Rezension – Die Schokoladenvilla

Stuttgart im Jahr 1903: Eigentlich hat Judith Rothmann ein sehr komfortables Leben. Sie ist die Tochter eines wohlhabenden Schokoladenfabrikanten und lebt im Nobelstadtteil Degerloch, wo sich Bedienstete um jeden ihrer Wünsche kümmern. Doch ihr Vater hat eine Ehe für sie eingefädelt, die sie niemals glücklich machen könnte. Zudem stößt auch ihr Wunsch, an der Kreation neuer Schokoköstlichkeiten beteiligt zu sein bei ihrem Vater auf Ablehnung. Doch da begegnet ihr Victor Rheinberger. Der will sich in Stuttgart eine neue Existenz aufbauen – und ist so gar nicht der Richtige für eine Frau wie Judith.

Auf dieses Buch hatte ich mich riesig gefreut. Ich komme aus Stuttgart, meine Großeltern wohnen in Degerloch und ich habe noch viel zu wenig historische Bücher gelesen, die dort spielen. Dass hier nun auch noch Schokolade hinzukommt. Jetzt weiß ich nicht so recht, wie ich das Buch eigentlich fand.

Einerseits fand ich es spannend, aus einer komplett neuen Perspektive über bekannte Orte zu lesen. Degerloch ist mittlerweile nicht mehr der entfernt vom Stadttrubel liegende Luftkurort, der er Anfang des 20. Jahrhunderts war. Aber noch heute flucht so mancher Fahranfänger über die Wiensteige, die aus Stuttgarts Stadtmitte nach Degerloch führt, und noch immer führt die Zacke vom Marienplatz nach oben.
Viele Dinge, die wir heute als selbstverständlich hinnehmen, waren zu der Zeit zumindest noch erwähnenswert, oft aber auch ehrfurchteinflößend.

Zudem war das Buch spannend geschrieben, sodass ich froh um den Flug war, da ich dort ohne Unterbrechungen lesen konnte. Toll fand ich auch die beiden schokoladenhaltigen Rezepte in den Umschlagklappen des Buchs.

Aber in der Handlung selber gab es ein, zwei Sachen, die mich störten, da ich sie als unwahrscheinlich empfand. Dabei ging es weniger darum, dass dies nicht so stattgefunden haben könnte. Es war eher so, dass ich die Reaktionen von Judiths Umfeld auf manche Entscheidungen bzw. Entwicklungen nicht nachempfinden konnte. Selbst Dinge, die in der damaligen Zeit einen Skandal darstellten, wurden ganz überwiegend positiv aufgenommen.

Auch fand ich die Personen im Buch oft zu einseitig dargestellt. Es gab kaum Personen, die schwarz und weiß waren. Die meisten waren entweder ausschließlich gut (wie zum Beispiel Judith) oder ausschließlich schlecht. Charaktere, die mal gute, mal schlechte Entscheidungen trafen, waren selten.

Die Schokoladenvilla ist ein Buch, das sich super lesen lässt und zudem einen Blick in Stuttgarts Vergangenheit bietet. Leider konnte mich die Handlung nicht immer überzeugen.

Bücher der Reihe:
1. Die Schokoladenvilla
2. Die Schokoladenvilla – Goldene Jahre
3. [Name noch nicht bekannt]

Über Maria Nikolai:
Nikolai hat schon mehrere Sachbücher und einen historischen Roman geschrieben. Die Schokoladenvilla ist der Auftakt zu einer Trilogie rund um die Familie Rothmann und die Erfüllung eines Traums für Maria Nikolai.
Quelle: Autorinneninfo im Buch

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Taschenbuch: ISBN 978-3-328-10322-6 | 10,00€
E-Book: ISBN 978-3-641-23541-3 | 9,99€
Hörbuch: ISBN 978-3-8445-3055-1 | 25,95€
656 Seiten | erschienen 2018

Verlagswebseite zum Buch

Bildquellen
Autorin: Website der Autorin
Cover: Randomhouse

Rezension – Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe

An Weihnachten 1919 erhält Coco Chanel die furchtbare Nachricht, dass ihr langjähriger Geliebter Arthur Capel, genannt Boy, bei einem Unfall ums Leben kam. Von Trauer wie gelähmt, kann sie sich kaum aufraffen, den Erfolg ihres Modeunternehmens voranzutreiben. Doch dann erinnert sie sich an Boys und ihren gemeinsamen Plan, ein besonderes Parfum zu entwerfen. Auf der Suche nach dem perfekten Duft trifft sie den russischen Prinzen Dimitri Romanow. Gibt es vielleicht doch ein erfülltes Leben für sie nach Boys Tod?

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Rezension – Landeierforschung

Angestachelt durch ihre Kollegen und ihren Ex-Mann macht Anne, entgegen ihrer sonstigen Gewohnheiten, Urlaub in der deutschen Provinz. Kurzentschlossen schließt sich ihr Cousin Mike dem Landurlaub an und die beiden Kölner machen sich auf, das Landleben und seine Eigenheiten zu „erforschen“. In ihrem ersten Urlaubsort, Eisheim, erleben sie direkt allerhand. Denn Anne merkt nicht nur, dass sie es liebt zu reiten – sie trifft auch den attraktiven Ben. Und dieser bringt ungeahnte Seiten in ihr zum Vorschein. „Rezension – Landeierforschung“ weiterlesen

Rezension – Das Flüstern des Mondfalters

Estelle Thompson lebt Anfang der 30er-Jahre in Kalkutta und leidet unter der Tatsache, dass sie als „Mischling“ weder in der britischen, noch in der indischen Gesellschaft richtig zuhause ist. Daher liebt sie das Kino; dort ist egal, wer sie ist oder wie sie aussieht. Als sich ihr, dank eines Amerikaners mit Verbindungen nach Hollywood, die Chance bietet, selbst zum Filmstar zu werden, ergreift sie die Chance mit beiden Händen. Doch in London und Hollywood wird es umso wichtiger, dass niemand erfährt, woher die gefeierte Merle Oberon, wie sich Estelle fortan nennt, wirklich kommt. „Rezension – Das Flüstern des Mondfalters“ weiterlesen

Rezension – Der König der purpurnen Stadt

London 1330: Im Haushalt seines Cousins soll Jonah alles über den Tuchhandel erlernen. Es ist ein hartes Leben und Zuneigung erfährt der verwaiste 18-jährige nur durch seine Großmutter. Doch als er König Edward und Königin Philippa begegnet, wandelt sich sein Leben auf einen Schlag. Er findet Aufnahme in die Londoner Tuchhändlergilde – als jüngstes Mitglied. Und sein Aufstieg ist kometenhaft – bis hin zur Revolutionierung des Tuchhandels mithilfe der Königin. Doch mit seinem Erfolg kommen auch die Neider und Feinde. Und deren Intrigen werden zunehmend perfide. „Rezension – Der König der purpurnen Stadt“ weiterlesen

Rezension – Morgen gehört den Mutigen

Frankreich 1947: Die 19-jährige Charlie St. Clair bittet Eve Gardiner um Hilfe bei der Suche nach ihrer verschollenen Cousine. Eve entspricht gar nicht dem Bild einer freundlichen Hilfe: sie raucht Kette, flucht und ist entschieden abgeneigt, Charlie zu helfen. Doch dann erwähnt diese einen Mann, den Eve verdächtigt, sie im Ersten Weltkrieg als Spionin an die Deutschen verraten zu haben. Um ihre Rache zu bekommen, macht sie sich schließlich doch zusammen mit Charlie auf die Suche nach deren Cousine. „Rezension – Morgen gehört den Mutigen“ weiterlesen

Rezension – Die Schwester des Tänzers

Im Leben der Geschwister Bronislawa und Waslaw Nijinsky dreht sich alles um das Ballett. Als Kinder zweier Tänzer um 1900 in Russland geboren und aufgewachsen, treten sie der russischen kaiserlichen Ballettakademie bei. Besonders Waslaw bringt es als Überflieger bald zu weltweitem Ruhm. Aber auch Bronislawa setzt sich in einer Welt des Glamours, ebenso wie der Missgunst, durch. „Rezension – Die Schwester des Tänzers“ weiterlesen

Rezension – The Chilbury Ladies‘ Choir

It’s 1940 and the vicar of Chilbury closes the choir due to a lack of male singers. But then Primrose Trent, music professor from London, steps up and puts a women-only choir into being: The Chilbury Ladies‘ Choir. At a time of turmoil, heart-break and death, the women support each other and find strength in the music. But then some villagers set a series of sinister acts into motion, that threaten to not only rip apart the choir but the whole village. „Rezension – The Chilbury Ladies‘ Choir“ weiterlesen

Cover des Buches und grundsätzliche Informationen

Rezension – Der englische Botaniker

Kurz nach dem Ersten Opiumkrieg wird der Botaniker Robert Fortune von der britischen Horticultural Society nach China entsendet, um dort mehr über die chinesische Pflanzenwelt und insbesondere Tee herauszufinden.
Während er Ehefrau und zwei kleine Kinder in Großbritannien zurücklässt, lernt er in China die kampferprobte Rebellin Lian kennen. Plötzlich ist die ohnehin gefährliche China-Expedition um einiges komplizierter, als sie zunächst schien. Und er steht, in botanischer und persönlicher Sicht, vor den schwierigsten Entscheidungen seines Lebens. „Rezension – Der englische Botaniker“ weiterlesen

Rezension – The Miniaturist

Quelle: Picador
Quelle: Picador

The Miniaturist | Jessie Burton | Picador | erschienen 2014
Taschenbuch: ISBN 978-1-44-2-8466-6 | £8.99
Leseprobe
deutsche Ausgabe: Die Magie der kleinen Dinge | Limes | Übersetzerin: Karin Dufner

Amsterdam im Herbst 1686: Die 18-jährige Petronella wurde gerade mit dem mehr als zwanzig Jahre älteren Kaufmann Johannes Brandt verheiratet und erwartet auch genau diesen zu sehen, als sie an die Tür ihres neuen Heims klopft. Stattdessen öffnet dessen scharfzüngige und unfreundliche Schwester die Tür. Überhaupt schlägt ihr von Seiten des Haushalts Abneigung und Kälte entgegen. Da bekommt sie von ihrem Mann ein Hochzeitsgeschenk, das eine perfekte Nachbildung ihres neuen Zuhauses ist. Und es scheint die Geheimnisse der Familie Brandt besser zu kennen als die Familie selbst. Doch werden diese die Familie zerstören oder stärker machen? Und wie hängt das alles mit der Macherin der winzigen Puppen zusammen, die bald das Puppenhaus bevölkern?

There is a story here and it seems like Nella’s, but it isn’t hers to tell.
– S. 245

Mit diesem Buch habe ich lange geliebäugelt: mir hat das Cover schon richtig gut gefallen, als ich es in England das erste Mal gesehen habe, auch der Klappentext hat mir zugesagt und letztendlich konnte ich ihm nicht widerstehen, als es mir hier erneut in der Buchhandlung über den Weg gelaufen ist. Nach dem Lesen verstehe ich nicht, warum ich es nicht schon früher mitgenommen habe, denn dieses Buch ist super!
Das liegt zum einem großen Teil an den Charakteren. Nella war mir von Anfang an sympathisch mit ihrer Unsicherheit über ihre Rolle im Haushalt Brandt, ihre neue Rolle als Ehefrau und dem Leben in Amsterdam, das sich stark von allem bisher bekannten unterschied. Ebenso sympathisch war sie mir in ihrem unbedingten Willen, sich diese Unsicherheit nicht anmerken zu lassen, das Beste aus ihrer Situation zu machen und diese möglicherweise nach und nach zum besseren zu ändern.
Nella macht während des Buches eine Veränderung durch, was mir gut gefallen hat. Sie stagniert nicht in ihrer Situation, sondern versucht, im Gegenteil, etwas daran zu ändern und wächst an den neuen Umständen, in denen sie sich befindet. Im  Vergleich zu Johannes und Marin, dessen Schwester, ist sie recht ungebildet und als ihr dies klar wird, versucht sie, mehr über die Geschäfte ihres Mannes zu erfahren und ebenfalls Anteil an seinem Leben zu nehmen.
Marin und Johannes sind zudem echt ein Gespann für sich. Zwar ist er der erfolgreiche Geschäftsmann, aber sie hält ein Stück weit die Fäden in der Hand und von den Geschäften ihres Bruders hat sie mindestens soviel Ahnung wie dieser. Wie jeder Frau im 17. Jahrhundert ist es auch ihr verwehrt, ein eigenständiges und komplett selbstbestimmtes Leben zu führen, aber innerhalb des Brandt-Haushaltes ist sie eindeutig jene, welche das Sagen hat. Zudem habe ich durchgehend im Buch das Gefühl gewonnen, dass sie die Stärkere der Geschwister ist. Johannes ist kaum anwesend, Marin trifft alle relevanten Entscheidungen für den Haushalt. An ihr orientiert sich Nella in ihrer Entwicklung, denn obwohl ihr die häufig zur Schau gestellte Kälte und der Zynismus Marins zwar abgehen, so ist diese mit ihrem eisernen Rückrat und ihrer Intelligenz doch am nächsten an einem Vorbild für Marin.

„What can any of us do?“
– Marin, S. 112

Die Geschichte selbst konnte mich auch überzeugen. In meinen Augen liefert sie einen guten Einblick in das Amsterdam zur Zeit der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC), als die Stadt reich und voller Kaufleute, wie Johannes Brandt, war, stolz auf das Erreichte und einer der großen Spieler in der damaligen internationalen Politik. Auch die Verwicklungen der Kaufleute untereinander sind schön dargestellt und gesellschaftliche Anlässe sowie Rivalitäten, Freundschaft und Verrat großartig dargestellt.
Ein kleiner Minuspunkt ergibt sich daraus, dass es in meinen Augen immer mal wieder Stellen gab, in denen einfach nichts passiert ist. Besonders zu Beginn habe ich über ein ganzes Stück darauf gewartet, dass endlich etwas passiert. Allerdings wird dies bei weitem ausgeglichen durch die Spannung, die sich langsam aufbaut und die Charaktere, mit denen ich eine Menge Spaß hatte.

The Miniaturist ist ein historischer Roman, der mich absolut überzeugen konnte. Es hat mir eine Menge Spaß bereitet, über Nella und ihre Geschichte zu lesen. Zudem zeichnet Jessie Burton ein schönes und realistisches Bild vom Amsterdam des 17. Jahrhunderts.

Every woman is the architect of her own fortune.
– S. 76

5Sterne

Quelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia

Die Geschichte um Nella beruht lose auf dem Leben von Petronella Oortman, deren Puppenhaus die Vorlage lieferte für Nellas Puppenhaus und das im Rijksmuseum in Amsterdam steht.

Über Jessie Burton:
Burton wurde 1982 geboren und studierte in Oxford Englisch sowie Spanisch, später absolvierte sie eine Ausbildung zur Schauspielerin in London an der Royal Central School of Speech and Drama. Sie hatte kleinere Rollen an britischen Theatern unter anderem auch in London, daneben schreibt sie Essays für unterschiedlichste Zeitungen und Zeitschriften.
2014 erschien ihr erstes Buch The Miniaturist, das in über 30 Sprachen übersetzt wurde und zum Bestseller avancierte. Ende 2016 erschien ihr zweiter Roman, The Muse.
Burton lebt in London.
Quelle: Wikipedia

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