Rezension – Boris & Olga

Quelle: Selma J. Spieweg
Quelle: Selma J. Spieweg

Boris & Olga – Tod dem Zaren | Selma J. Spieweg | Selbstverlag | erschienen 2014
Taschenbuch: ISBN 978-1505696196 | 15,-€
Leseprobe

Seit 44 Jahre herrscht in Russland Krieg und ebenso lange kämpft der Soldat Boris in diesem Krieg. Wissenschaftler haben versucht, mithilfe von Quantenmagie einen nahezu unzerstörbaren Blauen Krieger aus ihm zu machen. Allerdings gingen die Experimente schief und er ist die einzige Versuchsperson, die überlebt hat. Allerdings haben ihn die Experimente einen Arm und seine Menschlichkeit gekostet. Nun bleibt ihm nur noch sein unbedingte Zarentreue. Als er daher in einem eiskalten Winter seinen Kameraden nicht mehr folgen kann und sich zum Sterben bereit macht, beschließt er die 12jährige Diebin und Anarchistin Olga mit in den Tod zu nehmen und dem Zaren damit einen letzten Dienst zu erweisen. Doch dann taucht ein Mann auf, der eben jenem Zaren verdächtig ähnlich sieht und die Bemühungen, diesem zum helfen, schweißen das ungleiche Paar Boris und Olga zusammen.

Dieses Buch habe ich im Rahmen der Wanderbuch-Aktion von Watched Stuff gelesen. Beim ersten Lesen des Klappentextes dachte ich mir, dass das wirklich was für mich sein könnte. Ich bin zwar kein besonders großer Fan von Fantasy, wovon ja doch das ein oder andere Element eingebaut ist. Aber mit dem letzten Wanderbuch habe ich letztendlich, obwohl es auch nicht meinem Genre entsprach, richtig gute Erfahrungen gemacht.
So uneingeschränkt wie beim vorherigen Wanderbuch hat mir diese Geschichte allerdings nicht gefallen. Zum einen hat mir missfallen, wie sich die Geschichte entwickelt. Besonders zu Beginn gibt es meiner Meinung nach zu viele Entwicklungen, die dem Zufall überlassen werden. Es ist verständlich, wenn die beiden sich ein oder zweimal zufällig über den Weg laufen. Aber wenn diese unbeabsichtigten Begegnungen überhand nehmen, dann wirkt das auf mich unglaubwürdig. Das ist hier der Fall. Die Entwicklung der Geschichte kam mir zu gewollt vor. Zu oft habe ich gedacht, dass es so in der Wirklichkeit nicht passiert wäre. Mir ist klar, dass es sich hier zum größten Teil um Fantasy handelt, aber eine gewisse Natürlichkeit muss trotzdem gegeben sein, damit ich mir nicht ein bisschen veräppelt vorkomme. Hier habe ich mir schon recht früh überlegt, wie wahrscheinlich es wohl ist, dass man sich in den Weiten Russlands so oft zufällig über den Weg läuft.
Zudem hatte ich manchmal ein Problem mit den Perspektivwechseln der Autorin. Es wird abwechselnd aus Boris‘ und Olgas Sicht berichtet. Meiner Meinung nach hätte man hier teilweise ganze Absätze entfernen können, ohne dass dies der Spannung Abbruch getan hätte. Oftmals wird nur, mit nahezu den gleichen Worten, eine Szene erneut beschrieben, eben aus einem minimal anderen Blickwinkel.
Dafür gelingt es der Autorin gut, die Beziehung zwischen Olga und Boris darzustellen. Sie sind zusammen zuckersüß und insbesondere Boris hat es mir echt angetan. Spieweg beschreibt mit wenigen Worten, wie sehr er sich nach Zuneigung, Freundschaft und Freundlichkeit sehnt. Nachdem Wissenschaftler an ihm herumgepfuscht haben und er einen mechanischen Arm hat, haben ihn seine Kameraden in der Kompanie gemieden und so hungert er geradezu nach ein bisschen menschlicher Wärme. Olga bringt ihm das entgegen, findet in Boris aber auch genau das, wonach sie immer gesucht hat: einen Beschützer. Denn von klein auf ist sie weitestgehend auf sich allein gestellt. Eine kurzzeitige Familie, in Form von Rebellen gegen den Zaren, wird von der russischen Geheimpolizei getötet. Von ihnen hat sie ihre zarenfeindliche Haltung, über die sie und Boris, der sehr zarentreue Soldat, zu Beginn ihrer Bekanntschaft ständig in Konflikt geraten.
Olga setzt sich aber sehr schnell in den Kopf, dass sie und Boris sich gegenseitig helfen können und sollten und tatsächlich funktionieren die beiden als Team besser als für sich alleine. Olga ist eine Art Gewissen für Boris, sie trifft meistens die Entscheidungen über das weitere Vorgehen ihrer kleinen 2-Mann-Armee. Boris, der seit seiner Kindheit im Dienst der Armee steht, kann nur schwer Entscheidungen fällen, er ist es zu sehr gewohnt, Befehle zu bekommen und zu befolgen. Zudem ist er unvorstellbaren Entbehrungen und Grausamkeiten ausgesetzt worden und hat daher ein anderes Maß für Tod und Grausamkeit. Dadurch wirkt er manchmal fast gewissenlos.  Dafür macht er die mangelnde Kraft, Körpermasse und Kampferfahrung seiner kleinen Begleiterin wett und beschützt sie vor allen möglichen Gefahren.
Sowieso hat Spieweg ein gutes Gespür dafür, ohne großes Tamtam die Gefühle der Protagonisten aufzuzeigen, sodass man sich richtig gut in sie einfühlen kann. Stellenweise kamen mir wirklich die Tränen, manchmal hab ich laut losgelacht, das wiegt vieles auf und hat dieses Buch letztendlich, trotz kleiner Mängel, zu einem guten Buch und einer netten Lektüre gemacht.
Für die Zukunft nehme ich mir fest vor, mich öfters

Für die Zukunft nehme ich mir fest vor, mich öfters einmal an Bücher mit dem Qindie-Label zu wagen – vielleicht finde ich ja so noch den ein oder anderen Schatz. Dieses Buch hat mir auf jeden Fall alles in allem gut gefallen.

4Sterne

Über Selma J. Spieweg:
Spieweg wurde 1966 in Berlin geboren, wo sie 1986 ihr Studium an der Universität der Künste begann. Sie legte ihren Schwerpunkt als Grafikerin in der Magazingestaltung und arbeitete unter anderem als Art Direktorin des Micky Maus Magazins.
Quelle: Clockwork Cologne

Noch viel mehr Informationen zu den Geschichten um Boris und Olga gibt es auf der Website der Autorin.

Weitere Meinungen zum Buch:

Rezension – Speaking in Bones

Quelle: Arrow Books
Quelle: Arrow Books

Speaking in Bones | Kathy Reichs | Arrow Books | erschienen 2015
Taschenbuch: ISBN 978-0-09-955812-5 | 7.99£
E-Book: ISBN 978-1-44-818499-6 | 4.99£

Die Hobby-Detektivin Hazel Strike, genannt Lucky, ist überzeugt davon, den Namen zu einer nicht identifizierten Leiche gefunden zu haben. Sie tritt damit an die forensische Anthropologin Dr. Temperance Brennan heran, denn in deren Labor liegen die Überreste. Zudem spielt sie ihr ein Audioband vor, dass sie am Fundort der Leiche entdeckt hat. Die verstörende Aufnahme lässt Brennan nicht mehr los und so beginnt sie ihre Ermittlungen. Doch jede neue Entdeckung scheint mehr Fragen und immer furchtbarere Theorien aufzuwerfen.

Noch in England habe ich bereits ein Buch von Kathy Reichs gelesen, Bones are forever. Jetzt habe ich, entgegen meines damaligen Entschlusses, ihre Bücher nur noch auf Deutsch zu lesen, wieder zu einer englischen Ausgabe gegriffen.
Auch hier hat mich die Geschichte nicht enttäuscht. Die Fernseh-Serie Bones, welche lose auf Kathy Reichs Büchern beruht, liebe ich immer noch. Und obwohl die Figuren aus den Büchern den Figuren der Serie kaum ähneln, finde ich auch diese super!
Ich lese nur selten Thriller, da sie mir meist zu blutrünstig und gruselig sind. Auch die Geschichte um Brennan ruft immer wieder Nervenkitzel hervor, aber genau im richtigen Maß. Dadurch, dass sie in erster Linie mit Knochen arbeitet, gibt es keine Beschreibungen verstümmelter Leichen. Der Fachjargon, der mich noch bei Bones are forever gestört hat, hat mir diesmal wenig ausgemacht. Ich weiß nicht ob es daran liegt, dass er kaum benutzt wurde oder sich mein Englisch nur verbessert hat, jedenfalls hat dieser dafür gesorgt, dass es ein trockener Ton bleibt. Keine blutrünstigen Erklärungen, die mich grün im Gesicht werden lassen.
Besonders gut fand ich, dass zu neuen Entdeckungen auch oft auch ausführlich über den historischen Hintergrund berichtet wird. Da sich der Fall stark auf das Thema Religiosität, teils auch Sektentum und Fanatismus, konzentriert, gibt es natürlich entsprechend viel und, in meinen Augen, interessante Historie dazu.
In meinen Augen gelingt es Reichs sehr gut, mit wenigen Worten ein Gefühl für einen Ort oder die Atmosphäre einer Situation zu schaffen. Auch bei Personen ergeht sie sich nicht in unnötig langen Beschreibungen, sondern konzentriert sich auf das Nötigste und lässt oftmals durch Kleinigkeiten – eine bestimmte Angewohnheit oder die Sprache – das Bild einer Person vor den Augen des Lesers erstehen. Überhaupt lässt sich sagen, dass es im Buch keine Längen gibt, welche die Spannung einschlafen lassen. Es gibt immer irgendeine Neuigkeit und irgendwas zu tun. Und trotz der knappen und meist sachlichen Sprache gelingt es ihr erstens die Gefühle von Brennan, aus deren Sicht das Buch geschrieben ist, deutlich zu machen und zweitens richtig witzige Szenen zu schreiben. Immer wieder ist mir bei Brennans trockenen Kommentaren ein Lacher entschlüpft.

Ich habe dieses Buch quasi inhaliert: Reichs trumpft wieder mit einer spannenden und gut geschriebenen Geschichte auf und ich werde definitiv weitere ihrer Bücher um Dr. Temperance Brennan lesen – auf englisch!

Does anyone ever change?
– Dr. Temperance Brennan, S. 153

5SterneÜber Kathy Reichs:
Kathy Reichs, mit vollem Namen Kathleen Joan Reichs, wurde 1950 in Chicago geboren. Sie studierte unter anderem Archäologie und ist als forensische Anthropologin tätig. Neben ihrer Arbeit als Dozentin für das FBI und als Professorin an der University of North Carolina, hat sie auch geholfen, Opfer des Terroranschlags auf das World Trade Center 2001 und exhumierte Leichen aus Massengräbern in Ruanda und Guatemala im Auftrag der UN zu identifizieren.
1997 erschien ihr erster Roman Déjà Dead (dt.: Tote lügen nicht) mit der Hauptfigur Dr. Temperance Brennan, die forensische Anthropologin ist. Deren Fälle beruhen auf wahren Fällen, an denen Kathy Reichs beteiligt war. Mittlerweile sind weitere 17 Bücher mit Dr. Temperance Brennan erschienen. Seit 2005 gibt es zudem die Fernsehserie Bones; dafür wurden Teile der Romane übernommen, allerdings unterscheiden sich die Dr. Brennans aus Büchern und Film stark.
Kathy Reichs ist sein 1969 mit dem Untersuchungsrichter Paul Reichs verheiratet; sie haben drei Kinder.
Quelle: Wikipedia

Weitere Meinungen zum Buch:

Rezension – Agatha Raisin and the Quiche of Death

Quelle: Little, Brown Book
Quelle: Little, Brown Book

Agatha Raisin and the Quiche of Death | M. C. Beaton | Constable Books | erstmals erschienen 1992, diese Ausgabe 2014
Taschenbuch: ISBN 978-1-4721-2067-0 | 7.99£

Agatha Raisin, Chefin einer PR-Agentur in London, beschließt, sich einen frühen Ruhestand zu gönnen und auf das Land zu ziehen – ein Kindheitstraum von ihr. Um dort Anschluss zu finden, nimmt sie an einem Quiche-Wettbewerb teil. Da sie jedoch nicht backen kann, kauft sie eine Spinat-Quiche. Nicht nur, dass der Juror ihrer perfekten – wenn auch gekauften – Quiche nicht den ersten Platz einräumt: am Abend stirbt er an eben jener! Agatha Raisin steht nicht nur als Lügnerin da, sondern gerät auch ins Visier der Ermittler. Um ihren Namen reinzuwaschen, muss sie herausfinden, wer den Mann wirklich auf dem Gewissen hat.

Während meines England-Aufenthalts habe ich hin und wieder den Trailer für die Agatha Raisin-Serie gesehen und dachte schon da, dass mich die Geschichten um diese eigenwillige Frau interessieren könnten.
Als mich Mimi von Mimis Leseecke also darüber informiert hat, dass ich mir ein Wunschbuch aussuchen darf, ist meine Wahl nach kurzem Überlegen auf dieses gefallen (überlegen musste ich trotzdem – es gibt so viele tolle Bücher, die ich lesen möchte).
Enttäuscht wurde ich definitiv nicht. M.C. Beaton braucht nicht lange, um voll ins Geschehen zu starten und besonders zu Beginn geht es auch Schlag auf Schlag: Agathas Umzug auf’s Land, ihr Entschluss an dem Wettbewerb teilzunehmen und der Tod des Jurors, Cummings-Browne. Teilweise gab es dann doch Strecken im Buch, wenn Agatha mit sich hadert, ob sie dessen Tod genauer unter die Lupe nehmen oder doch lieber auf die Polizei hören soll, die seinen Tod als Unfall abtut.
Es gab, neben der Geschichte selber, einige Dinge, die mir richtig gut an diesem Buch gefallen haben. Dazu zählt eindeutig Agatha Raisin. Es fällt ihr schwer, den Konventionen zu entsprechen, eigentlich ist an ihr fast gar nichts konventionell. Dadurch macht sie es den Menschen außerordentlich schwer, sie zu mögen. Agatha ist sehr oft sehr schnippisch und wenn ihr etwas gegen den Strich geht, dann zeigt sie dies auch deutlich. Andererseits sehnt sie sich danach, von den Menschen im Dorf gemocht zu werden, die anhaltende Einsamkeit während der ersten Zeit macht ihr zu schaffen. In dieser Hinsicht ist der Todesfall im Dorf ein wahrer Glücksfall für sie, denn so kommt sie mit den Leuten ins Gespräch. Die Einsamkeit und wie sie beschrieben wird, haben dafür gesorgt, dass sie mir sympathisch wurde. Es passiert nicht oft, dass ich so heftig zwischen Sympathie und Abneigung gegenüber einem Protagonisten schwanke, was dieses Buch für mich von der Masse abhebt.

A faint idea was stirring somewhere in her brain that Agatha Raisin was not a very lovable person.
– S. 29

Daneben ist Agatha Raisin witzig. Sie hat eine bissige Art von Humor, typisch britisch, der mir richtig gut gefallen hat. Zudem machen sie ihre missmutigen und teils missgünstigen Gedanken sie nicht nur zu einer richtigen Persönlichkeit, sondern auch zu einer echten Person, mit der man sich identifizieren kann. Ich denke, es gibt niemanden, der immer gut gelaunt ist, immer ehrlich, ohne Probleme und Menschen nur das beste wünscht. Ich kann mich eindeutig besser mit Menschen identifizieren, wenn sie Macken und Fehler haben, schlecht gelaunt sind, sich über ihr Aussehen sorgen und andere Menschen ohne guten Grund nicht leiden können – denn dann sind sie wie ich. Und vielleicht ist das bei Agatha Raisin manchmal überspitzt dargestellt, vielleicht aber auch nicht. Wenn ich ganz ehrlich bin, ähnele ich ihr vielleicht öfter als mir lieb ist – zumindest was meine Gedanken angeht, sicher nicht in ihren Taten. Denn sie ist tough: viele Dinge, die sie macht und sagt, würde ich mir nie trauen und sie lässt sich auch nicht unterkriegen.
Auch in einem anderen Punkt hat mir die Figur Agatha gut gefallen: sie zeigt, entgegen der typischen Darstellungen, dass Frauen nicht verheiratet sein müssen oder Kinder haben müssen und durchaus in der Lage sind, für sich selber zu sorgen.
Eine andere Sache, die dieses Buch für mich zu einer schönen Lektüre gemacht hat, ist die Umgebung, in der es spielt. Carsley, Agatha Raisins neue Heimat, ist kein reales Dorf, aber Moreton-in-Marsh, die nächste größere Stadt, gibt es. Und es liegt in den Cotswolds, der Region, wo ich einen großen Teil meines AuPair-Jahres verbracht habe. Immer mal wieder werden Orte erwähnt oder besucht, die ich kenne und teils ebenfalls schon besucht habe. Dazu zählen beispielsweise Cheltenham, Gloucester ebenso wie London und ein paar seiner Sehenswürdigkeiten. Jedes Mal habe ich praktisch gejauchzt vor Freude, wenn ein Ort vorkam, den ich kannte – und Herzweh bekommen.

Beaton ist es gelungen, das ländliche England wieder vor meinen Augen erstehen zu lassen, inklusiver der Einwohner, die man in all ihren Ausprägungen in Corsley finden kann. Es ist ein tolles Cosy Crime und ich habe es sehr gerne gelesen.

Really, thought Agatha crossly, under the exterior of every effeminate man beats the heart of a real chauvinist pig.
– S. 170

5SterneÜber M. C. Beaton:
Beaton ist eines der Pseudonyme von Marion Chesney. Sie wurde 1936 in Glasgow geboren und arbeitete dort in einem Buchladen, bevor sie über mehrere Stationen zur Daily Express als Chefreporterin des Frauenressorts kam. Nach der Geburt ihres Sohnes und einem Umzug in die USA begann sie historische Romane zu schreiben.
Sie lebt in den Cotswold, wo die Krimis um Agatha Raisin spielen.
Quelle: Wikipedia

Weitere Meinungen zum Buch:

Rezension – Das Dorf der Wunder

Quelle: Aufbau
Quelle: Aufbau

Das Dorf der Wunder | Roy Jacobsen | Aufbau Taschenbuch | erschienen 2012
aus dem Norwegischen: Hoggerne | Übersetzerin: Gabriele Haefs
Taschenbuch: ISBN 978-3-7466-2771-7 | 9,99€

Im Winter 1939 herrschen -40°C, als die Russen in Finnland einmarschieren. Zuvor haben die Finnen die Dörfer evakuiert und auch in Suomussalmi fliehen alle Einwohner – bis aus Timo Vatanen. Der Holzfäller weigert sich, vor den Russen zu fliehen und wird durch sein gute Ortskenntnis bald unentbehrlich.

Mit diesem Buch habe ich in der Bücherei einen echten Schatz gefunden. Obwohl ich mich vom Klappentext her auf etwas anderes eingestellt hatte, wurde ich von der Geschichte nicht enttäuscht.
Das Buch erzählt vom Leben des finnischen Holzfällers Timo während des Zweiten Weltkriegs. Er wird durchgehend als „Dorftrottel“ und „Idiot“ bezeichnet, wird auch von den finnischen Dörflern herablassend und geringschätzig behandelt. Worauf das zurückzuführen ist hat sich mir allerdings nicht so richtig erschlossen, dies rettet ihn aber im Verlauf der Geschichte immer wieder. Er wird durch seine „Idiotie“ nicht als Gefahr angesehen und kommt auch mit einer Befehlsverweigerung eher durch.
Er wird einer kleinen Gruppe Russen zugeordnet, die nicht mehr kampftauglich sind und daher Bäume fällen und die restliche Division mit Feuerholz versorgen sollen. Er steigt schnell zu deren Anführer auf, insbesondere da er der einzige ist, der Ahnung vom Holzfällen hat. Zudem kann er durch seinen mangelnden Respekt vor den Befehlshabern immer wieder Vorteile für sich und seine kleine Kompanie rausschlagen.
Es geht in diesem Buch eindeutig nicht darum, die Welt im Ganzen zu bewegen. Timo kämpft keine heroischen Schlachten, er besiegt den Gegner nicht im Alleingang und er verändert auch den Lauf der Geschichte nicht. Aber inmitten der Wirren und Grausamkeiten des Krieges verändert er die Leben seiner russischen Kumpane und zeigt eine Menschlichkeit, wie sie wohl nur selten war – und vermutlich auch heute noch ist.
Ich habe oftmals gedacht, dass wir uns öfters ein Beispiel an Timo nehmen sollten. In einer Zeit voller Nationalismus, Diskriminierung und Krieg pfeift Timo auf Nationalität und Religion und hilft seinen Leidensgenossen, diesen Winter zu überstehen. Das Motiv hierfür bleibt unklar. Er sagt nie über sich, dass er aus diesem oder jenen Grund geholfen hätte. Aber vielleicht ist dies auch das Wichtigste an diesem Buch: zu zeigen, dass wir kein Motiv dafür brauch sollten, anderen Menschen zu helfen.

„That’s what you do when you see someone in need: you help them.“
– Ellen DeGeneres on The Ellen Show

Wir leben in einer Welt in der Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und der Hass auf alles Fremde wieder wachsen und Aufschwung bekommen (dabei sollte man meinen, dass wir etwas aus Timo Vatanens Zeit gelernt haben). Also sollten wir öfter einmal – wie Timo – auf Politik, Nationalität und Religion pfeifen und den Menschen helfen, die Hilfe benötigen.
Daneben bietet es aber auch einen eindrücklichen Einblick in das Leben der Soldaten an der bitterkalten Ostfront. Es zeigt auf, dass ein Großteil der einfachen Soldaten oftmals nur noch heim wollten zu ihren Familien. Selbstverständlich gab es unter den Russen ebenso wie unter den Deutschen oder allen anderen Truppen Menschen, die Freude daran hatten, Untergebene, Gegner oder unschuldige Zivilisten zu quälen. Aber ich denke, man darf davon ausgehen, dass es dem Gros der einfachen Soldaten, oftmals nur „Kanonenfutter“, nicht gefallen hat, in diesen Krieg verwickelt zu sein. Insofern hatte ich oftmals das Gefühl, dass dem Dorftrottel Timo gelungen ist, was vielen auch heute nicht gelingt: hinter die Fassade zu schauen, gesellschaftliche Konventionen zu ignorieren und die Menschen zu sehen.

Diesem Buch ist es durchgehend gelungen mich zu fesseln und trotz seiner verhältnismäßigen Kürze vermittelt es wichtige Gedanken und Inhalte auf spannende Weise. Ich lese ungern Kurzgeschichten oder Parabeln (als solche wird die Geschichte auf verschiedenen Websites bezeichnet), da ich immer das Gefühl habe, dass zu viel ungesagt bleibt. Ich bin kein Fan von Geschichten, in denen doppelt so viel zwischen den Zeilen wie in den Zeilen steht. Aber Roy Jacobsen findet genau die richtigen Worte und hat genau die richtige Art um mich zu fesseln.
Daher von mir eine dicke, fette Leseempfehlung!

goldene_SterneÜber Roy Jacobsen:
Jacobsen wurde 1954 in Oslo geboren. Sein Debüt, eine Sammlung von Novellen, erschien 1982, seit 1990 ist er Vollzeit-Autor. In Norwegen ist er bekannt für seine Kurzgeschichten, Romane und Kinderbücher und sehr angesehen. Seine Romane wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.
Quelle: Wikipedia (DE / EN)

Weitere Meinungen zum Buch:

Rezension – Die Geliebte des Meisterspions

Quelle: LYX
Quelle: LYX

Die Geliebte des Meisterspions | Joanna Bourne | Egmont LYX | erschienen 2012
aus dem Englischen: The Spymaster’s Lady | Übersetzerin: Firouzeh Akhavan-Zandjani
Taschenbuch: ISBN 978-3-8025-8676-7 | 9,99€
E-Book: ISBN 978-3-8025-8915-7 | 8,99€
Leseprobe

Der britische Meisterspion Robert Grey reist nach Frankreich, um die berüchtigte Spionin Annique Villiers aufzuspüren. Durch einen Zufall landen beide in derselben Gefängniszelle und müssen zusammenarbeiten, um sich zu befreien. Robert glaubt, dass Annique wertvolle Informationen über Napoleons geplanten Angriff auf England besitzt. Er will sie deshalb nach London bringen. Doch Annique gelingt es ein ums andere Mal, sich ihm zu entziehen. Und Robert muss schon bald feststellen, dass die schöne Französin tiefere Gefühle in ihm weckt.
Quelle: Verlagswebsite

Dieses Buch konnte meine Erwartungen leider nicht erfüllen. Das größte Problem waren eindeutig die beiden Hauptpersonen. Mit ihnen bin ich einfach durchgehend über die 435 Seiten nicht warm geworden. Im Klappentext und den ersten paar Kapiteln erschien Annique, das Füchschen, mir wie eine starke, unabhängige Frau. Doch dann wird sie plötzlich zu einem kleinen Mäuschen, das ständig einen Mann – natürlich nur Robert! – zum Anlehnen braucht. Zudem war sie mir durchgehend nicht sympathisch. Meistens empfand ich ihr Verhalten nur als unlogisch und nicht sehr freundlich.
Auch Robert reagiert mal so und mal so und ich wusste nie so genau, woran ich jetzt bin. Zu Beginn des Buches hasst er Annique, aber das erledigt sich irgendwann und warum, weiß ich auch am Ende des Buches nicht so genau. Davon einmal abgesehen kam er meiner Vorstellung eines erfolgreichen Spions um einiges näher als Annique.
Das Verhältnis zwischen den beiden war mir ein Rätsel. Als besonders störend empfand ich, dass Annique zwar schon von Kindesbeinen an im Dienst des französischen Geheimdienstes steht, ihre Mutter zeitweise ein Bordell betrieb, sie zugegebenermaßen die Männer gerne verführt um an Informationen zu kommen, aber dennoch Jungfrau ist. Warum müssen die Frauen in den Liebesromanen denn immer Jungfrauen sein? Warum können sie nicht eine Reihe von Liebhabern gehabt haben und ihre Männer verführen, statt andersherum? Und, vielleicht bin ich in diesem Punkt etwas übersensibel, aber besonders die erste Sexszene zwischen den beiden kam mir über weite Längen als nicht einvernehmlich vor. So ging es immer weiter und teilweise habe ich wirklich nur den Kopf geschüttelt über das, was sich zwischen den beiden abspielt.
Auch die Handlung selbst war in meinen Augen bestenfalls überladen, meistens aber verworren und verwirrend. Es wirkte, als wollte die Autorin unbedingt lange über ihr zwei Helden berichten und musste deswegen immer wieder einen neuen Plottwist einführen. Diese waren aber erstens teilweise sehr vorhersehbar und es kam zweitens viel zu oft zu solchen „Überraschungen“, sodass diese dann nicht mehr überraschend waren.

Ich gebe diesem Buch zwei Sterne, da ich sowohl die Grundidee als auch einige Entwicklungen im Buch sehr gut fand, die Geschichte aber mit zunehmender Dauer immer mehr nachgelassen hat und auch die Charaktere mich nicht voll überzeugen konnten.

2Sterne

Lesemonat Januar

Hallöchen ihr Lieben an diesem schönen Samstag!

Der Januar ist schon wieder vorbei und ich hoffe doch sehr, ihr seid gut in das neue Jahr gestartet. Ich kann mich nicht beklagen; seit Anfang des letzten Monats bin ich im Rahmen meines dualen Studiums im Ausbildungsbetrieb und die Leute dort sind wirklich super nett. Im Augenblick haben wir noch eher wenig zu tun, daher beinhalten viele Tage viel Langeweile, aber ich habe doch die Hoffnung, dass sich das ändert.
Ich bin auch endlich wieder ordentlich noch zum Lesen gekommen, allerdings gab es viele ReReads. Das lag weniger an gutem Willen, sondern mehr an Donald Trump: Ich wollte in diesem Monat unbedingt Die Wahrheit über Donald Trump von Michael D’Antonio lesen. Das ist mir auch gelungen, immer mal wieder haben mich seine Machenschaften aber so angewidert, dass ich zu einem anderen Buch, vorzugsweise seichte Lektüre, die keinen Hirnschmalz braucht, gegriffen habe.

Insgesamt bin ich mit 13 gelesenen Büchern sehr zufrieden – insbesondere nach dem lausigen Dezember. Ich fühle mich auch gleich viel ausgeglichener, wenn ich zum lesen komme.

  • Playing to Win von Jaci Burton > 3 Sterne
  • Engelskrieger von Nalini Singh > 3 Sterne
  • Lockruf des Verlangens von Nalini Singh > 4 Sterne
  • Wilde Glut von Nalini Singh > 4 Sterne
  • Einsame Spur von Nalini Singh > 4 Sterne
  • Geheimnisvolle Berührung von Nalini Singh > 4 Sterne
  • Die Wahrheit über Donald Trump von Michael D’Antonio > 5 goldene Sterne
  • Das Dorf der Wunder von Roy Jacobsen > 5 goldene Sterne
  • Jäger der Nacht von Nalini Singh > 3 Sterne
  • Gefangener der Sinne von Nalini Singh > 3 Sterne
  • Versprechen der Dunkelheit von Nalini Singh > 3 Sterne
  • Geheime Versuchung von Nalini Singh > 2 Sterne
  • Alle meine Freunde sind Superhelden von Andrew Kaufman > 5 Sterne

Fest in der Planung bzw. teilweise schon geschrieben, sind Rezensionen zu Das Dorf der Wunder und Alle meine Freunde sind Superhelden – beides tolle Bücher, die ich unbedingt mit euch teilen möchte.

Wie man sehen kann, haben mir die neuen Bücher den Monat gerettet und waren ausnahmslos sehr gut.

Quelle: Ullstein
Quelle: Ullstein

Das beste Buch war Die Wahrheit über Donald Trump: Es ist eine unglaublich wichtige Lektüre, besonders wenn man ein bisschen besser verstehen will, wie ein Donald Trump Präsident werden konnte.

Euch allen noch ein schönes Wochenende, das ihr hoffentlich entspannt mit Buch und Tee (oder Kaffee, wenn’s denn sein muss), genießen könnt.

Gruß und Kuss
Celina xxx

Rezension – Die Wahrheit über Donald Trump

Quelle: Ullstein
Quelle: Ullstein

Die Wahrheit über Donald Trump | Michael D’Antonio | Econ | erschienen 2016
aus dem Amerikanischen: Never Enough. Donald Trump and the Pursuit of Success | Übersetzer: Bettina Engels, Norbert Juraschitz, Karsten Petersen, Thorsten Schmidt | erschienen 2015
Hardcover: ISBN 978-3-430-20221-3 | 24 €
E-Book: ISBN 978-3-843-71368-9 | 19,99€

Michael D’Antonio widmet sich in diesem Buch den Facetten, die den Mann Donald J. Trump ausmachen, lässt Wegbegleiter und Donald Trump selber zu Wort kommen. Das Buch behandelt seine Herkunft ebenso wie sein Aufwachsen und geht auch auf aktuelle Entwicklungen ein. Nachdem Trump nun Präsident der USA ist, wird es umso wichtiger einen ehrlichen Blick auf diesen Mann werfen zu können.

Vom Ullstein-Verlag wurde dieses Buch zusammen mit zwei anderen empfohlen, um die USA besser zu verstehen. Das war noch im Vorfeld der Wahlen und – ähnlich wie der Brexit – hatte ich immer noch die Hoffnung, dass es schon keinen Präsidenten Trump geben wird. Nachdem mir Fremdes Land Amerika richtig gut gefallen hat, wandte ich mich nun der Trump-Biographie zu. Ehrlich gesagt finde ich es nicht so gut, als Buch über Hillary Clinton eine Autobiographie vorzuschlagen – objektiv ist die sicher nicht.

Seit etwas mehr als einer Woche ist Trump nun Präsident und da erscheint es mir umso wichtiger, etwas über Donald J. Trump zu wissen.
In meinen Augen gelingt es Michael D’Antonio gut, einen vorurteilsfreien Blick auf Trump zu werfen. So lässt er, wie erwähnt, viele Wegbegleiter Trumps zu Wort kommen. Neben Trump selber, mit dem er fünf Interviews geführt hat, hat er auch mit dessen beiden Ex-Frauen gesprochen, ehemalige Mitarbeiter kommen zu Wort, aber auch kritische Stimmen fließen ein. Dazu zählen beispielsweise ehemalige Widersacher auf politischer Ebene, aber auch Bürger, die sich gegen Trump gestellt haben oder immer noch stellen. Insofern hatte ich das Gefühl, dass D’Antonio sich wirklich alle Mühe gegeben hat, Trump mit seinen verschiedenen Facetten darzustellen.

Wie ein beleidigter Teenager hatte Donald Trump beschlossen, nie wieder mit mir zu reden.
– Erster Satz im Buch, S. 9

Mir wäre es nie gelungen, dieses Buch zu schreiben und dabei objektiv zu bleiben. Ich denke, es stimmt, wenn ich sage, dass Michael D’Antonio kein besonders großer Fan Trumps ist. Aber dennoch habe ich am Ende des Buches das Gefühl, einen ehrlichen Bericht über Trump gelesen zu haben.
Hauptsächlich konzentriert sich das Buch darauf, den Werdegang Trumps zu beschreiben, seine Erfolge ebenso wie Misserfolge und deren Hintergründe, und das Phänomen „Trump“ zu erklären. So dreht es sich oftmals darum, wie Trump es über Jahrzehnte schaffte, in der Öffentlichkeit zu bleiben. Dabei geht D’Antonio auch auf allgemeine Entwicklungen in Amerika ein, zum Beispiel was einen „Celebrity“ ausmacht.
Ebenso werden Entwicklungen im Privatleben Trumps beleuchtet, meistens aber auch im Hinblick auf die Auswirkungen, die diese auf sein Geschäftsleben und sein öffentliches Bild hatten.

Der Ruhm der Gegenwart ist eine Droge, und für den nächsten Schuss ist ein Süchtiger zu fast allem bereit. Und dazu gehörte auch, dass man der hungrigen Meute immer neue Brocken hinwarf, um wichtig zu bleiben.
– S. 331

Ich wusste nie, ob ich nun lachen oder weinen soll, wenn D’Antonio Trumps Aussagen einem Art Fakten-Check unterwirft. Dabei greift er Aussagen, die Trump auch heute noch gerne wiederholt, auf, wenn der Autor über die Zeit berichtet, auf die Trump sich bezieht. Spontan fällt mir keine Gelegenheit ein, bei der D’Antonio die Aussagen als uneingeschränkt wahr einstuft. Oftmals kann nicht beurteilt werden, ob Aussagen der Wahrheit entsprechen, falsch sind oder nur teilweise stimmen. Aber genauso oft kommt es vor, dass man Trumps Aussagen nur als Lüge bezeichnen kann. Diese dreiste Schwindelei könnte ich zum lachen finden – bis mir einfällt, dass dieser Mann nun das höchste Amt der USA innehat. Und dann möchte ich mich zusammenkugeln und weinen.
Das einzige, was meiner Meinung nach noch genauer beleuchtet hätte werden können, ist Trumps Wandel vom Bauunternehmer und Moderator einer Fernsehshow zum Politiker. Es wird zwar beschrieben, wie sich das entwickelt, aber im restlichen Buch geht er auch auf die Motive Trumps ein. Das kam bei der Entwicklung zum Politiker meiner Meinung nach zu kurz.

„Er gibt sich nicht allein mit einem Profit zufrieden. Er muss mehr bekommen. Sonst hat die Sache keinen Reiz.“
– Wayne Barrett (Journalist), S. 228

Die Wahrheit über Donald Trump konnte ich nicht in einem Rutsch lesen. Immer wieder habe ich das Buch zur Seite gelegt und mich anderen Büchern zugewandt (ich habe abnormal viele seichte Liebesromane nochmals gelesen, weil ich das Gefühl hatte, mir wird der Kopf sonst zu schwer). Das lag nicht an D’Antonios Schreibstil, den ich als sehr angenehm empfand, sondern am Thema. Regelmäßig hat es mich einfach krank gemacht, von Trumps (meist dubiosen) Machenschaften zu lesen, und daran zu denken, dass dieser Mann nun eines der mächtigsten Länder der Welt führen wird. Skrupellos nutzt er alle Möglichkeiten aus, seine Anwälte finden noch das kleinste rechtliche Nadelöhr und wenn man nicht seine Mittel hat, sowohl monetär als auch personell, kann man Trump offenbar nur mit reinem und heftigstem Trotz widerstehen. Kleinste Fehler seiner tatsächlichen oder vermeintlichen Gegner werden gnadenlos und ohne Rücksicht ausgenutzt.  Immer wieder wird erwähnt, dass Trump „Gerichtsprozesse wie Waffen einsetzt“ (S. 9) – die meisten Menschen haben einfach nicht die Möglichkeit, ihm auf dieser Ebene lange zu widerstehen, allein was die Kosten eines Verfahrens angeht. Wer sich ihm und seinen Plänen entgegenstellt, wird eingeschüchtert, bedroht oder diffamiert. Eigentlich reichen fast schon die ersten zwei Seiten, um zu wissen, mit was für einer Person man es in Form von Trump zu tun bekommt.
Als eine der häufigsten Charakterbeschreibungen wird durchgehend im Buch das Wort „narzisstisch“ benutzt – keinesfalls nur von Seiten des Autors, sondern auch von Journalisten, die über ihn schrieben, Psychologen, die sich mit ihm beschäftigten, und allerlei Personen, die näher mit Trump zu tun hatten.
Vielleicht die einzig gute Eigenschaft, die er hat, zumindest die einzige die immer wieder erwähnt wird und mir daher noch im Gedächtnis ist, ist seine Loyalität.

„Er erwartete Loyalität von mir, aber er war im Gegenzug auch loyal.“
– Robert Utsey (Trumps erster Bodyguard und Chauffeur), S. 190

Davon einmal abgesehen gibt es aus den 70 Jahren dieses Menschen nur wenig positives zu berichten, dafür vieles, wodurch bei mir die Galle hochkam.

Ich halte dieses Buch in der heutigen Zeit für eine wichtige Lektüre. Es gibt einem eine Ahnung davon, wer der Mann an der Spitze der USA ist, mit wem wir es also die nächsten vier Jahre zu tun haben. Trump macht es einem schwer, eine positive Meinung über ihn zu haben und meine – negative – Meinung über ihn wurde durch dieses Buch eher noch verstärkt. Ich bin ehrlich genug zu sagen, dass mir ein Buch, das ihn in den Himmel lobt, wenig bis gar nicht gefallen hätte. Aber letztendlich habe ich das Gefühl bekommen, dass Michael D’Antonio eine objektive Biographie geschrieben hat – was fast schon ein kleines Kunststück ist.

Er selbst, Trump, […] besaß die Eignung zum Präsidenten, weil er als Geschäftsmann Erfolg gehabt hatte.
– S. 421

goldene_SterneÜber Michael D’Antonio:
D’Antonio wurde in New Hampshire geboren und wuchs dort auf. Er hat jahrelang für verschiedene Magazine gearbeitet, unter anderem The New York Times Magazine, und gewann 1984 im Team mit anderen Journalisten den Pulitzer-Preis. Mittlerweile widmet er sich vollständig dem Schreiben von Büchern. Diese wurden bereits mehrmals zu den „Besten Büchern des Jahres“ ernannt, unter anderem von The New York Times oder The Chicago Tribune.
Er lebt zusammen mit seiner Frau auf Long Island.
Quelle: Website des Autors

Weitere Meinungen zum Buch:

Evergreens – Das Tagebuch der Anne Frank

In dieser kleinen Reihe möchte ich euch meine Evergreens vorstellen: Bücher, die einen besonderen Platz einnehmen, die mich teilweise schon mein Leben lang begleiten. Es sind Bücher, über die ich keine genaue Rezension schreibe, weil ich normalerweise nur Bücher rezensiere, die ich gerade gelesen habe. Ich sehe meine Beiträge über die Evergreens auch nicht wirklich als Rezensionen an, da es keine mehr oder weniger sachliche Begründungen geben wird. Es sind einfach emotionale Berichte über Bücher, die mir wichtig sind.

Den Anfang macht ein Buch, das aus ganz vielen unterschiedlichen Gründen ein Evergreen ist: das Tagebuch der Anne Frank.
Ich weiß nicht mehr, wie alt ich war, als ich dieses Buch zum ersten Mal gelesen habe. Auf jeden Fall konnte ich mich in Anne wiedererkennen. Meiner Meinung nach ist das eines der erstaunlichen Dinge an diesem Buch: Anne Frank und mich trennen fast ein ganzes Jahrhundert, wenn sie hätte alt werden dürfen, wäre sie jetzt im Alter meiner Großeltern. Auch die Zeit, in der sie aufwuchs, unterscheidet sich recht deutlich von der Zeit, in der ich aufwachse (auch wenn ich mittlerweile das Gefühl habe, dass wir uns politisch in Anne Franks Zeit zurückversetzen). Und sie hatte eindeutig größere Sorgen als ich sie habe und je hatte – ich habe das große Glück, nicht aufgrund einer Tatsache, an der ich nichts ändern kann, in Todesgefahr zu schweben. Doch trotz all dieser Unterschiede, konnte ich mich in ihr wiedererkennen. Ich kann und will mir nicht vorstellen, wie es war, für so lange Zeit auf so engem Raum mit sieben anderen Menschen zusammen zu wohnen. Aber während meiner Pubertät, die Anne während ihrer Zeit im Hinterhaus erlebt und die es mir ermöglicht, mich ihr nahe zu fühlen, war ich gottfroh um mein „Adlerhorst“, mein Zimmer, in das ich mich zurückziehen konnte, in dem mich keiner störte. Diese Möglichkeit nicht zu haben, stelle ich mir unglaublich schwierig vor.
Beim zweiten oder dritten Mal lesen ist mir auch klar geworden, wie unglaublich wichtig es ist, dass wir uns an Anne und die anderen aus dem Hinterhaus erinnern – und dass das Unrecht, das ihnen und 6 Millionen anderen Menschen angetan wurde, nicht in Vergessenheit gerät. Meiner Meinung nach, nicht dieser Aspekt heute wieder an Wichtigkeit und Aktualität zu, mit einem Trump, Putin, Erdogan und einer aufstrebenden AfD. Wir dürfen niemals vergessen, was passiert ist, als das letzte Mal eine rechte Partei an die Macht kam.
Für mich persönlich wird dieses Buch auch zu einem Evergreen, weil ich die Möglichkeit hatte, das Haus in der Prinsengracht zu besuchen, und dieses Buch seitdem auch immer damit verbinden werde. Den Besuch des Anne-Frank-Hauses empfand ich als sehr berührend; die Ausstellung über Annes Leben und ihr Tagebuch ist schön gemacht und unbedingt einen zweiten Besuch wert.
Für mich verbindet sich dadurch ein hochaktuelles und wichtiges Buch mit einem wunderbaren Besuch in Amsterdam, den ich immer in Erinnerung behalten werde.

Colonia im Mittelalter – Kurz gefasst

Quelle: Buchhandel.de
Quelle: Buchhandel.de

Colonia im Mittelalter | Dieter Breuers | Bastei Lübbe | erschienen 2013
Taschenbuch: ISBN 978-3-404-60718-1 | 9,99€
E-Book: ISBN 978-3-8387-0420-3 | 8,99€
Leseprobe

Klappentext:
Dieter Breuers nimmt Sie mit auf eine spannende Entdeckungsreise ins Mittelalter und zeigt Ihnen, was es damals wirklich bedeutete, in einer Stadt zu leben!
Quelle: Buch

Ich liebe Bücher, in denen der Alltag in früheren Zeiten dargestellt wird. Dieter Breuers nimmt sich dieses Unterfangens mit Anekdoten an, welche die verschieden Themen einleiten. Diese führen an einen bestimmten Aspekt aus dem Mittelalter heran und spielen alle in Köln, seiner unmittelbaren Umgebung oder handeln von Kölnern.
Es sind kurze Geschichten, oftmals auch recht vereinfacht dargestellt, die ein Gefühl für die damaligen Verhältnisse vermitteln sollen. Das ist meistens auch gelungen, ich hatte aber oft das Gefühl, dass der Autor sich damit eher an eine jüngere Leserschaft richtet.
Auf die Anekdoten folgen ausführlichere Erläuterungen, in denen er eine wissenschaftliche Sichtweise einnimmt. So dröselt er die einzelnen Aspekte, wie z.B. das Leben der Frauen im Mittelalter, auf. Er geht dabei auf die unterschiedlichsten Gesichtspunkte ein, beschreibt manchmal auch, woher bestimmte Dinge kommen oder wie diese sich weiterentwickelt haben – teilweise bis in die Gegenwart. Das fand ich persönlich besonders interessant: zu wissen, wo Dinge, die wir möglicherweise heute noch nutzen, herkommen. Außerdem nannte er immer mal wieder kleine, interessante und spannende Fakten, teilweise einfach witzig zu wissen oder komplett unerwartet in einem bestimmten Zusammenhang.

Insgesamt kann man sagen, dass Colonia sich sowohl an jüngere Leser richtet, insbesondere mit den kurzen Anekdoten, die in ein Thema einführen, aber auch an ältere Leser mit detailgenaueren und sachlicheren Beschreibungen zum Thema.

4SterneKaufen kann man das Buch beim Verlag oder auf buecher.de

Lesemonat Dezember

Hallo ihr Lieben,

im Dezember bin ich nur selten zum Lesen gekommen, vor allem, da ich zwei Wochen davon Prüfungsphase hatte und entsprechend viel gelernt und wenig gelesen habe.
Insgesamt habe ich neun Bücher gelesen, alles in allem 2824 Seiten, deutlich weniger als in den Monaten davor.

  • No Limits – Berauschende Sehnsucht von Vanessa Sague > 3 Sterne
  • Putting up a Fight von Samantha Westlake > 2 Sterne
  • Hercule Poirot’s Christmas von Agatha Christie > 4 Sterne
  • Der kleine Hobbit von J.R.R. Tolkien > 4 Sterne
  • Rock Kiss – Ich will alles von dir von Nalini Singh > 5 Sterne
  • Gamemaker – Meister des Spiels von Kresley Cole > 4 Sterne
  • London Legends – Lass uns spielen von Kat Latham > 5 Sterne
  • Paris, Clara und ich von Adriana Popescu > 5 Sterne
  • Verführung zum Lesen von Uwe Naumann (Hrsg.) > 3 Sterne

Drei der Bücher habe ich vorher bereits einmal gelesen und auch sternetechnisch lief der Monat nicht so besonders: 3,9 Sterne pro Buch macht einen der schlechteren Monate.

Am Besten hat mir London Legends – Lass uns spielen von Kat Latham gefallen; es hat mich positiv überrascht und mir richtig gut gefallen. Die Rezension dazu ist bereits geschrieben und folgt noch.

Quelle: NetGalley
Quelle: NetGalley
Am wenigsten gefallen hat mir Putting up a Fight von Samantha Westlake. Das habe ich schon einmal gelesen und ich weiß jetzt wieder, warum mir das Buch nicht gefallen hat.

Ich hoffe, ihr hattet insgesamt einen entspannteren Dezember als ich und schöne Weihnachten!

Liebe Grüße
Celina xxx