Evergreens – Commissario Brunetti

In dieser kleinen Reihe möchte ich euch meine Evergreens vorstellen: Bücher, die einen besonderen Platz einnehmen, die mich teilweise schon mein Leben lang begleiten. Es sind Bücher, über die ich keine genaue Rezension schreibe, weil ich normalerweise nur Bücher rezensiere, die ich gerade gelesen habe. Ich sehe meine Beiträge über die Evergreens auch nicht wirklich als Rezensionen an, da es keine mehr oder weniger sachliche Begründungen geben wird. Es sind einfach emotionale Berichte über Bücher, die mir wichtig sind.

Meine Mama hatte lange vier Bücher über Commissario Brunetti im Regal stehen, war (und ist) aber nicht wirklich begeistert von den Büchern. Nachdem ich die Bücher erst einmal gelesen (und in mein Regal übernommen) hatte, ist das eines der Dinge, über die wir uns uneinig sind – denn ich liebe die Bücher von Donna Leon.

Einer der Gründe dafür ist eine wichtige Nebenfigur: Paola. Ich liebe diese Frau! Das dürfte vermutlich jedem Bücherwurm so gehen, denn Brunetti notiert immer wieder liebevoll-nachsichtig die Bücherflut, die Paola zu umgeben scheint. In Tod zwischen den Zeilen, das ich gerade erst beendet habe, bemerkt er einmal, dass es für seine Frau vermutlich nichts schlimmeres gibt, als ein paar Minuten ohne Buch zu sein.
Hinzu kommt, dass ich auch die Beziehung zwischen dem Ehepaar total schön und schön dargestellt finde. Wie in den Büchern insgesamt, ist auch diese nicht tragisch-dramatisch. Die beiden sind nicht perfekt, aber sie lieben die kleinen Eigenarten des jeweils anderen und besser geht es doch gar nicht.Überraschenderweise ist meine Freude an den Büchern seit Beginn meines Jura-Studiums noch gewachsen. Denn eine der Frage, über die wir quasi schon seit der ersten Woche nachdenken (sofern wir darüber nachdenken wollen), ist: Was ist Gerechtigkeit? Und damit verbunden: Kann ein Justizsystem für Gerechtigkeit sorgen?
Das sind die Fragen, die sich Brunetti teilweise recht offen stellt und die unterschwellig immer mitschwingen. Kann eine Verteilung für Gerechtigkeit sorgen? Und ist es manchmal nicht gerechter, dass es eben nicht zu einer Verurteilung oder auch nur zu einem Verfahren kommt?

Damit einher geht auch die Erkenntnis, dass nicht jeder Straftäter auch tatsächlich bestraft wird. In den Romanen geschieht das aus unterschiedlichen Gründen, gerne mal durch die Connections besagter Straftäter. Vermutlich will ich gar nicht wissen, wie oft dieses Szenario der Wahrheit entspricht.
Vor allem unterscheiden sich die Brunetti-Fälle von vielen anderen Krimis, in denen es letztendlich doch ein „Happy End“ gibt, das unser Gerechtigkeitsempfinden zufrieden stellt.

Und es kommt eine persönliche Frage für Brunetti auf, die ich sehr interessant finde: wie umgehen mit Korruption in den Reihen der Polizei und in übergeordneten Stellen? Denn oftmals scheint es auch hier eine Frage zwischen Überzeugungen („dagegen vorgehen!“) und Verpflichtungen („mein Job könnte in Gefahr sein …“) zu sein.

Einige der Bücher wurden verfilmt. Ich möchte die Filme gar nicht sehen, denn Leons gehören zu den Büchern, die durch die Bilder und vor allem Gefühle in meinem Kopf zu etwas besonderem werden. Hätte ich definitive Bilder; ich bin mir ziemlich sicher, dass mir das die Bücher zerstören würde.

Bisher habe ich ca. 10 der Brunetti-Bücher gelesen und freue mich vor allem über eines: dass es noch so viele Bücher über ihn gibt, die ich lesen kann!

Die Fälle von Commissario Brunetti

1. Venezianisches Finale 15. Wie durch ein dunkles Glas
2. Endstation Venedig 16. Lasset die Kinder zu mir kommen
3. Venezianische Scharade 17. Das Mädchen seiner Träume
4. Vendetta 18. Schöner Schein
5. Acqua alta 19. Auf Treu und Glauben
6. Sanft entschlafen 20. Reiches Erbe
7. Nobiltà 21. Tierische Profite
8. In Sachen Signora Brunetti 22. Das goldene Ei
9. Feine Freunde 23. Tod zwischen den Zeilen
10. Das Gesetz der Lagune 24. Endlich mein
11. Die dunkle Stunde der Serenissima 25. Ewige Jugend
12. Der verschwiegene Kanal 26. Stille Wasser
13. Beweise, dass es Böse ist 27. Heimliche Versuchung
14. Blutige Steine  

Donna Leon wurde 1942 in New Jersey geboren und studierte in den USA sowie in Italien. Sie arbeitete als Werbetexterin, Reisebegleiterin und Lehrerin in zahlreichen Städten und Ländern, u. a. Rom, London, Iran und Saudi-Arabien.
Sie zog nach Venedig und schrieb 1992 ihren ersten Roman, Commissario Brunettis ersten Fall Venezianisches Finale. Mittlerweile hat Leon noch 26 weitere Romane über Brunetti geschrieben.
In Deutschland sind ihre Bücher Bestseller, sie hat zudem schon einige Preise dafür erhalten. Geschrieben werden die Bücher auf Englisch und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Diee Sprache, in die sie auf Leons eigenen Wunsch nicht übersetzt werden, ist Italienisch: die Venezianer sollen weiterhin unvoreingenommen ihr gegenüber sein.
Mittlerweile lebt sie nicht mehr ausschließlich in Venedig, sondern teilt ihre Zeit zwischen Italien und der Schweiz auf.
Quelle: Wikipedia

2014 erschien ein interessantes Interview mit Donna Leon in der Rhein-Neckar-Zeitung, abrufbar im Archive.

Bildquelle Donna Leon
Diogenes, Foto: © Regine Mosimann / Diogenes Verlag

Weitere Evergreens
Tagebuch der Anne Frank | Erich Kästner | Gepäckschein 666

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