Rezension – Ziemlich beste Mütter

Als Marie erfährt, dass der Vater ihres Sohnes Florian heiraten wird, beschließt sie, dass es Zeit für einen Tapetenwechsel wird. Daher zieht sie samt Kind und Kegel von Berlin nach München. Dort steht Florians Einschulung vor der Tür – und der erste Elternabend entwickelt sich zu einer Katastrophe. Überall um sie herum Super-Mütter, die sich jetzt schon Gedanken um die Zukunft ihrer Kinder machen. Gut, dass sie da Olivia, Katrin und Alexa trifft: mit bissigem Humor und ganz viel Imperfektionismus stellen sich die vier den ehrgeizigen Helikoptermüttern gegenüber und schaffen es nebenbei noch, ihre Kinder trotz Zucker und Smartphone zu erziehen. Und vielleicht findet Marie in Berlin ja doch eine neue Liebe?
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Vielen Dank an den Aufbau Verlag und NetGalley.de für dieses Rezensionsexemplar!

Sie hatte nicht einmal geahnt, was für eine Bürde das ist, Kind zu sein. Und welche heroischen Herausforderungen an eine Mutter gestellt würden.
– Marie, Pos. 130 Kindle Edition

Bei diesem Buch war für mich die Überlegung, welchem Genre es zuzuordnen ist, am Zeitintensivsten.
Ja, es hat Humor, bissigen, aber das ist nicht Sinn und Zweck des Buches.
Auch ein Liebesroman ist es nicht. Die Liebe in ihren unterschiedlichen Formen spielt zwar eine Rolle, aber viel wichtiger ist die Freundschaft zwischen den vier Frauen. Die Hilfsbereitschaft untereinander und gegenüber Dritten. Das miteinander Lachen, aber auch das Durchstehen schwerer Stunden.
Schlussendlich wurde es dann das Label „Gegenwartsliteratur“. Die dargestellten Familiensituationen und Probleme geben in meinen Augen wieder, was in unserer Gesellschaft heute möglich ist, aber auch, welche Probleme sich daraus ergeben.

Eines der schönsten Dinge an diesem Buch ist meines Erachtens die Unvollkommenheit, die von allen Seiten an den Tag gelegt wird. Sei es nun in Sachen Liebe, bei der Kindererziehung oder beim ganz normalen Wahnsinn. Die vier Freundinnen machen Fehler und lernen (gemeinsam), damit umzugehen. Auch die anderen Protagonisten sind nicht von Perfektionismus geprägt. Mir fiel es dadurch sehr leicht, mich mit ihnen zu identifizieren. Insbesondere die vier Mütter hatte ich schon nach kurzer Zeit ins Herz geschlossen und lachte mit ihnen mit.

Hinzu kommt, dass Hanna Simon einen sehr angenehmen, leichten Schreibstil hat, der genau zum Buch passt. Ich bin förmlich durch die Seiten geflogen und habe mich an der Geschichte erfreut. Sie arbeitet teilweise durchaus mit Klischees, gerade bei den Helikoptermüttern. Aber sie treibt es nicht zu weit und hat differenzierte Hauptpersonen geschaffen. Sie treffen irrationale Entscheidungen, wissen manchmal nicht so recht, wohin mit sich und sind hin- und hergerissen zwischen widersprüchlichen Gefühlen. All das lässt die Personen sehr real wirken.

Als Mutter kann man alles tun, was man will. Man kann noch mehr Kinder bekommen, keines mehr bekommen, heiraten, sich scheiden lassen, Affären haben, Karriere machen, arbeitslos werden, Tiere halten, Gutes tun, schlecht sein, sich toll anziehen oder das mit der Körperpflege ganz einstellen.
Nur eines kann eine Mutter nicht: ausschlafen.
– Marie, Pos. 2352 Kindle Edition

Zuckersüß außerdem die Bagage Kinder im Buch. Florian, Maries Sohn, ist ein kleines Goldstück. Eine liebenswerte Mischung aus der Egozentrik, die Kinder nun einmal haben, und einem Einfühlungsvermögen, das man Kindern oft nicht zutraut. Liebenswert auch die Art, wie Kinder Freundschaften mit allen schließen können – egal wie alt, woher, welches Geschlecht oder wer die Eltern sind. Nur das Benehmen spielt eine Rolle. Und sollten wir uns in diesem Punkt nicht eigentlich alle ein Beispiel an Kindern nehmen?

Ich bin wirklich froh, dass ich dieses Buch gelesen habe! Es ist lustig, spannend, traurig und noch so viel mehr. Es ist eine Liebeserklärung an Freundschaften, die Höhen und Tiefen überstehen, und an die Menschen mit all ihren Fehlern. Vor allem zeigt es, dass Mütter nicht perfekt sein müssen, um gute Mütter zu sein. Und ganz nebenbei ist es super zu lesen.

„Natürlich ist sie verrückt. Sie liest zu viele Bücher.“
– Olivia, Pos. 4460 Kindle-Edition

Über Hanna Simon:
Simon wurde 1970 geboren und arbeitete lange Zeit als Projektleiterin.
Mittlerweile lebt sie mit ihrem Mann und den beiden gemeinsamen Söhnen bei Frankfurt am Main.
Quelle: Aufbau Verlag

Weitere Meinung zum Buch:

  • Mein Bücherchaos (2 Punkte; „Ich bin nicht in die Geschichte reingekommen und auch mit der Protagonistin wurde ich nicht warm.“)

Bildquelle Cover: Aufbau Verlag
Bildquelle Freundinnen: Christian Kolbow

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