Rezension – Solange sie tanzen

Ada Friedberg ist eine alte Dame. Nach dem Tod ihres geliebten Mannes Hans, gibt ihr besonders ihr Hund Hemingway Halt. Er sorgt für Struktur in ihrem Alltag und dafür, dass sie regelmäßig aus dem Haus kommt.
Während des allabendlichen „Fernsehens, bei dem sie ihre Nachbarn mit dem Fernglas beobachtet, entdeckt Ada im Haus gegenüber ein neues Paar. Und während sie diesem beim Tanzen zuschaut, erinnert sie sich an ihr Leben mit Hans: wie sie sich kennenlernten, ihre Ehejahre, die Kinder und Enkelkinder sowie die Zeit des Ruhestands. Die Gegenwart verschwimmt für Ada zunehmend, doch die Vergangenheit ist dafür umso klarer – und immer gibt ihr das tanzende Paar im Haus gegenüber Halt.

Vielen Dank an NetGalley.de und Tinte & Feder für dieses Rezensionsexemplar!

Meinung

Solange sie tanzen hat mich emotional mitgenommen, wie schon lange kein Buch mehr. Ich hab mir die Augen aus dem Kopf geweint und wirklich mit Ada mitgefühlt. Dazu trägt sicher bei, dass Barbara Leciejewskis Schreibstil sehr schön und einfühlsam ist. Hinzu kommt, dass Ada eine unglaublich sympathische Protagonistin ist.

Ich kenne das Alt-werden (und damit meine ich Seniorenalter), offensichtlich, nur aus einer beobachtenden Position und aus der Position des Sich-Wunderns über manche Eigenart der Senioren in der Familie. Aber Adas Gedankengänge sind so gut nachvollziehbar und es wird klar, wie schwierig es ist, nach einem selbstbestimmten Leben akzeptieren zu müssen, dass man alleine manchmal nicht mehr klarkommt.

Besonders schön fand ich auch, wie Adas und Hans‘ Beziehung beschrieben wird. Die beiden lernen sich 1957 kennen. Die Kapitel über die Anfangszeit ihrer Beziehung bieten spannende Einblicke in eine Gesellschaft, in der der Zweite Weltkrieg noch sehr präsent ist. Und mit den Eltern von Ada und Hans hat man auch Paare, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Über die Jahre ist in der Ehe der beiden nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Ada liebt die beiden gemeinsamen Kinder, gleichzeitig trauert sie oft ihren Karrieremöglichkeiten hinterher, die sie dadurch verpasst hat. Hans und Ada haben Phasen, in denen sie nicht genug miteinander reden, den anderen nicht wertschätzen.

Trotz all dem haben die beiden eine sehr liebevolle Beziehung und auch im Rückblick ist Hans für Ada ein unglaublich wichtiger Mensch, dessen Tod sie aus der Bahn wirft. Im Gespräch mit den gemeinsamen Kindern, aber auch durch Adas Sicht auf andere Menschen, wird wieder einmal deutlich, dass Beziehungen von außen oft nicht verständlich und nachvollziehbar sind. Aber hier bekommt man eben Adas Sicht mit und ich konnte mich nicht davon abhalten, mich auch ein bisschen in Hans zu verlieben.

Ein Lichtblick für Ada ist Hemingway, ein Hund. Dank ihm ist Ada nicht allein in der Wohnung, lernt neue Leute kennen und muss die Wohnung regelmäßig verlassen. Hemingway ist fast so etwas wie die dritte Hauptperson im Buch.

Fazit

Solange sie tanzen ist eines der aufwühlendsten Bücher, das ich je gelesen habe. Adas Geschichte, auch ihre Entwicklung im Lauf des Buches, sowie Hans und Hemingway haben mich immer wieder zu Tränen getrieben. Ich kann euch dieses Buch wirklich nur empfehlen, ihr solltet aber auch eine Packung Taschentücher zur Hand haben.

Weitere Meinungen zum Buch:
Sandras kreative Lesezeit („Ich kenne bisher keine Autorin, der es gelingt, das Thema älter werden und die damit verbundenen Schattenseiten, so berührend und so sensibel aufzugreifen wie es in dieser Geschichte Barbara Leciejewski gelungen ist.“)
Daggis Welt (5/5 Eulen; „eine Achterbahnfahrt der Gefühle“)
Lesen und Träumen (5/5 Sterne; „ein Roman, der unter die Haut geht, und der den Leser alle Emotionen durchleben lässt“)

Über Barbara Leciejewski:
Leciejewski wurde im rheinland-pfälzischen Mühlbach geboren und studierte Literaturwissenschaft, Linguistik und Theaterwissenschaft in München. Sie arbeitete in verschiedenen Jobs am Theater, schrieb ihre Magsiterarbeit über Kriminalromane und wurde Synchroncutterin.
Zwar schrieb sie ihren ersten Roman im Alter von 12 Jahren, beschloss dann aber, dass man vom Schreiben nicht leben kann. Doch sie besann sich darauf zurück und hat mittlerweile ihren siebten Roman veröffentlicht.
Quelle: Website der Autorin

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Taschenbuch: ISBN 978-2-91980-9-066 | 9,99€
Kindle-Edition: ASIN B07M77K8TM | 1,99€
368 Seiten | erschienen 2019

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