Rezension – Das Paar aus Haus Nr. 9

In das leerstehende Haus neben Sara und Neil zieht das Ehepaar Louise und Gavin mit ihren Kindern. Die Paare sind sich sympathisch und freunden sich rasch an. Doch neben den charismatischen und weltgewandten Nachbarn, kommt Saras Leben ihr immer langweiliger vor. Doch langsam stellt sich heraus, dass sich hinter der schönen Fassade von Louise und Gavin einiges verbirgt.

Vielen Dank an NetGalley.de und HarperCollins für dieses Rezensionsexemplar, das ich im Rahmen der 1. #NetGalleyDEChallenge lesen durfte!

Mit diesem Buch bin ich über die gesamten 416 Seiten nicht warm geworden. Das große Problem für mich waren die vier Protagonisten und ihre Freundschaft, die auf mich lieblos und unfreundlich wirkt.
Besonders Sara, aus deren Perspektive erzählt wird, erschien mir oft übertrieben naiv. Schon recht früh hatte ich das Gefühl, dass eine Seite, namentlich Louise und Gavin, die Freundschaft ausnutzt. Doch Neil und Sara scheinen so geblendet von der Weltgewandtheit, den berühmten Bekannten und dem Charisma des Paares, dass sie dies nicht wahrnehmen oder ignorieren. Mir als Leserin ist das aber vor allem auf die Nerven gegangen. Mich würde es davor grauen, mich so wie Louise und Gavin zu verhalten – aber mir würde auch der Kragen platzen, wenn ich so behandelt werden würde. Und fast genauso schlimm finde ich es, 420 Seiten lang zu lesen, wie Sara und Neil das über sich ergehen lassen.

Nach dem Lesen des Klappentextes hatte ich zudem ganz andere Erwartungen an das Buch. Für mich hörte es sich an, als würden die neuen Nachbarn in Sara einen Veränderungsprozess in Gang bringen und sich ihr beschauliches Leben dadurch ändern – und zwar nicht durch ihr unfreundliches und rücksichtsloses Verhalten.
Letztendlich hatte ich aber das Gefühl, dass sie sich nicht (weiter-)entwickelt. Zwischendurch habe ich tatsächlich einmal eine Veränderung wahrgenommen. Zum Ende des Buches gibt es dann aber wieder eine Kehrtwende und die „altbekannte“ Sara steht vor der Leserin.

Ein weiterer Minuspunkt war für mich, wie die Kinder behandelt und, ganz grundsätzlich, in die Geschichte eingebaut wurden. Ganz oft habe ich mich gefragt, wo die Kinder der beiden Paare eigentlich abbleiben, wenn die sich treffen. Wurde zu Anfang noch manchmal ein Babysitter erwähnt, scheint die Betreuung der Kinder am Ende nur noch relevant zu sein, wenn es wichtig für die Handlung ist. Zu der Antipathie, die ich Sara entgegenbringe, zählt auch, dass sie nicht reagiert, wenn Louise Saras Kindern gegenüber unfreundlich ist. Für mich ist das schon als große Schwester ein NoGo und ich weiß, dass meine Eltern einiges zu sagen hätten, wenn wir so von einer Dritten behandelt würden. Dass Sara in diesen Situationen nicht das Rückgrat hat, Louise ihre Meinung zu sagen, hat mir sauer aufgestoßen.

Als eindeutig gut muss man den Schreibstil beschreiben. Selbst in Situationen, in denen ich das Verhalten von Sara als doof empfand, konnte ich es nachvollziehen. Felicity Everett schreibt so, dass man sich in den Kopf Saras hineinversetzen kann. Insbesondere das Gefühl der Unsicherheit gegenüber den scheinbar so wunderbaren Nachbarn war toll eingearbeitet und sehr nachfühlbar.
Immer wieder werden auch Situationen beschrieben, in denen ich mich noch nie befunden habe. Dennoch konnte ich die Szenen quasi vor mir sehen. Wenn mir also alles andere nicht gefallen hat: Der Schreibstil ist super und gut verständlich.

Das Paar in Haus Nr. 9 konnte mich leider gar nicht überzeugen. Insbesondere die Protagonisten waren mir sehr unsympathisch und auch die Freundschaft der beiden Paare empfand ich als unverständlich. Einen Stern gibt es, da es mich dennoch genug gefesselt hat, dass ich es zu Ende gelesen habe (hauptsächlich der Neugierde geschuldet, wann die Freundschaft denn nun in die Brüche geht, oder ob sie diese wirklich aufrecht erhalten können). Den zweiten Stern gibt es für den Schreibstil, der mir richtig gut gefallen hat.

„Man findet immer Gründe, etwas nicht zu tun. […] Man sollte lieber nach Gründen suchen, die dafürsprechen.“
– Louise Cunningham (Kindle-Edition Pos. 91)

Über Felicity Everett:
Everett wuchs in Manchester auf und studierte an der Sussex University in Brighton. 2011 erschien ihr Roman The Story of Us für Erwachsene; bis dahin hatte sie bereits über 25 Kinderbücher, sowohl fiktional als auch nicht-fiktional, geschrieben und veröffentlicht. Sie hat vier Jahre in Australien verbracht und lebt mittlerweile in Gloucestershire.
Quelle: HarperCollins

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Verlagswebseite zum Buch

Taschenbuch: ISBN 9783959672122 | 9,99€
E-Book: ISBN 9783959677769 | 8,99€
416 Seiten | erscheint am 04.06.2018

Bildquelle

Cover: HarperCollins
Autorin: The Wheeler Center

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