Cover des Buches und grundsätzliche Informationen

Rezension – Der englische Botaniker

Kurz nach dem Ersten Opiumkrieg wird der Botaniker Robert Fortune von der britischen Horticultural Society nach China entsendet, um dort mehr über die chinesische Pflanzenwelt und insbesondere Tee herauszufinden.
Während er Ehefrau und zwei kleine Kinder in Großbritannien zurücklässt, lernt er in China die kampferprobte Rebellin Lian kennen. Plötzlich ist die ohnehin gefährliche China-Expedition um einiges komplizierter, als sie zunächst schien. Und er steht, in botanischer und persönlicher Sicht, vor den schwierigsten Entscheidungen seines Lebens. „Rezension – Der englische Botaniker“ weiterlesen

Rezension – The Miniaturist

Quelle: Picador
Quelle: Picador

The Miniaturist | Jessie Burton | Picador | erschienen 2014
Taschenbuch: ISBN 978-1-44-2-8466-6 | £8.99
Leseprobe
deutsche Ausgabe: Die Magie der kleinen Dinge | Limes | Übersetzerin: Karin Dufner

Amsterdam im Herbst 1686: Die 18-jährige Petronella wurde gerade mit dem mehr als zwanzig Jahre älteren Kaufmann Johannes Brandt verheiratet und erwartet auch genau diesen zu sehen, als sie an die Tür ihres neuen Heims klopft. Stattdessen öffnet dessen scharfzüngige und unfreundliche Schwester die Tür. Überhaupt schlägt ihr von Seiten des Haushalts Abneigung und Kälte entgegen. Da bekommt sie von ihrem Mann ein Hochzeitsgeschenk, das eine perfekte Nachbildung ihres neuen Zuhauses ist. Und es scheint die Geheimnisse der Familie Brandt besser zu kennen als die Familie selbst. Doch werden diese die Familie zerstören oder stärker machen? Und wie hängt das alles mit der Macherin der winzigen Puppen zusammen, die bald das Puppenhaus bevölkern?

There is a story here and it seems like Nella’s, but it isn’t hers to tell.
– S. 245

Mit diesem Buch habe ich lange geliebäugelt: mir hat das Cover schon richtig gut gefallen, als ich es in England das erste Mal gesehen habe, auch der Klappentext hat mir zugesagt und letztendlich konnte ich ihm nicht widerstehen, als es mir hier erneut in der Buchhandlung über den Weg gelaufen ist. Nach dem Lesen verstehe ich nicht, warum ich es nicht schon früher mitgenommen habe, denn dieses Buch ist super!
Das liegt zum einem großen Teil an den Charakteren. Nella war mir von Anfang an sympathisch mit ihrer Unsicherheit über ihre Rolle im Haushalt Brandt, ihre neue Rolle als Ehefrau und dem Leben in Amsterdam, das sich stark von allem bisher bekannten unterschied. Ebenso sympathisch war sie mir in ihrem unbedingten Willen, sich diese Unsicherheit nicht anmerken zu lassen, das Beste aus ihrer Situation zu machen und diese möglicherweise nach und nach zum besseren zu ändern.
Nella macht während des Buches eine Veränderung durch, was mir gut gefallen hat. Sie stagniert nicht in ihrer Situation, sondern versucht, im Gegenteil, etwas daran zu ändern und wächst an den neuen Umständen, in denen sie sich befindet. Im  Vergleich zu Johannes und Marin, dessen Schwester, ist sie recht ungebildet und als ihr dies klar wird, versucht sie, mehr über die Geschäfte ihres Mannes zu erfahren und ebenfalls Anteil an seinem Leben zu nehmen.
Marin und Johannes sind zudem echt ein Gespann für sich. Zwar ist er der erfolgreiche Geschäftsmann, aber sie hält ein Stück weit die Fäden in der Hand und von den Geschäften ihres Bruders hat sie mindestens soviel Ahnung wie dieser. Wie jeder Frau im 17. Jahrhundert ist es auch ihr verwehrt, ein eigenständiges und komplett selbstbestimmtes Leben zu führen, aber innerhalb des Brandt-Haushaltes ist sie eindeutig jene, welche das Sagen hat. Zudem habe ich durchgehend im Buch das Gefühl gewonnen, dass sie die Stärkere der Geschwister ist. Johannes ist kaum anwesend, Marin trifft alle relevanten Entscheidungen für den Haushalt. An ihr orientiert sich Nella in ihrer Entwicklung, denn obwohl ihr die häufig zur Schau gestellte Kälte und der Zynismus Marins zwar abgehen, so ist diese mit ihrem eisernen Rückrat und ihrer Intelligenz doch am nächsten an einem Vorbild für Marin.

„What can any of us do?“
– Marin, S. 112

Die Geschichte selbst konnte mich auch überzeugen. In meinen Augen liefert sie einen guten Einblick in das Amsterdam zur Zeit der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC), als die Stadt reich und voller Kaufleute, wie Johannes Brandt, war, stolz auf das Erreichte und einer der großen Spieler in der damaligen internationalen Politik. Auch die Verwicklungen der Kaufleute untereinander sind schön dargestellt und gesellschaftliche Anlässe sowie Rivalitäten, Freundschaft und Verrat großartig dargestellt.
Ein kleiner Minuspunkt ergibt sich daraus, dass es in meinen Augen immer mal wieder Stellen gab, in denen einfach nichts passiert ist. Besonders zu Beginn habe ich über ein ganzes Stück darauf gewartet, dass endlich etwas passiert. Allerdings wird dies bei weitem ausgeglichen durch die Spannung, die sich langsam aufbaut und die Charaktere, mit denen ich eine Menge Spaß hatte.

The Miniaturist ist ein historischer Roman, der mich absolut überzeugen konnte. Es hat mir eine Menge Spaß bereitet, über Nella und ihre Geschichte zu lesen. Zudem zeichnet Jessie Burton ein schönes und realistisches Bild vom Amsterdam des 17. Jahrhunderts.

Every woman is the architect of her own fortune.
– S. 76

5Sterne

Quelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia

Die Geschichte um Nella beruht lose auf dem Leben von Petronella Oortman, deren Puppenhaus die Vorlage lieferte für Nellas Puppenhaus und das im Rijksmuseum in Amsterdam steht.

Über Jessie Burton:
Burton wurde 1982 geboren und studierte in Oxford Englisch sowie Spanisch, später absolvierte sie eine Ausbildung zur Schauspielerin in London an der Royal Central School of Speech and Drama. Sie hatte kleinere Rollen an britischen Theatern unter anderem auch in London, daneben schreibt sie Essays für unterschiedlichste Zeitungen und Zeitschriften.
2014 erschien ihr erstes Buch The Miniaturist, das in über 30 Sprachen übersetzt wurde und zum Bestseller avancierte. Ende 2016 erschien ihr zweiter Roman, The Muse.
Burton lebt in London.
Quelle: Wikipedia

Weitere Meinungen zum Buch:

Rezension – Das Dorf der Wunder

Quelle: Aufbau
Quelle: Aufbau

Das Dorf der Wunder | Roy Jacobsen | Aufbau Taschenbuch | erschienen 2012
aus dem Norwegischen: Hoggerne | Übersetzerin: Gabriele Haefs
Taschenbuch: ISBN 978-3-7466-2771-7 | 9,99€

Im Winter 1939 herrschen -40°C, als die Russen in Finnland einmarschieren. Zuvor haben die Finnen die Dörfer evakuiert und auch in Suomussalmi fliehen alle Einwohner – bis aus Timo Vatanen. Der Holzfäller weigert sich, vor den Russen zu fliehen und wird durch sein gute Ortskenntnis bald unentbehrlich.

Mit diesem Buch habe ich in der Bücherei einen echten Schatz gefunden. Obwohl ich mich vom Klappentext her auf etwas anderes eingestellt hatte, wurde ich von der Geschichte nicht enttäuscht.
Das Buch erzählt vom Leben des finnischen Holzfällers Timo während des Zweiten Weltkriegs. Er wird durchgehend als „Dorftrottel“ und „Idiot“ bezeichnet, wird auch von den finnischen Dörflern herablassend und geringschätzig behandelt. Worauf das zurückzuführen ist hat sich mir allerdings nicht so richtig erschlossen, dies rettet ihn aber im Verlauf der Geschichte immer wieder. Er wird durch seine „Idiotie“ nicht als Gefahr angesehen und kommt auch mit einer Befehlsverweigerung eher durch.
Er wird einer kleinen Gruppe Russen zugeordnet, die nicht mehr kampftauglich sind und daher Bäume fällen und die restliche Division mit Feuerholz versorgen sollen. Er steigt schnell zu deren Anführer auf, insbesondere da er der einzige ist, der Ahnung vom Holzfällen hat. Zudem kann er durch seinen mangelnden Respekt vor den Befehlshabern immer wieder Vorteile für sich und seine kleine Kompanie rausschlagen.
Es geht in diesem Buch eindeutig nicht darum, die Welt im Ganzen zu bewegen. Timo kämpft keine heroischen Schlachten, er besiegt den Gegner nicht im Alleingang und er verändert auch den Lauf der Geschichte nicht. Aber inmitten der Wirren und Grausamkeiten des Krieges verändert er die Leben seiner russischen Kumpane und zeigt eine Menschlichkeit, wie sie wohl nur selten war – und vermutlich auch heute noch ist.
Ich habe oftmals gedacht, dass wir uns öfters ein Beispiel an Timo nehmen sollten. In einer Zeit voller Nationalismus, Diskriminierung und Krieg pfeift Timo auf Nationalität und Religion und hilft seinen Leidensgenossen, diesen Winter zu überstehen. Das Motiv hierfür bleibt unklar. Er sagt nie über sich, dass er aus diesem oder jenen Grund geholfen hätte. Aber vielleicht ist dies auch das Wichtigste an diesem Buch: zu zeigen, dass wir kein Motiv dafür brauch sollten, anderen Menschen zu helfen.

„That’s what you do when you see someone in need: you help them.“
– Ellen DeGeneres on The Ellen Show

Wir leben in einer Welt in der Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und der Hass auf alles Fremde wieder wachsen und Aufschwung bekommen (dabei sollte man meinen, dass wir etwas aus Timo Vatanens Zeit gelernt haben). Also sollten wir öfter einmal – wie Timo – auf Politik, Nationalität und Religion pfeifen und den Menschen helfen, die Hilfe benötigen.
Daneben bietet es aber auch einen eindrücklichen Einblick in das Leben der Soldaten an der bitterkalten Ostfront. Es zeigt auf, dass ein Großteil der einfachen Soldaten oftmals nur noch heim wollten zu ihren Familien. Selbstverständlich gab es unter den Russen ebenso wie unter den Deutschen oder allen anderen Truppen Menschen, die Freude daran hatten, Untergebene, Gegner oder unschuldige Zivilisten zu quälen. Aber ich denke, man darf davon ausgehen, dass es dem Gros der einfachen Soldaten, oftmals nur „Kanonenfutter“, nicht gefallen hat, in diesen Krieg verwickelt zu sein. Insofern hatte ich oftmals das Gefühl, dass dem Dorftrottel Timo gelungen ist, was vielen auch heute nicht gelingt: hinter die Fassade zu schauen, gesellschaftliche Konventionen zu ignorieren und die Menschen zu sehen.

Diesem Buch ist es durchgehend gelungen mich zu fesseln und trotz seiner verhältnismäßigen Kürze vermittelt es wichtige Gedanken und Inhalte auf spannende Weise. Ich lese ungern Kurzgeschichten oder Parabeln (als solche wird die Geschichte auf verschiedenen Websites bezeichnet), da ich immer das Gefühl habe, dass zu viel ungesagt bleibt. Ich bin kein Fan von Geschichten, in denen doppelt so viel zwischen den Zeilen wie in den Zeilen steht. Aber Roy Jacobsen findet genau die richtigen Worte und hat genau die richtige Art um mich zu fesseln.
Daher von mir eine dicke, fette Leseempfehlung!

goldene_SterneÜber Roy Jacobsen:
Jacobsen wurde 1954 in Oslo geboren. Sein Debüt, eine Sammlung von Novellen, erschien 1982, seit 1990 ist er Vollzeit-Autor. In Norwegen ist er bekannt für seine Kurzgeschichten, Romane und Kinderbücher und sehr angesehen. Seine Romane wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.
Quelle: Wikipedia (DE / EN)

Weitere Meinungen zum Buch:

Roman eines Schicksallosen

Quelle: Rowohlt
Quelle: Rowohlt

Roman eines Schicksallosen | Imre Kertész | Rowohlt | erstmals 1975 in Ungarn veröffentlicht
ISBN 978-3-499-22576-5 | 9,99€

Über Imre Kertész:
Kertész wurde 1929 in Budapest geboren. 1944 wurde er zunächst nach Auschwitz und von dort nach Buchenwald und letztendlich Zeitz deportiert. Nach der Befreiung im April 1945 kehrte er nach Budapest zurück. Nach dem Abitur arbeitete er als Journalist, später als freier Übersetzer und Schriftsteller. Dabei übersetzte er auch Werke von Nietzsche oder Sigmund Freud. 1953 lernte er seine erste Frau kennen, mit der er bis zu ihrem Tod zusammen war. 1960 begann er mit der Arbeit an Roman eines Schicksallosen. Es zählt zu den wichtigsten Werken über den Holocaust und verhalf ihm weltweit zu Ruhm. Ab 2001 lebte er zusammen mit seiner zweiten Frau in Berlin. Ein Jahr später erhielt er den Literatur-Nobelpreis für sein literarisches Gesamtwerk. Dazu zählen neben Roman eines Schicksallosen noch drei weitere Bücher, die sich um den Holocaust drehen und teilweise autobiografisch inspiriert sind. 2005 wurde Roman eines Schicksallosen verfilmt. 2012 zog er aufgrund seiner Parkinson-Erkrankung nach Budapest zurück, wo er am 31. März 2016 starb.

In Roman eines Schicksallosen verarbeitet Kertész seine Zeit im Konzentrationslager. Aus der Sicht des 15-jährigen György werden Deportation, Selektion und der Alltag, das Überleben, im Konzentrationslager beschrieben. Dabei fehlt diesem Buch aber der Ausdruck von Abscheu und Ablehnung, den man von anderen Büchern zu dem Thema kennt und auch erwartet.

Im Klappentext zu diesem Buch steht:

Es gibt kein literarisches Werk, das in dieser Konsequenz […] der Perspektive eines staunenden Kindes treu geblieben ist.
Rowohlt

Dieser Satz fasst recht gut zusammen, was dieses Buch von anderen Werken über den Holocaust, seien sie nun autobiografisch oder romanhaft, abhebt. Und diese Tatsache macht es ungleich schwerer, das Buch zu lesen. In diesem Buch wird eine Naivität von Seiten des Protagonisten weitergegeben, die manchmal schwer zu ertragen ist. Es ist eines der Bücher, die ich nicht am Stück durchlesen kann. Ich habe immer mal wieder Pausen gebraucht, um die Handlung zu verarbeiten. Besonders schwierig wird es dadurch, dass man als Leser ganz genau weiß, dass sich die Hoffnungen des Protagonisten zerschlagen werden. Und so möchte man manchmal in das Buch hineingreifen, ihn schütteln und ihm sagen, dass die Nazis ihre Versprechen nicht halten und dass eben nicht alles gut wird.
György findet immer eine Begründung für das Verhalten der Nazis und eine Argumentationskette, welche die Vorgänge im Lager auf kranke Art und Weise doch logisch erscheinen lassen. Es mangelt an der Empörung und dem Unverständnis, das man aus anderen Büchern über den Holocaust kennt.
Auch liegt sein Fokus weniger auf den Vorgängen im Lager, sondern mehr auf den Veränderungen, die er und seine Mithäftlinge durchlaufen. Wo zu Beginn noch ein lebensmutiger Jugendlicher den Weg in diese Hölle antritt, steht am Ende eine ausgemergelte Gestalt, die sich bei der Befreiung der Lager mehr darüber freut, dass es wie geplant etwas zu essen gibt, als über die wiedererlangte Freiheit. Diese vollständige Reduzierung auf Überlebensinstinkte erlebt man hierbei Schritt für Schritt mit. Im Nachhinein wirkt dieses sogar um einiges „wahrer“, als die Empörung, die man aus anderen Büchern über den Holocaust kennt. György scheint nicht die Energie zu haben, sich über die Ungerechtigkeiten, die er und seine Mithäftlinge erleiden müssen, aufzuregen.
Die Neue Zürcher Zeitung schreibt zu diesem Roman:

„Gezielt entzaubert der Autor die Mythologie des Leidens, wenn er die komplexe Opfer-Täter-Dynamik herausarbeitet. Wo sie nicht religiös begründet ist, kommt die jüdische Selbstbeschwichtigung im Roman als Rationalisierung daher.“
Schöne Tage in Buchenwald“ von Andreas Breitenstein, NZZ vom 27. April 1996

Die „jüdische Selbstbeschwichtigung“ wird in Roman eines Schicksallosen perfektioniert. Zwar wird auch hier das Hadern mit dem Schicksal und die Unsicherheit der Deportierten über eben jenes dargestellt. Aber dies kommt eher von Seiten Dritter – Györgys Familie, Deportierte im Zug – und nicht vom Protagonisten selber. Er findet immer einen logischen Grund für das Handeln seiner Wärter und beruhigt sich damit selbst. Bis die Quälereien zu einer solchen Selbstverständlichkeit werden, dass er einer guten Behandlung misstrauisch gegenüber steht.
Vielleicht das Einzige, was dieses Buch mit anderen über den Holocaust zu tun hat: es wird wieder deutlich, dass man die Konzentrationslager nur durch Zufall überleben konnte.

Ich möchte mir bei diesem Buch fast nicht anmaßen, eine Bewertung abzugeben. Es ist ein unglaublich aufrüttelndes, nachdenklich machendes und, ja, auch verstörendes Buch über diese Katastrophe des 20. Jahrhunderts – und daher auch ein unglaublich wichtiges Zeitzeugnis. Und wie sollte es mir zustehen, darüber eine Wertung abzugeben. Ich tue es letztendlich trotzdem: weil es so wichtig ist und den Leser in seinen Bann zieht und mich auch jetzt noch nicht – fast einen Monat nach der Lektüre – losgelassen hat.

5Sterne

Madame Picasso

Quelle: Aufbau-Verlag
Quelle: Aufbau-Verlag

Madame Picasso | Anne Girard | Aufbau | erschienen 2015
ISBN 978-3-7466-3138-7 | 12.99€
Leseprobe

Über Anne Girard:
Unter dem Pseudonym Anne Girard schreibt die US-amerikanische Autorin Diane Haeger. Sie hat Psychologie und englische Literatur studiert. 1993 veröffentlichte sie ihren ersten Roman. Seitdem wurden ihre Bücher in 18 Sprachen übersetzt.
Mit ihrem Mann und ihren Kindern lebt sie in Südkalifornien.
Quelle: Buch, Diane Haegers Blog

Eva Gouel verlässt ihr Heimatdorf, um in Paris ihr Glück zu suchen. 1911 trifft sie dort auf den Künstler Pablo Picasso und verliebt sich in ihn. Entgegen ihrer Erwartungen erwidert er ihre Gefühle und zwischen den beiden entwickelt sich eine Liebesgeschichte, die den Künstler für immer prägen wird. Eva gilt als Picassos große Liebe und verändert sein Leben.

Anne Girard ist es mit diesem Roman gelungen, ein wunderbares Bild zu zeichnen von einer Frau, die kaum Zeugnisse hinterlassen hat – außer in Picassos Bildern und in den Erinnerungen des Künstlers und seiner Freunde. Sie stellt eine Frau dar, die zwar vom Land kommt und manchmal eine entsprechende Unschuld zeigt, gleichzeitig jedoch sehr willensstark und zielstrebig ist. Diese zwei Eigenschaften widersprechen sich nie, sondern zeigen eine sehr sympathische junge Frau.
Auch die Beziehung der beiden, die ein wenig holprig beginnt und einige Widerstände überwinden muss, wird als eine Beziehung dargestellt, wie sie sich wohl viele wünschen: Pablo Picasso und Eva Gouel ergänzen einander wie zwei Puzzlestücke. Allerdings ist die Beziehung nicht immer harmonisch, wenn der impulsive Künstler und die besonnene Eva aneinander geraten. Aber Anne Girard schafft es immer, das Glück zu vermitteln, das die zwei miteinander empfinden. Und ihr gelingt ein kleines Kunststück, denn es wird nie kitschig.
Zudem wird eine wichtige Zeit des 20. Jahrhunderts dargestellt: der Weg in den ersten Weltkrieg und den Ausbruch desselben. Auch wenn erst recht spät dieser Thematik ein Platz im Roman eingeräumt wird, zeigt er doch eine interessante Sichtweise auf: die Pablo Picassos und seiner spanischen Freunde, welche nicht eingezogen werden, aber doch den Weggang enger Freunde erleben müssen und eine recht pazifistische Haltung haben. Diese Sichtweise ist in meinen Augen so interessant, weil darüber kaum je berichtet wird. Besonders Deutschland, über welches ich nun einmal am meisten gelernt habe, wird als allgemein kriegslüstern dargestellt.

Ich kann dieses Buch nur empfehlen. Auch wenn man kein Fan Pablo Picassos ist, stellt es eine spannende Zeit und eine wunderbare, berührende Liebesgeschichte dar.

„Liebe vollbringt vieles, was unerwartet ist.“
– Eva Gouel

5Sterne

Das Zeichen der Isis – Kurz gefasst

Das_Zeichen_der_Isis
Quelle: Piper

Das Zeichen der Isis | Melanie Metzenthin | Fahrenheitbooks | erschienen 2014
ISBN 978-3-492-98123-1 | 4.99€

Klappentext:
Nach dem Untergang Pompejis folgt die junge Witwe Lydia ihrem Schwager Publius, einem römischen Offizier, nach Alexandria. In der ägyptischen Metropole begegnet sie der »Schwesternschaft der Isis«, einer geheimen Verbindung, die seit den Zeiten der Pharaonen besteht. Deren Hohepriesterin glaubt, Lydia sei die lang prophezeite »Göttin aus der Asche«, die der Schwesternschaft im Kampf gegen Talonas, den grausamen Herrn der Wüste, beistehen soll. Doch Lydia hat Angst, sich diesem Kampf zu stellen, denn tief in ihrem Herzen wünscht sie sich nichts sehnlicher, als dass Publius ihre langsam aufkeimende Liebe erwidert. Sie ahnt nicht, dass Publius selbst dunkle Geheimnisse hütet, die ihr keine Wahl lassen …
Quelle: Piper

Ich hatte schon seit längerem kein Buch aus der Zeit des Römischen Reichs gelesen und habe mich umso mehr darauf gefreut, da auch Ägypten behandelt werden sollte – das geht im Geschichtsunterricht nach dem Fall der Pharaonen irgendwie ein bisschen unter.
Die erste störende Sache fiel mir aber schon auf den ersten paar Seiten auf: teilweise war mir die Sprache zu einfach. Darüber hätte ich hinwegsehen können, aber damit einher ging Lydias Naivität, die meistens einfach nur nervig war. Auch das ständige Hin und Her in Liebesdingen hat mich gestört.
Die Geschichte nimmt mit dem Untergang Pompejis Fahrt auf und wird, nach den ersten paar Kapiteln, die sich eher dahin schleppen, auch spannend. Es ist durchgehend gut zu lesen.
Allerdings war mir nicht klar wie spirituell dieses Buch wird. Selbstverständlich weiß ich, dass die Götter eine wichtige Rolle im Alten Rom und auch antikem Ägypten gespielt haben, aber in diesem erfährt man eher wenig über die Antike und wird dafür in eine Welt voller Götter und Wunder entführt. Das hatte wirklich gar nichts mit meinem Vorstellungen zu tun und mich ehrlich gesagt enttäuscht. Ich hatte etwas anderes erwartet

„Götter [brauchen] keine Priester […], denn die Götter handeln aus sich selbst heraus.“
– Publius (S. 36)

3Sterne

Die Königin der Orchard Street

Die_Königin_der_Orchard_StreetDie Königin der Orchard Street | Susan Jane Gilman | Insel | erschienen 2015
ISBN 978-3-458-17625-1 | 19.95€
Leseprobe

Über Susan Jane Gilman:
Gilman wurde in New York geboren und wuchs dort auf. Sie studierte Kreatives Schreiben an der Universität von Michigan und hatte bereits drei Sachbücher veröffentlicht, bevor sie Die Königin der Orchard Street schrieb.
Neben ihrer Tätigkeit als Autorin, hat sie auch eine Zeit lang eine Buch-Sendung in einem Schweizer Radiosender mitmoderiert.
Sie lebt in Genf und New York.
Quelle: Insel, Gilmans Blog

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wandert Malkas Familie aus Russland nach Amerika aus, wie Tausende andere in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Dieser Traum bewahrheitet sich für die Familie zunächst nicht. Doch Malka ist klug und lernt schnell, sich auf der Straße durchzuschlagen – bis zu dem Tag, als sie von einem Eiswagen überfahren und zum Krüppel gemacht wird. Papa Dinello, der Eisverkäufer, nimmt sie daraufhin bei sich auf und weiht sie in der Herstellung des Eises ein. Mit ihrer Cleverness arbeitet sich Malka Bialystoker von der Lower East Side zu Lilian Dunkle, der „Eiskönigin Amerikas“, hoch.

Bücher mit diesem Thema liebe ich einfach: ein armes Kind schafft durch harte Arbeit und Cleverness den Aufstieg von ganz unten nach ganz oben. Am liebsten sind mir dabei natürlich die Bücher über Frauen, denen ein solcher Aufstieg gelingt. Und egal ob fiktionaler oder realer Charakter: ich liebe es, in deren Zeit zu versinken.
Dass es die Eiskönigin, deren Geschichte in diesem Buch erzählt wird, nicht gegeben habe soll, will man gar nicht glauben. So realistisch werden Lillian und ihre Zeit  dargestellt, das man sie bildlich vor sich sieht.
Das Buch ist in Form eines Berichts mit Rückblenden aufgebaut und von Anfang an habe ich mir eine alte Dame mit eisernem Willen vorgestellt, die gerne mal grummelt. Da es aus der Ich-Perspektive geschrieben war, konnte man sich gut in sie einfühlen und auch wenn sie und ihre Entscheidungen mir teilweise nicht wirklich sympathisch waren, konnte man sie doch nachvollziehen. Ihre Geschichte hat mir manchmal Tränen in die Augen getrieben, ich habe vor Freude gelacht und Bewunderung empfunden für eine Frau, die sich allen Widrigkeiten zum Trotz nicht unterkriegen lässt. In einer von Männern dominierten Welt arbeitet sie sich zur Matriarchin über ein Eisimperium hoch und geht dabei keiner Konfrontation aus dem Weg.
Lillian Dunkle ist ein Charakter ganz nach meinem Geschmack: sie verzweifelt an keiner der Herausforderungen, vor die das Leben sie stellt, rappelt sich immer wieder auf und ist dennoch nicht fehlerlos. Sie hat keinerlei gesundes Urteilsvermögen, wenn es um ihre Familie geht. Aber ihre Makel machen sie umso realistischer. Sie hat mir auch so gut gefallen, weil sie in gewisser Form ganz anders ist als die normalen Heldinnen historischer Romane. Sie verlässt sich nie auf jemand anderen als sich selbst, nicht einmal, als sie den Mann ihrer Träume heiratet, und ruht sich nie auf ihrem Erfolg aus. Sie greift dem Glück gerne mal ein wenig unter die Arme und schämt sich dessen auch nicht. Es scheint sie nicht zu kümmern, was andere von ihr denken (ausgenommen ihre Familie) und auch dass hat sie mir sympathisch gemacht. Sie ist stolz auf ihr Leben und ihre Leistungen, auch wenn man meinen könnte, dass sie manchmal ein wenig zu stolz ist. Sie ist eine Lady, die mit ihren Ansichten gut in moderne Zeiten passen könnte und doch von altem Schlag ist.
In meinen Augen ist Gilman das Kunststück gelungen, einen absolut fesselnden Roman zu schreiben, mit einer Protagonistin, die man manchmal nicht versteht, sie manchmal gar als unsympathisch empfindet. Ganz nebenbei gibt das Buch einen anschaulichen Einblick in das Amerika des 20. Jahrhunderts und deckt nahezu das gesamte Jahrhundert. Von dem Leben der Einwanderer, der Ärmsten der Armen, hin zu den ausschweifenden Partys der Superreichen, über die Stellung der Frau und die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs. Und sie geht nicht nur auf die großen Ereignisse ein, sondern entführt einen (zwangsläufig) in die Welt der Eisherstellung und wie kleine Veränderungen große Auswirkungen haben können.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass Gilman einen Roman geschrieben hat, der mir vor Augen geführt hat, welche Vorteile wir heutzutage eigentlich haben (besonders wir Frauen) und dass wir über vieles gar nicht jammern dürften. Und es ist ein Zeugnis davon, sich niemals aufzugeben und immer wieder aufzustehen. Ein Buch über eine starke Frau, die abgehärtet wurde vom Leben und vielen ein Vorbild sein könnte. Auch ein Buch, bei dem man oft vergisst, dass es diese Lillian Dunkle nie gab – zu realistisch wirkt sie.

Ich war stolz darauf, zum „neuen Geld“ zu gehören. Alles, was Bert und ich besaßen, hatten wir uns selbst aufgebaut.
– Lillian Dunkle

goldene_Sterne

The Winter Crown

The_Winter_CrownThe Winter Crown | Elizabeth Chadwick | Sphere | erschienen 2014
ISBN 978-0-7515-4825-9 | £7.99
Leseprobe (englisch)

Über Elizabeth Chadwick:
Chadwick wurde 1957 in Lancashire geboren. Mit 15 schrieb sie ihren ersten historischen Roman und wollte fortan Autorin historischer Romane werden. 1990 zeigte schließlich die Penguin publishing group Interesse an ihren Büchern und im gleichen Jahr wurde ihr erstes Buch The Wild Hunt veröffentlicht. Nur vier Jahre später wurde ein weiteres Buch, First Knight, verfilmt. Mittlerweile gilt sie als die bekannteste Autorin von historischen Romanen in Großbritannien; ihre Werke wurden in 16 SPrachen übersetzt.
Sie ist verheiratet und hat mehrere Kinder.
Quelle: Wikipedia, ihr Blog

England 1154: Eleonore von Aquitanien wird zur Queen gekrönt – schwanger mit dem zweiten Kind von Henry II., ihrem Ehemann und König von England. Dieser hat eine klare Vorstellung davon, wie ihr Leben ablaufen wird: während er gegen Englands Feinde ins Feld zieht und auch Eleonores Besitz Aquitanien verteidigt, soll sie die gemeinsamen Kinder aufziehen. Doch Eleonore kämpft für mehr, sie will über ihr Leben entscheiden.
Die Romanbiographie erzählt von Eleonores Leben in den Jahren 1154 bis 1174; von den acht gemeinsamen Kindern der beiden, wie die Wertschätzung Eleonores gegenüber ihrem Ehemann langsam in Verachtung umschlägt und wie sie für sich und ihre Kinder kämpft.

Dieses Buch ist der zweiter Teil einer Trilogie um Eleonore von Aquitanien (ich verwende die deutsche Schreibweise; Chadwick hat sie im Buch Alienor geschrieben und auf dem Cover könnt ihr eine weitere Schreibweise sehen), die als eine der mächtigsten Frauen des Mittelalters gilt. Dass es der zweite Teil ist, habe ich erst nach einiger Zeit gemerkt (und auch nur, weil ich das Buch gegoogelt habe) und es ändert nichts daran, dass das Buch gut zu lesen ist. Man muss den ersten Teil nicht gelesen haben, um das Geschehen zu verstehen.
Eleonore von Aquitanien wird als eine Frau dargestellt, die ganz Teil ihrer Zeit ist und derselben manchmal doch ein wenig voraus, was beispielsweise ihre Ansichten über die Stellung der Frau angeht. So sieht sie durchaus ein, dass die Männer das stärkere Geschlecht sind und es ist für sie selbstverständlich, dass ihr Mann Mätressen hat. Aber vor allem gegenüber ihrem Ehemann besteht sie sehr darauf nicht einfach nur ein, salopp gesagt, Brutkasten zu sein. Sie ist Königin von England, sie ist sich ihrer Macht bewusst und will besonders über Aquitanien, ihre Heimat, selbst entscheiden.
Auch wenn viele ihrer Gemütsregungen aus heutiger Zeit wenig nachvollziehbar sind (beispielsweise wenn sie sich die Schuld am Tod ihres ersten Sohns im Alter von drei Jahren gibt), so fühlt man doch mit ihr mit. Ich habe sie teilweise wirklich darum bemitleidet, dass sie in dieser männerdominierten Welt leben musste, aber sie behauptete sich immer wieder auch gegenüber ihrem Ehemann und man muss natürlich sehen, dass sie als Königin doch mehr Mitsprache und vor allem ein angenehmeres Leben hatte, als eine einfache Bäuerin der Zeit.
Chadwick ist es in meinen Augen gut gelungen, die Konflikte in Eleonores Leben gut darzustellen, zu zeigen, wie sehr Eleonore manchmal zwischen ihren Pflichten als Königin und ihren Pflichten als Mutter hin- und hergerissen war. Es wurde auch gezeigt, dass Eleonore oft abwägt, welche Kämpfe sie ausficht und wann sich ein Kampf nicht lohnt, dass sie aber manchmal auch einfach von ihren Gefühlen mitgerissen wurde, besonders wenn es um ihre Kinder geht.
Henry wird als ein nahezu kontrollsüchtiger Mann, besonders was die Regierungsgeschäfte angeht, dargestellt und zusammen mit Eleonores Ansichten über ihren Mann wandeln sich auch die des Lesers. Obwohl ich ihm gegen Ende seines Lebens (wenn man Wikipedia glauben darf), nicht mehr hätte begegnen wollen, fand ich das Buch teilweise sehr einseitig. Oft wurde auch anderen Mitgliedern von Eleonores Hof ein Stimme gegeben, bei Henry wäre es mir nicht aufgefallen, dass er einmal zu Wort kommt. Auch wenn viele seiner Handlungen sicherlich zweifelhaft waren, fand ich das Bild, das von Eleonore gezeichnet wurde, zu verklärt. Natürlich bin ich keine Historikerin, aber auch viele ihrer Handlungen waren eher zweifelhaft – dennoch lässt Chadwick erst gegen Ende Kritik an Eleonore von Zeitzeugen in Form von anderen Blickwinkeln aufkommen.
Zur Sprache sei zu sagen, dass es das ein oder andere Wort gibt, das mir unbekannt war – insbesondere zeittypische Wörter, die heute nicht mehr in Gebrauch sind. Allerdings kann man diese entweder aus dem Kontext erschließen oder sie tauchen so selten auf, dass es nicht wirklich nötig ist, sie zu kennen.

Ich fand es sehr faszinierend, über eine Frau und eine Epoche zu lesen, über die ich so gut wie nicht wusste. In naher Zukunft will ich auch noch die beiden anderen Teile lesen, denn dieses Buch hat mein Interesse am Leben dieser außergewöhnlichen Frau geweckt.

„This is not about God. It is about men’s desires and stubborn will to have the last word.“
– Eleonore von Aquitanien

5Sterne

Das Herz des Herzogs

Das_Herz_des_HerzogsDas Herz des Herzogs | Christi Caldwell | AmazonCrossing | erschienen 2015
ISBN 9-781-477-84976-7 | 9.99€ (Taschenbuch)/4.99€ (Kindle-Edition)
Leseprobe

Über Christi Caldwell:
Caldwell entdeckte ihre Liebe zu historischen Liebesromanen während ihrer Zeit an der Universität von Conneticut. Dort beschloss sie, selbst Geschichten zu schreiben und ihren Helden und Heldinnen nach ein wenig Leiden ein Happy End zu gönnen.
Sie lebt in Conneticut und verbringt ihre Zeit entweder mit Schreiben, oder damit sich um ihre drei Kinder zu kümmern.
Quelle: Amazon

Jasper, Duke of Bainbridge, hat sich nach dem Tod seiner Frau im Kindbett aus dem gesellschaftlichen Leben zurückgezogen. Dennoch lässt er sich von seinem Freund überreden, den Frostjahrmarkt in London zu besuchen. Dort rettet er Lady Katherine Adamson das Leben, die durch das Eis auf der Themse gebrochen ist und unterzugehen droht.
Katherine hat von ihrer Schwester ein Amulett geschenkt bekommen: es soll ihr helfen, das Herz eines Herzogs zu erobern. Kurze Zeit nach der ersten Begegnung macht Katherine dem Duke of Bainbridge einen Antrag, um so einer arrangierten Ehe zu entgehen. Doch schlägt dieses rein geschäftliche Angebot schnell in mehr um, als Katherine sich in ihren Ehemann verliebt – und er sich zwischen seiner ersten und seiner zweiten Ehefrau entscheiden muss.

Ich glaube, ich habe noch nie ein Buch mit einem solch grimmigen Charakter gelesen! Jasper gibt sich wirklich alle Mühe, sich unbeliebt zu machen und vor allem nie wieder einen anderen Menschen in sein Leben zu lassen. Vielleicht das größte Wunder im ganzen Buch ist die Tatsache, dass er tatsächlich auf den Frostjahrmarkt geht! Und, dass er einem mit der Zeit doch ans Herz wächst; mit seiner Brummigkeit und seinem immer mal wieder aufblitzenden Humor.
Um einiges zugänglicher ist da schon Lady Katherine, die eine Freundlichkeit ausstrahlt, die in krassem Gegensatz zu Jaspers Ablehnung steht. Und wenn ich ehrlich bin: sie wurde mir schon dadurch sympathisch, dass sie zum einkaufen in die Stadt fährt – und dann doch nur in den Buchladen geht (irgendwoher kennen wir das doch …).
Wie die beiden zusammenfinden hat etwas für sich. Und obwohl es in gewissem Sinne natürlich genau die historical romance war, die ich erwartet hatte und auch schon einige Male gelesen habe, ist es doch irgendwie anders. Zum einen ist es meinen Augen gelungen, mit Katherine einen starken weiblichen Charakter zu schreiben, der genau weiß, was er will und sein Schicksal selbst in die Hand nimmt – aber dennoch nicht aus der Rolle (oder in diesem Fall: der Zeit) fällt.
Caldwell ist es außerdem gelungen, nicht ins Kitschige abzurutschen. Oft schleicht sich ein Funken Humor in die Unterhaltungen, der einen zum Lachen bringt. So wurde es mir nicht zu schnulzig.

Insgesamt ist es eine leichte Lektüre für zwischendurch und besser als erwartet!

Wie er so auf dem gefrorenen Weg […] stand, inmitten dem immer stärker werdenden Schneefall, während der beißende Wind ihn umtoste, kam Jasper zu einer höchst unerwünschten, unwillkommenen, schwindelerregenden Erkenntnis.
Er wollte Lady Katherine küssen.
– Jasper, Duke of Bainbridge

4Sterne

Intimer Betrug

Intimer_BetrugIntimer Betrug | Laura Landon | AmazonCrossing | erschienen 2012
ISBN 978-1-612-18472-2 | €9.99 (Taschenbuch)/€2.99 (Kindle-Edition)
Leseprobe

Über Laura Landon:
Landon arbeitete zehn Jahre lang als Lehrerin an einer Highschool, bevor sie ihr eigenes Eiscafé betrieb. Dieses gab sie jedoch auf, nachdem ihr erster Roman fertig war, und widmet sich seitdem ausschließlich dem Schreiben. Mittlerweile hat sie einige historische Romane veröffentlicht; vier davon sind auf deutsch erschienen.
Zusammen mit ihrer Familie lebt sie im mittleren Westen der USA.

Um einer arrangierten Ehe zu entgehen, ringt Lady Grace Warren sich zu einem drastischen Schritt durch: sie will ihre Jungfräulichkeit verlieren. Dafür muss ein Mann her, der keine Ansprüche hat und keine Fragen stellen. Der scheint schnell gefunden zu sein: Vincent, Duke of Raeburn. Doch dieser will nach dem Verlust zweier Frauen im Kindbett nie wieder das Leben einer Frau riskieren – und schon gar nicht heiraten. Doch nach einer leidenschaftlichen Nacht in einem Edelbordell fürchtet er, das Leben einer weiteren Frau zu riskieren und macht sich auf die Suche nach der vermeintlichen Kurtisane. Als Grace dem Mann gegenüber steht, dem sie ihre Freiheit verdankt, ist sie entsetzt. Können die beiden trotz aller Widrigkeiten ein glückliches Leben führen?

In diesem Buch hat mich vor allem eines überzeugt: die Charaktere. Sie sind wunderbar herausgearbeitet, haben beide eine schwierige Vergangenheit hinter sich – Grace, die das Wohl ihrer Schwestern über ihr eigenes stellt und Vincent, der seine zwei Ehefrauen im Kindbett verloren hat. Man leidet richtig mit den beiden mit. Grace war mir von Anfang an sympathisch in ihrem Bemühen, ihren jüngeren Schwestern ein gutes Leben zu bieten. Auch Vincent, der zu Beginn noch recht barsch erscheint, weicht langsam auf und wird immer zugänglicher.
Insgesamt war das Buch wirklich angenehm zu lesen. Man muss an und für sich über keinerlei Hintergrundwissen verfügen, um der Handlung folgen zu können. Auch wenn die Geschichte recht wild beginnt, entwickelt sie sich ganz angenehm und (sieht man mal vom historischen Aspekt ab) auch logisch. Jede der Handlungen zieht eine realistische Konsequenz nach sich und besonders Vincent durchläuft während der Handlung eine echte Wandlung.
Weniger gut hat mir gefallen, dass es meiner Meinung nach nicht ganz realistisch war. Ich habe oft gedacht: „So wäre das bestimmt nicht möglich gewesen.“ Und da mir die Authentizität bei historischen Romanen wichtig ist, ging das für mich nicht.
Zudem ist es meiner Meinung nach manchmal zu sehr ins Kitschige abgerutscht. Besonders die Liebesszenen der beiden waren manchmal noch kitschig, dass ich sie übersprungen habe. Klar wollte ich keinen Porno auf Papier, aber das war oft einfach nur peinlich!

Alles in allem ist das Buch eine ganz nette Lektüre für zwischen durch, aber man sollte keine allzu hohen Erwartungen anstellen, sonst wäre man enttäuscht.

Er liebte diesen Teil des Tages, die Zeit, in der sie allein waren. Die kostbaren Minuten, in denen es der Außenwelt nicht erlaubt war, sie zu stören.
– Vincent Germaine, Duke of Raeburn