angela wurde 1962 in Paris geboren, studierte dann an der Harvard University, der Columbia University, in Los Angeles und Rom. Er nahm als Paläontologe an Ausgrabungen in Afrika und Asien teil, heute ist er ein populärer Moderator von italienischen Wissenschaftssendungen und wissenschaftlicher Autor. Auf Deutsch sind drei Bücher von ihm über das Römische Reich erschienen.

In Der faszinierende Alltag im Römischen Reich, dem zweiten Buch des Autors, unternimmt man als Leser eine Reise durch das Römische Reich zur Zeit seiner größten Ausdehnung. Es ist gewissermaßen die Fortsetzung von Angelas Buch Ein Tag im Alten Rom, in welchem die Stadt unter Kaiser Trajan vorgestellt wird. Nun folgt man einem Sesterz auf seiner Reise durch das Römische Reich, an die Grenzen der „Zivilisation“, eine Reise auch durch alle Schichten des Weltreichs.

Ich war von Angelas erstem Buch sehr begeistert und dieses hier hat mich nicht enttäuscht. Er schreibt seine Bücher im Präsens und so, als würde man wirklich daneben stehen, wenn der Sesterz von Hand zu Hand weiter gereicht wird. Auf seiner wilden, absolut nachvollziehbaren Reise, lernt man sehr viel über das gesellschaftliche Leben im Römischen Reich. Der Sesterz war eine Geldeinheit, die auch in den unteren Schichten üblich war und somit ist es verständlich, dass auch ärmere Schichten in Angelas Buch zu Wort kommen.
Auch wenn es ein Sachbuch ist, ist es eher geschrieben wie ein Reisebericht, sehr eindrücklich, spannend und außergewöhnlich.
Ich habe mich wirklich gefühlt, als wäre mit dabei auf dieser Reise durch das Römische Reich und ich bin eindeutig der Meinung, dass es mehr solcher Bücher geben sollte! Die harten Fakten über dieses Weltreich kann jeder nachlesen, oder bekommt sie in der Schule beigebracht. Aber wer weiß schon, über welche Witze die Römer lachten? Wie die medizinische Versorgung damals aussah? Wie zum Beispiel eine Operation ablief? Ud wie standen die Römer eigentlich zur Emanzipation der Frau? Gab es das damals schon?
All diese Fragen und noch viel mehr beantwortet Alberto Angela auf unglaublich spannende und interessante Weise!
Sein drittes Buch, Liebe und Sex im Alten Rom, steht schon lange auf meiner Wunschliste – und ich würde fast jede Wette eingehen, dass es mich nicht enttäuschen wird!

Im Schatten des Kolosseum[…] [wird] gerade etwas geschaffen […], was uns auf eine lange Reise in die entlegensten Winkel des Imperiums führen wird, aber auch in seine prunkvollsten.

5Sterne

Rockstars bleiben nicht für immer

U_0002_1A_LYX_ROCKSTARS_BLEIBEN_NICHT_FUER_IMMER_03.IND8Rockstars bleiben nicht für immer | Kylie Scott | Egmont LYX | erschienen 2015
ISBN 978-3-7363-0003-3 | 9.99€
Leseprobe

Über Kylie Scott:
Kylie Scott lebt mit Mann und zwei Kindern in Queensland, Australien. Ihr Erstlingswerk Kein Rockstar für eine Nacht erschien Ende 2014. Und obwohl das jetzt wirklich noch nicht soo lange her ist, wurden ihre Bücher schon in sechs Sprachen übersetzt. Mittlerweile gibt es von ihr vier Bücher, drei davon sind ins Deutsche übersetzt. Zudem ist sie New York Times und USA Today Bestseller-Autorin.
(Zu ihrem zweiten Buch „Wer will schon einen Rockstar?“ gibt es von mir eine Rezension)

Nach seinem Entzug wird Jimmy Ferris, Sänger der erfolgreichen Rockband „Stage Dive“, eine Assisstentin zur Seite gestellt. Lena Morrissey soll dafür sorgen, dass er nach dem Entzug auch weiterhin clean bleibt. Jimmy ist überhaupt nicht begeistert, Lena als Aufpasserin zu haben und versucht, sie möglichst schnell loszuwerden. Doch langsam blickt Lena hinter seine Rockstar-Fassade und was sie dort entdeckt, überzeugt sie nicht nur davon, Jimmy weiterhin zu unterstützen – komme was da wolle – sondern ruft auch noch Gefühle in ihr hervor, die ihr gar nicht passen. Nach einigen schmerzhaften Erfahrungen hat sie sich nämlich geschworen, von Männern die Finger zu lassen.

Auch das dritte Buch der Rockstars-Reihe finde ich toll! Wieder einmal hat Kylie Scott es geschafft, interessante, vielschichtige und liebenswerte Charaktere zu schaffen. Und auch wenn alle drei weiblichen Charaktere der Reihe – Ev, Anne und Lena – ein gemeinsames Charaktermerkmal haben; den (manchmal durchtriebenen) Humor, unterscheiden sie sich doch sehr voneinander.
Besonders gut an diesem Buch gefällt mir wieder, dass sich die Gefühle der beiden entwickeln und nicht einfach plötzlich da sind. Außerdem hatte ich bei diesem Buch das Gefühl, dass sich Jimmy und Lena wirklich kennen, bevor sie sich auf eine Beziehung einlassen.
Auch hier ist es Kylie Scott wieder gelungen, nicht ins klischeehafte abzurutschen (obwohl ein drogensüchtiger Rockstar ja schon mal ein sehr großes Klischee ist) und auch gute Sexszenen schreibt.
Bemerkenswert finde ich, dass sie das eher negative Bild über Jimmy aus den ersten beiden Bänden in ein positives umgewandelt hat. Es macht für mich einfach einen guten Liebesroman aus, dass ich mich am Ende auch in den Protagonisten verliebt habe. Zu Beginn des Romans hätte ich das nicht für möglich gehalten. Das hatte zum einen mit meinem Bild über ihn aus den ersten beiden Romanen zu tun. Zum anderen legt Jimmy aber am Anfang ein sehr unbeherrschtes und griesgrämiges Verhalten hin.
Wieder einmal ein tolles Buch von Kylie Scott – ich erwarte jetzt sehnsüchtig den vierten Teil 🙂

„Wag es, noch einmal etwas nach mir zu werfen, und ich ramme dir meinen Sieben-Zentimeter-Absatz so tief in den Hintern, dass du ein ganzes Chirurgenteam brauchst, um ihn dort wieder herauszubekommen.“
Er funkelte mich böse an.
Ich grinste boshaft.
Ja, so kommunizierten wir eben miteinander.

5Sterne