Colonia im Mittelalter – Kurz gefasst

Quelle: Buchhandel.de
Quelle: Buchhandel.de

Colonia im Mittelalter | Dieter Breuers | Bastei Lübbe | erschienen 2013
Taschenbuch: ISBN 978-3-404-60718-1 | 9,99€
E-Book: ISBN 978-3-8387-0420-3 | 8,99€
Leseprobe

Klappentext:
Dieter Breuers nimmt Sie mit auf eine spannende Entdeckungsreise ins Mittelalter und zeigt Ihnen, was es damals wirklich bedeutete, in einer Stadt zu leben!
Quelle: Buch

Ich liebe Bücher, in denen der Alltag in früheren Zeiten dargestellt wird. Dieter Breuers nimmt sich dieses Unterfangens mit Anekdoten an, welche die verschieden Themen einleiten. Diese führen an einen bestimmten Aspekt aus dem Mittelalter heran und spielen alle in Köln, seiner unmittelbaren Umgebung oder handeln von Kölnern.
Es sind kurze Geschichten, oftmals auch recht vereinfacht dargestellt, die ein Gefühl für die damaligen Verhältnisse vermitteln sollen. Das ist meistens auch gelungen, ich hatte aber oft das Gefühl, dass der Autor sich damit eher an eine jüngere Leserschaft richtet.
Auf die Anekdoten folgen ausführlichere Erläuterungen, in denen er eine wissenschaftliche Sichtweise einnimmt. So dröselt er die einzelnen Aspekte, wie z.B. das Leben der Frauen im Mittelalter, auf. Er geht dabei auf die unterschiedlichsten Gesichtspunkte ein, beschreibt manchmal auch, woher bestimmte Dinge kommen oder wie diese sich weiterentwickelt haben – teilweise bis in die Gegenwart. Das fand ich persönlich besonders interessant: zu wissen, wo Dinge, die wir möglicherweise heute noch nutzen, herkommen. Außerdem nannte er immer mal wieder kleine, interessante und spannende Fakten, teilweise einfach witzig zu wissen oder komplett unerwartet in einem bestimmten Zusammenhang.

Insgesamt kann man sagen, dass Colonia sich sowohl an jüngere Leser richtet, insbesondere mit den kurzen Anekdoten, die in ein Thema einführen, aber auch an ältere Leser mit detailgenaueren und sachlicheren Beschreibungen zum Thema.

4SterneKaufen kann man das Buch beim Verlag oder auf buecher.de

Rezension – Realitätsgewitter

realitaetsgewitter
Quelle: Aufbau Verlag

Realitätsgewitter | Julia Zange | Aufbau | erschienen 2016
Hardcover: ISBN 978-3-351-03658-4 | 17,95€
E-Book: ISBN 978-3-8412-1172-9 | 12,99€
Leseprobe

Marla wirkt wie das Musterbeispiel einer deutschen Studentin: Sex, Drogen, eher wenig Uni, dafür viel Party, den Lebensstil lässt sie sich von ihren Eltern finanzieren, zu denen sie ansonsten kein Verhältnis hat und eigentlich weiß sie nicht so genau, wohin mit sich. Doch plötzlich bekommt ihre Fassade Risse und Marla fragt sich, ob das eigentlich wirklich ihr Leben ist, so wie sie es haben will. Eine Reise in ihre Heimat führt sie schließlich nach Sylt – immer auf der Suche nach sich selbst.

Marla ist schnell zu einer dieser Protagonisten geworden, zu denen ich ein ambivalentes Verhältnis habe. Einerseits konnte ich mich stellenweise gar nicht in sie einfühlen. Ihr Lebensstil unterscheidet sich zu stark von meinem und auch viele ihrer Ansichten konnte ich nicht teilen. Beispielsweise verstand ich nicht, wieso sie sich von ihren Eltern aushalten lässt – eine Sache, die mir zutiefst zuwider wäre. Sie lebt besonders zu Beginn ein Leben, das für mich niemals das Richtige sein könnte. Die Menschen, die sie um sich schart, entsprechen so gar nicht den Menschen in meinem Freundeskreis.
Andererseits fiel es mir oft erstaunlich leicht, mich in sie einzufühlen. Ihre verzweifelte Suche nach Zuneigung kann einen vermutlich gar nicht kaltlassen und bei der Konfrontation mit ihrer Mutter hat sie mir unglaublich leid getan.
Der Schluss war mir zu schwammig. Als sie von Sylt nach Berlin zurückkehrt, ist sie verändert, fühlt sich anders. Mir hat sich aber nicht erschlossen, was diesen Wandel bewirkt hat. Sie wirkt auf mich durchaus anders, entschlossener, mit sich selber eher im Reinen, als hätte sie etwas überwunden. Mir gefällt diese Marla ehrlich gesagt besser. Aber warum sie sich nun verändert hat, das wurde mir nicht klar.
Zudem hatte ich immer das Gefühl, dass die Autorin mir unbedingt etwas sagen will, die Moral von der Geschicht‘ quasi. Gleichzeitig hatte ich auch das Gefühl, dass ich einfach nicht auf diese Moral komme und kommen werde. Und das hat mich mit einer leichten Frustration zurückgelassen. Natürlich kann man sich dadurch seine eigenen Gründe zusammenreimen und sich möglicherweise auch eher mit Marla identifizieren. Aber ich bin und war kein „Zwischen den Zeilen lesen“-Typ. Daher hat mir das ein bisschen sauer aufgestoßen.

Marla und ihr Leben bieten die Möglichkeit, sich mit ihr zu identifizieren – sie scheint von allem etwas mitzunehmen. Der Schreibstil ist gut zu lesen und mit 157 Seiten ist es auch kein übermäßig dickes Buch. So ganz überzeugen konnte es mich allerdings nicht.

Tatsächlich habe ich gerade gar keine Ahnung, wo ich hingehöre, wer ich bin, was ich mit meinem Leben machen soll, ob alles eine Lüge ist oder ob ich eine Lüge bin.
– Marla (14% Kindle Edition)

4Sterne

Über Julia Zange:
Zange wurde 1987 geboren und studierte in Berlin Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation. Ihr erster Roman, Die Anstalt der besseren Mädchen, erschien 2008. Außerdem veröffentlichte sie mehrere Kurzgeschichten.
Julia Zange ist auch als Schauspielerin tätig und debütierte als Hauptdarstellerin in dem Film Mein Bruder Robert, der 2017 erscheinen wird.
Quelle: Wikipedia

Live erleben kann man die Autorin am 17. und 24. November in Berlin. Mehr Infos dazu auf der Website des Aufbau Verlags.

Weitere Meinungen zum Buch:


Vielen Dank an NetGalley und den Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Das Dienstmädchen des Milliardärs – Kurz gefasst

Das Dienstmädchen des Milliardärs | Ruth Cardello | AmazonCrossing | erschienen 2014
Taschenbuch: ISBN 978-1477826003 | 4.99€
Leseprobe

Das_Dienstmädchen_des_Milliardärs

Klappentext:
Dominic Corisi wusste sofort, dass Abigail Dartley genau die richtige Ablenkung für ihn war, besonders da sie ihm mehr Überzeugungsarbeit abverlangte, als er es von Frauen gewohnt war. Als ihn die Geschäfte nach China rufen, entscheidet er sich kurzerhand sie mitzunehmen. Keine Versprechen. Keine Komplikationen. Nur Sex.
Abby war schon immer eine höchst verantwortungsvolle Frau. Sie glaubt nicht an Risiken, besonders wenn es um Männer geht – bis sie Dominic trifft. Er bringt sie zur Weißglut und fasziniert sie gleichermaßen, eine feurige Kombination. Ihre Reise nach China lässt eine längst vergessene Seite von Abby wieder aufblühen, bringt jedoch auch eine Gefahr ans Licht, die das Aus für Dominics Unternehmen bedeuten könnte. Abby muss entweder unverhofft in die Vertragsverhandlungen eingreifen und seine Firma retten oder ihre Rolle als einfache Geliebte akzeptieren und Dominic seinem Schicksal überlassen. Liebt sie ihn genug, um zu riskieren, ihn für immer zu verlieren?
Quelle: Amazon

Was sich wie ein typischer Liebesroman, der sich in erster Linie um Sex dreht, anhört, hat mich in vielerlei Hinsicht überrascht. Ich empfand die Figuren als sehr sympathisch und schön ausgearbeitet. Abby hat immer eine freche Antwort auf den Lippen und kein Problem damit, sich gegen Dominic aufzulehnen. Die beiden liefern sich wirklich lustige Schlagabtäusche, haben mich immer wieder zum Lachen gebracht und es spaßig gemacht, dieses Buch zu lesen.
Allerdings waren einige ihrer Handlungen meiner Meinung nach nicht so ganz verständlich und Abby ist mir zu Beginn mit ihrer Wechsellaunigkeit gehörig auf die Nerven gegangen. Sie hält ihn für ein arrogantes Arschloch, aber natürlich hat er eine unglaublich verletzliche Seite, welche sie auf den ersten Blick erkennt – ist klar!
Die Personen machen das aber allemal wett, daher vergebe ich 4Sterne

 

Rezension – Death in the Tunnel

Death_in_the_TunnelDeath in the Tunnel | Miles Burton | British Library | erstmals erschienen 1936; diese Ausgabe veröffentlicht in 2016
ISBN 978-0-7123-5641-1 | £8.99

Sir Wilfred Saxonby reist alleine in einem abgeschlossenen Abteil und so weist alles auf Selbstmord hin, als Sir Wilfred tot aufgefunden wird, nachdem der Zug einen Tunnel verlassen hat. Doch als Inspector Arnold von Scotland Yard kein Motiv für einen Selbstmord in Erfahrung bringen kann und zudem erfährt, dass der Zug im Tunnel von einem mysteriösen Licht heruntergebremst wurde, regen sich Zweifel in ihm. Doch je mehr Fakten ans Licht kommen, desto verwirrender wird der Fall. Daher bittet Arnold seinen Freund und Hobby-Detektiv Desmond Merrion um Hilfe.

Ich liebe die Krimi-Klassiker, die von der British Library neu aufgelegt wurden. Mal davon abgesehen, dass die Bücher toll in der Hand liegen, sind es auch jedes Mal spannende Krimis, aus der Hochzeit britischen Krimis, in erster Linie aus den 20er und 30er Jahren.
Auch Death in the Tunnel bildet da keine Ausnahme. Dieses Locked-Room-Rätsel stellt nicht nur die Ermittler sondern auch den Leser vor Rätsel. Es braucht zwar die ersten rund 50 Seiten um Fahrt aufzunehmen, aber von da an stellt jede neue Enthüllung ein ganz eigenes Rätsel dar.
Das ist zumindest der Fall, bis Merrion seine Vermutungen anstellt; schon kurz vor Schluss wird dadurch klar, wer verantwortlich ist. Das ist für mich der einzig Kritikpunkt an diesem Cosy Crime: Es wird zu früh klar, wer der Täter ist.
Merrion und Arnold haben mich stellenweise sehr an Hercule Poirot und seinen Inspector Japp erinnert, mit dem Einfallsreichtum des Einen und dem Willen des Anderen, jedwede Lösung anzunehmen – nur, um den Fall abschließen zu können. Auch der Fall an sich und die letztendliche Lösung hätten von der Queen of Crime kommen können. Allerdings ist Merrion um einiges zugänglicher als Poirot und nimmt ausschließlich eine beratende Rolle ein.
Wenn man einmal davon absieht, dass die Lösung des Falles zu schnell klar wird, hat dieses Buch viel Ähnlichkeit mit Büchern über Poirot. Eine Sache macht dieses Buch aber doch besser: in meinen Augen bekommt man einen stärkeren Einblick in die 1930er Jahre, beispielsweise wenn es um technische Dinge geht. Poirot könnte theoretisch auch heute spielen, aber Merrion und Arnold sind ganz eindeutig Kinder ihrer Zeit und könnten niemals in das Heute verwurzelt werden.

Für Liebhaber des Cosy Crime und Fans von Agatha Christie ein tolles Buch, dessen einziger Schwachpunkt die frühe Ahnung über den Verantwortlichen ist.

The problem fascinated him, since every possible solution presented apparently insuperable difficulties.
– Desmond Merrion (S. 68)

4Sterne

Über Miles Burton:
Miles Burton war eines der Pseudonyme des britischen Kriminalschriftstellers Cecil Street. Geboren wurde er um 1884 auf Gibraltar und machte zunächst Karriere in der britischen Armee. Als Schriftsteller betätigte er sich ab 1925.
Besonders bekannt wurden seine Bücher um den Forensiker Dr. Priestley, welche er unter dem Pseudonym John Rhode schrieb.
Street starb 1965.
Quelle: Wikipedia

Kaufen kann man das Buch bei buecher.de

Rezension – Seit ich dich gefunden habe

Quelle: MIRA
Quelle: MIRA

Seit ich dich gefunden habe | Kat French | MIRA Taschenbuch | erschienen 2016
aus dem Englischen: The Piano Man Project | Übersetzerin: Andrea Härtel
Taschenbuch: ISBN 9783956495755 | 9.99€
E-Book: ISBN 9783956495601 | 9.99€
Leseprobe

Als ihr Katerfrühstück verbrennt und dabei den Feueralarm auslöst, lernt Honey ihren neuen Nachbarn Hal kennen. Doch dieser zeigt ihr schnell, dass gutes Aussehen (über welches er verfügt) nicht unbedingt etwas mit guten Manieren zu tun hat, denn von diesen scheint er noch nie gehört zu haben. Dennoch beschließt Honey, mit ihrem mürrischen Nachbarn Freundschaft zu schließen. Als begnadeter Koch kann er ihr, die sie in der Küche komplett untalentiert ist, bestimmt einiges beibringen. Doch dann findet sie heraus, dass er blind ist. Vielleicht braucht doch er Hilfe?

Als ich dieses Cover gesehen habe, habe ich mich verliebt. Und dann habe ich den Klappentext gelesen und konnte wirklich nicht mehr widerstehen. Schon länger wollte ich wieder einmal eine „Liebesgeschichte mit Handicap“ lesen, da in diesen meist ernste Töne mitschwingen und mir das gut gefällt.
Über dieses Buch gibt es viel Gutes zu sagen. Zum einen hat die Autorin einen wirklich wunderbaren Schreibstil. Bemerkenswert fand ich dabei vor allem, dass dieser auch ein Stück weit der jeweiligen Situation angepasst wurde. Er erschien mir leichter und lockerer in lustigen Situationen, beispielsweise wenn Honey mit ihren Freundinnen im Sexshop ist, und wird ruhiger, ernster, sobald sie sich mit eben jenen über Hal unterhält.
Mühelos kann man sich in die Personen einfühlen, mit ihnen leiden und lachen. Zum Lachen gibt es hier auch einiges, denn neben der Romantik kommt auch die Komik nicht zu kurz. Hinzu kommt, dass die Entwicklung der Personen, insbesondere von Honey, sehr schön beschrieben ist. Man kann miterleben, wie sie sich von einer Frau, die nicht so recht weiß, wo sie im Leben steht, zu einer selbstbewussten Frau entwickelt, die für sich und ihre Lieben kämpft.
Und die Nebenpersonen – ich weiß gar nicht, wo ich anfangen sollen! Liebens- und lesenswert! Allein für diese lohnt es sich, das Buch zu lesen.
Weniger gut gefallen hat mir in erster Linie, dass die Gefühle zwischen Hal und Honey sich in meinen Augen zu schnell und zu einfach entwickeln. Im einen Augenblick werfen sie sich über den Hausflur Beleidigungen an den Kopf, im nächsten liegen sie sich in den Armen und knutschen. Außerdem hat man in meinen Augen die Blindheit zu oft unter den Tisch fallen lassen. Vielleicht ist Honey nur ein besserer Mensch, als ich es bin, aber sie macht sich nicht einmal Gedanken darüber was diese Blindheit bedeutet – für Hal und für ein gemeinsames Leben.

Liebesfilme und Romane hatten sie nicht darauf vorbereitet, dass der Held das Happy End bisweilen richtig vermasseln konnte.
– Honeysuckle Jones (94%)

4Sterne

Über Kat French:
Kat French wurde im Ballungsgebiet um Birmingham geboren und ist dort aufgewachsen. Dort lebt sie noch immer mit ihrem Mann und den beiden gemeinsamen Söhnen. Sie liebt es, über Romantik zu lesen und zu schreiben. Auf deutsch ist bisher nur ihr Roman Seit ich dich gefunden habe erschienen.

Kaufen kann man das Buch bei HarperCollins oder buchhandel.de


Vielen Dank an NetGalley und HarperCollins für dieses Rezensionsexemplar!

Die Großen Vier

Quelle: Atlantik Verlag
Quelle: Atlantik Verlag

Die Großen Vier | Agatha Christie | Übersetzer: Giovanni Bandini | Atlantik Verlag | erstmals erschienen 1927 (engl.); diese Ausgabe 2015
ISBN 978-3-455-65053-2 | 10,00€ (Taschenbuch)

Über Agatha Christie:
Agatha Christie wurde 1890 im britischen Torquay geboren und starb 1976 in Wallingford. Sie ist weltweit als die Queen of Crime bekannt und wird in den Verkaufszahlen ihrer Bücher nur von der Bibel und Shakespeare übertrumpft. Insgesamt schrieb Christie mehr als 60 Kriminalromane; daneben sind aber auch einige Kurzgeschichten und Bühnenstücke entstanden. Ihre berühmtesten Figuren sind Hercule Poirot und Miss Marple.
Quelle: Wikipedia

Gerade als Poirot sich auf den Weg nach Südamerika machen will, taucht ein Unbekannter bei ihm auf, murmelt etwas von den „Großen Vier“ und bricht dann zusammen. Kurz darauf ist er tot. Schnell kommen Poirot und sein treuer Freund Captain Hastings einem international agierenden Verbrecherring auf die Spur – und begeben sich in Lebensgefahr, um diesen auszuschalten.

Die Großen Vier ist ein Buch von Christie, das sich ganz schön von den anderen Poirot-Büchern, wie ich sie kenne (und liebe) unterscheidet. Wo man es sonst gewohnt ist, dass Poirot mit den Leuten spricht und dann seine „kleinen grauen Zellen“ bemüht, hat Die Großen Vier mehr Ähnlichkeit mit einem Spionageroman.
Es gibt entschieden mehr Action, als dies sonst der Fall ist – Entführungen, Morddrohungen und lauter kleine Dinge, die Poitor in anderen Büchern als Mummpitz ansieht. Die „kleinen grauen Zellen“ werden zwar auch hier wieder bemüht, allerdings deutlich weniger als ich das gewohnt bin.
Außerdem erschien es mir oft, als hätte dieses Buch unter der Übersetzung gelitten. Ich kann zwar keinen Vergleich anstellen, da ich es nur auf deutsch gelesen habe, aber es kam mir so vor, als hätte man sich hier besonders Mühe gegeben, die Eigenarten Poirots herauszustellen. Das wirkte bemüht und geht im Original subtiler, letztendlich aber eindrücklicher, von Statten.
Gut gefallen haben mir aber die regelmäßigen Wendungen, die weder übertrieben noch unlogisch, aber überraschend sind. Außerdem hat Christie hier mit deutlich mehr Cliffhanger gearbeitet und das hat dem Buch doch Würze gegeben.

Meine Erwartungen konnte dieses Buch zwar nicht erfüllen, da ich mit einem typischen Poirot gerechnet habe, und dies hier nicht der Fall ist. Es hat dennoch Spaß gemacht, es zu lesen und war zudem spannend.

„Es ist ein Fehler, seinen Feind zu unterschätzen.“
– Hercule Poirot (74% Kindle Edition)

4Sterne

 


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Postern of Fate

Postern_of_FatePostern of Fate | Agatha Christie | HarperCollins | erschienen 1973
ISBN 9780062074348 | £13.99
Leseprobe (englisch)

Über Agatha Christie:
Agatha Christie wurde 1890 im britischen Torquay geboren und starb 1976 in Wallingford.  Sie ist weltweit als die Queen of Crime bekannt und wird in den Verkaufszahlen ihrer Bücher nur von der Bibel und Shakespeare übertrumpft. Insgesamt schrieb Christie mehr als 60 Kriminalromane; daneben sind aber auch einige Kurzgeschichten und Bühnenstücke entstanden. Ihre berühmtesten Figuren sind Hercule Poirot und Miss Marple.
Quelle: Wikipedia

Tuppence und Tommy Beresford kaufen ein Haus in einem kleinen Dorf und bekommen von den Vorbesitzern auch einige Bücher „vererbt“. Als Tuppence auf einige merkwürdige Markierungen in einem der Bücher stößt, ergibt sich daraus eine beunruhigende Nachricht: „Mary Jordan did not die naturally“. Zusammen mit ihrem Ehemann Tommy macht sie sich auf die Suche, was vor sechzig Jahren wirklich in ihrem Haus geschah.

Mit diesem Buch habe ich mich einmal von Monsieur Poirot und Miss Marple abgewandt und über ein Paar ganz anderer Ermittler von Agatha Christie gelesen. Denn das Tommy und Tuppence sich stark von den oben genannten unterscheiden, wird schnell klar.
Die beiden sind im Rentenalter und haben sich das Haus als Alterswohnsitz gekauft. Tuppence wurde in meinen Augen oft reichlich naiv dargestellt, während Tommy ein bisschen auf „Harte Schale, weicher Kern“ gemacht hat. Zunächst denkt er, dass seine Frau sich mit der Nachricht über Mary Jordans Tod in etwas hineinsteigert, aber er hilft ihr doch – einfach nur um sie glücklich zu machen. Dabei behandelt er sie manchmal wie ein Kind, indem er ihr ständig Anweisungen gibt, dass sie auf sich achten soll, dieses oder jenes nicht tun sollte und niemandem vertrauen soll. Dennoch(oder gerade deswegen) waren die zwei absolut liebenswert und Christie ist es mit diesen beiden wieder einmal gelungen, Charaktere auf sehr einprägsame Weise darzustellen.
Weniger gefallen hat mir in diesem Buch, dass die zwei Ermittler sich sehr oft in Andeutungen vergehen und ich nicht das Gefühl hatte, dass sie wirklich etwas Handfestes zutage fördern. Der Fall wird zwar am Ende aufgelöst, aber auf mich wirkte es, als ginge diese Lösung nicht wirklich von Tuppence und Tommy aus. Das hat mich gestört, da ich ganz andere Erwartungen hatte. Ich hatte auf einen weiteren Fall à la Poirot gesucht und diesen in diesem Buch leider nicht gefunden.
Die Idee an sich hat mir aber gut gefallen, ebenso wie die Tatsache, dass Tuppence ein Bücherwurm ist. Wie bei anderen Büchern von Christie auch, ist mir dieses nicht langweilig geworden und es hat Spaß, über Tuppence‘ teilweise merkwürdige Ermittlungsmethoden zu lesen. Zudem war es für mich unterhaltsam über das englische Landleben in den Siebzigern zu lesen, da ich das englische Landleben gerade in vollen Zügen erfahre.

Dieses Buch hat meine Erwartungen zwar nicht erfüllt, war aber dennoch eine angenehme und unterhaltsame Lektüre, die ich genossen habe.

Always underneath the smooth surface there was some black mud.
– Tuppence Beresford

4Sterne

Bones are forever

Bones_are_foreverBones are forever | Kathy Reichs | William Heinemann | erschienen 2012
ISBN 978-0-434-02113-0 | £7.99 (Paperback)/£18.14 (Hardcover)
Leseprobe (englisch)

Über Kathy Reichs:
Kathy Reichs, mit vollem Namen Kathleen Joan Reichs, wurde 1950 in Chicago geboren. Sie studierte unter anderem Archäologie und ist als forensische Anthropologin tätig. Neben ihrer Arbeit als Dozentin für das FBI und als Professorin an der University of North Carolina, hat sie auch geholfen, Opfer des Terroranschlags auf das World Trade Center 2001 und exhumierte Leichen aus Massengräbern in Ruanda und Guatemala im Auftrag der UN zu identifizieren.
1997 erschien ihr erster Roman Déjà Dead (dt.: Tote lügen nicht) mit der Hauptfigur Dr. Temperance Brennan, die forensische Anthropologin ist. Deren Fälle beruhen auf wahren Fällen, an denen Kathy Reichs beteiligt war. Mittlerweile sind weitere 17 Bücher mit Dr. Temperance Brennan erschienen. Seit 2005 gibt es zudem die Fernsehserie Bones; dafür wurden Teile der Romane übernommen, allerdings unterscheiden sich die Dr. Brennans aus Büchern und Film stark.
Kathy Reichs ist sein 1969 mit dem Untersuchungsrichter Paul Reichs verheiratet; sie haben drei Kinder.
Quelle: Wikipedia

In einem heruntergekommenem Apartment in der Nähe von Montreal wird die mumifizierte Leiche eines Säuglings gefunden. Dr. Temperance Brennan, forensische Anthropologin, wird hinzugezogen und es werden zwei weitere Babyleichen entdeckt. Auf der Suche nach der Mieterin des Apartments, einer Prostituierten, reisen Brennan und ihr Partner Andrew Ryan nach Edmonton und Yellowknife, eine Diamantminen-Stadt. Doch als es Brennan schließlich gelingt, die geistig zurückgebliebene Prostituierte aufzufinden, wird diese vor ihren Augen erschossen. Die örtliche Polizei macht dafür die Verwicklungen der Frau in die Drogenszene verantwortlich. Aber Brennan ist davon nicht überzeugt und stellt weitere Ermittlungen an – doch diese könnten sie das Leben kosten …

Nach meinem leicht exzessivem James Patterson-Genuss habe ich eine kleine Pause davon gebraucht und mich stattdessen Kathy Reichs zugewandt. Ich meine, dass ich von ihr schon einmal ein Buch gelesen habe, allerdings auf deutsch; auf jeden Fall bin ich ein großer Fan der Serie Bones und war daher echt gespannt, wie sich Dr. Brennan im Buch darstellt.
Von den Charakteren wurde ich nicht enttäuscht. Auch wenn sich die Personen aus der Serie und die Personen aus dem Buch nicht wirklich ähneln, sind sie doch sympathisch und es macht Spaß, über sie zu lesen. Besonders Brennan, die immer mal wieder damit zu kämpfen hat, dass sie „nur“ Wisschenschaftlerin ist und vor allem, dass sie ein Frau ist, ist mir schnell ans Herz gewachsen.
Auch der Fall an sich war gut gemacht. Er hat Nervenkitzel hervorgerufen und mir, besonders bei der Entdeckung der Babyleichen, Tränen in die Augen getrieben. Auch, warum es auf Jagd einmal quer durch Kanada geht, war nachvollziehbar und logisch geschrieben.
Weniger gut hat mir gefallen, dass oft ein Fachjargon verwendet wurde, dessen Bedeutung weder erklärt, noch aus dem Kontext ersichtlich wurde. Das hat mir das Lesen oft sehr erschwert und teilweise dazu geführt, dass ich keinen Spaß an dem Buch hatte und es mich nur gelangweilt hat.
Dies wurde aber reichlich in den Szenen kompensiert, in denen Brennans Partner Andrew Ryan auftaucht, da es sich dann wieder auf das Niveau von Normalsterblichen und Laien begibt.

Ich werde auch weiterhin noch das ein oder andere Buch von Kathy Reichs lesen – aber sicher nicht auf englisch. Bei Dr. Brennan halte ich mich dann doch lieber an meine Muttersprache!

How long does it take for a newborn to give up life?
– Dr. Temperance Brennan

4Sterne

12th of Never

12th_of_Never12th of Never | James Patterson | Century | erschienen 2013
ISBN 978-1-78-089029-6 | £4,- (Paperback)
Leseprobe (englisch)

Über James Patterson:
Patterson wurde 1949 geboren, studierte Englische Literatur und arbeitete als Werbetexter bei einer großen amerikanischen Werbeagentur. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, für seinen ersten Krimi Die Toten aber wissen gar nichts, einen Verlag zu finden, erschien das Buch 1976. Ab 1992 erschienen die erfolgreichen Alex-Cross-Krimis.
Mittlerweile zählt Patterson zu den internationalen Bestsellerautoren, mit über 100 Millionen verkauften Büchern, die in mehr als 40 Sprachen übersetzt wurden.
Mit seiner Frau und seinem Sohn lebt er in Palm Beach, Florida.
Quelle: Wikipedia

Kurz nach der Geburt ihrer Tochter kehrt Lindsay Boxer in ihren Job bei der Mordkommission von San Francisco zurück, denn es stehen einige wichtige Fälle an. So spaziert ein exzentrischer Professor ins Gebäude und behauptet, von einem Mord geträumt zu haben, der noch nicht geschehen ist. Kurz nachdem dieser tatsächlich geschieht, kehrt der Professor zurück – nach einem weiteren Traum. Zudem wird die Freundin eines angehenden Football-Superstars erschossen und ihre Leiche verschwindet aus der Gerichtsmedizin. Der persönlichste Fall scheint aber noch anzustehen: als ein Serienkiller aus dem Koma erwacht und nach Lindsay verlangt, bevor er die Orte verrät, wo er seine Opfer begraben hat.
Das alles gerät allerdings in den Hintergrund, als das Leben ihrer kleinen Tochter auf dem Spiel steht.

Dieses Buch ist mein drittes Buch von James Patterson und gleichzeitig auch mein drittes über den Women’s Murder Club (nach Der 1. Mord und 9th Judgement). Im Großen und Ganzen muss man sagen, dass mich Patterson auch bei diesem Buch nicht im Stich im gelassen hat: Interessante Fälle und noch interessantere Auflösungen sowie sympathische Charaktere (obwohl das nicht wirklich anders zu erwarten war, schließlich handelt es sich um eine Reihe).
Die Wendung, die dieses Buch genommen hat, hat mich sehr überrascht und mir daher gut gefallen.
Weniger gut gefallen hat mir dagegen, dass meiner Meinung nach das Buch für seine rund 400 Seiten ein bisschen zu überfüllt war. In diesem Buch liegt ein Großteil der Aufmerksamkeit auf Lindsays Privatleben, was auch gut ist. Schließlich ist die Geburt eines Kindes nichts, was man einfach abhaken kann und sich dann wieder dem Business as usual zuwendet. Also ist es nur natürlich, dem Privaten so viel Raum lassen. Allerdings hätte es mir besser gefallen, wenn der berufliche Teil dafür ein wenig runtergefahren worden wäre. In meinen Augen hätte man auch ohne den Fall um den Football-Spieler einen wirklich gelungenen Roman auf die Beine stellen können. Dass hätte nicht die Spannung genommen, aber ich als Leser hätte mich nicht von ständigen Themenwechseln und vor allem einer Fülle an Themen erschlagen gefühlt.
Außerdem verstehe ich bei diesem Band noch einmal viel weniger, warum das ein Thriller sein soll. Die Spannung in den Fällen wurde ein Stück weit dadurch genommen, dass ständig zwischen Lindsays Privatleben und den Fällen gewechselt wurde. Es gab einfach zu viele Unterbrechungen für einen anständigen Spannungsbogen.
Das soll nicht heißen, dass es kein guter Krimi ist; das sit es nämlich. Aber wer einen Thriller erwartet wird enttäuscht werden.
Zum Englischen bleibt auch bei diesem Buch zu sagen, dass ich keine Probleme hatte, es zu lesen. Unbekannte Wörter sind eher selten aufgetaucht und konnten aus dem Kontext erschlossen werden.

Für mich werden die Bücher der Reihe mittlerweile zur „Lektüre zwischendurch“, aber sie sind auf jeden Fall lesenswert – besonders wenn man gerne über starke Frauen liest.

„It’s always about life and death.“
– Yuki Castellano

4Sterne

Ein Surfer zum Verlieben

Ein_Surfer_zum_VerliebenEin Surfer zum Verlieben | Violet Truelove | Selbstverlag | erschienen 2014
ISBN 9781505386523 | 10.99€
Leseprobe

Über Violet Truelove:
Violte Truelove ist ein Pseudonym der Autorin Viola Plötz. Sie wurde 1979 geboren, studierte Kommunikationsdesign und wurde danach selbständige Hochzeitsfotografin und Designerin. 2014 erfüllte sie sich mit Ein Surfer zum Verlieben ihren Traum vom eigenen Roman, dem noch vier Bücher unter dem Pseudonym Violet Truelove folgten. Als Ava Innings schrieb sie zudem die Waves of Love-Reihe.
Sie lebt mit ihrem Mann und den beiden Kindern im Taunus.

Die Bestsellerautorin Lindsay Lovejoy hat sich gerade ihren Traum vom eigenen Haus auf Hawaii erfüllt – nach dem Erfolg ihres vierten Romans kann sie sich das auch leisten! In ihrer neuen Heimat läuft sie ausgerecht in Warden Palmer, attraktiver Surfstar und Lindsays Schwarm aus Jugendzeit. Dieser ist wenig amused, als er erfährt, dass er Vorbild für eine ihrer berühmten Romanfiguren ist (die sie auch noch Palmer Warden genannt hat – Zweifel an der Patenschaft gibt es also keine). Lindsays größtes Problem: Wie soll sie ihm die expliziten Sexszenen in ihrem Buch erklären? Und so wenig Palmer von eben diesen begeistert ist, muss er sich notgedrungen damit abgeben, insbesondere, da eine angebliche Affäre zwischen den beiden für gute Publicity sorgt. Genau die kann er gerade dringend brauchen, denn seine Freundin hat ihn verlassen und auch sein Hauptsponsor ist abgesprungen.

Über dieses Buch habe ich eine Rezension auf einem anderen Blog gelesen (und ich weiß einfach nicht mehr, wo :/ ) und das hat sich echt gut angehört. Ich finde auch die Idee toll: Ich hätte keine Ahnung, wie ich solche Sexszenen erklären sollte 😀
Und im Großen und Ganzen muss man sagen, dass ich keinen Fehlgriff gelandet habe. Die Charaktere sind glaubwürdig und sympathisch, wenn auch manchmal ein wenig rüpelhaft, und auch das ganze Drumherum hat mir gut gefallen. Ich stecke nicht in einem Autoren-Leben, aber ich hatte das Gefühl, dass die Arbeit, die hinter einem Roman-Projekt steckt, sehr wahrheitsgetreu wiedergegeben wurde. Man hat gemerkt, dass es wirklich viel Arbeit ist, vom Schreiben zu Leben, und eben nicht „nur so Geschreibsel nebenher“. Auch das Surf(er)-Vokabular wurde immer mal wieder eingebaut – mehr hätte es allerdings nicht sein dürfen, da es sonst für einen Laien wie mich eher genervt hätte.
Auch der Schreibstil der Autorin ist angenehm und in meinen Augen absolut angemessen. Nichts „hochliterarisches“, aber das hatte ich auch nicht erwartet und in diesem Fall auch nur als unpassend empfunden. Dennoch ist die Sprache auch nicht zu einfach, um mich zu nerven.
Es gab allerdings zwei Punkte, die mich beim Schreiben ein wenig gestört haben. Zum einen entwickelt sich die Beziehung zwischen Lindsay und Warden nach meinem Befinden ab einem gewissen Punkt zu schnell. Im einen Moment ist er noch wütend auf sie wegen des Romans, sie findet ihn viel zu unhöflich und rüpelhaft und im nächsten Moment flirten sie miteinander. Das ging mir ein wenig zu schnell.
Zum anderen fand ich es irritierend, dass mir die Geschichte von Lindsays Vergangenheit hingeklatscht wurde, ohne dass diese irgendeine Rolle für die Beziehung der beiden gespielt hätte. Meiner Meinung nach hätte man sie entweder mehr einbauen müssen, wenn man sie schon erwähnt, oder ganz rauslassen sollen.

Ansonsten hat dieses Buch aber genau erfüllt, was ich erwartet habe und war schön zu lesen. Eben diese „Nicht-Nachdenken“-Lektüre, die man manchmal braucht.

Eine Veränderung kam von einem selbst, sie kam von innen heraus – ebenso wie Glück.
– Lindsay Lovejoy

4Sterne