Evergreens – Gepäckschein 666

In dieser kleinen Reihe möchte ich euch meine Evergreens vorstellen: Bücher, die einen besonderen Platz einnehmen, die mich teilweise schon mein Leben lang begleiten. Es sind Bücher, über die ich keine genaue Rezension schreibe, weil ich normalerweise nur Bücher rezensiere, die ich gerade gelesen habe. Ich sehe meine Beiträge über die Evergreens auch nicht wirklich als Rezensionen an, da es keine mehr oder weniger sachliche Begründungen geben wird. Es sind einfach emotionale Berichte über Bücher, die mir wichtig sind.

Als ich dieses Buch geschenkt bekam, war ich 10 Jahre alt. Das weiß ich so genau, weil es vorne eine Widmung gibt, in krakeliger Kinderschrift, vom 1. August 2007. Ich weiß auch noch genau, dass ich es bei einer Buchvorstellung in der Grundschule vorgestellt habe. Das spricht für meine Liebe zu dem Buch, denn diese besondere „Ehre“ kam wirklich nur Büchern zu, die mich absolut begeisterten.

Doch dann kam ein Umzug, der dafür sorgte, dass dieses Buch auf dem Dachboden landete. Das bedeutete vor allem eines: aus den Augen, aus dem Sinn. Aber dann kam eine Aufräumaktion auf besagtem Dachboden und die förderte dieses Buch wieder zutage. Und ich bin schlagartig zehn Jahre jünger geworden, denn natürlich musste dieses Buch sofort gelesen werden. Und auch mit Anfang zwanzig gefällt mir das Buch noch so gut wie mit zehn Jahren.

In Gepäckschein 666 beobachten die Schuhputzerjungen Peter und Emil, genannt Sheriff, einen dreisten Banküberfall. Als Peter kurz darauf als Page im edlen Hotel Atlantic zu arbeiten beginnt, soll er für einen Kunden das den Koffer mit der Nummer 999 abholen. Versehentlich erhält er stattdessen das Gepäckstück 666. Und findet darin die Beute aus dem Raubüberfall. Zusammen mit Sheriff, den versammelten Schuhputzerjungen der Stadt und dem jungen Hotelgast Francis Overseas macht er sich daran, die Bankräuber zu schnappen.

Erstmals erschien das Buch 1953. Alfred Weidenmann, der Autor, wurde 1916 in Stuttgart geboren und machte während der NS-Zeit Karriere. 1934 trat er sowohl in die HJ als auch in die NSDAP ein. Bereits während des Dritten Reichs drehte er zahlreiche Filme und wurde dafür ausgezeichnet, 1942 wurde er zudem zum Bannführer der HJ ernannt. Am Ende des Krieges geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Heimkehr schrieb er zahlreiche Jugendbücher, darunter eben auch Gepäckschein 666. Es zählt zu den erfolgreichsten Jugendbüchern der damaligen Zeit und wurde 1961 verfilmt. Seit 1953 drehte er als Film- und Fernsehregisseur zahlreiche Filme. Im Jahr 2000 starb er in Zürich. (Quelle: Wikipedia)

Bis ich für diesen Beitrag seinen Namen gegoogelt habe, war mir Weidenmanns NS-Vergangenheit nicht bekannt. Jetzt bin ich zwiegespalten. Denn wie oben beschrieben, ist Gepäckschein 666 eines meiner absoluten Lieblingsbücher aus meiner Kindheit. Irgendwie ist das nun beeinträchtigt durch die unschöne Vergangenheit des Autors.

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