Rezension – River of Violence

Harleys Vater Duke McKenna ist der mächtige Kopf eines Drogenclans. Als sein einziges Kind wird Harley von Kindesbeinen an zu seiner Nachfolgerin erzogen. Als junge Erwachsene arbeitet sie für ihn und treibt Schulden ein. Doch Dukes größter Konkurrent, die Springfield-Familie, wird immer mächtiger und so muss sich Harley entscheiden, ob sie den Kreislauf aus Mord, Drogen und Rache durchbrechen will – oder ob sie vollständig in die Fußstapfen ihres Vaters tritt.

Schon seit Ewigkeiten habe ich keinen Thriller mehr gelesen, aber dieser hier sprach mich von der Thematik sehr an. Nicht das typische Thriller-Thema mit einem notorischen Killer, der dem/der Ermittlerin zu nahe kommt. Stattdessen ein Einblick in ein Leben, das geprägt ist von Gewalt – und in dem eine junge Frau die Hauptrolle spielt.

Es gibt Bücher, die einem beim Lesen ganz gut gefallen, von denen man aber ganz genau weiß, dass sie nicht in Erinnerung bleiben werden. Das ist bei River of Violence ganz sicher nicht der Fall. Es ist unglaublich spannend geschrieben und der Thriller-Teil kommt nicht durch Beschreibungen von Gewalt und Blut zustande, sondern durch die unglaublich große Spannung.

Außergewöhnlich macht dieses Buch auch die Perspektive: ich habe bisher nur selten von Büchern gehört, in denen eine Frau der Verbrecherboss ist. Harley ist noch dazu eine recht junge Frau, nur wenig älter als ich es bin. Das sorgte dafür, dass ich mich einerseits gut in sie hineinversetzen konnte, andererseits aber oft froh darüber war, wie unterschiedlich mein Leben bisher im Vergleich zu Harleys verlaufen ist.
Sie bietet einen anderen Blickwinkel auf die Rolle von Frauen in der Verbrecherwelt.

Daddy ist anders zu mir, weil ich ein Mädchen bin. […] egal wie stolz er auf mich sein mag, er unterschätzt mich trotzdem […] Das ist die Art von Vätern.

Manchmal denke ich, dass ist einfach die Art von Männern.

Harley, S. 172

Harley spielt dabei oft damit, dass sie grundsätzlich unterschätzt wird, weil sie eine Frau ist. Sie zieht Macht daraus, dass sie Erwartungen und Annahmen anderer Menschen durch ihr Verhalten widerlegt.
Es geht auch oft um die Frage, wie Harley mit Problemen umgeht, die sich aus sehr widerstreitenden Gefühlen, insbesondere gegenüber ihrem Vater, ergeben.

Die Mafia und mafiöse Strukturen werden wohl eher mit Italien und Russland in Verbindung gebracht. Wir übersehen dabei oft, dass diese Strukturen weit verbreitet sind. Harley muss sich auch mit der Frage beschäftigen, ob und wie sich solche Strukturen niederreißen lassen. Und ob sie nicht manchmal sogar wichtig und nötig sind.


Ein unglaublich spannendes Buch über Themen, mit denen ich mich bisher kaum beschäftigt hatte. Geschrieben zudem aus einer Perspektive, die eher ungewöhnlich ist und dennoch (oder vielleicht gerade deswegen) mitreißt.

Vielleicht ist ein unempfindliches Herz nicht die Lösung, sondern das Problem.

Harley, S. 44

Über Tess Sharpe:
Sharpe wuchs im ländlichen Norden Kaliforniens auf, wo sie in einer Berghütte geboren war. Heute lebt sie mit Ehemann, vielen Hunden und einer wachsenden Zahl wilder Katzen in der Provinz. River of Violence ist ihr erstes belletristisches Buch.
Quelle: Autoreninfo im Buch

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Originaltitel: Barbed Wire Heart | Übersetzerin: Beate Schäfer
Klappenbroschur: ISBN 978-3-423-79045-1 | 14,90€
E-Book: ISBN 978-3-423-43575-8 | 12,99€
512 Seiten | erschienen 2019

Verlagswebseite zum Buch

Bildquellen
Autorin: dtv (© Rowan Price)
Cover: bold

Rezension – Speaking in Bones

Quelle: Arrow Books
Quelle: Arrow Books

Speaking in Bones | Kathy Reichs | Arrow Books | erschienen 2015
Taschenbuch: ISBN 978-0-09-955812-5 | 7.99£
E-Book: ISBN 978-1-44-818499-6 | 4.99£

Die Hobby-Detektivin Hazel Strike, genannt Lucky, ist überzeugt davon, den Namen zu einer nicht identifizierten Leiche gefunden zu haben. Sie tritt damit an die forensische Anthropologin Dr. Temperance Brennan heran, denn in deren Labor liegen die Überreste. Zudem spielt sie ihr ein Audioband vor, dass sie am Fundort der Leiche entdeckt hat. Die verstörende Aufnahme lässt Brennan nicht mehr los und so beginnt sie ihre Ermittlungen. Doch jede neue Entdeckung scheint mehr Fragen und immer furchtbarere Theorien aufzuwerfen.

Noch in England habe ich bereits ein Buch von Kathy Reichs gelesen, Bones are forever. Jetzt habe ich, entgegen meines damaligen Entschlusses, ihre Bücher nur noch auf Deutsch zu lesen, wieder zu einer englischen Ausgabe gegriffen.
Auch hier hat mich die Geschichte nicht enttäuscht. Die Fernseh-Serie Bones, welche lose auf Kathy Reichs Büchern beruht, liebe ich immer noch. Und obwohl die Figuren aus den Büchern den Figuren der Serie kaum ähneln, finde ich auch diese super!
Ich lese nur selten Thriller, da sie mir meist zu blutrünstig und gruselig sind. Auch die Geschichte um Brennan ruft immer wieder Nervenkitzel hervor, aber genau im richtigen Maß. Dadurch, dass sie in erster Linie mit Knochen arbeitet, gibt es keine Beschreibungen verstümmelter Leichen. Der Fachjargon, der mich noch bei Bones are forever gestört hat, hat mir diesmal wenig ausgemacht. Ich weiß nicht ob es daran liegt, dass er kaum benutzt wurde oder sich mein Englisch nur verbessert hat, jedenfalls hat dieser dafür gesorgt, dass es ein trockener Ton bleibt. Keine blutrünstigen Erklärungen, die mich grün im Gesicht werden lassen.
Besonders gut fand ich, dass zu neuen Entdeckungen auch oft auch ausführlich über den historischen Hintergrund berichtet wird. Da sich der Fall stark auf das Thema Religiosität, teils auch Sektentum und Fanatismus, konzentriert, gibt es natürlich entsprechend viel und, in meinen Augen, interessante Historie dazu.
In meinen Augen gelingt es Reichs sehr gut, mit wenigen Worten ein Gefühl für einen Ort oder die Atmosphäre einer Situation zu schaffen. Auch bei Personen ergeht sie sich nicht in unnötig langen Beschreibungen, sondern konzentriert sich auf das Nötigste und lässt oftmals durch Kleinigkeiten – eine bestimmte Angewohnheit oder die Sprache – das Bild einer Person vor den Augen des Lesers erstehen. Überhaupt lässt sich sagen, dass es im Buch keine Längen gibt, welche die Spannung einschlafen lassen. Es gibt immer irgendeine Neuigkeit und irgendwas zu tun. Und trotz der knappen und meist sachlichen Sprache gelingt es ihr erstens die Gefühle von Brennan, aus deren Sicht das Buch geschrieben ist, deutlich zu machen und zweitens richtig witzige Szenen zu schreiben. Immer wieder ist mir bei Brennans trockenen Kommentaren ein Lacher entschlüpft.

Ich habe dieses Buch quasi inhaliert: Reichs trumpft wieder mit einer spannenden und gut geschriebenen Geschichte auf und ich werde definitiv weitere ihrer Bücher um Dr. Temperance Brennan lesen – auf englisch!

Does anyone ever change?
– Dr. Temperance Brennan, S. 153

5SterneÜber Kathy Reichs:
Kathy Reichs, mit vollem Namen Kathleen Joan Reichs, wurde 1950 in Chicago geboren. Sie studierte unter anderem Archäologie und ist als forensische Anthropologin tätig. Neben ihrer Arbeit als Dozentin für das FBI und als Professorin an der University of North Carolina, hat sie auch geholfen, Opfer des Terroranschlags auf das World Trade Center 2001 und exhumierte Leichen aus Massengräbern in Ruanda und Guatemala im Auftrag der UN zu identifizieren.
1997 erschien ihr erster Roman Déjà Dead (dt.: Tote lügen nicht) mit der Hauptfigur Dr. Temperance Brennan, die forensische Anthropologin ist. Deren Fälle beruhen auf wahren Fällen, an denen Kathy Reichs beteiligt war. Mittlerweile sind weitere 17 Bücher mit Dr. Temperance Brennan erschienen. Seit 2005 gibt es zudem die Fernsehserie Bones; dafür wurden Teile der Romane übernommen, allerdings unterscheiden sich die Dr. Brennans aus Büchern und Film stark.
Kathy Reichs ist sein 1969 mit dem Untersuchungsrichter Paul Reichs verheiratet; sie haben drei Kinder.
Quelle: Wikipedia

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