Rezension – The Curious Heart of Ailsa Rae

Ailsa Rae hat vor einigen Monaten ein neues Herz transplantiert bekommen. Eigentlich sollte sich ihr Leben also zum Besseren gewendet haben. Doch die Beziehung zu ihrer Mutter ist so schlecht wie noch nie, die Suche nach ihrem Vater gestaltet sich schwierig und ihr bester Freund starb, weil er kein Organ erhielt. Sie weiß nicht, was sie mit ihrem neuen Leben anfangen soll. Und so lässt sie fremde Menschen durch Umfragen auf ihrem Blog Entscheidungen für sie treffen. Doch manchmal muss man auf sein Herz hören – und Ailsa muss lernen, ihrem neuen zu vertrauen.

In Deutschland warten rund 9.500 Menschen auf ein Spenderorgan und auch wenn die Zahl der OrganspenderInnen 2018 gestiegen ist, waren es dennoch nur 955 Menschen, die zu SpenderInnen wurden. In The Curious Heart of Ailsa Rae wird deutlich, wie wichtig Organspende ist – offensichtlich besonders für jene, die ein Organ benötigen.

Überraschenderweise ist es Stephanie Butland gelungen, mehrere sehr ernsthafte und unglaublich traurige Themen auf unterhaltsame Art und Weise zu schreiben. Ich habe immer wieder unter Tränen gelacht und das Buch innerhalb einer Zugfahrt gelesen.

Das Buch spricht nur kurz die Zeit vor der Transplantation an. Hauptsächlich geht es darum, wie Ailsa ihr Leben gestaltet, nachdem sie eine deutlich längere Lebenserwartung hat. Besonders spannend fand ich zu lesen, wie schwer Ailsa die Umstellung fällt. Es ist etwas, das mir vorher gar nicht in den Sinn gekommen ist. Wenn man ein Leben lang mit dem Demoklesschwert einer tödlichen Krankheit über sich lebt, muss man sich an die Abwesenheit des Demoklesschwerts erst gewöhnen.

Thematisiert wird auch, wie sich die Krankheit eines engen Verwandten oder Freundes auf das Umfeld desjenigen auswirkt. Dass die „todkranke Zeit“ für das Umfeld sehr schwer ist, ist denke ich klar. Ich hatte mir aber keine Gedanken darüber gemacht, wie schwer auch diesem die Umstellung zum „gesundem Ergebnis“ fällt.

Zudem wird durch die Trauer um Ailsas besten Freund, der kein Spenderorgan erhielt, auch aufgezeigt, wie niederschmetternd es für das Umfeld ist, wenn es eben nicht dazu kommt, dass ein Organ transplantiert werden kann.

Ein unglaublich berührendes Buch, das auf ein noch unglaublich viel wichtigeres Thema aufmerksam macht. Es beschreibt auf eindrückliche Weise, wie das Warten auf ein Spenderorgan sowohl die Betroffenen als auch deren Umfeld beeinflusst. Ich konnte es kaum aus der Hand legen und kann jedem dieses Buch absolut nur empfehlen.

Und als letztes Wort und Bitte: Wenn ihr noch keinen Organspendeausweis habt, besorgt euch bitte einen!

Weitere Informationen zu Organspende:
Website der Deutschen Stiftung Organspende
Bestellung eines Organspendeausweis
Infoseiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zur Organspende
> dort gibt es auch Erfahrungsberichte verschiedenster Menschen, die mit Organspenden in Berührung kamen – als Arzt, von Empfänger- oder Spenderseite
> der Spiegel hat die Erfahrungen von Angehörigen zweier Organspender aufgeschrieben
n-tv hat einige Kritikpunkte an der Organspende aufgearbeitet

Über Stephanie Butland:
Butlands Debütroman Lost for Words (dt.: Zwischen den Zeilen) erschien 2017. Seitdem hat sie noch zwei weitere Bücher geschrieben und interessiert sich seit den Recherchen für ihre Bücher für Slam-Poetry und Tango.
Zusammen mit ihrer Familie lebt sie im Norden Englands.
Quelle: Droemr Knaur

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Deutsche Ausgabe: Fünfzehn Arten eines Wunders | erscheint 03.02.2020
Taschenbuch: ISBN 978-1-78576-4-400 | 8,99€
E-Book: ISBN 978-1-78576-4-417 | 4,99€
419 Seiten | erschienen 2018

Verlagswebseite zum Buch

Bildquellen
Autorin: LovelyBooks
Cover: Zaffre

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