Rezension – Auf dünnem Eis

In diesem Buch beschreibt die Psychologin Lydia Benecke, was einen Psychopathen ausmacht. Dabei geht es ihr auch besonders darum, aufzuzeigen, wieviel „Psychopath:in“ in jedem von uns steckt. Sie zeigt auf, dass wir viel zu oft in den Schubladen von „Gut“ und „Böse“ denken und warum dies problematisch ist. Dafür zeichnet sie auch reale Kriminalfälle nach.

Meinung

Lydia Benecke hatte ich schon mehrmals bei der TV-Sendung Anwälte der Toten gesehen. Dort konnte ich ihr immer gut zuhören und war nun gespannt, ob sich das quasi ins Buch übertragen würde.

Hauptsächlich geht es um Psychopathie, wie sich diese äußert, weniger um die realen Kriminalfälle, wie ich es erwartet hatte. Obwohl ich also mit anderen Erwartungen an das Buch herangegangen war, fand ich es sehr interessant. Ich finde es hier schwierig zu sagen, dass ich das Buch gern gelesen habe. Ich fand es sehr spannend, stellenweise aber auch sehr erschreckend.

Die Autorin bietet Einblicke in die Gedankenwelt, das Innenleben, von Psychopathen, Einerseits gilt das im Allgemeinen, anhand der Forschung, andererseits für Psychopathen, mit denen Lydia Benecke selbst geredet hat. Insbesondere geht es ihr darum, Vorurteile auszuräumen. Sie geht darauf ein, inwiefern Kriminalität und Psychopathie zusammenhängen und warum viele Psychopathen eben nicht zu Tätern werden. Auch die Gedankenspiele, die Lydia Benecke einbaut, um zu zeigen, wie psychopathisch wir sind. Das war der für mich sehr spannende Teil.

Der erschreckende Teil war für mich auch in den Einblicken in das psychopathische Denken. Denn für mich ist das dargestellte Manipulative immer noch nicht nachvollziehbar. Und auch, dass wir tagtäglich neben und mit Psychopathen leben, ohne es je zu merken, ist keine schöne Vorstellung.

Fazit

Ein sehr, sehr interessantes Buch über ein Thema, das wir gerne weit von uns schieben, da es „uns ja nicht betrifft“. Lydia Benecke zeigt, warum dem nicht so ist. Und sie zeigt, dass wir uns mit unseren Vorurteilen und unserem Schubladen-Denken auseinander setzen sollten. Mir hat es richtig gut gefallen und vor allem an Psychologie interessierten Menschen kann ich es nur empfehlen.

In bestimmten Eigenschaften nicht dem Durchschnitt der Bevölkerung zu entsprechen, muss nicht zwangsläufig negative Folgen haben. Dies zu verstehen ist sehr wichtig, denn „anders“ zu sein bedeutet eben nicht automatisch „unsozial“ oder gar „gefährlich“ zu sein.

Lydia Benecke

Weitere Meinung zum Buch:
Ida’s Bookshelf („Ich empfehle dieses Buch jedem, der menschliches – oder ‘unmenschliches’?- Verhalten hinterfragt […].“)

Über Lydia Benecke:
Benecke wurde 1982 im polnischen Beuten geboren. In Bochum studierte sie Psychologie, Psychopathologie und Forensik. Seit 2009 arbeitet sie als Diplom-Psychologin mit dem Schwerpunkt Gewalt- und Sexualstraftaten. Sie hat einige Bücher geschrieben, sich an vielen weiteren sowie an Fernsehproduktionen beteiligt.
Zusammen mit ihrem Lebensgefährten lebt sie in Köln.
Quelle: Website der Autorin

WERBUNG

Taschenbuch: ISBN 978-3-404-60900-0 | 11,00€
E-Book: ISBN: 978-3-8387-4500-8 | 8,99€
347 Seiten | erschienen 2016

Verlagswebseite zum Buch

Website der Autorin

Bildquellen
Autorin: Wikipedia; von Alexander Spanke – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0,
Cover: Bastei Lübbe

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