Rezension – Wir werden glücklich sein

Am 13. November 2015 nehmen drei Terroristen im Bataclan in Paris hunderte Konzertbesucher als Geiseln und töten insgesamt 90 von ihnen. Unter den Getöteten ist auch Matthieu, der Freund von Aurélie Silvestre. Sie ist gerade schwanger mit dem zweiten gemeinsamen Kind – und muss nun ein Leben ohne ihre große Liebe aufbauen. In Wir werden glücklich sein berichtet sie von dem Tag, der alles veränderte. Und von den Monaten, die darauf folgen, bis zur Geburt ihrer Tochter.

Vielen Dank an den Diana Verlag und das Bloggerportal für dieses Rezensionsexemplar!

 Offen gestanden weiß ich nicht so recht, wo ich anfangen soll. Es fällt mir schwer, dieses Buch zu rezensieren. Die Art, wie Aurélie schreibt, macht den 13. November 2015 und die darauffolgende Zeit zu etwas sehr Persönlichem.

Ich hatte die Anschläge nicht wirklich mitbekommen. Zu dem Zeitpunkt war ich in Großbritannien und habe dort nur selten fernsehen geschaut. So richtig bei mir angekommen ist es erst, da waren die Menschen schon wieder aus ihrer Schockstarre erwacht. Erst das Zusammenkommen von Anschlägen, insbesondere in Frankreich, aber beispielsweise auch in Berlin, haben bei mir „Eindruck hinterlassen“ (mir fällt kein besseres Wort dazu ein).

Ich gehöre mit zu denen, die – salopp ausgedrückt – sagen: „Weitermachen wie bisher – und den Terroristen damit eine lange Nase drehen.“ Aurélie scheint dies ebenso zu sehen. Mein ursprünglicher Anreiz, Wir werden glücklich sein zu lesen, war daher Neugierde. Wie spiegelt sich diese Einstellung in ihrem Leben nach Matthieus Tod wieder? Denn letztendlich ist es viel einfacher zu sagen „Weitermachen!“, wenn man nicht unmittelbar von den Anschlägen betroffen ist.

Ein Buch ist ein schöner Platz für einen Toten.
– S. 246

Aurélie beantwortet die Frage nach dem Weitermachen auf sehr persönliche Art. Manchmal habe ich mich fast geschämt dieses Buch zu lesen. Es fühlte sich an, als würde ich ihr Tagebuch durchwühlen. Größtenteils handelt es sich nur um kurze Abschnitte.
Darin berichtet sie von kleinen Momenten; den guten ebenso wie den schlechten. Vom Warten auf eine Nachricht von Matthieu, vom Weinen und Lachen, Rückschlägen, schmerzhaften Erinnerungen, von Spielen mit ihrem Sohn. Eben alles, was das Leben so ausmacht.

Länger werden die Absätze nur, wenn sie von der gemeinsamen Zeit erzählt: Vom ersten Kennenlernen oder dem Zusammenleben, aber beispielsweise auch von der Geburt ihres Sohnes.

„Aurélie, das Einzige, was wir wirklich tun können, ist, uns jeden Tag noch mehr zu lieben.“
– Matthieu, S. 151

Was mich auch sehr berührt hat, waren die Bilder im Buch. Jedem der Kapitel ist eines vorangestellt. Auf den folgenden Seiten wird klar, woher das Bild stammt; welche Rolle es spielt.
Verrückterweise haben genau diese Bilder mir zu schaffen gemacht. Ich reagiere normalerweise sehr stark auf Worte.
Hier aber sorgte das visualisieren, zumindest von Ausschnitten, dafür, dass mir Aurélies Texte noch viel näher gingen.

Ein hochemotionales Buch, das vor allem Hoffnung macht. Darauf, dass wir uns nicht unterkriegen lassen, sondern aus Gräueltaten wie den Terroranschlägen in Paris gestärkt hervorgehen.

Wir werden glücklich sein.
Dieses simple Versprechen ist die schönste Rache.
– S. 214

*** Ich werde an dieser Stelle keine Sternenbewertung vornehmen. Jeder sollte dieses Buch lesen. Eine Bewertung würde mir falsch vorkommen. ***

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Folgende Links kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung:

Verlagswebseite zum Buch

Leseprobe (pdf)

Von Antoine Leiris stammt das Buch Meinen Hass bekommt ihr nicht. Er verlor im Bataclan Hélène, seine Ehefrau und die Mutter des gemeinsamen Sohnes. HIER geht’s zur Verlagsseite des Buches.

Einen Überblick über die Anschlagsserie am 13. November 2015, unter anderem auch das Massaker im Bataclan, liefert der Wikipedia-Artikel.

Die Augsburger Allgemeine hat zum ersten Jahrestag der Anschläge einen Artikel gebracht, in dem auch Aurélie zu Wort kommt – sehr bewegend!


Bildquelle Cover: Verlag
Bildquelle „Je suis Paris“: flickr – © 2015 by Marc Oliver John

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