Rezension – Morgen gehört den Mutigen

Frankreich 1947: Die 19-jährige Charlie St. Clair bittet Eve Gardiner um Hilfe bei der Suche nach ihrer verschollenen Cousine. Eve entspricht gar nicht dem Bild einer freundlichen Hilfe: sie raucht Kette, flucht und ist entschieden abgeneigt, Charlie zu helfen. Doch dann erwähnt diese einen Mann, den Eve verdächtigt, sie im Ersten Weltkrieg als Spionin an die Deutschen verraten zu haben. Um ihre Rache zu bekommen, macht sie sich schließlich doch zusammen mit Charlie auf die Suche nach deren Cousine.

Vielen Dank an NetGalley.de und den Ullstein Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Zunächst möchte ich hier eine Warnung aussprechen: Stellenweise ist das Buch bzw. seine Handlung sehr brutal und graphisch. Ich musste es bei zwei Szenen aus der Hand legen, weil es mir in der Situation zu viel wurde. Normalerweise kann ich in Büchern einiges vertragen; dieses Buch ist also definitiv das Falsche für Menschen mit schwachem Gemüt.

Davon einmal abgesehen liebe ich dieses Buch! Es fängt mit den Charakteren an. Charlie macht eine Entwicklung durch, die nicht nur sehr realistisch ist, sondern vor allem sehr sympathisch. Sie hat guten Grund, aufzugeben und sich ihrem Elend hinzugeben. Stattdessen kämpft sie für ihre Überzeugungen und tritt für die ein, die sie liebt. Hin und wieder verliert sie den Mut; aber dies macht sie nahbar – und von Aufgeben ist keinesfalls die Rede!

Eve ist die griesgrämigste, unfreundlichste Frau über die ich seit langem gelesen habe. Gleichzeitig ist sie unvoreingenommen, urteilt nicht und ist unglaublich loyal. Von Rache getrieben, hat sie es trotz einer furchtbaren Vergangenheit geschafft, ihr Gewissen zu behalten. Das zusammengenommen, hatte ich leichte Startschwierigkeiten mit ihr, habe mich dann aber auf jede neue Szene mit ihr gefreut.

Das echte Leben war kein Kinofilm. In der echten Welt hatte es Konsequenzen, wenn man Rache übte.
– Charlie St. Clair (Kindle-Edition, Pos. 6402)

Louise de Bettignies

Der interessanteste Teil des Buches – insbesondere für mich Geschichtsfan – wird durch Eve eingeführt. Erzählt wird nämlich auch die Geschichte des Netzwerk Alice und der „Königin der Spione„, Louise de Bettignies, welche besagtes Netzwerk als Alice Dubois leitete. Während des Ersten Weltkrieg versorgte sie Großbritannien mit zahlreichen Informationen über deutsche Stellungen. Bei Morgen gehört den Mutigen lohnt es sich daher auch, die Anmerkungen am Ende des Buches zu lesen. Dort berichtet Kate Quinn mehr über die Arbeit von Louise de Bettignies – sehr spannend!

Frauen, die aktiv am Krieg teilnahmen, haben ihre Zeitgenossen eindeutig verunsichert.
– Kate Quinn (Kindle-Edition, Pos. 7764)

Morgen gehört den Mutigen ist vor allem ein Buch über Frauen, die sich nicht den Konventionen anpassen. Sie kämpfen für das, woran sie glauben, und lehnen sich reihenweise gegen Männer auf. Vor allem sehen sie nicht ein, warum sie nicht die gleiche Arbeit leisten können sollten wie Männer.
Einen Stern Abzug gibt es wegen der eingangs erwähnten sehr brutalen Szenen, die im Buch eingestreut sind.

Die meisten Frauen langweilen sich, weil es nun mal langweilig ist, eine Frau zu sein.
– Louise de Bettignies (Kindle-Edition, Pos. 2385)

Über Kate Quinn:
Quinn wurde im südlichen Kalifornien geboren. An der Boston University studierte sie klassische Musik und erhielt einen Bachelor und Master. 2013 erschien ihr Debütroman The Serpent and the Pearl. Seitdem hat sie noch sieben weitere Bücher geschrieben; Morgen gehört den Mutigen ist das Neueste und das Erste, das im 20. Jahrhundert spielt.
Zusammen mit ihrem Mann und zwei Hunde leben in San Diego.
Quelle: Website von Kate Quinn

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Originaltitel: The Alice Network | Übersetzerin: Britta Mümmler
Hardcover: ISBN 978-3-3471-35163-5 | 16€
E-Book: ISBN 978-3-8437-71756-4 | 13,99€

Verlagswebseite zum Buch

Wikipedia-Artikel zu Louise de Bettignies


Bildquellen:

Cover: Ullstein Verlag
Autorenbild: Website von Kate Quinn
Louise de Bettignies: Wikipedia; By Source (WP:NFCC#4), Fair use, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=39794845

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