Rezension – Mord am Waterberg

Als ihre kleine Schwester Anna ermordet wird, reist Katrin nach Afrika, um deren Körper in die deutsche Heimat zu überführen. Anna arbeitete als Entwicklungshelferin in Namibia, inmitten der Herero, die unter der deutschen Kolonialherrschaft unaussprechliches Leid erfahren haben. Doch kaum in Namibia angekommen, wächst in Katrin die Überzeugung, dass die Polizei den Falschen für den Mord an Anna verhaftet hat. Sie macht sich auf die Suche nach dem wahren Täter und kommt dabei zahlreichen Geheimnissen der Dorfgemeinschaft auf die Spur. Schließlich muss sie sich die Frage stellen, ob die deutsch-namibische Geschichte bis in die Gegenwart Auswirkungen hat, denen ihre Schwester zum Opfer fiel.

Ansicht des Waterberg

Jedes Mal, wenn ich mir den Klappentext zu diesem Buch durchlese, denke ich: „Was für eine super Idee für ein Buch!“ Die Umsetzung dieser Idee hat in meinen Augen aber zu wünschen übrig gelassen.

Recht profan fängt es schon mit Katrin an. Während der ganzen 250 Seiten wurde ich mir ihr nicht wirklich warm. Sie war oft eine furchtbare Zicke, deren Handlungen ich selten nachvollziehen konnte. Viel schlimmer war aber das dauernde Selbstmitleid, in dem sie sich gesuhlt hat. Alles wird zu einer mittleren Katastrophe aufgebauscht, insbesondere ihr Familienleben. Darüber konnte ich nur den Kopf schütteln, da ich in einer ähnlichen Situation aufgewachsen bin und dies immer als Zugewinn für mich gesehen habe. Katrins pessimistische Einstellung und auch ihr Unwillen, sich auf Neues einzulassen oder die Lebensentwürfe anderer Menschen zu akzeptieren, konnten bei mir nicht wirklich Sympathie für sie wecken und so war ich zum Ende des Buches vor allem froh, diesen Charakter nicht weiter begleiten zu müssen.

Überlebende Herero, ca. 1907

Hinzu kommt, dass in meinen Augen zu viele Klischees bedient wurden, vor allem in der Erschaffung der Charaktere. Das Dorf scheint angefüllt damit zu sein: der betrügende Ehemann mit dazugehöriger eifersüchtiger Ehefrau, die Voodoo-Zauber ausübt; der gütige Chief, der natürlich immer eine Antwort hat; die nette Nachbarin, die Katrin aufnimmt, als wäre sie schon immer in dem namibischen Dorf und so weiter und so fort. Das ganze Dorf ist ein Klischee und daher habe ich mir oft gefragt, was nun tatsächlich der afrikanischen Realität entspricht und was nicht.

Auch die Handlung konnte mich nicht überzeugen. So erschienen mir viele Entwicklungen unglaubwürdig. Es fängt schon damit an, dass sich mir bis jetzt noch nicht ganz erschlossen hat, warum sie überhaupt mit dem „Ermitteln“ anfängt. Viel zu viel wurde mir einfach vom Zufall bestimmt. Katrin lässt sich so dahin treiben und am Ende kommt genau das gewünschte Ergebnis heraus.
Wenig geholfen hat zudem die Tatsache, dass ich regelmäßig Absätze übersprungen habe, weil es einfach nur langweilig war.

Wenn die Beschreibungen im Buch der Wahrheit entsprechen, muss man ihm allerdings zugutehalten, dass es einen interessanten Einblick in die Auswirkungen der deutschen Kolonialpolitik bietet. Es zeigt auf, wie auch Generationen später der Schrecken des Völkermords an den Herero und, ganz allgemein, der Ausbeutung durch die Kolonialherren in den Köpfen der Einheimischen verankert ist. Etwas, das seit mehr als einem Jahrhundert vergangen ist, spielt auch im Denken der jüngeren Generation oft noch eine Rolle. Gleichzeitig leiten sich einige ihrer traditionellen Kleidung aus dem Stil der deutschen ab. Eine Seite schreibt dazu beispielsweise: „[They] wear their [the Germans] uniform as a badge of honour, and to ‚take‘ or appropriate their power.“ (Wired).

Eine sehr interessante Thematik, deren Umsetzung ich leider wenig abgewinnen konnte. Charaktere nervten mich und auch die Handlung konnte nicht überzeugen. Dennoch ein wichtiges Thema, das nicht in Vergessenheit geraten sollte – daher gibt es von mir zwei Sterne.

Die Landschaft zieht an ihr vorüber […]. Gestochen scharfe Fotos in Blau, Grün und verschiedenen Brauntönen. Sie sind wie eine Kulisse, in die sie nicht eintauchen kann. Meine Schwester ist tot. Ich bin zu spät gekommen.
– S. 9

Bild von Almut HielscherÜber Almut Hielscher:
Hielscher, 1943 geboren, machte zunächst eine Ausbildung an der Münchner Journalisten-Schule und arbeitete danach bei zahlreichen Zeitschriften und Tageszeitungen, darunter namhafte wie der SPIEGEL und STERN. Unter anderem war sie als Afrika-Korrespondentin tätig und arbeitete für den Deutschen Entwicklungsdienst (DED), der auch im Buch erwähnt wird.
Sie lebt in München.
Quelle: Hey! Publishing

Über Uta König:
König wurde 1947 geboren und machte ihr Studium so wie die Ausbildung in Paris. Sie war lange Zeit für den STERN tätig und schrieb beispielsweise das STERN-Buch Gewalt über Frauen. Seit 1995 ist sie für das Fernsehen tätig und hat seitdem über 50 Dokumentationen und Reportagen für den NDR gedreht. 1998 wurde sie für eine davon mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.
Quelle: ProTalk Verlag


Bildquelle Cover: KongKing
Bildquelle Herero-Frauen: Wired (Photo: Jim Naughten)
Bildquelle Waterberg: Waterberg Wilderness
Bildquelle historisches Foto: Wikipedia
Bildquelle Mann in Uniform: Wired (Photo: Jim Naughten)
Bildquelle Almut Hielscher: Hey! Publishing
Bildquelle Uta König: Hey! Publishing

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