Rezension – Das Café der kleinen Wunder

Eigentlich würde Nelly niemals eine teure, rote Handtasche kaufen und Hals über Kopf Paris verlassen. Denn eigentlich liebt sie die Langsamkeit und eine solch überhastete Entscheidung entspricht nicht ihrem Wesen. Aber sie ist unglücklich verliebt und das ändert alles. Also macht sie sich kurzerhand auf den Weg nach Venedig – inklusive neuer roter Handtasche. Dort wandelt sie auf den Spuren ihrer Großmutter und findet ein Café, in dem Wunder möglich sind.

Vielen Dank an den Piper-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Vor über einem Jahr habe ich bereits ein Buch von Nicolas Barreau gelesen (meine Rezension zu Paris ist immer eine gute Idee) und war begeistert! Umso größer meine Aufregung, als ich dieses Rezensionsexemplar angeboten bekam. Ich saß wie auf glühenden Kohlen in Erwartung des kommenden Lesevergnügens – und wurde dann auch nicht enttäuscht.

Mit Nelly wurde ich nicht von Anfang an warm. Sie schien mir zu naiv, zu sehr mit dem Kopf in den Wolken. Dies entspricht überhaupt nicht meinem Wesen, daher fiel es mir zu Beginn schwer, mich mit ihr zu identifizieren. Je weiter die Handlung jedoch voranschritt, desto begeisterter war ich!
Besonders gut an ihr hat mir letztendlich gefallen, dass sie zwar durchaus eine Entwicklung durchmacht. Darüber verliert sich aber nicht ihr ursprünglicher Charakter. Sie ist noch immer eine Romantikerin, glaubt noch immer an Zeichen und liebt noch immer die Langsamkeit. Aber sie ist nicht mehr die gleiche Nelly, wie zu Beginn des Buches.

Eines der bestechendsten Dinge an Barreaus Schreibstil ist, dass er sehr kitschige Bücher schreibt, teilweise voller Klischees – und sie dennoch gut sind! Von den beiden genannten Tatsachen bin ich selten begeistert. Aber bei Barreau entlocken sie mir ein Lächeln und stören mich in keinster Weise. Sein locker-leichter Schreibstil sorgt dafür, dass man nur so in den Seiten versinkt und das Buch verschlingt. Ich habe extra eine „Nachtschicht“ eingelegt, da ich es nicht zur Seite legen konnte.

Nelly liebte die Langsamkeit.
– S. 7

Das Café der kleinen Wunder ist eine Liebeserklärung: insbesondere an die Liebe, aber auch an die Langsamkeit. Nach der Lektüre habe ich lange gegrübelt, wann mir das eigentlich abhandengekommen ist. Dieses Schlendern, nur um des Schlendern willens. Sich zwischendurch Zeit zu nehmen, um die Schönheit des Lebens zu genießen. Manchmal innezuhalten. Sich mit einem guten Buch in ein Café oder einen Park zu setzen, um zu genießen – das Buch, den Tee, aber auch ganz allgemein das Leben.

Letztendlich ist es die Langsamkeit, die hier geradezu gefeiert wird, welche dieses Buch zu etwas ganz besonderem macht. Ich habe es unglaublich gerne gelesen, Barreaus Schreibstil bewundert und mich von Paris und Venedig verzaubern lassen.

„Nur wir selbst können unserem Leben Sinn und Bedeutung verleihen.“
– Jeanne, S. 110

Über Nicolas Barreau:
Barreau wurde 1980 in Paris geboren und studierte Romanistik und Geschichte an der Sorbonne. Er lebt als freier Autor in seiner Geburtsstadt. Sein erster internationaler Erfolg war Das Lächeln der Frauen, dem noch einige mehr folgten.
Quelle: Piper

Weitere Meinungen zum Buch:

  • Buchherz (4/5 Herzen; „ein brillanter und humorvoller Liebesroman“)
  • Buntes Tintenfässchen (3/5 Silhouetten; „von allen Barreau-Romanen der schwächste“)
  • Buchsichten (4/5 Sternen; „Diese bezaubernde Liebesgeschichte weckt definitiv Fernweh!“)

Bildquelle Cover: Piper
Bildquelle Heißluftballon: Daniela Cuevas on Unsplash
Bildquelle Autorenbild: Piper

2 Antworten auf „Rezension – Das Café der kleinen Wunder“

  1. Liebe Celina,

    ich mag die Bücher von Barreau (bzw. von Daniela Thiele, denn Barreau ist nur ein Pseudonym) auch immer sehr gerne. Gerade der Kitsch und dieses Filmhafte finde ich eine sehr schöne Zerstreuung. Paris oder Venedig, das wird so richtig schön touristisch und romantisch dargestellt. Ganz wie ein Sat 1 Romantik Mittwoch Film. Oft lese ich Bücher dieses Genres nicht, aber manchmal hab ich doch richtig Lust auf so eine Schmonzette nach allen Regeln der Kunst. „Das Café der kleinen Wunder“ fand ich mit am schönsten.

    Herzliche Grüße
    Tobi

    1. Lieber Tobi,

      genau so geht es mir auch! Manchmal muss es halt auch Schnulzig und kitschig zugehen. Und Barreau/Thiele hat das sehr gut drauf – schön kitschig, aber ohne dass der Würgreiz ausgelöst wird 😉
      Das Café der kleinen Wunder hat mir bisher auch am besten gefallen – allerdings habe ich nur drei der Bücher gelesen. An Das Lächeln der Frauen kann ich mich nicht mehr 100%ig erinnern & Paris ist immer eine gute Idee war mir zuu vorhersehbar.

      Liebe Grüße
      Celina

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