Der 1. Mord

Der_1_MordDer 1. Mord | James Patterson | Blanvalet | erschienen 2007
ISBN 978-3-442-36919-5 | 8.95€
Leseprobe

Über James Patterson:
Patterson wurde 1949 geboren, studierte Englische Literatur und arbeitete als Werbetexter bei einer großen amerikanischen Werbeagentur. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, für seinen ersten Krimi Die Toten aber wissen gar nichts, einen Verlag zu finden, erschien das Buch 1976. Ab 1992 erschienen die erfolgreichen Alex-Cross-Krimis.
Mittlerweile zählt Patterson zu den internationalen Bestsellerautoren, mit über 100 Millionen verkauften Büchern, die in mehr als 40 Sprachen übersetzt wurden.

Ein junges Pärchen wird in der Hochzeitsnacht brutal ermordet. Lindsay Boxer, der einzige weibliche Detective bei der Mordkommission von San Francisco, bekommt den Fall übertragen – und dazu noch einen neuen Partner, Chris Raleigh. Und auch wenn zwischen den beiden die Funken fliegen, hat Lindsay doch ganz andere Sorgen: alle Beweise, die Pathologin Claire Washburn findet, deuten auf einen Serienmörder hin. Dies bestätigt sich, als weitere „Honeymoon“-Morde begangen werden. Der Durchbruch gelingt, als Lindsay den „Club der Ermittlerinnen“ gründet. Mithilfe ihrer Freundinnen – Journalistin Cindy Thomas, Pathologin Claire Washburn und Staatsanwältin Jill Bernhardt – gelingt Lindsay die Aufklärung des Falls.

Ich liebe dieses Buch! Es ist spannend geschrieben (auch wenn ich es nicht als Thriller bezeichnen würde) und ich fühlte mich unglaublich in die Geschichte „hineingezogen“, da zum größten Teil Lindsay aus der Ich-Perspektive erzählt. Dadurch werden ihre Gefühle im Laufe des Falls noch viel eindringlicher und nachfühlbarer.
Patterson hat mit Lindsay und dem „Club der Ermittlerinnen“ vier sehr sympathische, toughe und liebenswerte Frauen geschaffen. Alle vier haben sich in von Männern dominierten Berufen durchgesetzt und sind zu Meistern ihres Fachs geworden. Trotzdem sind sie sehr unterschiedlich. Das macht in meinen Augen den Reiz des „Clubs“ aus (die englische Version „Women’s Murder Club“ gefällt mir ja um einiges besser) und führt dazu, dass man auch immer mal wieder lachen kann.
Auch der Fall hat mich an einigen Stellen überrascht und am Ende in Tränen ausbrechen lassen – insgesamt also ein rundum gelungenes Buch.

„Wir sind ein Team. Wir werden immer zusammen sein.“
– Cindy Thomas

5Sterne

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

Die_unwahrscheinliche_Pilgerreise_des_Harold_FryDie unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry | Rachel Joyce | Krüger | erschienen 2012
ISBN 978-3-8105-1079-2 | 9.99€
Leseprobe

Über Rachel Joyce:
Joyce wurde 1962 in London geboren. Sie studierte Englisch und arbeitete danach als Schauspielerin. Schließlich begann sie, als Hörspielautorin für die BBC zu arbeiten; dafür wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Mit ihrem Debütroman Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry landete sie einen Welterfolg.
Joyce lebt mit ihrem Mann, dem Schauspieler Paul Venables, und ihren vier Kindern in Gloucestershire.

Harold Fry bekommt einen Brief von einer ehemaligen Arbeitskollegin, Queenie Hennessy. Darin teilt sie ihm mit, dass sie an Krebs erkrankt ist und bald sterben wird. Eigentlich will Harold nur die Antwort darauf in den Briefkasten schmeißen, doch dann läuft er am Briefkasten vorbei und immer weiter. So legt er in wenigen Monaten rund tausend Kilometer zurück. Auf seinem Weg trifft er einige Leute: Weggefährten auf Zeit, Helfer, Interessierte. Immer wieder zweifelt er an sich selbst und an seinem Vorhaben. Während seiner Pilgerreise arbeitet er nach und nach seine Vergangenheit auf; insbesondere die Beziehungen zu seiner Frau Maureen, seinem Sohn David und Queenie Hennessy.
Gleichzeitig wird die Geschichte aus der Sicht von Harolds Frau Maureen erzählt. Auch sie entwickelt sich während der Abwesenheit ihres Mannes, und obwohl er pilgert, beschäftigt sie sich mit den gleichen Ängsten und Sorgen in Bezug auf ihre Ehe und den gemeinsamen Sohn.

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry wurde nach seinem Erscheinen sehr gehypt. Ich wollte das Buch eigentlich schon immer mal lesen und versteh im Nachhinein nicht, warum es so lange auf meiner Wunschliste stand und ich nicht schon viel früher zugegriffen habe.
Es hat ein bisschen gedauert, bis ich mit Harold warm wurde und noch länger, bis ich mich mit Maureen angefreundet hatte. Umso einfacher ist es dagegen, in die Geschichte hineinzukommen. Joyce schreibt flüssig und nachvollziehbar. So wird selbst Harolds verrückte Idee plötzlich etwas absolut verständliches. Ich habe mit Harold und Maureen gelitten und war unglaublich berührt davon, wie die beiden ihre Gefühle füreinander wiederentdecken.
Sehr berührend sind auch die Begegnungen, die Harold auf seiner Reise hat. So führt er oft tiefschürfende Gespräche mit Wildfremden, vertraut ihnen Teile aus seinem Leben an und im Gegensatz tun diese das Selbe. So helfen sie sich gegenseitig. Insbesondere Harold entwickelt sich oft auch anhand solcher Gespräche weiter (ob der Gesprächspartner dies tut, kann man ja nicht wissen).

Insgesamt ist es in meinen Augen eine durchweg gelungene Geschichte, die mir immer mal wieder Tränen in die Augen getrieben hat, mich aber auch zum Lachen gebracht hat.

Er war nicht mehr jemand, der mal schnell zum Briefkasten wollte. Er war unterwegs zu Queenie Hennessy. Er fing noch einmal von vorne an.
– Harold Fry

5Sterne

Stay with me

Stay_with_meStay with Me | J. Lynn | Piper | erschienen 2014
ISBN 978-3492306195 | 8.99€ (kindle-edition)

Über J. Lynn:
J. Lynn ist das Pseudonym von Jennifer L. Armentrout. Sie wurde 1980 in West Virginia geboren; heute lebt sie zusammen mit Ehemann und Hund. Ihr bisher größter Erfolg war die Serie von Romanen, zu der Stay with Me gehört. Davor schrieb sie schon zahlreiche Young-Adult-Fantasy- und Liebesromane, die international erfolgreich waren.

Calla ist 21 und findet am Semesterende heraus, dass ihre Mutter Callas Studiendarlehen verprasst hat und auf ihren Namen Kredite von insgesamt rund hunderttausend Dollar aufgenommen hat. Daher reist Calla in ihre Heimatstadt, die sie seit Jahren nicht mehr besucht hat. In der Bar ihrer Mutter trifft sie den unglaublich gut aussehenden und sexy Barkeeper Jackson „Jax“ James. Dieser macht keinen Hehl aus der Tatsache, dass er sich von Calla angezogen fühlt. So entwickelt sich zwischen den beiden bald eine Beziehung, während Calla aufgrund der Drogenprobleme ihrer Mutter das organisierte Verbrechen im Nacken sitzt. Aber irgendetwas verschweigt Jax ihr …

Stay with me ist das vierte Buch in der Wait for you-Reihe von J. Lynn. Ich hab auch alle anderen Bücher gelesen, aber Calla ist mir ganz besonders ans Herz gewachsen. Sie ist einfach super sympathisch und Jax hat diesen „Den-will-ich-auch-haben“-Flair. Das ist in meinen Augen auch immer ein wichtiger Teil eines guten Liebesromans: Am Ende habe ich mich auch in den männlichen Teil des Paars verliebt.
Ich erwähne gefühlt ja in jedem Beitrag, dass ich unvollkommene Charaktere toll finde. Und von allen weiblichen Hauptpersonen hat Calla das, in meinen Augen, größte Päckchen zu tragen und allgemein auch die heftigste Geschichte – ich meine, wer kann von sich schon behaupten, dass die Mafia hinter ihm her ist?!
Bei Calla habe ich mitgefiebert, ob sie es schafft, über ihren Schatten zu springen und sich selbst sowie Jax anzunehmen und ein „happily ever after“-Ende zustande zubringen 😉

Ich bin von der gesamten Wait for you-Reihe sehr begeistert, aber Stay with me ist einfach das Beste! Für alle Bücher gilt, dass sie flüssig zu lesen sind, ich sie in einem Rutsch verschlungen habe und dass es der Autorin herausragend gelingt, die Gefühle ihrer Protagonistinnen darzustellen und dabei noch humorvoll zu schreiben. Die Entwicklung der Charaktere ist auf sehr berührende und nachvollziehbare Weise dargestellt.

Plötzlich erinnerte ich mich. Ich war angeschossen worden. Jemand hatte tatsächlich mit einer Waffe auf mich geschossen. So richtig. Gott, ich war wirklich vom Pech verfolgt.
– Calla Fritz

5Sterne

Perdita

PerditaPerdita | Paul Domino | amazonpublishing | erschienen 2015
ISBN 9781503948631 | 4.99€

Über Paul Domino:
Domino wurde 1969 in Hildesheim geboren; seit über 15 Jahren unterrichtet er mittlerweile in München Latein und Deutsch an einem Gymnasium. Verheiratet ist er mit einer Italienerin, von ihr hat er eine Tochter. Den Sommer verbringt die Familie bei Dominos Schwiegereltern in der Toskana. Dort entstehen und spielen Dominos Krimis um Capitano Bardi.

Die Deutsche Eva van Laak entdeckt auf einem ihrer Morgenspaziergänge einen leblosen Körper in den Weinbergen. Nachdem sie Capitano Bardi, Leiter der Carabinieri-Wache in San Pietro, informiert hat, inspiziert dieser den Weinberg – aber der Körper ist verschwunden. Kurz darauf werden Bardis Freund Mirri sowie ein Mönch des nahegelegenen Klosters vermisst gemeldet. Gibt es einen Zusammenhang zwischen diesen Vorfällen? Und was hat der Pfarrer von San Pietro mit der Sache zu tun?
Besonders in den Reihen der Kirche stößt Bardi bei seinen Ermittlungen auf eine Mauer des Schweigens.

Mir hat Perdita sehr gut gefallen. Es war wieder ein Krimi ganz nach meinem Geschmack: Wenig „Rumgeballer“ und viel Kopfarbeit.
Manchmal hat mich Bardi sehr an Donna Leons Commissario Brunetti erinnert. Mich persönlich hat das nicht gestört, da ich diese Reihe toll finde. Aber wer Brunetti nicht mag, sollte von Bardi die Finger lassen.
Das Buch liest sich flüssig, einfach sehr entspannt. Ich hab mich gleich in die Toskana versetzt gefühlt. Das Einzige, was ich als störend empfand, waren die Landschaftsbeschreibungen, die zum Teil wirklich ausgeartet sind. Natürlich will ich wissen, wo sich das ganze abspielt. Aber Landschaftsbeschreibungen, die sich über eine halbe Seite hinziehen, ohne für das Fortschreiten der Geschichte relevant zu sein, sind irgendwann nur noch langweilig.
Mit Capitano Bardi und besonders seinem Assistenten Emanuele sind Domino sympathische Charaktere gelungen. Auch die Nebencharaktere werden in ihren Unterschieden und Eigenarten gelungen dargestellt.
Mittlerweile gibt es schon den zweiten Krimi um Capitano Bardi und ich werde mir den bestimmt auch zulegen.

„Versuch, die Vergangenheit zu vergessen. Jetzt fängt ein neues Leben an.“
– Capitano Giulio Bardi

5Sterne

Versprechen der Dunkelheit

Versprechen_der_DunkelheitVersprechen der Dunkelheit | Nalini Singh | Lyx Egmont | erschienen 2015
ISBN 978-3-7363-0061-3 | 3.99€ | nur als E-Book

Über Nalini Singh:
Nalini Singh, geboren 1977 auf den Fidschi-Inseln, wuchs in Neuseeland auf und lebt dort. Sie schreibt Romantic-Fantasy und ist New York Times Bestseller-Autorin.
Quelle: Wikipedia

Versprechen der Dunkelheit ist eine Kurzgeschichte der Gestaltwandlerreihe von Nalini Singh. Den ersten Teil davon habe ich mit Leopardenblut hier auch schon vorgestellt.
Bis zu Versprechen der Dunkelheit sind seitdem ein paar Jahre vergangen. Die Geschichte dreht sich um den Leopardengestaltwandler Bastien Smith, der auch in den vorherigen Bänden immer mal wieder als Nebenfigur aufgetreten ist. Dieser findet in Kirby die ihm vorherbestimmte Gefährtin. Diese lässt sich auch schnell auf ihn ein, verwirrt ihn aber durch ihren Duft. Sie besteht darauf, dass sie ein Mensch ist, aber Bastien hat das Gefühl, dass mehr dahinter steckt.

Bei Leopardenblut war einer meiner Kritikpunkte an der Reihe, dass sich die Frauen alle sehr ähnlich sind. Bei Versprechen der Dunkelheit wurde ich dann positiv überrascht. Kirby ist mir sofort ans Herz gewachsen. Sie ist eine starke Frau, die es sich nicht gefallen lässt, von Bastien „bemuttert“ zu werden. Immer wieder setzt sie sich gegen ihn zur Wehr. Zwar entwickeln sich auch bei diesem Pärchen die Gefühle sehr schnell, aber diesmal kommen diese nicht aus dem Nichts, es gibt auch auf Kirbys Seite eine Erklärung dafür.
Besonders viel Spaß hat mir auch an diesem Buch von Nalini SIngh wieder die Tatsache bereitet, dass sowohl aus Bastiens als auch aus Kirbys Sicht berichtet wird.
Insgesamt ist Versprechen der Dunkelheit eine vergnügliche Kurzgeschichte für mal zwischendurch. Mit knapp 110 Seiten ist sie nicht besonders lang, aber als netter Zeitvertreib absolut empfehlenswert. Allerdings sollte man schon die ein oder andere Gestaltwandler-Geschichte der Autorin gelesen haben, da einiges sonst eher unverständlich bleibt.

„Manche Leute lernen wir zwischen zwei Herzschlägen so genau kennen, als wären wir schon ein Leben lang mit ihnen vertraut.“
– Bastien Smith

5Sterne

Betty und ihre Schwestern

Betty_und_ihre_SchwesternBetty und ihre Schwestern | Louisa May Alcott | cbj | erschienen 1868
ISBN 978-3-570-22102-0 | 4.95€

Über Louisa May Alcott:
Sie wurde am 29.11.1832 in Pennsylvania als zweite von vier Schwestern geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Wohl aus diesem Grund nahm Alcott zahlreiche Stellen an, so als Gouvernante, denn sie schwor sich, nie arm zu sein. Daneben veröffentlichte sie zahlreiche Bücher (1852 ihr erstes, Flower Fables) und Geschichten, beispielsweise in Zeitschriften. Zunächst wollte ihr Verleger das stark autobiografisch gefärbte Buch Little Women nicht veröffentlichen. Daraufhin ließ Alcott die Kapitel zunächst in ihrer Zeitschrift drucken. Dort wurden die Episoden so gut angenommen, dass ihr Verleger schließlich einknickte. Mit dem Buch gelang ihr der große Durchbruch.
Während ihrer Zeit als Krankenschwester im Sezessionskrieg steckte sie sich mit Typhus an und starb 1888 im Alter von 55 Jahren an einer Quecksilbervergiftung, die Folge der Typhus-Behandlung. Alcott heiratete nie und hatte auch keine Kinder.

Betty und ihre Schwestern spielt in der Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs. Der Vater der vier Mädchen ist als Soldat in den Krieg gezogen. Beschrieben wird das Leben seiner Familie, mit all den kleinen Alltagsproblemen, finanziellen Sorgen und den Rivalitäten unter den Kindern. Langsam entwickeln sich die Mädchen weiter, werden reifer, schließen neue Freundschaften und merken, wie wichtig ihre Familie ihnen ist. So sind sie ein ganzes Stück erwachsener geworden, als ihr Vater von der Front zurückkehrt.

Betty und ihre Schwestern steht schon eine ganze Weile bei mir im Regal und jetzt habe ich es nochmal in einem Rutsch verschlungen. Ich habe selbst drei Schwestern und es war verrückt zu sehen, dass sich in den letzten 150 Jahren einiges geändert hat – zum Glück! – aber die Reibereien, die es bei uns gab/gibt, waren schon damals präsent. Und auch in den Charakterzügen der vier Mädchen habe ich uns immer wieder erkannt. Daneben gibt es noch etwas zum Lachen, wenn Amy, die Jüngste, schwierige Wörter durcheinanderbringt und beispielsweise sagt: „Ich, Amy Curtis March, im Vollbegriff meiner geisternden Fähigkeiten …“.
Alle vier Mädchen durchlaufen im Roman eine Entwicklung, die sehr sympathisch und nachvollziehbar ist. Sie verändern sich nicht einfach von einem Tag auf den anderen und ohne erkennbaren Grund. Stattdessen werden bestimmte Situationen geschildert und anhand des Verhaltens der Mädchen gezeigt, wie sie sich verändert haben. Manchmal gibt es auch einen kleinen Schubs von Seiten der Mutter. Dieses „sich entwickeln“ spielt in Betty und ihre Schwestern eine große Rolle, ist aber dennoch auf angenehme und leichte Weise eingebracht. So wurden die Vier in meinem Kopf lebendig und ich habe richtig mit ihnen gelitten.
Natürlich ist das Frauenbild zu der damaligen Zeit ein ganz anderes gewesen, als heute und dieses gefällt mir nun mal nicht. Daraus kann man aber Louisa May Alcott wirklich keinen Vorwurf machen.
Meiner Meinung nach ist dieses Jugendbuch nicht nur für Jugendliche geeignet, sondern macht auch als Erwachsene(r) noch Spaß zu lesen.

„Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.“
– Betty March

5Sterne

Der Palazzo am See

DSC_0895Der Palazzo am See | Sophia Cronberg | Fischer | erschienen 2015
ISBN 978-3-596-19851-1 | 9.99€

Über Sophia Cronberg:
Cronberg, 1975 im österreichischen Linz geboren, entdeckte früh ihre Liebe zum Schreiben und so war im Alter von 14 Jahren der erste Roman abgeschlossen. Seit einigen Jahren ist sie hauptberuflich Schriftstellerin. Zusammen mit ihrer kleinen Tochter lebt sie in Österreich und Frankfurt am Main.

In Der Palazzo am See bekommt die junge Historikerin Stella den Auftrag, am Comer See eine Familienchronik über eine alte italienische Familie, die di Vairas,  zu schreiben. Bei den Forschungen für die Chronik stößt sie auch auf Tizia, die in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts ihren Mann und Stiefsohn bei einem Bootsausflug verlor – angeblich fielen diese einem Fluch zum Opfer. Seit Jahrhunderten soll dieser auf der Familie lasten, wodurch immer der Erstgeborene in jungen Jahren ums Leben kommt.
Zunächst hat Stella großes Mitleid mit Tizia, doch dann stößt sie auf das Tagebuch von Tizias Zofe und je mehr sie recherchiert, desto verworrener wird die Geschichte.
Gleichzeitig entgeht Stella immer wieder knapp Anschlägen auf sich selbst, muss sich mit mürrischen Bediensteten herumschlagen und lernt Matteo, den Enkel ihrer Auftraggeberin kennen. Zwischen den beiden knistert es von Anfang an heftig, aber Stella muss sich aufgrund der Anschläge fragen, ob sie ihm überhaupt vertrauen kann.

Mir hat Der Palazzo am See sehr gut gefallen. Im Buch werden quasi zwei Geschichten erzählt: einmal Stellas Geschichte in der Gegenwart und zum anderen die Geschichte um Tizia in den 1920ern. Beide Geschichten sind flüssig und spannend geschrieben. Auch wenn das Haptaugenmerk auf der Geschichte der di Vairas liegt, wird auch ein Einblick in das Italien der Zwanziger Jahre gegeben, zum Beispiel mit dem Aufstieg der Faschisten um Mussolini.
Cronberg hat vielschichtige Charaktere geschaffen, die im Laufe des Buches eine Entwicklung durchmachen. Immer wieder ändert sich das Bild über die Personen im Laufe der Geschichte. Besonders gefallen hat mir an den weiblichen Charakteren, dass sie, im positiven wie im negativen Sinne, für das kämpfen, was sie wollen und was sie als richtig erachten.
Enttäuscht hat mich nur die Auflösung der modernen Geschichte um Stella, die ein bisschen  abrupt und, aus meiner Sicht, auf merkwürdige Art kam.
Insgesamt ist es dennoch ein empfehlenswertes Buch, gut geeignet für den Sommer.

Er war sich nicht sicher, bei wem er sich entschuldigte. Bei dem Tamino, der er einst gewesen war, oder bei Tizia, über die er sich in seiner eigenen Rechtschaffenheit so empört hatte, obwohl er nun wusste, wie leicht es war, schuldig zu werden.
– Tamino Sivori

4Sterne

Rezension – Ein Vampir für gewisse Stunden

In Ein Vampir für gewisse Stunden wird die Barbesitzerin Leigh Gerard von einem Vampir angefallen und so selbst zum Vampir. Lucian Argeneau rettet sie vor dem sogenannten Abtrünningen, der sie gewandelt hat. In der Folge wacht er, mehr unfreiwillig, über ihre Wandlung und führt sie in das Leben als Vampir ein. Die beiden fühlen sich zueinander hingezogen, aber dann taucht der Abtrünnige wieder auf, um Leigh zurückzuholen.

Lucian taucht auch in den vorherigen Bänden der Argeneau-Reihe immer mal wieder auf – als mürrisches, eigenbrötlerisches und unsympathisches Familienoberhaupt, welches zumindest bei (angeheirateten) Teilen der Familie auch Angst einflößt.
In Ein Vampir für gewisse Stunden bekommt er mit Leigh ein ebenso starrsinnige, aber im Gegensatz zu ihm charmante und liebenswerte, Frau vor die Nase gesetzt.
Nach und nach wird die vielschichtige Persönlichkeit des Lucian Argeneau offenbar; seine jahrtausendealte Einsamkeit und sein Lebensüberdruss. Nach und nach wird er von Leigh aus seiner Reserviertheit gelockt und strengt sich für die Beziehung an, als er merkt, was für ein Schatz ihm mit Leigh in den Schoß gefallen ist.

Ich hatte schon ein paar Bücher von Lynsay Sands gelesen, bevor ich Ein Vampir für gewisse Stunden gekauft habe. Bei den vorherigen Büchern hatte ich schon das Gefühl, dass Sands es schafft, die Grundidee „Vampir/in findet menschlichen Lebensgefährten“ immer wieder interessant zu gestalten. Mit diesem Roman von ihr wurde ich positiv überrascht. Immer mal wieder konnte ich kaum an mich halten vor Lachen. Zwar waren auch die vorherigen Bücher immer mit einer Portion Humor versehen, aber hier hat Sands sich übertroffen. Zum Einen wirkten auf mich die humorvollen Szenen diesmal weniger angestrengt; als müsste sie sich Mühe geben, die Szene zu schreiben. Zum Anderen sind es diesmal nicht peinlich-lustige Missgeschicke, sondern ganz oft kleine Gesten oder ähnliches, die den Humor hervorbringen.
Alles in allem also ein gelungenes Buch zum zwischendurch mal kurz Lesen (das meine ich ganz wörtlich, ich hatte das Buch in anderthalb Stunden gelesen), bei dem man nicht viel nachdenken muss. Einfach eine angenehme, lustige Geschichte für den Sommer, auch wenn es schon etwas älter ist.

Weitere Meinungen zum Buch:
Tine’s Bücherwelt („eines der besten Bücher, wenn nicht sogar das beste Buch, in dieser Reihe geschrieben“)
Cora’s Bücherkiste („romantisch-erotisch-witzig“)
Booklove (6.2/10; „eine etwas oberflächliche und vorhersehbare Geschichte […] für entspannende Unterhaltung“)

Die Argenau-Reihe
Band 1: Eine Vampirin auf Abwegen Band 16: Rendezvous mit einem Vampir
Band 2: Verliebt in einen Vampir Band 17: Ein Vampir unterm Weihnachtsbaum
Band 3: Ein Vampir zum Vernaschen Band 18: Der Vampir in meinem Bett
Band 4: Immer Ärger mit Vampiren Band 19: Ein Vampir für alle Sinne
Band 5: Vampire haben’s auch nicht leicht Band 20: Vampir verzweifelt gesucht
Band 6: Ein Vampir für gewisse Stunden Band 21: Ein Vampir für alle Lebenslagen
Band 7: Ein Vampir und Gentleman Band 22: Ein Vampir zur rechten Zeit
Band 8: Wer will schon einen Vampir? Band 23: Ohne Vampir nichts los
Band 9: Vampire sind die beste Medizin Band 24: Tatsächlich Vampir
Band 10: Im siebten Himmel mit einem Vampir Band 25: Ein Vampir im Handgepäck
Band 11: Vampire und andere Katastrophen Band 26: Frühstück mit Vampir
Band 12: Vampire küsst man nicht Band 27: Ran an den Vampir
Band 13: Vampir zu verschenken Band 28: Vampir für dich
Band 14: Ein Vampir zum Valentinstag Band 29: Was der Vampir begehrt
Band 15: Vampir à la carte Band 30: Und ewig lockt der Vampir

Über Lynsay Sands:
Sands wurde in Kanada geboren, studierte Psychologie und schrieb zahlreiche Romane. Am bekanntesten ist die Argeneau-Reihe; diese verschaffte ihr auch den internationalen Durchbruch.
Quelle: Lübbe

WERBUNG

Originaltitel: Bite me if you can | Übersetzer: Ralph Sander
Taschenbuch: ISBN 978-3-8025-8254-7 | 9,95€
E-Book: ISBN 978-3-8025-8586-9 | 8,99€
384 Seiten | erschienen 2009

Bildquellen
Autorin: Website der Autorin
Cover: Lübbe

Rezension – Mit Maigret an die Côte d’Azur

Mit Maigret an die Côte d’Azur umfasst zwei Krimis mit Kommissar Maigret; zum einen Maigret in der Liberty Bar und Maigret und die verrückte Witwe.
In Maigret in der Liberty Bar wird ein reicher Mann, der mit seiner Geliebten und deren Mutter zusammenlebte, ermordet. Zunächst fällt der Verdacht auf seine Mitbewohnerinnen, doch dann landet Maigret in der Liberty Bar.
Maigret und die verrückte Witwe beginnt damit, dass eine alte Dame Maigret um Hilfe bittet. Sie fühlt sich verfolgt, zudem durchsucht jemand in ihrer Abwesenheit ihre Wohnung. Bevor Maigret die Dame besuchen kann, wird sie jedoch ermordet. Recht schnell konzentrieren sich Maigrets Ermittlungen auf die Nichte der betagten Witwe.
Nur Maigret in der Liberty Bar spielt komplett an der Côte d’Azur, im zweiten Roman reist er im Zuge der Ermittlungen für einen Tag in den Süden Frankreichs.

Zunächst einmal zu Maigret in der Liberty Bar: Von den beiden Krimis in diesem Sammelband, gefällt mir dieser weniger. Immer wieder bemerkt Maigret, dass ihm die Hitze wohl zu Kopf steigt, und so ist die Geschichte auch geschrieben. Ich fand es schwer, seine Gedankensprünge nachzuvollziehen. Das ist einfach eine Sache, die mir nicht gefällt und die mir das Buch ein kleines bisschen verdorben hat.
Davon mal abgesehen ist es ein spannender Roman in der Hinsicht, dass man (oder zumindest ich 😉 ) lange im Dunkeln tappt, wer wohl der Täter sein könnte. Und das überraschende Ende hat mir auch gut gefallen.

Bei Maigret und die verrückte Witwe liegt der Fall schon anders. Hier wird um einiges mehr mit Beweismitteln gearbeitet und nicht nur nach Bauchgefühl gehandelt. Ich konnte der Handlung besser folgen und habe am Ende verstanden, wie er auf den Täter/die Täterin gekommen ist. Diesmal war auch eher gegeben, was Wikipedia über Maigret sagt: „Typisch für die Maigret-Romane ist der Umschlag des anfänglich kriminalistischen Rätsels auf die psychologische Ebene der Erforschung des Motivs“. Dieses „psychologische Dingsbums“ gefällt vermutlich nicht jedem, aber für mich hat das auch einen gewissen Reiz ausgemacht.

Über Georges Simenon:
Simenon wurde am 12.02.1903 in Lüttich geboren und starb am 04.09.1989 in Lausanne. Seine bekannteste Figur ist Jules Maigret, über den er 75 Kriminalromane schrieb. Außerdem verfasste er unter seinem Namen über 100 weitere Romane, 150 Erzählungen und, unter verschiedenen Pseudonymen, 200 Groschenromane sowie über 1000 Kurzgeschichten. Simenon ist einer der meistgelesenen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts und zahlreiche Werke von ihm wurden verfilmt.
Quelle: Wikipedia

Bildquelle
Autor: Wikipedia (Von Jac. de Nijs / Anefo – Nationaal Archief, CC-BY 4.0)

Rezension – In Zeiten des abnehmenden Lichts

Der Roman erzählt die Geschichte einer Familie in der DDR, von den 1950er Jahren bis ins 21. Jahrhundert. Er spielt vornehmlich in der DDR, Nebenschauplätze sind aber auch Mexiko und Russland. Vom Aufbau der DDR bis zu ihrem Untergang; mit Vorurteilen gegenüber dem Westen, aber auch dem eigenen Sohn; Misstrauen gegenüber allem und jedem; Auflehnung der jüngeren Generationen und Festhalten der älteren Generationen. Beschrieben werden die Alltagsprobleme der DDRler, der florierende Schwarzmarkt,… Es gibt aber eben auch die Probleme, die uns heute noch plagen: Pubertät, Depressionen, Alkoholismus, anstrengende Schwiegermütter 😉

Auch In Zeiten des abnehmenden Lichts war, wie Die Türme des Februar, eine der SuB-Leichen, die bei mir herumlag. Ich hatte mal angefangen, das Buch zu lesen, aber bin nie fertig geworden. Jetzt hab ich mich da nochmal drangemacht – und war positiv überrascht. Zu Beginn fand ich es schwierig, in die Geschichte hineinzukommen, dazu haben insbesondere die vielen Rückblicke beigetragen. Das Buch spielt zwar zunächst im Jahr 2001, aber nur fünf der zwanzig Kapitel spielen 2001. Der zweite Negativ-Punkt ist, dass die Geschichte manchmal langatmig wird.
Sobald man in die Geschichte gefunden hat, erzählt Ruge einen spannenden Familienepos, mit teils autobiografischen Anwandlungen. Im Allgemeinen profitieren historische Romane meiner Meinung nach von den Überraschungen, die die Geschichte hervorgebracht hat. Auch dieser lebt von Ergebnissen, die so stattgefunden haben oder haben könnten. Daneben gibt es aber auch noch den ein oder anderen Cliffhanger und einige überraschende Wendungen.
Insgesamt also ein sehr spannender Roman über ein interessantes Stück deutscher Geschichte.

Weitere Meinungen zum Buch:
Heidtmanns Bücher (5 Sterne; „ein umfassendes literarisches Stimmungs- und Milieubild der DDR“; ein bisschen spoilerbehaftet)
Lesen und lesen lassen („ein sehr interessantes Buch, das eine DDR-Intellektuellenschicht in ihrem oft wenig bekannten Facettenreichtum darstellt“)
Lesen in Leipzig („Zum Glück wurde [die Geschichte] erzählt.“)

Über Eugen Ruge:
Ruge wurde 1954 in der Sowjetunion geboren, zwei Jahre nach seiner Geburt siedelte die Familie in die DDR über. Dort studierte er Mathematik und arbeitete dann an der Akademie der Wissenschaften der DDR. 1986 begann er seine Tätigkeit als Schriftsteller, Dokumentarfilmer und Drehbuchautor. Zwei Jahre später zog er in die BRD und wirkt seitdem vor allem als Autor für Theater, Film und Radio.
In Zeiten des abnehmenden Lichts ist Ruges Debütroman, 2011 erhielt er dafür den Deutschen Buchpreis.
Quelle: Wikipedia

WERBUNG

Taschenbuch: ISBN 978-3-499-25412-3 | 10,00€
E-Book: ISBN 978-3-644-01411-4 | 9,99€
Sonderausgabe: ISBN 978-3-499-26753-6 | 12,00€
432 Seiten | erschienen 2013

Verlagswebseite zum Buch

Trailer zur Buchverfilmung

Bildquellen
Autor: Rowohlt
Cover: Rowohlt