Rezension – Der englische Botaniker

Kurz nach dem Ersten Opiumkrieg wird der Botaniker Robert Fortune von der britischen Horticultural Society nach China entsendet, um dort mehr über die chinesische Pflanzenwelt und insbesondere Tee herauszufinden.
Während er Ehefrau und zwei kleine Kinder in Großbritannien zurücklässt, lernt er in China die kampferprobte Rebellin Lian kennen. Plötzlich ist die ohnehin gefährliche China-Expedition um einiges komplizierter, als sie zunächst schien. Und er steht, in botanischer und persönlicher Sicht, vor den schwierigsten Entscheidungen seines Lebens.Vielen Dank an HarperCollins für das Rezensionsexemplar!

Beim ersten Blick auf dieses Buch war ich verliebt! Es kamen einige Faktoren zusammen, warum ich es Buch unbedingt lesen wollte.

Nummer 1 ist auf jeden Fall das Cover. Mir gefällt super, wie sich die Planzen durch die Buchstaben ranken und auch der Stil des Bildes, der an alte botanische Zeichnungen erinnert.
Ein Häuchen loser Earl GreyNummer 2 ist definitiv die Geschichte selbst, wie sie im Klappentext beschrieben wurde. Ich bin überzeugte Teetrinkerin (dazu wird es demnächst auch einen Beitrag geben), daher bin ich grundsätzlich offen für Geschichten, bei denen Tee eine Rolle spielt.
Eine sehr nette chinesische Arbeitskollegin von mir weckte in letzter Zeit zudem mein Interesse an China. Daher erschien mir dieses Buch wie die perfekte Kombi aus Themen, die mich interessieren.

Nach fast 500 Seiten bin ich von der Geschichte begeistert! Von der ersten Seite schlug mich Vosseler durch ihren Schreibstil in ihren Bann. Durch ihre Worte hat sie eine Welt zum Leben erweckt, die mir gänzlich fremd ist. Ich habe wirklich keinen grünen Daumen, aber die Liebe Robert Fortunes zur Welt der Blumen war richtiggehend greifbar und dadurch auch ansteckend.
Zudem ist Vosseler das Kunststück gelungen, die Geschichte aus drei Perspektiven zu erzählen, ohne mich zu verwirren. Es war gut unterscheidbar, wer denn nun erzählt.
Allerdings muss man auch sagen, dass ich stellenweise Absätze übersprungen habe, weil es sich zu sehr gezogen hat. Einige der Landschafts- und Pflanzenbeschreibungen wären in meinen Augen nicht notwendig gewesen.

Geschichten keimen aus Körnchen von Tatsachen.
– S. 7

Zudem wartet das Buch mit sympathischen Charakteren auf. Der Sinneswandel Fortunes vom etwas widerwilligen Abenteurer zu einem Mann, der hin- und hergerissen ist zwischen seiner Heimat und dieser faszinierenden neuen Welt.
Auch die anderen Figuren machen eine erkennbare und nachvollziehbare Wandlung durch. Jane wächst an der Aufgabe der „Alleinerziehenden“ und Lian öffnet sich den schönen Dingen des Lebens.

Ein größerer Kritikpunkt liegt in der Handlung. Zu Beginn war mir überhaupt nicht klar, wohin Vosseler mit der Geschichte will. Den grundlegende Konflikt, der Spannung in eine Geschichte bringen soll, konnte ich nicht erkennen. Über einige Kapitel hat mich nur der Schreibstil bei Laune gehalten. Zum Abbruch hätte mich dies sicher nicht bewegt, da es sich nur über einen kleinen Teil des Buches zieht – aber bei knapp 500 Seiten erscheint das lang!
Sobald die Geschichte dann aber Fahrt aufnimmt, wurde es nicht mehr langweilig. Insbesondere beim inneren Konflikt Fortunes leidet man richtiggehend mit und auch die Entwicklung seiner Frau Jane hat mich begeistert.

Wer einen interessanten Roman über einen wenig bekannten Aspekt der Weltgeschichte lesen will, der ist hiermit richtig (allerdings darf man sich nicht an romantischen Verstrickungen stören). Wenn man zudem noch Teeliebhaber ist – umso besser!

Wie viele Leben passten in die irdischen Jahre eines Menschen?
– S. 464

Übrigens: den Botaniker Robert Fortune gab es wirklich. Ihm ist zu verdanken, dass die Briten aus dem Anbau und Verkauf von Tee enormen Profit schlagen konnten.
Wer daran interessiert ist, HIER geht’s zu seinem Wikipedia-Artikel (der englische ist um einiges ausführlicher).

Bild der AutorinÜber Nicole C. Vosseler:
Vosseler wurde 1977 in Villingen-Schwenningen geboren und studierte Psychologie und Literaturwissenschaft. 2001 erschien ihr Debütroman Südwinde, nachdem sie bereits gute Kritiken für Essays, Lyrik und Kurzprosa bekam. Seitdem hat sie zahlreiche weitere Romane, darunter auch für Jugendliche, veröffentlicht, stand mehrmals auf der Spiegel-Bestsellerliste und hat zahlreiche Preise bekommen.
Mittlerweile lebt sie in Konstanz am Bodensee.
Quelle: Website der Autorin, Buch

Weitere Meinungen zum Buch:
  • Weltenwanderer (5/5 Sonnenblumen; „Intensive Sogwirkung durch den großartig inszenierten Aufbau der Geschichte“)
  • Lunas Leseecke (4/5 Herzen; „[ein] wahre[r] Lesegenuss“)
  • Über das Buch (5/5 Chibis; „Ein tolles Buch, das den Leser auf Urlaub schickt“)

Bildquelle Cover: HarperCollins
Bildquelle chinesische Landschaft: v3wall
Bildquelle loser Tee: Wikipedia (von ©soultea.de (http://www.soultea.de/), Photographer André Helbig (http://andrehelbig.de/), CC BY-SA 3.0
Bildquelle chinesische Landschaft, stilisiert: Freepik (©lavarmsg)
Bildquelle Autorenbild: Website der Autorin (©Jörg Brochhausen)

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