Rezension – Geheime Tochter

Als Kavita in Indien eine Tochter bekommt, weiß sie, dass das Mädchen in ihrem Dorf nicht überleben wird. Sie trifft die schwere Entscheidung, die Kleine in einem Waisenhaus in Mumbai abzugeben.
Zeitgleich erfahren Somer und Kris, ein indisch-amerikanisches Ärztepaar aus den USA, dass sie keine Kinder bekommen können. Sie beschließen, ein Kind aus Kris‘ Heimat zu adoptieren – und verlieben sich auf den ersten Blick in die kleine Asha.Wie wird sie mit ihren Wurzeln umgehen? Und kann die Liebe alle Schwierigkeiten überwinden?

Kennt ihr diese Bücher, für die man in der richtigen Stimmung sein muss? Vielleicht hat man sich wochenlang auf sie gefreut oder sich schockverliebt beim Klappentext lesen. Und dann liegen sie doch erst tage-, wochen- oder sogar monatelang ungelesen herum.
Geheime Tochter war für mich eines dieser Bücher. Es schienen zu viele wichtige Themen zusammenzukommen, als dass ich dieses Buch „einfach so“ hätte lesen können.

Nun habe ich es aber gelesen und muss sagen: wow! Gowda packt einige ernste Themen in ein Buch, dass dennoch Freude macht. Im Vordergrund steht die Adoption: wie geht die Familie damit um? Wird Asha nach ihren biologischen Eltern suchen? Und wenn ja: wird sie Erfolg haben? Was ändert sich dadurch für Somer und Kris?

Ich selber habe keinerlei Erfahrung mit dem Thema Adoption. Daher bin ich sicher keine Expertin: aber besonders Ashas Gefühle in Bezug auf ihre Adoptiveltern erschienen mir sehr realistisch. Einerseits sind sie ihre Eltern in jeder Beziehung des Wortes außer der biologischen und dementsprechend liebt sie diese. Aber im Laufe der Zeit wird deutlicher, dass sie zwischen den Welten hängt und sich ihrer selbst nicht ganz sicher ist.

Hier kommen Somer und Kris ins Spiel. In meinen Augen wird im Vorfeld der Adoption der Frage, was diese für Auswirkungen haben wird, zu wenig Platz eingeräumt. Besonders Kris, der selbst aus einer anderen Kultur kommt, hätte bewusst sein müssen, was dies für Auswirkungen hat. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir eine Szene: von Asha wird erwartet, dass sie Bescheid weiß über die indische Kultur – dabei fühlt sie sich als Amerikanerin und ist als solche aufgewachsen.

Bei Somer kommt hinzu, dass sie die indische Herkunft ihrer Tochter nicht akzeptiert. Sie wehrt sich über weite Teil vehement dagegen, dass Asha ihre indischen Wurzeln erforscht. Dies erschien mir umso unlogischer, da ihr Ehemann Kris ebenfalls aus Indien stammt.
Allerdings hat sich auch Kris stellenweise nicht mit Ruhm bekleckert. Seine Gefühllosigkeit gegenüber Somer, sein Unverständnis gegenüber ihren Gefühlen, zeugte von einer Gefühlskälte, die fast schon unbehaglich war.

Ein weiteres Thema, das angesprochen wird, ist die Armut in Indien. Gowda stellt das Leben in den Slums – teilweise den nackten Kampf ums Überleben – so realistisch dar, dass ich teilweise nicht weiterlesen konnte. Es sind herzzerreißende Szenen darunter, die mir im Gedächtnis haften geblieben sind.

Insgesamt hat Gowda ein spannendes Buch geschrieben, dass einige ernste Themen aufgreift. Dazu zählen insbesondere die Lebenssituation der Menschen in Indien sowie die Adoption eines Kindes und den sich daraus ergebenden Schwierigkeiten. Dennoch hat es seine Schwächen, vor allem in den Charakteren Kris und Somer.

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Weitere Informationen zum Buch (inkl. der Leseprobe) gibt es auf der Verlagswebsite.
Informationen zur Autorin gibt es auf Gowdas Website.

Über Shilpi Somaya Gowda:
Sie wurde in Toronto, Kanada, geboren und wuchs dort auf. Während des College verbrachte sie einige Zeit in einem indischen Waisenhaus. Dort entstand die Idee für Geheime Tochter, ihr Debütroman. Dieser erschien 2010 und entwickelte sich zu einem New York Times Bestseller. Mittlerweile ist es in über 30 Sprachen erhältlich.
2015 erschien ihr zweites Buch Der goldene Sohn.
Gowda engagiert sich in Organisationen, die Kinder weltweit unterstützen. Sie lebt mit Mann und Kindern in Kalifornien.
Quelle: Autorenwebsite


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