Rezension – Isarsilber

Vielen Dank an Isaak Rosenblatt für dieses Rezensionsexemplar!

Am Ufer eines bayerischen Sees wird ein Mann erschlagen aufgefunden. Am Ufer des gleichen Sees steht ein Museum, das nachts ein Zweitleben als Edelbordell führt. Doch wie hängen diese beiden Dinge mit einem Großbauprojekt in Berlin zusammen, dessen Finanzierung ins Stocken geraten ist und bei dem ein Bauunternehmer spurlos verschwunden ist?

Normalerweise spielt das Folgende für mich keine Rolle und hat es auch in diesem Fall nicht getan, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, aber es muss dennoch gesagt sein: die Aufmachung dieses Buches im Hardcover-Format hat mir richtig gut gefallen! Sie ist sehr hochwertig und auch die Farbgebung gefällt mir super (wenn man der Graphikerin glauben darf, steh ich damit voll auf die nächste Trendfarbe).

Hinzu kommt, dass mir auch der Inhalt überraschend gut gefallen hat. „Überraschend“ vor allem, weil ich mir nicht sicher war, ob ein problembehaftetes Großbauprojekt wirklich zu einem spannenden Buch verarbeitet werden kann – und dann auch noch satirisch.
Rosenblatt ist das aber, gefühlt mühelos, gelungen und nachdem mich die ersten 20 Seiten schon abwechselnd zum lachen, rätseln, wundern und wieder lachen gebracht haben, war ich schon fast überzeugt.
Letztendlich konnten auch die restlichen fast 200 Seiten alle Erwartungen erfüllen und ich habe das Gefühl, ein richtig gutes Buch gelesen zu haben!

Für mich spielt es normalerweise eine sehr große Rolle, ob ich mich mit den Charakteren eines Buches identifizieren kann – wenn nicht, müssen sie wenigstens sympathisch sein. Beides war hier nicht der Fall, das hat aber meine Freude am Buch nicht gemindert. Die Personen hier sind eher Antihelden – unsympathisch, selten gesetzestreu (Ausnahmen bestätigen hier übrigens die Regel) und immer unmoralisch.
Allerdings wird unsere gesamte Gesellschaft, und insbesondere die Schönen, die Reichen und die ganz schön Reichen (um sich bei SWR3 zu bedienen), hier so gewitzt auf’s Korn genommen, dass man dem Autor erstens die unangenehmen Protagonisten und ihr Verhalten verzeiht und sich zweitens köstlich über genau diese Dinge amüsieren kann.

Neben dem Lachen hat mich das Buch vor allem zum Nachdenken gebracht. Zum einen ging mir regelmäßig durch den Kopf, wie wenig abwegig die Machenschaften im Buch manchmal erscheinen. Nennt mich zynisch, aber manche Sachen würden mich gar nicht wundern, wenn sie morgen in der Zeitung auftauchen.
Zum anderen spielt Isarsilber oft auf Rheingold an – eine Oper von Richard Wagner, 1869 uraufgeführt und ein Teil der Tetralogie Der Ring der Nibelungen. Witzig war hier, wie Rosenblatt es geschafft hat, Anspielungen auf die Oper im Buch zu verweben, weniger witzig, dass wir offenbar in den letzten fast 150 Jahren nicht wirklich weiter gekommen sind – die Grundgedanken des Rheingolds sind auch heute noch sehr aktuell.
(Übrigens: so, wie Isaak Rosenblatt mir den Tipp gegeben hat, mich vor dem Lesen einmal über die Handlung des Rheingold zu informieren, lege ich euch das nun ans Herz – der Wikipedia-Artikel hat mir vollkommen gereicht.)

Menschen hassen einander nun mal, als Individuen und als Gruppen, war das etwa je anders?
– S. 204

Zahlreiche andere Themen – neben finanzschwachen Großbau- und Prestigeprojekten – kommen ebenfalls zur Sprache. Insbesondere der Politik und der „Institution Ehe“ werden viele Worte gewidmet, aber auch die (katholische) Kirche bekommt ihr Fett weg. Daneben gibt es noch viele kleinere Themen, die auch immer mal wieder für Lacher gesorgt haben. Gut in diesem Zusammenhang fand ich auch, dass Rosenblatt eine Triggerwarnung in das Buch eingebaut hat, als es sexuell einmal auf sehr heftige Art zur Sache geht.

Wer Lust auf eine richtig gute und zudem richtig bissige Kriminalsatire hat, die einmal durchgehend unsere gesamte Gesellschaft auf’s Korn nimmt, zudem noch Selfpublisher unterstützen möchte, der sollte sich dieses Buch einmal genauer ansehen. Von mir gibt es auf jeden Fall eine dicke und fette Empfehlung!

Das Sinnen und Trachten des Menschen beschränkt sich ja keineswegs nur auf Sex. Leider, mag man hinzufügen. Eine Bonobo-Gesellschaft ist unvergleichlich friedlicher als eine menschliche. Vielleicht langweiliger.
– S. 56

Über Isaak Rosenblatt:
1957 in Tel Aviv geboren, kam Rosenblatt als Zweijähriger mit seiner Familie nach Deutschland. Zunächst studierte er Komparatistik und Philosophie, arbeitete danach in der britischen Autoindustrie und führt mittlerweile eine Personal- und Managementberatung. Zudem ist er in Graz als Gastprofessor tätig.
Er lebt mit seiner Familie (zu der auch 32 Katzen zählen) in einer Villa bei Possenhofen.
Quelle: Website des Autors


Bildquelle Cover: Website Isaak Rosenblatt
Bildquelle Silhouette München: Badspiegel – Wandspiegel
Bildquelle Berlin: Pinterest

2 Antworten auf „Rezension – Isarsilber“

Ich freue mich über Deinen Kommentar!