Rezension – Madame Piaf und das Lied der Liebe

Nachdem die deutschen Besatzer aus Paris abgezogen sind, wird die Sängerin Édith Piaf der Kollaboration angeklagt. Während sie versucht, die Anschuldigungen zu entkräften, verliebt sie sich in den aufstrebenden Sänger Yves Montand. Um sich von einem drohenden Auftrittsverbot abzulenken, beginnt sie, mit ihm zu arbeiten und bald wird aus den beiden ein Liebespaar. Die Beziehung inspiriert Édith Piaf zu einem ihrer berühmtesten Lieder: La vie en rose.

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Denn Liebe ist stärker als Hass

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Quelle: Amazon

Denn Liebe ist stärker als Hass | Shlomo Graber | Riverfield | erschienen 2015
ISBN 978-3-9524463-0-0 | 29.90€
Leseprobe

Über Shlomo Graber:
Graber wurde 1926 in der Tschechoslowakei geboren. 1931 siedelte die Familie nach Ungarn über, im Mai 1944 wurden sie nach Auschwitz deportiert. Nach Aufenthalten in zwei weiteren KZs und einem Todesmarsch, den er überlebte, wurde Shlomo Graber am 8. Mai 1945 im KZ Görlitz befreit. Außer dem Vater wurden alle Familienangehörigen ermordet.
Drei Jahre später wanderte er nach Israel aus, bevor er 1989 nach Basel übersiedelte. Dort arbeitet er als Kunstmaler.
Quelle: Grabers Website

In seiner Autobiographie erzählt Shlomo Graber wie er drei Konzentrationslager und einen Todesmarsch überlebt und wie er schließlich die Befreiung erlebt. Er berichtet auch von seinem Werdegang nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg und davon, wie er trotz des Holocausts und des Verlusts seiner Familie, seinen Lebensmut bewahrt.

In diesem Buch schafft Graber es, eine Balance zwischen seiner eigenen Geschichte und dem Weltgeschehen zu halten. Besonders zu Beginn ergänzt sich dieses wunderbar. So erfährt man, wie einzelne Entscheidungen der Nazis letztendlich zur Deportation der Familie führen. Gleichzeitig erfährt man, wie Grabers Jugendjahre ablaufen.
Da das Buch wie ein Roman geschrieben ist und zudem viel mithilfe von Anekdoten erzählt wird, bereitet es keinerlei Schwierigkeiten, das Buch zu lesen – ich habe es verschlungen. Dennoch wird der Geschichte dadurch nicht ihre Wichtigkeit und Tragik abgesprochen. Und sie zeigt auch wieder, dass man die KZs nur durch reinen Zufall überleben konnte – wenn Wächter doch einmal ein Auge zudrücken oder man durch Glück an etwas zu Essen kommt.
Inmitten dieser Hölle bewahrte sich Graber eine unglaublich positive Haltung und einen Lebensmut, der mich oft überrascht hat. Zwar hadert er, verständlicherweise, mit der Tatsache, dass seine Familie ermordet wurde und dass sich seine Heimat innerhalb eines Jahres drastisch verändert hat. Auch sein erster Besuch in Deutschland nach einigen Jahren bereitet ihm Probleme. Aber insgesamt hat er eine sehr positive Einstellung und betont immer wieder, dass er den Deutschen gegenüber keinen Hass hegt.
Wir scheinen manchmal zu vergessen, dass wir nicht für die Taten unserer (Ur-)Großväter-Generation verantwortlich sind. Ich will damit auf keinen Fall sagen, dass wir vergessen sollten, was die Nationalsozialisten verbrochen haben. Aber ich finde es schon auffällig, dass hier in Großbritannien europäische Geschichte – insbesondere auf Deutschland bezogen – quasi mit dem Zweiten Weltkrieg endet. Besonders ausgeprägt ist das in den Buchhandlungen: Viele, viele Bücher zum Dritten Reich, vereinzelt dann noch zum Mauerfall, aber das war’s! Und auch wenn wir uns gerade politisch mal wieder nicht mit Ruhm bekleckern (Stichwort Landtagswahlen), ist es in meinen Augen falsch, uns auf diesen enormen Riesenfehler aus unserer Vergangenheit zu reduzieren – letztendlich sind wir auch das Land der Dichter und Denker!
Insofern hat mir die Haltung Grabers also sehr gut gefallen. Auch in vielen anderen Punkten, die er anspricht, sei es politisch oder persönlich, konnte ich mit ihm übereinstimmen. Dadurch zählt dieses Buch aber auch zu einem der am wenigsten kontroversen Erinnerungen an den Holocaust, das ich bisher gelesen habe. Bei der Judenverfolgung gab es zwar offenbar keine Perversion, die nicht möglich war, aber in vielen anderen Büchern fällt es dennoch schwer, gewisse Entscheidungen und Gefühlslagen nachzuvollziehen. Wie sollte dies auch möglich sein? Letztendlich, denke ich, kann nur ein KZ-Überlebender einen KZ-Überlebenden wirklich verstehen. Aber bei Shlomo Grabers Autobiographie fiel mir das erstaunlich leicht – fast schade, denn so hat es mich um einiges weniger zum Nachdenken angeregt.
Besonders in Erinnerung bleiben wird mir, dass er Hitler den „kleinen Mann mit dem kleinen Schnauzer“ nennt. Dadurch nimmt er ihm den Schrecken und macht ihn ein wenig lächerlich.

5Sterne

The Winter Crown

The_Winter_CrownThe Winter Crown | Elizabeth Chadwick | Sphere | erschienen 2014
ISBN 978-0-7515-4825-9 | £7.99
Leseprobe (englisch)

Über Elizabeth Chadwick:
Chadwick wurde 1957 in Lancashire geboren. Mit 15 schrieb sie ihren ersten historischen Roman und wollte fortan Autorin historischer Romane werden. 1990 zeigte schließlich die Penguin publishing group Interesse an ihren Büchern und im gleichen Jahr wurde ihr erstes Buch The Wild Hunt veröffentlicht. Nur vier Jahre später wurde ein weiteres Buch, First Knight, verfilmt. Mittlerweile gilt sie als die bekannteste Autorin von historischen Romanen in Großbritannien; ihre Werke wurden in 16 SPrachen übersetzt.
Sie ist verheiratet und hat mehrere Kinder.
Quelle: Wikipedia, ihr Blog

England 1154: Eleonore von Aquitanien wird zur Queen gekrönt – schwanger mit dem zweiten Kind von Henry II., ihrem Ehemann und König von England. Dieser hat eine klare Vorstellung davon, wie ihr Leben ablaufen wird: während er gegen Englands Feinde ins Feld zieht und auch Eleonores Besitz Aquitanien verteidigt, soll sie die gemeinsamen Kinder aufziehen. Doch Eleonore kämpft für mehr, sie will über ihr Leben entscheiden.
Die Romanbiographie erzählt von Eleonores Leben in den Jahren 1154 bis 1174; von den acht gemeinsamen Kindern der beiden, wie die Wertschätzung Eleonores gegenüber ihrem Ehemann langsam in Verachtung umschlägt und wie sie für sich und ihre Kinder kämpft.

Dieses Buch ist der zweiter Teil einer Trilogie um Eleonore von Aquitanien (ich verwende die deutsche Schreibweise; Chadwick hat sie im Buch Alienor geschrieben und auf dem Cover könnt ihr eine weitere Schreibweise sehen), die als eine der mächtigsten Frauen des Mittelalters gilt. Dass es der zweite Teil ist, habe ich erst nach einiger Zeit gemerkt (und auch nur, weil ich das Buch gegoogelt habe) und es ändert nichts daran, dass das Buch gut zu lesen ist. Man muss den ersten Teil nicht gelesen haben, um das Geschehen zu verstehen.
Eleonore von Aquitanien wird als eine Frau dargestellt, die ganz Teil ihrer Zeit ist und derselben manchmal doch ein wenig voraus, was beispielsweise ihre Ansichten über die Stellung der Frau angeht. So sieht sie durchaus ein, dass die Männer das stärkere Geschlecht sind und es ist für sie selbstverständlich, dass ihr Mann Mätressen hat. Aber vor allem gegenüber ihrem Ehemann besteht sie sehr darauf nicht einfach nur ein, salopp gesagt, Brutkasten zu sein. Sie ist Königin von England, sie ist sich ihrer Macht bewusst und will besonders über Aquitanien, ihre Heimat, selbst entscheiden.
Auch wenn viele ihrer Gemütsregungen aus heutiger Zeit wenig nachvollziehbar sind (beispielsweise wenn sie sich die Schuld am Tod ihres ersten Sohns im Alter von drei Jahren gibt), so fühlt man doch mit ihr mit. Ich habe sie teilweise wirklich darum bemitleidet, dass sie in dieser männerdominierten Welt leben musste, aber sie behauptete sich immer wieder auch gegenüber ihrem Ehemann und man muss natürlich sehen, dass sie als Königin doch mehr Mitsprache und vor allem ein angenehmeres Leben hatte, als eine einfache Bäuerin der Zeit.
Chadwick ist es in meinen Augen gut gelungen, die Konflikte in Eleonores Leben gut darzustellen, zu zeigen, wie sehr Eleonore manchmal zwischen ihren Pflichten als Königin und ihren Pflichten als Mutter hin- und hergerissen war. Es wurde auch gezeigt, dass Eleonore oft abwägt, welche Kämpfe sie ausficht und wann sich ein Kampf nicht lohnt, dass sie aber manchmal auch einfach von ihren Gefühlen mitgerissen wurde, besonders wenn es um ihre Kinder geht.
Henry wird als ein nahezu kontrollsüchtiger Mann, besonders was die Regierungsgeschäfte angeht, dargestellt und zusammen mit Eleonores Ansichten über ihren Mann wandeln sich auch die des Lesers. Obwohl ich ihm gegen Ende seines Lebens (wenn man Wikipedia glauben darf), nicht mehr hätte begegnen wollen, fand ich das Buch teilweise sehr einseitig. Oft wurde auch anderen Mitgliedern von Eleonores Hof ein Stimme gegeben, bei Henry wäre es mir nicht aufgefallen, dass er einmal zu Wort kommt. Auch wenn viele seiner Handlungen sicherlich zweifelhaft waren, fand ich das Bild, das von Eleonore gezeichnet wurde, zu verklärt. Natürlich bin ich keine Historikerin, aber auch viele ihrer Handlungen waren eher zweifelhaft – dennoch lässt Chadwick erst gegen Ende Kritik an Eleonore von Zeitzeugen in Form von anderen Blickwinkeln aufkommen.
Zur Sprache sei zu sagen, dass es das ein oder andere Wort gibt, das mir unbekannt war – insbesondere zeittypische Wörter, die heute nicht mehr in Gebrauch sind. Allerdings kann man diese entweder aus dem Kontext erschließen oder sie tauchen so selten auf, dass es nicht wirklich nötig ist, sie zu kennen.

Ich fand es sehr faszinierend, über eine Frau und eine Epoche zu lesen, über die ich so gut wie nicht wusste. In naher Zukunft will ich auch noch die beiden anderen Teile lesen, denn dieses Buch hat mein Interesse am Leben dieser außergewöhnlichen Frau geweckt.

„This is not about God. It is about men’s desires and stubborn will to have the last word.“
– Eleonore von Aquitanien

5Sterne