Rezension – The Forty Rules of Love

Ella ist dreifache Mutter und hat gerade wieder angefangen zu arbeiten. Sie soll den Roman eines noch unbekannten Autors über den Poeten Rumi beurteilen. Darin trifft Rumi auf Shams von Tibriz, der ihm vieles beibringt – unter anderem die vierzig Regeln der Liebe. Fasziniert von der Geschichte und ihrem Autoren macht sich Ella auf die Suche nach diesem. Dafür riskiert sie, ihre Familie, Freunde und ihr bisheriges Leben zu verlieren.Anhand der oben abgebildeten Sure wird im Buch (S. 195ff.) am deutlichsten dargestellt, welch unterschiedliche Interpretationen des Koran es gibt. Ich fand sie daher passend als Einleitung zu einem Buch, das sich mit dem Islam in unterschiedlichsten Ausprägungen beschäftigt.

„If you want to change the way others treat you, you should first Change the way you treat yourself.“
– Shams of Tibriz, S. 143

Eigentlich handelt es sich hier um einen „2 für 1“-Deal – und zwar einen richtig guten! Denn im Buch wird nicht nur die Geschichte von Ella, ihrer Familie und dem mysteriösen Buchautor erzählt, sondern auch die von Shams und Rumi. An letztgenanntem gefällt mir besonders gut, dass die Geschichte auf Überlieferungen beruht. Mir gefällt an historischen Romanen, wenn ich das Gefühle bekomme, dass es tatsächlich so hätte passieren können.

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass auch im historischen Teil der Geschichte Frauen zu Wort kommen. Da der Lauf der Geschichte von Männern dominiert wurde und wird, kommen die Ansichten und Gedanken von Frauen in Romanen meines Erachtens zu kurz.
In The Forty Rules of Love werden die unterschiedliche Sichtweisen auf den Islam, den Koran und die Freundschaft zwischen Shams und Rumi unter anderem durch drei sehr unterschiedliche Frauen dargestellt.
Jede von ihnen ist auf ganz eigene Art stark und durchsetzungsfähig – und jede von ihnen versucht, aus den ihr gegebenen Umständen das Beste zu machen.

There are times I want to rebel against having been created a woman. […] Nobody gives women books to open their eyes.
– Kerra, S. 167

Daneben gibt es auch die moderne Sicht auf Rumi und Shams durch die Augen Ellas. Spannend daran war insbesondere die Erkenntnis, wie aktuell die Überlegungen der beiden Männer heute noch sind. Auch die Reaktion von Zeitgenossen auf die beiden und Lehren, die aus ihrer Freundschaft gezogen wurden, haben an Aktualität nichts verloren.

Keines der Themen, die im Buch behandelt werden, ist ein einfaches Thema. Sie wurden zur Zeit von Shams und Rumi kontrovers diskutiert und das werden sie auch heute noch.
Lachen, obwohl es eher traurig ist, musste ich oftmals darüber, wie wenig sich die Menschen in den vergangenen Jahrhunderten geändert haben. Neid, Missgunst aber auch extreme Beispiele wir religiösen Fanatismus gab es zu Zeiten Rumis, lange davor und auch heute. Wir scheinen nicht dazu zu lernen.

Umso schöner, dass sich Shafaks Buch größtenteils doch um die schönen Dinge des Lebens dreht: Freundschaft, Liebe und dem Folgen der eigenen Träume.

Love cannot be explained. It can only be experienced.
Love cannot be explained, yet it explains everything.
– Rumi, S. 194

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Über Elif Shafak:
Shafak wurde 1971 in Straßburg, Frankreich, als Tochter einer Diplomatin und eines Soziologieprofessors geboren. Sie studierte Internationale Beziehungen in Ankara, wo sie einen Master in Gender and Women’s Studies erhielt und in Politische Wissenschaften promovierte.
Ihre erste Erzählung veröffentlichte sie 1994, ihr erster Roman erschien 1997. Sie gehört zu den bekanntesten türkischen Schriftstellern im In- und Ausland und schreibt ihre Bücher sowohl auf türkisch als auch auf englisch.
Zusammen mit ihrem Mann und den beiden gemeinsamen Kindern lebt sie in London und Istanbul.
Quelle: Wikipedia

Shafaks Engagement für unterschiedliche Bereiche ist in meinen Augen sehr spannend und bewundernswert. Schaut daher unbedingt einmal auf ihrer Website vorbei oder lest einige der Interviews mit ihr.

Zu den Wikipedia-Artikeln über Rumi und Shams von Tibriz (englische Version).

Weitere Meinungen zum Buch:

  • The Independent („With its timely, thought-provoking, feel-good message, The Forty Rules of Love deserves to be a global publishing phenomenon.“)
  • Jaipur Book Lovers (4.5/5; „An engaging and mesmerizing read, once you pick it up you don’t want to put it down.“)
  • The Written Word (5/5 Sterne; „[…] dieses Buch [war] für mich ein einziger Genuss und wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben“)

Cover: Amazon
Bildquelle Surah An-Nisa [4:34]: Quran (dort ist sie auch auf englisch zu lesen)
Elif Shafak: Website der Autorin

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