Rezension – Der englische Botaniker

Kurz nach dem Ersten Opiumkrieg wird der Botaniker Robert Fortune von der britischen Horticultural Society nach China entsendet, um dort mehr über die chinesische Pflanzenwelt und insbesondere Tee herauszufinden.
Während er Ehefrau und zwei kleine Kinder in Großbritannien zurücklässt, lernt er in China die kampferprobte Rebellin Lian kennen. Plötzlich ist die ohnehin gefährliche China-Expedition um einiges komplizierter, als sie zunächst schien. Und er steht, in botanischer und persönlicher Sicht, vor den schwierigsten Entscheidungen seines Lebens. Weiterlesen „Rezension – Der englische Botaniker“

Rezension – Agatha Raisin and the Quiche of Death

Quelle: Little, Brown Book
Quelle: Little, Brown Book

Agatha Raisin and the Quiche of Death | M. C. Beaton | Constable Books | erstmals erschienen 1992, diese Ausgabe 2014
Taschenbuch: ISBN 978-1-4721-2067-0 | 7.99£

Agatha Raisin, Chefin einer PR-Agentur in London, beschließt, sich einen frühen Ruhestand zu gönnen und auf das Land zu ziehen – ein Kindheitstraum von ihr. Um dort Anschluss zu finden, nimmt sie an einem Quiche-Wettbewerb teil. Da sie jedoch nicht backen kann, kauft sie eine Spinat-Quiche. Nicht nur, dass der Juror ihrer perfekten – wenn auch gekauften – Quiche nicht den ersten Platz einräumt: am Abend stirbt er an eben jener! Agatha Raisin steht nicht nur als Lügnerin da, sondern gerät auch ins Visier der Ermittler. Um ihren Namen reinzuwaschen, muss sie herausfinden, wer den Mann wirklich auf dem Gewissen hat.

Während meines England-Aufenthalts habe ich hin und wieder den Trailer für die Agatha Raisin-Serie gesehen und dachte schon da, dass mich die Geschichten um diese eigenwillige Frau interessieren könnten.
Als mich Mimi von Mimis Leseecke also darüber informiert hat, dass ich mir ein Wunschbuch aussuchen darf, ist meine Wahl nach kurzem Überlegen auf dieses gefallen (überlegen musste ich trotzdem – es gibt so viele tolle Bücher, die ich lesen möchte).
Enttäuscht wurde ich definitiv nicht. M.C. Beaton braucht nicht lange, um voll ins Geschehen zu starten und besonders zu Beginn geht es auch Schlag auf Schlag: Agathas Umzug auf’s Land, ihr Entschluss an dem Wettbewerb teilzunehmen und der Tod des Jurors, Cummings-Browne. Teilweise gab es dann doch Strecken im Buch, wenn Agatha mit sich hadert, ob sie dessen Tod genauer unter die Lupe nehmen oder doch lieber auf die Polizei hören soll, die seinen Tod als Unfall abtut.
Es gab, neben der Geschichte selber, einige Dinge, die mir richtig gut an diesem Buch gefallen haben. Dazu zählt eindeutig Agatha Raisin. Es fällt ihr schwer, den Konventionen zu entsprechen, eigentlich ist an ihr fast gar nichts konventionell. Dadurch macht sie es den Menschen außerordentlich schwer, sie zu mögen. Agatha ist sehr oft sehr schnippisch und wenn ihr etwas gegen den Strich geht, dann zeigt sie dies auch deutlich. Andererseits sehnt sie sich danach, von den Menschen im Dorf gemocht zu werden, die anhaltende Einsamkeit während der ersten Zeit macht ihr zu schaffen. In dieser Hinsicht ist der Todesfall im Dorf ein wahrer Glücksfall für sie, denn so kommt sie mit den Leuten ins Gespräch. Die Einsamkeit und wie sie beschrieben wird, haben dafür gesorgt, dass sie mir sympathisch wurde. Es passiert nicht oft, dass ich so heftig zwischen Sympathie und Abneigung gegenüber einem Protagonisten schwanke, was dieses Buch für mich von der Masse abhebt.

A faint idea was stirring somewhere in her brain that Agatha Raisin was not a very lovable person.
– S. 29

Daneben ist Agatha Raisin witzig. Sie hat eine bissige Art von Humor, typisch britisch, der mir richtig gut gefallen hat. Zudem machen sie ihre missmutigen und teils missgünstigen Gedanken sie nicht nur zu einer richtigen Persönlichkeit, sondern auch zu einer echten Person, mit der man sich identifizieren kann. Ich denke, es gibt niemanden, der immer gut gelaunt ist, immer ehrlich, ohne Probleme und Menschen nur das beste wünscht. Ich kann mich eindeutig besser mit Menschen identifizieren, wenn sie Macken und Fehler haben, schlecht gelaunt sind, sich über ihr Aussehen sorgen und andere Menschen ohne guten Grund nicht leiden können – denn dann sind sie wie ich. Und vielleicht ist das bei Agatha Raisin manchmal überspitzt dargestellt, vielleicht aber auch nicht. Wenn ich ganz ehrlich bin, ähnele ich ihr vielleicht öfter als mir lieb ist – zumindest was meine Gedanken angeht, sicher nicht in ihren Taten. Denn sie ist tough: viele Dinge, die sie macht und sagt, würde ich mir nie trauen und sie lässt sich auch nicht unterkriegen.
Auch in einem anderen Punkt hat mir die Figur Agatha gut gefallen: sie zeigt, entgegen der typischen Darstellungen, dass Frauen nicht verheiratet sein müssen oder Kinder haben müssen und durchaus in der Lage sind, für sich selber zu sorgen.
Eine andere Sache, die dieses Buch für mich zu einer schönen Lektüre gemacht hat, ist die Umgebung, in der es spielt. Carsley, Agatha Raisins neue Heimat, ist kein reales Dorf, aber Moreton-in-Marsh, die nächste größere Stadt, gibt es. Und es liegt in den Cotswolds, der Region, wo ich einen großen Teil meines AuPair-Jahres verbracht habe. Immer mal wieder werden Orte erwähnt oder besucht, die ich kenne und teils ebenfalls schon besucht habe. Dazu zählen beispielsweise Cheltenham, Gloucester ebenso wie London und ein paar seiner Sehenswürdigkeiten. Jedes Mal habe ich praktisch gejauchzt vor Freude, wenn ein Ort vorkam, den ich kannte – und Herzweh bekommen.

Beaton ist es gelungen, das ländliche England wieder vor meinen Augen erstehen zu lassen, inklusiver der Einwohner, die man in all ihren Ausprägungen in Corsley finden kann. Es ist ein tolles Cosy Crime und ich habe es sehr gerne gelesen.

Really, thought Agatha crossly, under the exterior of every effeminate man beats the heart of a real chauvinist pig.
– S. 170

5SterneÜber M. C. Beaton:
Beaton ist eines der Pseudonyme von Marion Chesney. Sie wurde 1936 in Glasgow geboren und arbeitete dort in einem Buchladen, bevor sie über mehrere Stationen zur Daily Express als Chefreporterin des Frauenressorts kam. Nach der Geburt ihres Sohnes und einem Umzug in die USA begann sie historische Romane zu schreiben.
Sie lebt in den Cotswold, wo die Krimis um Agatha Raisin spielen.
Quelle: Wikipedia

Weitere Meinungen zum Buch:

Großbritannien

Alright everybody?

Dieser Beitrag hat nur so halb etwas mit Büchern zu tun, aber ich wollte es unbedingt mal loswerden.

Der ein oder andere hat vielleicht mitbekommen, dass ich seit fast einem Jahr in Großbritannien als AuPair tätig bin. Und obwohl ich Gasteltern habe, die sich schon recht früh für einen Brexit ausgesprochen haben (ja, wir sind wieder bei dem leidigen Thema 😉 ), auch ihre Freunde sehr dafür waren und sind (bester Spruch in dem Zusammenhang: „Es sollten drei Dinge passieren: Großbritannien verlässt die EU, Boris Johnson wird britischer Premierminister und Trumpf amerikanischer Präsident“, O-Ton ein Freund meiner Gasteltern – ich sag da nur: „Kopfschuss“) und ich mich gerade bei solchen Sprüchen oft frage, in welch rassistischer und minderbemittelter Gruppe ich hier gelandet bin, hat mich das Ergebnis doch geschockt. Wenn man dann noch mitbekommt, welche Statements sich seitdem angehäuft haben, ob nun von UKIP-Leader Farage oder Wählern, die wohl wirklich erst nach dem Referendum gegooglet haben, um was es eigentlich geht, zweifele ich doch an diesem Land, mit dem mich spätestens seit dem Referendum eine Hassliebe verbindet – obwohl die Liebe bei mir überwiegt.

Die Sache ist nämlich die: ich liebe sehr viele Dinge an diesem Land. Ich liebe beispielsweise wunderschöne Landschaften, wunderbare Burgen, leckeren Tee, schöne (und kostenlose!) Museen, tolle Buchläden (hier haben sogar die großen Buchketten etwas richtig heimeliges) und teilweise sogar das Essen. Ich liebe auch den britischen Humor, habe einen neuen Lieblingscomedian für mich entdeckt, ebenso wie Terry Pratchett, viele nette Menschen kennengelernt und Erfahrungen gemacht, die ich um nichts in der Welt missen möchte. Ich bin in diesem Land über mich hinausgewachsen und werde Selbstständigkeit immer auch ein Stück weit mit Großbritannien verbinden. Außerdem kommen Autoren wie J. K. Rowling, Arthur Conan Doyle oder Agatha Christie und Musiker wie Adele oder Ellie Golding von hier. Es gibt also genügend Gründe, dieses Land zu lieben.

Aber ich habe auch ein ganz großes Problem mit Großbritannien, oder eher: den Briten – wobei die Engländer da echt die schlimmsten sind. Mein Problem sind die unglaubliche Arroganz und Selbstgefälligkeit der Briten. Meiner Meinung nach hat man die vor allem wieder in den Argumenten bemerkt, mit denen hier für den Brexit Werbung gemacht wurde – und mit denen auch meine Gastfamilie und deren Umkreis um sich geschmissen haben (obwohl ich deutlich machen möchte, dass diese ganz bestimmt nicht zur Elite des Landes gehören, weder finanziell noch wenn es um Intelligenz geht). Und obwohl mich dies nicht erst seit heute stört, gibt es doch einen Trigger für diesen Blogbeitrag: ein Buch.

Seit ein paar Tagen lese ich A Short History of England. Auf Twitter habe ich dazu schon einmal ein kleines Statement gepostet:

Mittlerweile habe ich weitergelesen und bin beim Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gelandet. Als der Autor, Simon Jenkins, die Hintergründe beschreibt und wie es dazu kam, gibt er auch diesen Satz von sich: „America was far better treated than Ireland.“ (S. 180). Vorher heißt es noch: „The protested Stamp Acts were imposed throughout the empire, as were other trade restrictions, while the colonists enjoyed their own assemblies and were for the most part autonomous“ (S. 180). Bin ich die Einzige, der da gewisse Parallelen auffallen?
Großbritannien genießt im Vergleich zu anderen EU-Staaten einige Vorteile, dennoch wollen die Briten diese verlassen – und nicht beispielsweise Frankreich oder Italien, die den „Briten-Rabatt“ zum größten Teil ausgleichen müssen. Hätten diese nicht viel mehr Grund, sich über ihre Mitgliedschaft in der EU aufzuregen? (Wen es interessiert: diesen SPIEGEL-Artikel zum Thema Ausgaben des UK für die EU finde ich sehr gut.)

Jetzt geht es mir hier nicht darum, mich über den Brexit aufzuregen. Er macht in meinen Augen nur etwas deutlich, das ich regelmäßig in Büchern von Briten über ihre eigene Geschichte merke: sie scheinen noch nicht wirklich darüber hinweggekommen zu sein, kein Empire mehr zu haben und nicht die gleiche Stellung als Weltmacht wie vor noch hundert Jahren innezuhaben.
Wo Simon Jenkins sich in dem Bücher sich darüber aufgeregt, dass Amerika es sich herausnimmt, sich vom Mutterland abzuspalten, machen die Briten nun das gleiche in der EU – obwohl man stark davon ausgehen darf, dass es hier eher nicht zu einem Krieg kommt und man auch erst sehen muss, wie das UK außerhalb der EU zurecht kommt.
Es ist ein Thema, das regelmäßig in historischen Büchern aufkommt, die von einem britischen Autor geschrieben wurde: diese (zumindest meistens) unterschwellige Verachtung gegenüber anderen Ländern. In gewisser Form bekomme ich das bei meiner Gastfamilie (ihr wisst schon: nicht besonders intelligent usw.) regelmäßig zu spüren. Sei es nun, dass man sich über meinen Akzent lustig macht, obwohl man es nicht einmal schafft, einen kompletten Satz in auch nur EINER Fremdsprache von sich zu geben (ich komme immerhin auf zwei Fremdsprachen), oder dass regelmäßig klar gestellt wird, dass Menschen in Kenia komplett eins an der Waffel haben, Beschneidung sowieso das Letzte ist was die Welt braucht und ein u in biscuit einzubauen auch zum wegschmeißen ist: mich nervt das mittlerweile nur noch. Ich bekomme oft das Gefühl, dass viele Briten dazu tendieren, rassistisch zu sein, wenn auch oft nur unterschwellig. Sie halten sich immer für etwas besseres und zeigen mir damit doch nur, dass sie die Vergangenheit nicht so wirklich ruhen lassen können.

Apropos Vergangenheit: darin, sich mit ihrer Vergangenheit zu rühmen, kommen den Briten wohl nur die Amerikaner gleich. Vielleicht stößt mich das so ab, weil ich aus einem Land komme, in dem zumindest die letzten hundert Jahre nicht unbedingt etwas sind, auf das man stolz sein kann und, wenn es um das Dritte Reich geht, auch auf keinen Fall stolz sein sollte. Die Briten scheinen einfach gerne zu vergessen, dass ihre Geschichte auch sehr unrühmliche Seiten bietet, Stichwort Sklavenhandel oder Imperialismus, und suhlen sich stattdessen im Glanz ihres vergangenen Empires und eines Churchills, der sich gegen die Nazis gestellt hat. Nicht falsch verstehen: ich finde Churchill toll und lese mit Freude Texte und Bücher sowohl über ihn als auch von ihm.

Aber dass Großbritannien sich weigert, auch auf die weniger schönen Seiten ihres Empires zu schauen und sich besonders in historischen Büchern gerne als allen anderen überlegen darstellen, stößt mir regelmäßig auf. Dieses Buch hat quasi nur das Fass zum Überlaufen gebracht und ich musste mir das mal von der Seele schreiben.

Um mit einem Zitat aus dem Buch zu enden:

England’s history […] must be the most consistently eventful of any nation on earth.
– Simon Jenkins, A Short History of England, S. 7

Ähm … ich bin mir da ja nicht so ganz sicher!

Liebe Grüße
Celina xx (der jetzt schon weniger Dampf aus den Ohren kommt)

Hatchards

Guten Abend!

Der ein oder andere hat bestimmt schon mitbekommen, dass ich im Augenblick das Glück habe, in England leben zu dürfen (im Rahmen eines Au Pair-Jahres).
Diese Woche stand für mich ein ganz besonderer Besuch auf dem Plan, auf den ich mich schon seit einigen Monaten freue: ein Besuch bei Hatchards!

Nun kann man sich fragen: Was zur Hölle ist denn Hatchards?
Diese Frage lässt sich ganz einfach beantworten: Hatchards ist die älteste Buchhandlung Londons. Dort werden seit 1797 Bücher verkauft. Das sind ganz genau 200 Jahre mehr, als ich auf dieser Erde weile!

Die Buchhandlung liegt am Piccadilly Circus und obwohl der immer recht übervölkert ist, verirren sich nicht besonders viele in eine Buchhandlung. Dort war es also ruhig und nicht besonders voll.

Besonders gefallen hat mir im übrigen eine Wand voll mit Büchern von und über Sir Winston Churchill. Man mag mich einen Freak nennen, aber ich bewundere diesen Mann.
Natürlich hat Hatchards all die modernen Bücher, die man in anderen Buchhandlungen auch bekommt, aber daneben werden auch Second Hand-Bücher verkauft (zumindest sahen einige Bücher gebraucht aus), die nicht besonders modern sind.

Mittlerweile wurde ein zweiter Hatchards-Shop in St Pancras International eröffnet, ich bin aber fest entschlossen, nochmal den am Piccadilly Circus zu besuchen!

Liebe Grüße aus England,
Celina xx