Rezension – Isarsilber

Vielen Dank an Isaak Rosenblatt für dieses Rezensionsexemplar!

Am Ufer eines bayerischen Sees wird ein Mann erschlagen aufgefunden. Am Ufer des gleichen Sees steht ein Museum, das nachts ein Zweitleben als Edelbordell führt. Doch wie hängen diese beiden Dinge mit einem Großbauprojekt in Berlin zusammen, dessen Finanzierung ins Stocken geraten ist und bei dem ein Bauunternehmer spurlos verschwunden ist?

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Rezension – Abgeschlagen

Endlich haben es Lissie Sommer und „ihr“ Kommissar Sebastian Loch zu einem gemeinsamen Abendessen im örtlichen Golfklub geschafft, als sie sich genau dort an einem Tatort wiederfinden. Eines der Clubmitglieder wurde mit einem Golfschläger ermordet. Natürlich kann Lissie da nicht stillhalten, sondern nimmt eigene Ermittlungen auf – auch, um ihren Sebastian schnell wieder für sich zu haben.

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Rezension – Es klingelte an der Tür

Vielen Dank an den Klett-Cotta Verlag und NetGalley.de für dieses Rezensionsexemplar!

Rachel Bruner, reiche Witwe und Exzentrikerin, hat zehntausend Exemplare eines Enthüllungsbuches über das FBI gekauft und an Menschen im ganzen Land verschickt. Eben jene Institution, von der das Buch handelt, hat sie damit auf den Plan gerufen. Genervt von der ständigen Überwachung und Verfolgung wendet sie sich an Nero Wolfe, New Yorks bekanntesten Privatermittler.
Dieser ist wenig begeistert (wie soll ein einzelner Mann das FBI aufhalten?) und nimmt den Auftrag nur aufgrund der in Aussicht gestellten Belohnung an. Doch dann kommt ihm der Mordfall an einem Journalisten dazwischen – und vielleicht sogar ganz gelegen …
LESEPROBE

Auf der Website des Verlags (und auch auf NetGalley) steht folgendes über Rex Stout und seinen Privatdetektiv:

Rex Stout war einer der erfolgreichsten amerikanischen Kriminalautoren des 20. Jahrhunderts. Seine literarische Schöpfung, der Privatdetektiv Nero Wolfe, zählt bis heute zu den berühmtesten Figuren des Genres.
Klett-Cotta Verlag

Neben der Tatsache, dass mich der Klappentext angesprochen hat und mir auch das Cover ganz gut gefällt, hat mich diese Aussage neugierig gemacht. Ich muss nämlich gestehen, dass ich noch nie von Rex Stout, geschweige denn Nero Wolfe, gehört habe.
Das sollte sich mit diesem Buch also ändern und ich hoffte auch, Zuwachs für meine liebsten „cosy crime“-Ermittler zu finden.
Nachdem ich das Buch gelesen habe, war ich lange unentschlossen, ob es mir gefallen hat oder mich enttäuschte.
Die Geschichte an sich fand ich toll. Schon allein die Idee, sich gegen das FBI aufzulehnen, fand ich ziemlich außergewöhnlich. Besonders gefallen hat mir in diesem Zusammenhang die Vorgehensweise von Wolfe und seinem Assistenten Archie Goodwin. Mir hat gut gefallen, dass die beiden tatsächlich ermitteln und kaum etwas dem Zufall überlassen wurde. Wenn ein Krimi durch reines Glück gelöst wird, bin ich danach immer ziemlich unbefriedigt mit der Geschichte. Das war hier auf jeden Fall nicht so.

Wolfe […] würde nicht mal ans Fenster treten, um einen Tatort in Augenschein zu nehmen.
– Archie Goodwin, Pos. 858 Kindle-Edition

Trotzdem glaube ich nicht, dass Nero Wolfe und ich richtig gute Freunde werden. Zum einen fand ich es ziemlich erstaunlich zu lesen, dass er so gut wie nie das Haus verlässt und auch selten selber ermittelt. All das übernimmt Archie Goodwin, während sich Wolfe auf einige wenige Gespräche mit der Klientin und anderen Personen beschränkt. Er lässt sich nahezu alles von Goodwin zutragen. Die einzige Sache, die man wirklich ihm zuschreiben konnte, war der große Coup, der letztendlich den Fall löst. Aber bis dahin wäre er ohne Goodwin überhaupt nie gekommen. Mich hat es daher sehr gestört, dass Wolfe als der beste Detektiv New Yorks dargestellt wird, wo er nur einen Bruchteil der eigentlichen Arbeit macht.

Zu [Nero Wolfes] Grundüberzeugungen zählt, dass jede Meinung, die man sich über eine Frau bildet, nur falsch sein kann.
– Archie Goodwin, Pos. 1686 Kindle-Edition

Umso besser gefallen hat mir da Archie Goodwin, über und mit dem man immer mal wieder schmunzeln konnte und der auch wirklich nicht doof ist. Wie schon gesagt, macht er im Grunde die ganze Arbeit und erhält dafür selten bis gar keine Anerkennung. Teilweise habe ich allerdings auch über ihn den Kopf geschüttelt, wenn er wieder einmal recht sexistische Aussagen von sich gibt.

Daran und am Schreibstil merkt man durchaus, dass dieses Buch vor über 50 Jahren geschrieben wurde. Goodwins Aussagen sind mir zwar manchmal gegen den Strich gegangen, aber ich fand es interessant zu lesen, wie ohne Internet und andere moderne Annehmlichkeiten vorgegangen und ermittelt wurde. Ich hatte oftmals das Gefühl, wirklich einen kurzen Blick in das New York der 60er Jahre zu werfen.

Dank Archie Goodwin hat mir das Buch Spaß bereitet und konnte mich letztendlich doch überzeugen und auch die Geschichte selber ist auf jeden Fall lesenswert.

„Ich weiß, der Torheit auszuweichen, ohne mich in Angst zu flüchten.“
– Nero Wolfe, Pos. 125 Kindle-Edition

Über Rex Stout:
Stout wurde 1886 in Indiana geboren und wuchs in Kansas auf. Er zeigte sehr früh eine hohe geistige Entwicklung, las mit vier Jahren bereits die Bibel und hatte bis zu seinem zwölften Lebensjahr die über 1100 Bücher seines Vaters gelesen. Die Universität besuchte er allerdings nur für kurze Zeit, stattdessen hielt er sich als Buchhalter über Wasser, bevor er von 1905-1908 in der Army diente. Danach arbeitete er für rund acht Jahre in unzähligen Gelegenheitsshops.
1916 heiratete er Fay Kennedy und arbeitete zusammen mit seinem älteren Bruder an einem neuen Schulsparkassensystem, von dem er und seine Frau sich schon drei Jahre später als wohlhabende Leute zurückziehen konnten. Die Jahre 1927 bis 1929 verbrachten die beiden in Europa, 1929 begann er dort die Arbeit an seinem ersten Roman.
Im selben Jahr kehrte das Ehepaar in die USA zurück und verloren zudem einen Großteil ihres Geldes in der Finanzkrise. Allerdings hatte er genug über, um sich in Conneticut ein Haus zu bauen, in dem er bis zu seinem Lebensende wohnte und schrieb. Aufgrund der neuen, deutlich ärmeren, Lebenssituation begann es zwischen den Eheleuten zu kriseln, 1932 ließen sie sich scheiden. Noch im selben Jahr heiratete er Pola Hoffmann, mit der er zwei Töchter hatte.
1933 schrieb er seinen ersten Kriminalroman, der gleichzeitig auch der erste Fall mit Nero Wolfe war. Während der amerikanischen Beteiligung am Zweiten Weltkrieg schränkte er seine schriftstellerischen Tätigkeiten ein und steckte seine Energie in eine stark deutschlandfeindliche Gesinnung. 1945 verbrachte er erneut einige Monate in Europa, diesmal als Kriegsberichterstatter.
Danach widmete er sich wieder vollständig dem Schreiben; zwischen 1946 und 1966 veröffentlichte er jedes Jahr einen Nero-Wolfe-Roman und zudem zahlreiche Erzählungen um den Privatdetektiv.
Es klingelte an der Tür bescherte ihm letztendlich ein breiteres Publikum und Anerkennung als Schriftsteller, da es einen kleinen Skandal mit dem FBI hervorrief.
1975 vollendete Stout den letzten Nero-Wolfe-Roman und starb in Conneticut, nachdem er jahrelang unter schweren Krankheiten gelitten hatte.
Quelle: Wikipedia

Weitere Meinung zum Buch:


Bildquelle Cover: Klett-Cotta
Bildquelle Freiheitsstatue: Statuecruises
Bildquelle Autorenbild: Criminal Element

Rezension – Das Geheimnis der Madame Yin

Vielen Dank an den Pro-Talk Verlag für das Rezensionsexemplar!

Vordergründig scheint der Auftrag der Pinkerton-Detektivin Celeste Summersteen recht einfach zu sein: Sie soll die 16jährige Dorothea Ellingsford von Chicago zu ihrer Familie nach London begleiten. Viel schwieriger ist aber der eigentliche Auftrag: sie soll den Mörder von einer Freundin Dorotheas finden. Denn deren Tante, Celestes Auftragsgeberin, ist der Meinung, dass auch Dorothea in Gefahr ist.
Kaum in London angekommen, gibt es neue Entwicklungen: Madame Yin, mächtige Drogenbaronin, wird auf die gleiche Weise ermordet. Worin besteht die Verbindung zwischen einer zwielichtigen ehemaligen Prostituierten und der Freundin Dorotheas aus gutem Hause? Und wie kann man die sogenannte Themsebestie aufhalten, wo doch das Morden kein Ende nimmt?

Leseprobe (pdf)

Ah … yes, please!

Als mir dieses Rezensionsexemplar angeboten wurde, konnte ich einfach nicht nein sagen und dafür gibt es mehrere gute Gründe: das Cover hat mir super gefallen, der Klappentext hat mir auch zugesagt, es gibt eine weibliche Detektivin in einem historischen Krimi und, last but not least, es spielt in London. Mehr als genug Gründe also und zudem ein Haufen Sympathiepunkte, die das Buch aber gar nicht braucht, um bei mir gut anzukommen.

Nicht immer überzeugend

Ein oder zwei Kritikpunkte gibt es aber trotzdem. Zum einen gab es in meinen Augen ein paar unnötige Längen. Aufgebaut wurden sie meistens durch überlange Umgebungs- und Personenbeschreibungen. Besonders ärgerlich war das, wenn gerade ordentlich Spannung durch die Mörderjagd aufgebaut wurde und diese dann in den Beschreibungen verpuffte. Hier trifft also zu, dass manchmal weniger doch mehr ist.
Zudem war ich mir bei Celeste ständig unsicher, ob sie mir nun sympathisch ist oder nicht. Einerseits scheint sie immer genau das richtige zu tun und immer die richtige Spürnase zu haben, andererseits erfährt man über sie in meinen Augen recht wenig. Dadurch blieb sie durchgehend weniger lebendig und echt als die anderen Personen des Buches. Nach 400 Seiten, die man in Begleitung eines Protagonisten verbringt, sollte dieser einfach mehr Farbe angenommen haben. Celeste dagegen wirkt oft wie eine Marionette, die einfach nur ihren Job macht und nur für diesen lebt. Selbst wenn betont wird, dass sie Dorothea leiden kann, wird dies durch ihre Taten nicht deutlich.

„Ich arbeite nicht mit einer Frau zusammen. Unter gar keinen Umständen.“
– Inspector Edwards, S. 135

Umso besser gelungen ist dafür der andere Hauptcharakter im Buch: Inspector Robert Edwards von Scotland Yard. Mit diesem hat Nathan Winters voll ins Schwarze getroffen und ich konnte den leicht herablassenden, sehr britischen Inspector, der auf keinen Fall mit einer Frau zusammenarbeiten will, förmlich vor mir sehen. Er reagiert entsprechend verschnupft darauf, dass er gezwungenermaßen Celeste als vorübergehende Partnerin akzeptieren muss.
Sympathisch war er mir dennoch von Anfang an, da er zwar manchmal herablassend ist, aber nicht auf Menschen herabschaut, nur weil sie im Rang unter ihm stehen. Er ist vor allem herablassend, wenn sich jemand seinen Respekt verspielt hat.
Andererseits lässt er aber zu, dass die Menschen sich seinen Respekt verdienen und sieht auch ein, wenn er jemanden falsch eingeschätzt hat. So zollt er schlussendlich auch als einziger von offizieller Seite Celeste die Anerkennung, die sie verdient hat.

„Mit den Weibern hat man nichts als Ärger, […] aber was wär’n wir schon ohne sie? Nicht mal auf dieser Welt. Stimmt’s, oder hab ich Recht?“
– Tobias Gold, S. 366

Wenn wir schon bei den Personen des Buches sind: da sind einige echte Schätzer dabei. Einer davon hat obiges Zitat von sich gegeben und auch sonst gibt es viele echte Persönlichkeiten – sympathische ebenso wie unsympathische.
Auch an der Geschichte selbst gibt es wirklich nichts auszusetzen. Der Fall wird nicht durch pures Glück gelöst, sondern durch Hartnäckigkeit sowohl von Seiten Celestes als auch Edwards. Zudem ergänzen sich die Ergebnisse der beiden auf sehr natürliche Weise, es wirkt nie in irgendeiner Form gezwungen.
Es wird deutlich, dass im viktorianischen London Männer ganz andere Möglichkeiten hatten, Edwards zudem als „Copper“ mehr Autorität besitzt. Celeste als Frau wirkt dagegen unschuldiger und vor allem weniger gefährlich und verschafft sich so einen Vorteil.
Die Hintergründe der Morde sind glaubwürdig und man bekommt auch nicht auf einen Schlag alle Informationen, sondern immer tröpfchenweise und kann mitraten, wer wohl der Mörder ist.Obwohl ich mit Celeste nie ganz warm wurde, muss man ihr lassen, dass sie sich selbstständig ein gutes Leben aufgebaut hat. Mit ihr hat Winters trotz allem eine starke Hauptfigur geschaffen, die dennoch nicht über die Stränge der damaligen Konventionen schlägt.
Auch andere Frauen im Buch schöpfen ihre beschränkten Möglichkeiten voll aus, zudem zeigt sich, dass privat dann doch nicht unbedingt die Männer die Hosen anhatten. Man merkt, dass der Autor viel Mühe in seine Recherche gesteckt hat, denn aus meiner laienhaften Sicht wage ich zu behaupten, dass ein realistisches Bild vom London des 19. Jahrhunderts gemalt wird.
Es wird wieder einmal deutlich welch elendes Leben ein Großteil der Menschen im industrialisierten England spielten. Besonders interessant fand ich dabei, zu lesen, wie schwer es war, gesellschaftlich aufzusteigen, aber wie schnell die Reichen und Angesehenen abstürzten.

Wer sich ein wenig für das Leben im viktorianischen London interessiert und zudem Freude an einem Krimi hat, der manchmal auch eher gemächlich daher kommt, dem kann ich dieses Buch wirklich nur empfehlen. Mir hat es trotz kleinerer Kritikpunkte sehr viel Freude bereitet!

„Ich bin bereit, mein Leben für Ihre Tochter zu riskieren. Was sind sie bereit, zu tun?“
– Celeste Summersteen, S. 346

Über Nathan Winters:
Winters ist ein Pseudonym von Jürgen Bärbig. Er wurde 1971 in der Nähe von Aachen geboren und ist gelernter Maler. Er schreibt schon seit den Neunzigern Romane, das aber mit mäßigem Erfolg, sodass er den Traum vom Schreiben an den Nagel hängte. 2010 begann er wieder damit und wurde 2014 Stipendiat der der Bastei Lübbe Masterclass, in deren Rahmen eine Kurzgeschichte veröffentlicht wurde. 2016 erschien Three Oaks, eine Westernserie.
Quelle: Pro-Talk Verlag, Website des Autors


Quelle des Covers: KongKing PR-Agentur

Quelle London stilisiert: SpreadShirtMedia

Quelle Autorenbild: KongKing PR-Agentur

Rezension – The 12.30 from Croydon

Quelle: British Library
Quelle: British Library

The 12.30 from Croydon | Freeman Wills Crofts | British Library | 347 Seiten | erstmals erschienen 1934, diese Ausgabe 2016
ISBN 978-0-7123-5649-7 | £8.99

Die Geschichte beginnt damit, dass Andrew Crowther im Flugzeug auf dem Weg von Croydon nach Paris tot aufgefunden wird. Danach nimmt das Buch einen anderen Verlauf als erwartet, denn von nun an wird die Geschichte aus Sicht des Mörders beschrieben. Man begleitet ihn von seinem ersten Entschluss, den alten Mann zu töten, über seine Vorbereitungen bis hin zu den Ermittlungen der Polizei und wie er diese erlebt.

British Library Crime Classics

Die British Library hat Krimis aus der Blütezeit des englischen Krimi in der Reihe British Library Crime Classics neu aufgelegt. Aus dieser Reihe habe ich bereits mehrere Bücher gelesen (Capital Crimes, Silent Nights und Mystery in White), zudem liebe ich die Poirot-Geschichten von Agatha Christie, welche ebenfalls in die Ära fallen, der die British Library nun zu erneuter Aufmerksamkeit verhilft. Als ich daher im örtlichen British Shop über dieses Buch gestolpert bin, konnte ich nicht widerstehen.

A very special idea

Neben der Tatsache, dass es ein Buch der British Library Crime Classics ist, hat mich auch die Idee, die Geschichte komplett aus der Sicht des Mörders zu lesen, sofort überzeugt und ich wollte unbedingt wissen, ob und inwiefern dann noch Spannung aufgebaut werden kann. Spontan fällt mir zudem kein anderes Buch ein, in dem der Mörder so stark zu Wort kommt.
In meinen Augen ist es Croft wunderbar gelungen, diese Idee umzusetzen. Es gibt zwar ein paar Stellen, an denen sich das Buch zieht und besonders zu Beginn habe ich darauf gewartet, dass endlich etwas passiert. Aber letztendlich baut das Buch eine Menge Spannung auf – und die war bei mir sehr ambivalent.
Einerseits will man unbedingt, dass Andrew Crwother Gerechtigkeit widerfährt. Andererseits bekommt man alles aus der Sicht des Mörders erzählt und ich habe, trotz allem, mit diesem mitgefühlt. Aus seiner Sicht will man selbstverständlich nicht, dass die Polizei hinter seinen Plot kommt.

Zaudern mit sich selbst

Bei mir hat diese sehr widersprüchliche Spannung dafür gesorgt, dass ich auch noch Tage nach dem Lesen über das Buch nachgedacht habe und teilweise mit mir selbst gehadert habe. Ständig habe ich mir selbst die Frage gestellt, wie ich tatsächlich einem Mörder wünschte, dass er davon kommt.
Das ist nicht das erste Mal, dass ich der Meinung war, dass in fiktiven Morden das Mordopfer verdient hatte, was passiert ist, beispielsweise wenn dieser seine Kinder oder Frau misshandelt hat, oder andere Menschen wissentlich durch sein Handeln in Unglück gestürzt hat.
Keines von beidem ist hier der Fall und dennoch ertappte ich mich manchmal dabei, dass ich dem Mörder die Freiheit wünschte.

Letztendlich denke ich, dass das die Sache ist, welche dieses Buch für mich zu einer wirklich spannenden Lektüre gemacht hat und dafür sorgen wird, dass es mir trotz der uralten Grundgeschichte – nämlich Mord – noch ein ganzes Weilchen in Erinnerung bleibt. Allerdings gab es besonders zu Beginn immer wieder einige Längen, welche dafür gesorgt haben, dass ich das Buch teilweise nicht so sehr genossen habe, wie es möglich gewesen wäre.

How strange it was […] that the useless and obstructive so often live on, while the valuable and progressive die early!
– Charles Swinburn, p. 76

Über Freeman Wills Croft:
Croft wurde 1879 in Dublin geboren und machte ab 1896 eine Ausbildung zum Ingenieur von Schienensystemen im Unternehmen, in dem sein Onkel arbeitete. Bereits drei Jahre später fand er Anstellung in leitender Position einer anderen Firma.
Diesen Beruf übte er jahrelang aus, bis er 1919 erkrankte und das Schreiben von seinem Arzt als Ablenkung empfohlen bekam. Bereits ein Jahr später erschien sein Debütroman The Cask (dt.: Die Frau im Fass), welcher von Kritikern hochgelobt wurde.
Ab 1929 widmete er sich vollständig dem Schreiben und verfasste bis zu seinem Tod im Jahre 1957 mehr als 40 Werke, der Großteil davon sind Kriminalromane. Einige seiner Bücher sind auch auf deutsch erhältlich.
Ab 1930 gehörte er zudem dem bekannten Detection Club an, zu dessen Mitglieder bekannte Namen wie Agatha Christie, Dorothy L. Sayers und Anthony Berkeley gehörten.
Crofts war von 1912 an mit Mary Bellas Canning verheiratet, die Ehe bleib kinderlos.
Quelle: Wikipedia zu Crofts und dem Detection Club

Weitere Meinungen zum Buch:


Bildquelle British Library-Logo: Wikipedia
Bildquelle Poster: Railway Posters
Bildquelle Autorenbild: National Portrait Gallery (Bild Nr. x156450; by Bassano, half-plate film negative, 13 June 1939)

Rezension – Nussschale

Nussschale.jpegNussschale | Ian McEwan | Diogenes | erschienen 2016
aus dem Englischen: Nutshell | Übersetzer: Bernhard Robben
Hardcover: ISBN 978-3-257-06982-2 | 22€
E-Book: ISBN 978-3-257-60777-2 | 18,99€
Leseprobe

Trudy hat ein Verhältnis. Damit ist sie bestimmt nicht die einzige, aber erstens hat sie dieses Verhältnis mit Claude, dem Bruder ihres Mannes John, und zweitens gibt es einen Zeugen des Verhältnisses: einen sehr neugierigen, fast neun Monate alten Fötus in Trudys Bauch. Dieser ist Zuhörer, als Trudy und Claude einen Plan schmieden …

Wenn ein Buch mit dem Satz

So, hier bin ich, kopfüber in einer Frau.
– S. 9

beginnt, dann macht das schon mal deutlich, dass dies kein Buch wie jedes andere ist. Zum einen wird schnell klar, dass es sich hier um eine sehr außergewöhnliche Hauptperson handelt.
Das Buch ist eine Hommage an Hamlet von William Shakespeare, hat aber eindeutig auch Charme für Leser, die den Hamlet nicht kennen – was auf mich zutrifft. Natürlich wusste ich, dass es dieses Stück gibt, aber ich hätte nicht einmal grob sagen können, worum es da nun geht. Nachdem ich das schnell gegoogelt hatte, offenbarte sich die ein oder andere Überschneidung: die moderne Gertrude in Form von Trudy, sowie deren Affäre Claudius, aus dem hier Claude wird, ebenso Rachegedanken des Sohnes. Außerdem macht McEwan immer wieder Anspielungen auf andere Dinge, wie „Sein oder Nichtsein“ und ich habe vermutlich den allergrößten Teil der Anspielungen nicht verstanden. Wie gesagt, macht es die Unkenntnis des Hamlet aber keineswegs zu einer weniger guten Lektüre.
Zum einen ist das Baby, auch ohne Vorwissen über Hamlet, ein echter Knüller. Bereits auf den ersten paar Seiten hat es bei mir für Lacher gesorgt. Das Buch wird komplett aus seiner Sicht erzählt, in der Ich-Perspektive, und handelt sich quasi um einen einzigen Monolog, wenn man einmal von den „belauschten“ Gesprächen Trudys absieht. Das Baby widmet sich sowohl den eher banalen Dingen, wie dem Wetter, als auch philosophischen Fragen, Podcasts, die seine Mutter sich anhört und natürlich: der Affäre Trudys. In Bezug darauf drehen sich seine Gedanken zunächst nur um seine Abneigung gegenüber Claude, zunehmend geht es aber auch um Trudy und Claudes Plan und wie seine Möglichkeiten sind, diesen aus dem Mutterleib heraus zu verhindern.

Nicht jedermann weiß, wie es ist, den Penis des Rivalen seines Vaters nur wenige Zentimeter vor der eigenen Nase zu haben.
– S. 37

Das Baby ist in seinen Ansichten sehr zynisch und philosophiert beispielsweise vor sich hin, welches Land denn nun optimal wäre, um darin geboren zu werden – und was für sein Geburtsland England spricht. Darin blitzt immer mal wieder der sehr schwarze, sehr britische Humor hervor, den ich zu lieben gelernt habe. Allerdings hat mir diese besondere Erzähler nicht immer gefallen. Manchmal erschien es mir zu zugespitzt und überzeichnet: dieser zynische, manchmal fast boshafte, zu Ausschweifungen neigende und weinliebende, fast durchgehend angeheiterte, zukünftige Mensch. Manchmal war es für mich einfach zu viel des Guten.

Ich teile mir gern ein Glas Wein mit meiner Mutter. Womöglich haben Sie es längst vergessen oder auch nie erlebt, wie herrlich ein durch die Plazenta dekantierter Burgunder schmeckt […] oder ein Sancerre […].
– S. 17

Damit erweist er sich schonmal als besserer Weinkenner als ich es vermutlich je sein werde.
Die anderen Charaktere, also Mutter Trudy, Vater John und Liebhaber Claude, sind sehr eindrücklich aus Sicht des Babys beschrieben. Das Baby lässt sich nicht lang und breit über die Charakterzüge seines Umfelds aus, sondern geht viel mehr auf deren Verhalten und Handlungen ein. Dadurch fiel es mir leicht, mir ein eigenes Bild zu schaffen und es gab diese Diskrepanz zwischen den Beschreibungen eines Charakters und dem Empfinden eines Lesers über den Charakter nicht. Andererseits beeinflusst die Perspektive des Erzählers natürlich die Perspektive des Lesers. So kann man Claude gar nicht wirklich als sympathisch empfinden, da das Baby zu viel Hass gegenüber seinem Onkel empfindet. Und bei Trudy fühlt man sich, wie der Kleine, hin- und hergerissen zwischen Abneigung gegenüber der Frau, die ihren Mann betrügt und sich zudem nicht wirklich vorbildlich verhält was die Schwangerschaft angeht (wie sonst kann ein Fötus über Burgunder und Sancerre Bescheid wissen?), und die unabdingbare Liebe eines Kindes gegenüber seiner Mutter. John steht da noch im besten Licht da: der Künstler, immer knapp bei Kasse, in „hoffnungsloser Liebe zu ihr“ (S. 30) gefangen, der sich eigentlich nur seine Frau zurückwünscht.
Davon einmal abgesehen, haben mich aber die Geschichte selber und die übergeordnete Idee, ein Ungeborenes als Erzähler zu haben, überzeugt. Dafür spricht schon, dass ich das Buch innerhalb weniger Stunden verschlungen habe. Es ist eine schöne Lektüre, die mich auch immer wieder zum Nachdenken angeregt hat: über elementare Dinge wie eine Schwangerschaft, aber auch über manche Absurditäten unserer Zeit und unserer Welt.
Allerdings haben sich die Monologe des zukünftigen Erdenbewohners manchmal doch zu sehr gezogen. Besonders zum Ende habe ich teilweise ganze Absätze nur noch überflogen, ohne genauer zu lesen. Das mag teilweise daran gelegen haben, dass ich wirklich unbedingt wissen wollte, welches Ende Trudy, Claude und das Baby nehmen. Aber hauptsächlich lag es daran, dass mich die gedanklichen Ergüsse wenig bis gar nicht fesseln konnten.

Alles in allem habe ich das Gefühl, dass dieses Buch durchaus bereichernd ist: mit seiner ungewöhnlichen Perspektive, seinem Witz und Zynismus hat es mir gut gefallen. Insbesondere zum Ende hin hätte man in meinen Augen den ein oder anderen Monolog aber durchaus kürzen können.

Keine Wahrheit schränkt das Leben so sehr ein wie die folgende: Es ist immer jetzt, immer hier, nie dann und da.
– S. 56

4Sterne

 

photo credit: Annalena McAfee
photo credit: Annalena McAfee

Über Ian McEwan:
McEwan wurde 1948 in Aldershot, GB, geboren und lebte bis zu seinem zwölften Lebensjahr mit seiner Familie im Ausland (u.a. Lybien, Singapur und Deutschland), da sein Vater Soldat war. Er studierte englische Literatur in Brighton und Norwich. Seine ersten Werke waren Kurzgeschichten-Sammlungen, die erste wurde 1975 veröffentlicht und wurde im Jahr darauf bereits mit einem Preis ausgezeichnet. 1978 erschien sein erster Roman, zwanzig Jahre später gewann er den Man Booker Prize für seinen Roman Amsterdam. Für den Preis war er insgesamt sechs Mal nominiert, daneben erhielt er zahlreiche andere Auszeichnungen, auch international.
Er ist in zweiter Ehe seit 1997 mit Annalena McAfee, ehemalige Redakteurin bei The Guardian, verheiratet. Mit seiner ersten Frau Penny Allen hat er zwei Söhne.
Quelle: Wikipedia

Weitere Meinungen zum Buch:

Rezension – Speaking in Bones

Quelle: Arrow Books
Quelle: Arrow Books

Speaking in Bones | Kathy Reichs | Arrow Books | erschienen 2015
Taschenbuch: ISBN 978-0-09-955812-5 | 7.99£
E-Book: ISBN 978-1-44-818499-6 | 4.99£

Die Hobby-Detektivin Hazel Strike, genannt Lucky, ist überzeugt davon, den Namen zu einer nicht identifizierten Leiche gefunden zu haben. Sie tritt damit an die forensische Anthropologin Dr. Temperance Brennan heran, denn in deren Labor liegen die Überreste. Zudem spielt sie ihr ein Audioband vor, dass sie am Fundort der Leiche entdeckt hat. Die verstörende Aufnahme lässt Brennan nicht mehr los und so beginnt sie ihre Ermittlungen. Doch jede neue Entdeckung scheint mehr Fragen und immer furchtbarere Theorien aufzuwerfen.

Noch in England habe ich bereits ein Buch von Kathy Reichs gelesen, Bones are forever. Jetzt habe ich, entgegen meines damaligen Entschlusses, ihre Bücher nur noch auf Deutsch zu lesen, wieder zu einer englischen Ausgabe gegriffen.
Auch hier hat mich die Geschichte nicht enttäuscht. Die Fernseh-Serie Bones, welche lose auf Kathy Reichs Büchern beruht, liebe ich immer noch. Und obwohl die Figuren aus den Büchern den Figuren der Serie kaum ähneln, finde ich auch diese super!
Ich lese nur selten Thriller, da sie mir meist zu blutrünstig und gruselig sind. Auch die Geschichte um Brennan ruft immer wieder Nervenkitzel hervor, aber genau im richtigen Maß. Dadurch, dass sie in erster Linie mit Knochen arbeitet, gibt es keine Beschreibungen verstümmelter Leichen. Der Fachjargon, der mich noch bei Bones are forever gestört hat, hat mir diesmal wenig ausgemacht. Ich weiß nicht ob es daran liegt, dass er kaum benutzt wurde oder sich mein Englisch nur verbessert hat, jedenfalls hat dieser dafür gesorgt, dass es ein trockener Ton bleibt. Keine blutrünstigen Erklärungen, die mich grün im Gesicht werden lassen.
Besonders gut fand ich, dass zu neuen Entdeckungen auch oft auch ausführlich über den historischen Hintergrund berichtet wird. Da sich der Fall stark auf das Thema Religiosität, teils auch Sektentum und Fanatismus, konzentriert, gibt es natürlich entsprechend viel und, in meinen Augen, interessante Historie dazu.
In meinen Augen gelingt es Reichs sehr gut, mit wenigen Worten ein Gefühl für einen Ort oder die Atmosphäre einer Situation zu schaffen. Auch bei Personen ergeht sie sich nicht in unnötig langen Beschreibungen, sondern konzentriert sich auf das Nötigste und lässt oftmals durch Kleinigkeiten – eine bestimmte Angewohnheit oder die Sprache – das Bild einer Person vor den Augen des Lesers erstehen. Überhaupt lässt sich sagen, dass es im Buch keine Längen gibt, welche die Spannung einschlafen lassen. Es gibt immer irgendeine Neuigkeit und irgendwas zu tun. Und trotz der knappen und meist sachlichen Sprache gelingt es ihr erstens die Gefühle von Brennan, aus deren Sicht das Buch geschrieben ist, deutlich zu machen und zweitens richtig witzige Szenen zu schreiben. Immer wieder ist mir bei Brennans trockenen Kommentaren ein Lacher entschlüpft.

Ich habe dieses Buch quasi inhaliert: Reichs trumpft wieder mit einer spannenden und gut geschriebenen Geschichte auf und ich werde definitiv weitere ihrer Bücher um Dr. Temperance Brennan lesen – auf englisch!

Does anyone ever change?
– Dr. Temperance Brennan, S. 153

5SterneÜber Kathy Reichs:
Kathy Reichs, mit vollem Namen Kathleen Joan Reichs, wurde 1950 in Chicago geboren. Sie studierte unter anderem Archäologie und ist als forensische Anthropologin tätig. Neben ihrer Arbeit als Dozentin für das FBI und als Professorin an der University of North Carolina, hat sie auch geholfen, Opfer des Terroranschlags auf das World Trade Center 2001 und exhumierte Leichen aus Massengräbern in Ruanda und Guatemala im Auftrag der UN zu identifizieren.
1997 erschien ihr erster Roman Déjà Dead (dt.: Tote lügen nicht) mit der Hauptfigur Dr. Temperance Brennan, die forensische Anthropologin ist. Deren Fälle beruhen auf wahren Fällen, an denen Kathy Reichs beteiligt war. Mittlerweile sind weitere 17 Bücher mit Dr. Temperance Brennan erschienen. Seit 2005 gibt es zudem die Fernsehserie Bones; dafür wurden Teile der Romane übernommen, allerdings unterscheiden sich die Dr. Brennans aus Büchern und Film stark.
Kathy Reichs ist sein 1969 mit dem Untersuchungsrichter Paul Reichs verheiratet; sie haben drei Kinder.
Quelle: Wikipedia

Weitere Meinungen zum Buch:

Rezension – Das Geheimnis des weißen Bandes

Das_Geheimnis_des_weißen_BandesDas Geheimnis des weißen Bandes | Anthony Horowitz | Insel Taschenbuch | erschienen 2013
aus dem Englischen: The House of Silk | Übersetzer: Lutz-W. Wolff
ISBN 978-3-458-35915-9 | 9,99€
Trailer

Als ein elegant gekleideter Mann die Baker Street 221b betritt, wissen Sherlock Holmes und Dr. Watson noch nicht, dass dies der möglicherweise gefährlichste Fall ihrer Zusammenarbeit wird. Er hat bei der Zerschlagung einer amerikanischen Verbrecherbande geholfen und glaubt, dass ihn der einzige Überlebende nun in England gefunden hat. Doch auf der Suche nach dem Gangster kommt Holmes einer Verschwörung auf die Spur, die ihn in größte Gefahr bringt.

Ich liebe die Bücher von Anthony Horowitz und ich liebe Sherlock Holmes. Die Wahl, dieses Buch auszuleihen, fiel daher nicht schwer. Nach dem Lesen kann ich sagen: Das Buch ist der Hammer!
Horowitz macht Sir Arthur Conan Doyle alle Ehre und bietet den Lesern die Chance, noch einmal in die Welt von Sherlock Holmes einzutauchen, mit Watson zu rätseln und von Homes beeindruckt zu werden.
Dieser Sherlock steht dem Original in nichts nach, wenn es um die Kunst der Deduktion geht. Wenn man im Prolog schon untertassengroße Augen bekommt, wenn er seine Künste anwendet, dann kann es nur gut werden.
Horowitz gelingt es auch auf verblüffende Weise, das viktorianische London heraufzubeschwören. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man fast davon ausgehen, dass er es selbst erlebt hat.
Watson schreibt diese Geschichte auf, nachdem Holmes gestorben ist und die Ereignisse bereits einige Zeit zurückliegen. Zum größten Teil merkt man das nicht, aber manchmal katapultiert er den Leser wieder in seine Gegenwart und spielt auf Dinge an, die erst später stattfinden. Dies hat mir einerseits das Gefühl vermittelt, dass man quasi neben Watson an dessen Krankenbett sitzt und von ihm ins Vertrauen gezogen wird, andererseits hat es die Spannung sehr gesteigert. Es lag weniger daran, dass er fiese Cliffhanger eingebaut hat, sondern war eher der Tatsache geschuldet, dass er an diesen Stellen darauf hingewiesen hat, welch ein Skandal dieser Fall war und wie sehr er die Gesellschaft durchdrungen hat. Man hat also fieberhaft darauf gewartet zu erfahren, was diesen Fall ausmacht und wo er hinführt. Ich bin förmlich durch die Seiten geflogen.
Obgleich es Horowitz gelingt, das viktorianische London wieder auferleben zu lassen und Sherlock Holmes noch einmal auferstehen zu lassen, merkt man dennoch stellenweise, dass das Buch nicht von Doyle geschrieben wurde. Meiner Meinung nach war der Fall und der Skandal, der dahinter liegt, um einiges brutaler und erschreckender war, als es in den originalen Büchern der Fall ist. Vielleicht spiegelt sich darin wieder, dass wir heutzutage von Krimis mehr Schrecken erwarten, als es zu Doyles Zeit der Fall war.

Obwohl man unbedingt wissen will, wie dieser Fall endet, will man eigentlich nicht, dass das Buch jemals zu Ende ist. Für mich war es, als hätte ich einen alten Bekannten getroffen, den ich nun nicht mehr verabschieden will. Es war einfach etwas ganz besonderes, nochmal in einen Fall von Holmes und Watson einzutauchen, mit ihnen (oder besser: mit Watson) zu rätseln und letztendlich auch eine stimmige Auflösung unterbreitet zu bekommen.

Kein Land darf seine Rechtsstaatlichkeit um der Zweckdienlichkeit willen opfern.
– Dr. John Watson (S. 349)

goldene_SterneÜber Anthony Horowitz:
Horowitz wurde 1956 in Großbritannien geboren und wuchs in einem wohlhabenden Elternhaus auf. Mit acht Jahren wurde er auf ein Internat geschickt und nahm die dort vorherrschenden schrecklichen Verhältnisse als Vorlage für einige seiner Werke. Dort entschied er auch, dass er Schriftsteller werden wollte. Seit 1979, als sein erstes Buch erschien, ist er als freier Schriftsteller tätig. Er zählt zu den produktivsten britischen Autoren und ist auch als Drehbuchautor für Film, Fernsehen und Theater tätig.
1988 heiratete er seine Frau. Zusammen mit ihr und den zwei gemeinsamen Kindern lebt er in London.
Quelle: Wikipedia

Kaufen kann man das Buch beispielsweise bei buecher.de

Rezension – Death in the Tunnel

Death_in_the_TunnelDeath in the Tunnel | Miles Burton | British Library | erstmals erschienen 1936; diese Ausgabe veröffentlicht in 2016
ISBN 978-0-7123-5641-1 | £8.99

Sir Wilfred Saxonby reist alleine in einem abgeschlossenen Abteil und so weist alles auf Selbstmord hin, als Sir Wilfred tot aufgefunden wird, nachdem der Zug einen Tunnel verlassen hat. Doch als Inspector Arnold von Scotland Yard kein Motiv für einen Selbstmord in Erfahrung bringen kann und zudem erfährt, dass der Zug im Tunnel von einem mysteriösen Licht heruntergebremst wurde, regen sich Zweifel in ihm. Doch je mehr Fakten ans Licht kommen, desto verwirrender wird der Fall. Daher bittet Arnold seinen Freund und Hobby-Detektiv Desmond Merrion um Hilfe.

Ich liebe die Krimi-Klassiker, die von der British Library neu aufgelegt wurden. Mal davon abgesehen, dass die Bücher toll in der Hand liegen, sind es auch jedes Mal spannende Krimis, aus der Hochzeit britischen Krimis, in erster Linie aus den 20er und 30er Jahren.
Auch Death in the Tunnel bildet da keine Ausnahme. Dieses Locked-Room-Rätsel stellt nicht nur die Ermittler sondern auch den Leser vor Rätsel. Es braucht zwar die ersten rund 50 Seiten um Fahrt aufzunehmen, aber von da an stellt jede neue Enthüllung ein ganz eigenes Rätsel dar.
Das ist zumindest der Fall, bis Merrion seine Vermutungen anstellt; schon kurz vor Schluss wird dadurch klar, wer verantwortlich ist. Das ist für mich der einzig Kritikpunkt an diesem Cosy Crime: Es wird zu früh klar, wer der Täter ist.
Merrion und Arnold haben mich stellenweise sehr an Hercule Poirot und seinen Inspector Japp erinnert, mit dem Einfallsreichtum des Einen und dem Willen des Anderen, jedwede Lösung anzunehmen – nur, um den Fall abschließen zu können. Auch der Fall an sich und die letztendliche Lösung hätten von der Queen of Crime kommen können. Allerdings ist Merrion um einiges zugänglicher als Poirot und nimmt ausschließlich eine beratende Rolle ein.
Wenn man einmal davon absieht, dass die Lösung des Falles zu schnell klar wird, hat dieses Buch viel Ähnlichkeit mit Büchern über Poirot. Eine Sache macht dieses Buch aber doch besser: in meinen Augen bekommt man einen stärkeren Einblick in die 1930er Jahre, beispielsweise wenn es um technische Dinge geht. Poirot könnte theoretisch auch heute spielen, aber Merrion und Arnold sind ganz eindeutig Kinder ihrer Zeit und könnten niemals in das Heute verwurzelt werden.

Für Liebhaber des Cosy Crime und Fans von Agatha Christie ein tolles Buch, dessen einziger Schwachpunkt die frühe Ahnung über den Verantwortlichen ist.

The problem fascinated him, since every possible solution presented apparently insuperable difficulties.
– Desmond Merrion (S. 68)

4Sterne

Über Miles Burton:
Miles Burton war eines der Pseudonyme des britischen Kriminalschriftstellers Cecil Street. Geboren wurde er um 1884 auf Gibraltar und machte zunächst Karriere in der britischen Armee. Als Schriftsteller betätigte er sich ab 1925.
Besonders bekannt wurden seine Bücher um den Forensiker Dr. Priestley, welche er unter dem Pseudonym John Rhode schrieb.
Street starb 1965.
Quelle: Wikipedia

Kaufen kann man das Buch bei buecher.de

Rezension – Das Geheimnis der Signora

Das_Geheimnis_der_SignoraDas Geheimnis der Signora | Marco Vichi | Bastei Entertainment | erscheint am 22.8.2016
aus dem Italienischen: Il Commissario Bordelli
diese Ausgabe ist nur als E-Book verfügbar: ISBN 978-3-7325-3791-4 | 5,99€

Als Commissario Casini mitten in der Nacht einen Anruf bekommt, herrscht in den Straßen von Florenz noch immer eine drückende Hitze – und eine Signora wurde tot in ihrer Villa aufgefunden. Ihren Tod begleiten einige mysteriöse Umstände, sodass Casini zu ermitteln beginnt.

Ich bin ein großer Liebhaber von Cosy Crime-Büchern und nach einem solchen hat sich dieses Buch angehört. Zudem gefallen mir die Bücher mit Commissario Brunetti sehr gut, daher konnte ich der Möglichkeit, einen weiteren italienischen Kommissar für mich zu entdecken, nicht widerstehen.
Mal abgesehen von seiner Liebe zu gutem Essen und gutem Wein unterscheidet sich Commissario Casini zwar grundlegend von Brunetti, sympathisch war er mir dennoch. Er ist ein mürrischer Brummbär, der sehr unter der sommerlichen Hitze leidet und allerlei, für einen Polizisten, merkwürdige Freunde um sich schart und auch mit 53 noch von der großen Liebe träumt. In Sicht ist diese allerdings nicht. Dafür verfügt er über eine Herzensgüte, die er besonders im Umgang mit eben jenen merkwürdigen Freunden unter der Beweis stellt.
Obwohl mir die wichtigste Person also schon einmal sympathisch war, konnte ich mich nicht wirklich für dieses Buch erwärmen. Ein Großteil des Buches dreht sich gar nicht um den Fall, sondern handelt von Casinis Freunden und seiner Zeit als Soldat während des Zweiten Weltkriegs. Obwohl ich dafür grundsätzlich immer offen bin, da ich mich für den Zweiten Weltkrieg interessiere, war es mir doch zu viel. Letztendlich sollte es hier um die ermordete Signora und weniger um Casinis Vergangenheit gehen. Dass noch in jedem zweiten Satz die rekordverdächtige Hitze, die über der Stadt liegt, erwähnt wird, macht die Sache nicht besser.
Außerdem hatte ich oft das Gefühl, dass mir der Autor unbedingt einhämmern wollte, dass Casini eine bestimmte Charaktereigenschaft hat. Dies hatte nichts mehr von Anzeigen und Andeuten, sondern die Subtilität einer Keule, die man über den Kopf gezogen bekommt. So gab es einige Anekdoten, die man meiner Meinung nach gut hätte herauslassen können, um sich stattdessen auf den Fall zu konzentrieren.
Ermittelt wurde auch eher wenig, stattdessen gab es Abendessen mit Freunden und lange Absätze über seine Gedanken, die sich aber in erster Linie um die unmenschliche Hitze drehten. Bei mir hat sich entsprechend wenig Spannung eingestellt.
Sowieso waren die „Ermittlungen“ eher ein Witz, denn von Anfang an beschränken sich die diese auf einen winzig kleinen Personenkreis, auf den die Haushälterin der Signora darauf aufmerksam macht. In andere Richtungen ermitteln, kommt keinem der Beteiligten in den Sinn.

Dieses Buch war mir eindeutig zu cosy. Ermittelt wurde wenig, die meisten Gedanken drehen sich um die Hitze. Positiv bleibt nur der Commissario in Erinnerung, sowie ein Einblick in das Italien der 60er Jahre.

„Wer etwas Schlechtes tut, der tut nicht nur etwas Schlechtes, sondern leitet es auch weiter.“
– Dante Pedretti, (83% Kindle-Edition)

3SterneMehr Informationen, auch zum Kauf, gibt es bei Bastei Entertainment


Vielen Dank an NetGalley und Bastei Entertainment für dieses Rezensionsexemplar!