Der Friedhof in Prag

Der Friedhof in Prag | Umberto Eco | dtv | erschienen 2010Der_Friedhof_in_Prag
ISBN 978-3-423-14227-4 | €11.90

Über Umberto Eco:
Eco wurde 1932 im piemontesischen Alessandria geboren. Er studierte zunächst Philosophie und Literaturgeschichte, arbeitete danach für kurze Zeit beim italienischen Fernsehen. Ab 1956 erschienen einige Sachbücher von ihm. Von 1975 bis 2007 war er als Professor an der Universität Bologna tätig. Außerdem erhielt er von 39 Universitäten weltweit die Ehrendoktorwürde.
Obwohl eines seiner Sachbücher, Einführung in die Semiotik, auch heute noch ein internationales Standardwerk ist, erlangte er weltweite Berühmtheit erst mit seinem Roman Der Name der Rose.
Seit 1962 ist er mit seiner deutschen Frau Renate Ramge verheiratet, mit ihr hat er zwei Kinder.

1830 wird der Protagonist des Romans, Simon Simonini, geboren. Zwar geht er bei einem Juristen in Lehre, erlernt dort aber in erster Linie das Fälschen von Dokumenten. Durch diese Tätigkeit kommt er im Laufe seines Lebens mit den unterschiedlichsten Geheimdiensten in Kontakt. Im Zuge seiner Arbeit wird er zu den Schauplätzen der französischen und italienischen Politik geführt, lernt wichtige Persönlichkeiten seiner Zeit kennen und wird durch seine Fälschertätigkeit zu einem der einflussreichsten Drahtzieher hinter den Kulissen. Letztendlich wird er als einer der Erfinder der Protokolle der Weisen von Zion dargestellt, quasi als Höhepunkt seines Lebens. Gleichzeitig wird so sein Einfluss auf das weitere Geschehen in der weltweiten Politik offensichtlich.
Der Roman ist als eine Art Tagebuch aus Simoninis Sicht geschrieben, unterbrochen immer mal wieder von einem Erzähler, der die Einträge kommentiert, sowie dem Abbé Dalla Piccola, der Simoninis Eintragungen ergänzt und teilweise einen Dialog mit ihm führt.

Die ersten paar Seiten von Der Friedhof in Prag fand ich verwirrend. Man wird in ein Geschehen hineingeworfen, welches der Protagonist nicht wirklich versteht. Das macht es dem Leser natürlich auch nicht leichter, zu verstehen, was da vor sich geht.
Wenn man aber einmal im geschehen angekommen ist, ist das Buch sehr spannend! Ich musste immer mal wieder schmunzeln, wenn Simonini hinter jeder Ecke eine jüdische oder freimaurerische oder jesuitische Verschwörung vermutet und dann eine Verschwörung gegen diese Verschwörung einleitet – sodass am Ende die einzige Verschwörung, die stattfindet, seine ist.
Ein wichtiges Thema des Buches ist der Antisemitismus, der sich während Simoninis Leben immer weiter verbreitet. Ich habe mich dabei immer gefragt, ob dass jetzt überspitzt dargestellt wurde oder nicht. Lachen musste ich dagegen über den ausgeprägten Frauenhass (oder die Frauenangst?!) Simoninis. Für die Frauen war das 19. Jahrhundert zwar nicht zum Lachen, aber wozu dieser Frauenhass Simonini treibt, ist schon erstaunlich!

Umberto Eco hat es in meinen Augen geschafft, mit viel Humor ein authentisches Bild der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen im 19. Jahrhundert zu erschaffen und dabei noch einen spannenden Roman zu schreiben!

„Beten wir dafür, dass es immer ein paar Juden gibt, die man fürchten und hassen kann. Wir brauchen einen Feind, um dem Volk eine Hoffnung zu geben.“
Pjotr Iwanowitsch Ratschkowski

4Sterne

The Murder of Roger Ackroyd

The Murder of Roger Ackroyd | Agatha Christie | Harper Collins | erschienen 1926
ISBN 978-0-00-714134-0 | £7.99The_Murder_of_Roger_Ackroyd
Leseprobe

Über Agatha Christie:
Agatha Christie wurde 1890 im britischen Torquay geboren und starb 1976 in Wallingford.  Sie ist weltweit als die Queen of Crime bekannt und wird in den Verkaufszahlen ihrer Bücher nur von der Bibel und Shakespeare übertrumpft. Insgesamt schrieb Christie mehr als 60 Kriminalromane; daneben sind aber auch einige Kurzgeschichten und Bühnenstücke entstanden. Ihre berühmtesten Figuren sind Hercule Poirot und Miss Marple.

Roger Ackroyd weiß, dass die Frau, die er liebt und heiraten will, erpresst wurde und sich deshalb das Leben nahm. Er ist der festen Überzeugung, dass sie ihm noch einen Brief geschrieben hat, in dem sie ihm den Namen des Erpressers mitteilt. Und sobald er diesen Namen weiß, will er damit zur Polizei gehen. Doch bevor er seinen Plan in die Tat umsetzen kann, wird er erstochen.
Hercule Poirot hatte sich in King’s Abbott niedergelassen, um seinen Ruhestand zu genießen. Doch dann bittet Mr Achroyds Nichte ihn, in dem Fall zu ermitteln und damit ihren Verlobten zu entlasten.
Erzählt wird der Krimi aus Sicht von Dr. James Sheppard, einem Freund von Roger Ackroyd und Doktor in King’s Abbott.

Das war das überraschendste Ende eines Krimis, das ich je gelesen habe!!
Ich habe ja nun schon einige Agatha-Christie-Bücher gelesen, aber wenn ich einen Favoriten auswählen müsste, wäre es dieses Buch!
Eigentlich darf ich über dieses Buch gar nicht mehr sagen, sonst müsste hier eine enorm große Spoiler-Warnung hin.
Wieder einmal lässt sich sagen, dass dieses Buch niemanden ansprechen wird, der spritzendes Blut und rauchende Pistolen erwartet. Dafür hat Christie erneut einen wunderbaren Denkkrimi à la Sherlock Holmes hingelegt.
In meinen Augen wird dieses Buch zurecht als einer der einflussreichsten Kriminalromane, die jemals geschrieben worden sind, und Christies Meisterstück bezeichnet (beide Angaben von Wikipedia).

Bei mir steht jetzt ein ganzer Stapel anderer Bücher auf dem Plan, aber ich kann es kaum erwarten, den nächsten Krimi von Agatha Christie zu lesen!

„Christie fooled you.“
– Dorothy L. Sayers

goldene_Sterne

Drei Tage im Mai

Drei Tage im Mai | Wolfgang Burger | Piper | erschienen 2015
ISBN 978-3-492-06018-9 | 14.99€Drei_Tage_im_Mai
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Über Wolfgang Burger:
Burger wurde 1952 im Schwarzwald geboren, lebt heute in Karlsruhe, ist verheiratet und hat drei Töchter.
1998 schrieb er seinen ersten Kriminalroman. Seit 2005 erscheint seine erfolgreiche Serie um den Heidelberger Kripochef Alexander Gerlach.
Mittlerweile wurden mehr als eine halbe Million seiner Bücher verkauft, er stand mehrfach auf der Spiegel-Bestsellerliste und zwei seiner Bücher wurden für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert.

In Heidelberg herrscht drückende Hitze, als die Kripo und deren Chef Alexander Gerlach zu einer Geiselnahme gerufen werden. Der Chef einer Immobilienfirma wird in seinem Büro festgehalten. Zeugen hören Streit und einen Schuss, dann tut sich nichts mehr. Der Geiselnehmer stellt auch keine Forderungen.
Verdächtige häufen sich, zimperlich war die Geisel bei ihrem Aufstieg an die Spitze der Immobilienfirma nämlich nicht.
Nach einer sehr ruhigen Nacht lässt Gerlach schließlich das Büro stürmen – aber Geiselnehmer und Geisel sind verschwunden!

Drei Tage im Mai war nicht mein erstes Buch über Alexander Gerlach und es hat mich voll überzeugt!
Man mag über Regional-Krimis sagen was man will; ich fand es schön, immer mal wieder zu denken: „Das kenn ich doch!“ oder „Da war ich schon!“
Auf der anderen Seite steht auf der Wikipedia-Seite von Wolfgang Burger, dass er die Einordnung als Regional-Krimi nicht besonders schätzt. Das verstehe ich absolut (Regional-Krimi hat in meinen Ohren immer einen etwas abfälligen Beiklang). Außerdem finde ich, dass diese Kategorie auf die Alexander-Gerlach-Reihe nicht zutrifft. Klar spielt der Roman in Heidelberg und Umgebung, aber irgendwo muss ein Krimi ja auch spielen. Wenn ich mal als drastisches Beispiel Agatha Christie anführen darf: Niemand würde ihre Krimis als regional einstufen, obwohl sie doch zum allergrößten Teil in London spielen.
Mich würden Burgers Romane auch ansprechen, wenn ich nicht zwei Jahre in Heidelberg gelebt hätte.

Eine Sache, die mir auch hier wieder gut gefällt: Es geht nicht nur darum, möglichst viel Blut zu vergießen. Kein wildes Rumgeballere, kein Blut oder Gehirnmasse die irgendwo hinspritzt oder runterläuft. Alexander Gerlach ist auch kein super aussehender Superheld, schlägt sich mit den gleichen Problemen rum wie wir (für pubertierende Teenager-Töchter ist es zwar bei mir noch zu früh, aber ihr wisst, was ich meine 😉 )

Ich bekomme bei Burgers Krimis immer das Gefühl, dass die beschriebene Polizeiarbeit eher der Wahrheit entspricht, als in vielen anderen Büchern. Hier wartet man tatsächlich auf Durchsuchungsbefehle – dass es die gibt, vergisst man manchmal beim Gucken von NCIS & Co.

Obwohl es sich hier nicht um einen Action-Krimi handelt, baut Burger eine Spannung auf, wie sie nur selten gelingt. Teilweise wartet man über vier Seiten mit der Kripo auf eine neue Entwicklung und es tut der Spannung und dem Lesevergnügen keinen Abbruch.

Oft ist es ein Segen, dass wir unsere Zukunft nicht kennen.
– Alexander Gerlach

5Sterne

The Complete Short Stories – Hercule Poirot

The Complete Short Stories – Hercule Poirot | Agatha Christie | HarperCollins |Short_Stories_Hercule_Poirot erschienen 2008
ISBN 978-0006513773 | £16.99

Über Agatha Christie:
Agatha Christie wurde 1890 im britischen Torquay geboren und starb 1976 in Wallingford.  Sie ist weltweit als die Queen of Crime bekannt und wird in den Verkaufszahlen ihrer Bücher nur von der Bibel und Shakespeare übertrumpft. Insgesamt schrieb Christie mehr als 60 Kriminalromane; daneben sind aber auch einige Kurzgeschichten und Bühnenstücke entstanden. Ihre berühmtesten Figuren sind Hercule Poirot und Miss Marple.

An dieser Stelle und für dieses Buch erübrigt es sich ein Stück weit, eine Zusammenfassung des Inhalts zu schreiben. Der Titel sagt eigentlich schon ganz genau, worum es in diesem Buch geht: Es ist eine Zusammenstellung von 52 Kurzgeschichten mit Hercule Poirot; eine der Kurzgeschichten wurde wohl zum letzten Mal im Jahr 1936 publiziert.
Es lässt sich noch sagen, dass es nicht nur um Mord geht, sondern auch um verschwundene Personen, Diebstahl und alle Verbrechen, die man sich nur vorstellen kann.

Mit knapp 900 Seiten war dieses Buch ein echtes Riesen“projekt“, andererseits war es absolut perfekt für mich! Dadurch, dass es Short Stories waren, konnte man das Buch auch mal für zwei Tage aus der Hand legen, ohne dass man sofort den Faden verloren hat. Das war richtig gut, da ich oft Abends einfach nur ins Bett gefallen bin, ohne überhaupt nur an Lesen zu denken!
Wieder einmal wurden meine Erwartungen absolut erfüllt! Egal ob die Kurzgeschichte über knapp 10 Seiten ging oder 50 Seiten gefüllt hat, Agatha Christie hat es immer geschafft, Spannung aufzubauen und eine erstaunliche Lösung des Falls zu präsentieren. Bei nicht einer dieser Geschichten war ich danach enttäuscht.
Auch gut gefallen hat mir, dass man Poirots Marotten (beispielsweise die Obsession mit seinem Schnurrbart) noch besser „kennenlernen“ konnte und Christies unterschwelliger Humor so gut zur Geltung kam.

„I, who have undoubtedly the finest brain in Europe at present, can afford to be magnanimous.“
– Hercule Poirot

5Sterne

Der faszinierende Alltag im Römischen Reich

Der faszinierende Alltag im Römischen Reich | Alberto Angela | Goldmann |
erschienen 2013Alltag_im_Römischen_Reich
ISBN 978-3-442-15763-1 | 10.99€
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Über Alberto Angela:
Angela wurde 1962 in Paris geboren, studierte dann an der Harvard University, der Columbia University, in Los Angeles und Rom. Er nahm als Paläontologe an Ausgrabungen in Afrika und Asien teil, heute ist er ein populärer Moderator von italienischen Wissenschaftssendungen und wissenschaftlicher Autor. Auf Deutsch sind drei Bücher von ihm über das Römische Reich erschienen.

In Der faszinierende Alltag im Römischen Reich, dem zweiten Buch des Autors, unternimmt man als Leser eine Reise durch das Römische Reich zur Zeit seiner größten Ausdehnung. Es ist gewissermaßen die Fortsetzung von Angelas Buch Ein Tag im Alten Rom, in welchem die Stadt unter Kaiser Trajan vorgestellt wird. Nun folgt man einem Sesterz auf seiner Reise durch das Römische Reich, an die Grenzen der „Zivilisation“, eine Reise auch durch alle Schichten des Weltreichs.

Ich war von Angelas erstem Buch sehr begeistert und dieses hier hat mich nicht enttäuscht. Er schreibt seine Bücher im Präsens und so, als würde man wirklich daneben stehen, wenn der Sesterz von Hand zu Hand weiter gereicht wird. Auf seiner wilden, absolut nachvollziehbaren Reise, lernt man sehr viel über das gesellschaftliche Leben im Römischen Reich. Der Sesterz war eine Geldeinheit, die auch in den unteren Schichten üblich war und somit ist es verständlich, dass auch ärmere Schichten in Angelas Buch zu Wort kommen.
Auch wenn es ein Sachbuch ist, ist es eher geschrieben wie ein Reisebericht, sehr eindrücklich, spannend und außergewöhnlich.
Ich habe mich wirklich gefühlt, als wäre mit dabei auf dieser Reise durch das Römische Reich und ich bin eindeutig der Meinung, dass es mehr solcher Bücher geben sollte! Die harten Fakten über dieses Weltreich kann jeder nachlesen, oder bekommt sie in der Schule beigebracht. Aber wer weiß schon, über welche Witze die Römer lachten? Wie die medizinische Versorgung damals aussah? Wie zum Beispiel eine Operation ablief? Ud wie standen die Römer eigentlich zur Emanzipation der Frau? Gab es das damals schon?
All diese Fragen und noch viel mehr beantwortet Alberto Angela auf unglaublich spannende und interessante Weise!
Sein drittes Buch, Liebe und Sex im Alten Rom, steht schon lange auf meiner Wunschliste – und ich würde fast jede Wette eingehen, dass es mich nicht enttäuschen wird!

Im Schatten des Kolosseum[…] [wird] gerade etwas geschaffen […], was uns auf eine lange Reise in die entlegensten Winkel des Imperiums führen wird, aber auch in seine prunkvollsten.

5Sterne

Rockstars bleiben nicht für immer

U_0002_1A_LYX_ROCKSTARS_BLEIBEN_NICHT_FUER_IMMER_03.IND8Rockstars bleiben nicht für immer | Kylie Scott | Egmont LYX | erschienen 2015
ISBN 978-3-7363-0003-3 | 9.99€
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Über Kylie Scott:
Kylie Scott lebt mit Mann und zwei Kindern in Queensland, Australien. Ihr Erstlingswerk Kein Rockstar für eine Nacht erschien Ende 2014. Und obwohl das jetzt wirklich noch nicht soo lange her ist, wurden ihre Bücher schon in sechs Sprachen übersetzt. Mittlerweile gibt es von ihr vier Bücher, drei davon sind ins Deutsche übersetzt. Zudem ist sie New York Times und USA Today Bestseller-Autorin.
(Zu ihrem zweiten Buch „Wer will schon einen Rockstar?“ gibt es von mir eine Rezension)

Nach seinem Entzug wird Jimmy Ferris, Sänger der erfolgreichen Rockband „Stage Dive“, eine Assisstentin zur Seite gestellt. Lena Morrissey soll dafür sorgen, dass er nach dem Entzug auch weiterhin clean bleibt. Jimmy ist überhaupt nicht begeistert, Lena als Aufpasserin zu haben und versucht, sie möglichst schnell loszuwerden. Doch langsam blickt Lena hinter seine Rockstar-Fassade und was sie dort entdeckt, überzeugt sie nicht nur davon, Jimmy weiterhin zu unterstützen – komme was da wolle – sondern ruft auch noch Gefühle in ihr hervor, die ihr gar nicht passen. Nach einigen schmerzhaften Erfahrungen hat sie sich nämlich geschworen, von Männern die Finger zu lassen.

Auch das dritte Buch der Rockstars-Reihe finde ich toll! Wieder einmal hat Kylie Scott es geschafft, interessante, vielschichtige und liebenswerte Charaktere zu schaffen. Und auch wenn alle drei weiblichen Charaktere der Reihe – Ev, Anne und Lena – ein gemeinsames Charaktermerkmal haben; den (manchmal durchtriebenen) Humor, unterscheiden sie sich doch sehr voneinander.
Besonders gut an diesem Buch gefällt mir wieder, dass sich die Gefühle der beiden entwickeln und nicht einfach plötzlich da sind. Außerdem hatte ich bei diesem Buch das Gefühl, dass sich Jimmy und Lena wirklich kennen, bevor sie sich auf eine Beziehung einlassen.
Auch hier ist es Kylie Scott wieder gelungen, nicht ins klischeehafte abzurutschen (obwohl ein drogensüchtiger Rockstar ja schon mal ein sehr großes Klischee ist) und auch gute Sexszenen schreibt.
Bemerkenswert finde ich, dass sie das eher negative Bild über Jimmy aus den ersten beiden Bänden in ein positives umgewandelt hat. Es macht für mich einfach einen guten Liebesroman aus, dass ich mich am Ende auch in den Protagonisten verliebt habe. Zu Beginn des Romans hätte ich das nicht für möglich gehalten. Das hatte zum einen mit meinem Bild über ihn aus den ersten beiden Romanen zu tun. Zum anderen legt Jimmy aber am Anfang ein sehr unbeherrschtes und griesgrämiges Verhalten hin.
Wieder einmal ein tolles Buch von Kylie Scott – ich erwarte jetzt sehnsüchtig den vierten Teil 🙂

„Wag es, noch einmal etwas nach mir zu werfen, und ich ramme dir meinen Sieben-Zentimeter-Absatz so tief in den Hintern, dass du ein ganzes Chirurgenteam brauchst, um ihn dort wieder herauszubekommen.“
Er funkelte mich böse an.
Ich grinste boshaft.
Ja, so kommunizierten wir eben miteinander.

5Sterne

The ABC Murders

The ABC Murders | Agatha Christie | Harper | erschienen 1936The_ABC_Murders
ISBN 978-0-00-752753-3 | £7.99

Über Agatha Christie:
Agatha Christie wurde 1890 im britischen Torquay geboren und starb 1976 in Wallingford.  Sie ist weltweit als die Queen of Crime bekannt und wird in den Verkaufszahlen ihrer Bücher nur von der Bibel und Shakespeare übertrumpft. Insgesamt schrieb Christie mehr als 60 Kriminalromane; daneben sind aber auch einige Kurzgeschichten und Bühnenstücke entstanden. Ihre berühmtesten Figuren sind Hercule Poirot und Miss Marple.

The ABC Murders ist Agatha Christies 18. Krimi und unterscheidet sich insofern von ihren anderen Krimis, die ich bis jetzt von ihr gelesen habe, da nicht alles in der Ich-Perspektive (aus Captain Hastings Sicht) erzählt wird, sondern es kleinere Episoden in der dritten Person gibt.
Auch in der Handlung unterscheidet sich The ABC Murders von den anderen Krimis. Diesmal jagt Poirot nämlich einen Serienkiller, der sich durch das Alphabet mordet: Mrs Ascher in Andover, Miss Bernard in Bexhill, Sir Clarke in Churston… Jeden Mord kündigt er vorher in einem Brief an Hercule Poirot an und führt die Polizei an der Nase herum.

Agatha Christie ist es auch in The ABC Murders wieder meisterlich gelungen, den Leser an der Nase herumzuführen! Ich muss zugeben, dass ich mehr oder weniger bis zum Schluss dachte, dass dieser Krimi kein typischer Christie-Krimi ist. Es war alles viel zu einfach, keine Verwirrungen, ein Serienkiller nicht das übliche Metier von der Queen of Crime. Insbesondere die Einschiebungen in der dritten Person führten dazu, dass ich mir über die Identität des Täters sehr sicher war – und dann zerschmettert Poirot wieder einmal alle meine Vermutungen!
Ich liebe Agatha Christies Bücher und wurde auch hier nicht enttäuscht. Mittlerweile gewöhne ich mich auch an das etwas altmodische Englische und es geht beim Lesen schneller voran 🙂
Mehr will und kann ich nicht verraten – sonst wäre das hier ein dicker, fetter Spoiler und wo wäre dann die Spannung hin?!

„You’re a very great man, M. Poirot.“
– Mr Cust

5Sterne

Vom Kiez zum Kap

Vom-Kiez_zum_KapVom Kiez zum Kap – Mit unserem Bulli durch Afrika | Bernd Volkens, Kay Amtenbrink | Delius Klasing | erschienen 2015
ISBN 978-3-667-10314-7 | 22.90€
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Website

Über Bernd Volkens und Kay Amtenbrink:
Beide Autoren wurden 1969 geboren, leben in Hamburg und  spielen zusammen bei den 8. Herren des FC St. Pauli Fußball. Volkens ist Motorjournalist, Amtenbrink Grafik-Designer und beide sind große Fußballfans. 2010 fahren die beiden mit einem VW T3 von Hamburg bis Südafrika, um die Fußball-WM live zu sehen.

Vom Kiez zum Kap erzählt die Geschichte ihrer Reise. Von den Vorbereitungen im winterlichen Deutschland bis zur Ankunft in Südafrika bei der WM. Aufgebaut ist das Buch wie ein Tagebuch, geschrieben zum größten Teil aus Bernd Volkens, immer mal wieder werden aber die Notizen von Kay Amtenbrink eingestreut. Daneben gibt es sehr viele eindrucksvolle Bilder, die gut die Hälfte des Buchs ausmachen, ein Großteil der Bilder wurde von Kay Amtenbrink geschossen. Beschrieben werden Begegnungen mit netten und weniger netten Menschen, Probleme (die teilweise eher Katastrophen waren) und Zweifel.

Es gibt zwei Dinge, die mich an diesem Buch stören: zum einen, dass es ein Ende hat und zum anderen, dass es unglaubliches Fernweh weckt!
Ich musste dieses Buch unbedingt haben, da ich ein großer VW-Bus-Fan bin und ich wurde nicht enttäuscht. Vom Kiez zum Kap ist die Geschichte eines besonderen Roadtrips, der bei der aktuellen politischen Situation in vielen der bereisten Länder heute vermutlich nicht möglich wäre. Es ist auch eine Geschichte davon, nie aufzugeben. Amtenbrink und Volkens überstehen zum Teil wirkliche Katastrophen, die manch anderen vermutlich zum Aufgeben gezwungen hätten. Das Buch zeigt, wie klein die Welt ist, wenn man in Afrika einen Deutschen trifft, der mehr oder weniger die gleiche Route hat. Daneben öffnet es Türen zu fremden Kulturen. Es zeigt das alltägliche, in den meisten Fällen freundliche und hilfsbereite, Gesicht von Gesellschaften und Ländern, die in den Medien des Westens anscheinend voll von radikalen Islamisten oder sonstigen unangenehmen Gesellen sind.
Das Buch ist im Präsens geschrieben; dadurch wird man quasi in diese Reise hineingezogen und manchmal das Gefühl, im Bulli neben den beiden Abenteurern zu sitzen.
Die Bilder zeigen einen wunderschönen Kontinent, der eine Reise definitiv wert ist. Und in vielen Fällen zeigen sie den Bulli, was mein Bulli-Fan-Herz hat höher schlagen lassen 😉
Als einziger kleiner Minuspunkt bleibt noch zu erwähnen, dass es hin und wieder an der Rechtschreibung hapert, normalerweise aber, ohne wirklich zu stören.

Alles in allem ist es eine wunderbare Geschichte, mit wunderschönen Bildern, die es absolut wert ist, gelesen zu werden, zumindest mein Bild auf den afrikanischen Kontinent geändert hat – und in mir das dringende Verlangen auf eine ausgedehnte Fahrt mit einem VW-Bus hat aufkommen lassen!

Im Bus versuchen wir uns vorzustellen, was passiert wäre, hätten zwei Syrer bei uns in Hamburg vor der Tür ihr Nachtquartier auf[ge]schlagen. Wahrscheinlich käme die Polizei, um sie zu vertreiben – Mist, wir müssen an unserer Gastfreundschaft arbeiten!
– Aleppo, Syrien

5Sterne

Der 1. Mord

Der_1_MordDer 1. Mord | James Patterson | Blanvalet | erschienen 2007
ISBN 978-3-442-36919-5 | 8.95€
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Über James Patterson:
Patterson wurde 1949 geboren, studierte Englische Literatur und arbeitete als Werbetexter bei einer großen amerikanischen Werbeagentur. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, für seinen ersten Krimi Die Toten aber wissen gar nichts, einen Verlag zu finden, erschien das Buch 1976. Ab 1992 erschienen die erfolgreichen Alex-Cross-Krimis.
Mittlerweile zählt Patterson zu den internationalen Bestsellerautoren, mit über 100 Millionen verkauften Büchern, die in mehr als 40 Sprachen übersetzt wurden.

Ein junges Pärchen wird in der Hochzeitsnacht brutal ermordet. Lindsay Boxer, der einzige weibliche Detective bei der Mordkommission von San Francisco, bekommt den Fall übertragen – und dazu noch einen neuen Partner, Chris Raleigh. Und auch wenn zwischen den beiden die Funken fliegen, hat Lindsay doch ganz andere Sorgen: alle Beweise, die Pathologin Claire Washburn findet, deuten auf einen Serienmörder hin. Dies bestätigt sich, als weitere „Honeymoon“-Morde begangen werden. Der Durchbruch gelingt, als Lindsay den „Club der Ermittlerinnen“ gründet. Mithilfe ihrer Freundinnen – Journalistin Cindy Thomas, Pathologin Claire Washburn und Staatsanwältin Jill Bernhardt – gelingt Lindsay die Aufklärung des Falls.

Ich liebe dieses Buch! Es ist spannend geschrieben (auch wenn ich es nicht als Thriller bezeichnen würde) und ich fühlte mich unglaublich in die Geschichte „hineingezogen“, da zum größten Teil Lindsay aus der Ich-Perspektive erzählt. Dadurch werden ihre Gefühle im Laufe des Falls noch viel eindringlicher und nachfühlbarer.
Patterson hat mit Lindsay und dem „Club der Ermittlerinnen“ vier sehr sympathische, toughe und liebenswerte Frauen geschaffen. Alle vier haben sich in von Männern dominierten Berufen durchgesetzt und sind zu Meistern ihres Fachs geworden. Trotzdem sind sie sehr unterschiedlich. Das macht in meinen Augen den Reiz des „Clubs“ aus (die englische Version „Women’s Murder Club“ gefällt mir ja um einiges besser) und führt dazu, dass man auch immer mal wieder lachen kann.
Auch der Fall hat mich an einigen Stellen überrascht und am Ende in Tränen ausbrechen lassen – insgesamt also ein rundum gelungenes Buch.

„Wir sind ein Team. Wir werden immer zusammen sein.“
– Cindy Thomas

5Sterne

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

Die_unwahrscheinliche_Pilgerreise_des_Harold_FryDie unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry | Rachel Joyce | Krüger | erschienen 2012
ISBN 978-3-8105-1079-2 | 9.99€
Leseprobe

Über Rachel Joyce:
Joyce wurde 1962 in London geboren. Sie studierte Englisch und arbeitete danach als Schauspielerin. Schließlich begann sie, als Hörspielautorin für die BBC zu arbeiten; dafür wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Mit ihrem Debütroman Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry landete sie einen Welterfolg.
Joyce lebt mit ihrem Mann, dem Schauspieler Paul Venables, und ihren vier Kindern in Gloucestershire.

Harold Fry bekommt einen Brief von einer ehemaligen Arbeitskollegin, Queenie Hennessy. Darin teilt sie ihm mit, dass sie an Krebs erkrankt ist und bald sterben wird. Eigentlich will Harold nur die Antwort darauf in den Briefkasten schmeißen, doch dann läuft er am Briefkasten vorbei und immer weiter. So legt er in wenigen Monaten rund tausend Kilometer zurück. Auf seinem Weg trifft er einige Leute: Weggefährten auf Zeit, Helfer, Interessierte. Immer wieder zweifelt er an sich selbst und an seinem Vorhaben. Während seiner Pilgerreise arbeitet er nach und nach seine Vergangenheit auf; insbesondere die Beziehungen zu seiner Frau Maureen, seinem Sohn David und Queenie Hennessy.
Gleichzeitig wird die Geschichte aus der Sicht von Harolds Frau Maureen erzählt. Auch sie entwickelt sich während der Abwesenheit ihres Mannes, und obwohl er pilgert, beschäftigt sie sich mit den gleichen Ängsten und Sorgen in Bezug auf ihre Ehe und den gemeinsamen Sohn.

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry wurde nach seinem Erscheinen sehr gehypt. Ich wollte das Buch eigentlich schon immer mal lesen und versteh im Nachhinein nicht, warum es so lange auf meiner Wunschliste stand und ich nicht schon viel früher zugegriffen habe.
Es hat ein bisschen gedauert, bis ich mit Harold warm wurde und noch länger, bis ich mich mit Maureen angefreundet hatte. Umso einfacher ist es dagegen, in die Geschichte hineinzukommen. Joyce schreibt flüssig und nachvollziehbar. So wird selbst Harolds verrückte Idee plötzlich etwas absolut verständliches. Ich habe mit Harold und Maureen gelitten und war unglaublich berührt davon, wie die beiden ihre Gefühle füreinander wiederentdecken.
Sehr berührend sind auch die Begegnungen, die Harold auf seiner Reise hat. So führt er oft tiefschürfende Gespräche mit Wildfremden, vertraut ihnen Teile aus seinem Leben an und im Gegensatz tun diese das Selbe. So helfen sie sich gegenseitig. Insbesondere Harold entwickelt sich oft auch anhand solcher Gespräche weiter (ob der Gesprächspartner dies tut, kann man ja nicht wissen).

Insgesamt ist es in meinen Augen eine durchweg gelungene Geschichte, die mir immer mal wieder Tränen in die Augen getrieben hat, mich aber auch zum Lachen gebracht hat.

Er war nicht mehr jemand, der mal schnell zum Briefkasten wollte. Er war unterwegs zu Queenie Hennessy. Er fing noch einmal von vorne an.
– Harold Fry

5Sterne