Rezension – Meine Zeit mit Eleanor

1932 reist die Journalistin Lorena Hickok nach Washington, um den Weg Franklin D. Roosevelts in das Weiße Haus zu begleiten. Als Roosevelt die Wahl gewinnt, zieht Hickok mit ins Weiße Haus – als Geliebte der First Lady, Eleanor Roosevelt.
Dieser fiktive Roman, der sich an Quellen über die beiden Frauen orientiert, erzählt die Geschichte einer besonderen Liebe.

Vielen Dank an NetGalley.de und den Atlantik Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Ich glaube, von Eleanor Roosevelt hat jeder schon einmal gehört. Aber ich wusste bisher recht wenig über sie und von Lorena Hickok hatte ich vor Meine Zeit mit Eleanor Roosevelt noch nie gehört. Aber das Buch liefert einen faszinierenden Einblick in die Leben zweier sehr unterschiedlicher Frauen ebenso wie in das Leben im Weißen Haus.

Amy Bloom schreibt in ihrem Nachwort, dass sie sich an Quellen über die Zeit orientiert hat. Eine Liebesbeziehung zwischen Lorena und Eleanor ist zwar nicht erwiesen, wird in Meine Zeit mit Eleanor Roosevelt aber angenommen. Und so geht es zwar durchaus auch um Politik (bei einer First Lady wohl unvermeidbar), hauptsächlich aber um die Beziehung zwischen Lorena und Eleanor sowie das private Leben der First Lady.
Da das Buch aus Sicht Lorenas geschrieben ist, sind besonders ihre Gefühle sowohl gegenüber Eleonora als auch die sehr widersprüchlichen gegenüber Franklin eindringlich beschrieben.

So spannend die beschriebenen Leben sind, so wenig spannend war es teilweise geschrieben. Zum einen fand ich es manchmal zwischen den verschiedenen Zeitschienen zu unterscheiden. Es gibt Passagen über Lorenas Vergangenheit, bevor sie Eleanor kennenlernte, die Gegenwart in den Jahren 1945 bis 1962, die Anfänge der Beziehung sowie die gemeinsame Zeit im Weißen Haus. Die waren oftmals nicht sehr explizit voneinander abgegrenzt, was zu meiner Verwirung geführt hat.

Meine Zeit mit Eleanor ist ein Buch, das auf zwei außergewöhnliche Frauen aufmerksam macht. Und so interessant ich deren Leben auch fand, hat mir der Schreibstil die Sache doch ein wenig vermiest.

Wir glauben immer, wir würden alles in Erinnerung behalten, und am Ende erinnern wir uns an fast nichts.

Lorena Hickok (Kindle-Pos. 209)

Lorena Hickok

Hickok, mit vollem Namen Lorena Alice Hickok und genannt „Hick“, wurde im März 1893 in Wisconsin geboren. Um von ihrem Vater wegzukommen, der sie missbrauchte, verließ sie mit 14 Jahren die Familie und arbeitete als Haushaltshilfe. Eine Cousine ermöglichte es ihr, den Schulabschluss zu machen. Danach fing sie an, als Journalistin für die Evening News in Battle Creek zu arbeiten.

Nach Stationen in Milwaukee und Minneapolis, arbeitete sie für die dortige Tribune. Der Chefredakteur Thomas Dillon wurde ihr Mentor und gab ihr auch Aufträge, die Frauen zu der Zeit meist nicht offenstanden. Mitte der 20er Jahre zerbrach die langjährige Beziehung zu einer anderen Journalistin und Hickok zog nach New York, wo sie für die Associated Press zog und sich einen Namen als brilliante Journalistin machte. Daher sollte sie zu Beginn der 30er im Wahlkampf über Eleanor Roosevelt berichten.

Als die Roosevelts in das Weiße Haus einzogen, waren Hickok und Eleanor Roosevelt so eng befreundet, dass es zu Spekulationen führte und zudem offensichtlich wurde, dass Hickok in Bezug auf Eleanor nicht objektiv schrieb. Sie wechselte ihre Arbeitsstelle und berichtete von 1933 bis 1936 über die furchtbaren Zustände in den USA im Zuge der Großen Depression. Danach warb sie zunächst für die Weltausstellung von 1939, bevor sie anfing für das Democratic National Committee. Auf Einladung Eleanors lebte sie mit im Weißen Haus und lebte nach dem Tod Franklin D. Roosevelts in einem Cottage auf dem Anwesen der Roosevelts. Sie schrieb weiterhin Bücher, eines zusammen mit Eleanor sowie eines über die ehemalige First Lady. Zeitlebens war ihre Verbindung zu Eleanor Roosevelt der Anlass für Spekulationen.

Am 1. Mai 1968 starb Lorena Hickok im Alter von 75 Jahren in New York.

Quellen: Wikipedia & Time

Über Amy Bloom:
Bloom wurde 1953 geboren. Ihre Werke waren bereits für den National Book Award und den National Book Critics Circle Award nominiert. Sie schreibt außerdem für den New Yorker, den New York Times Magazine, die Vogue sowie andere Magazine und hat den National Magazine Award for Fiction gewonnen. Ihre Arbeit wurde in über 15 Sprachen übersetzt.
An der Wesleyan University in Connecticut ist sie Professorin für kreatives Schreiben. In Connecticut lebt sie auch.
Quellen: Info im Buch & Website von Amy Bloom

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Cover des Buches; zwei Frauen in pastellfarbenen Kleidern und Hüten sitzen in der Natur auf zwei hölzernen Gartenstühlen

Originaltitel: White Houses | Übersetzerin: Kathrin Razum
Hardcover: ISBN 978-3-455-00568-4 | 20,00€
E-Book: ISBN 978-3-455-00569-1 | 14,99€
272 Seiten | erschienen 2019

Verlagswebseite zum Buch

Website der Autorin

Bildquellen
Lorena Hickok: Time
Autorin: Website von Amy Bloom (© Elena Seibert)
Cover: Hoffmann und Campe

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