Rezension – Der neue Antisemitismus

Die Historikerin Deborah Lipstadt geht in Der neue Antisemitismus der Frage nach, wie Antisemitismus heute aussieht, wie und wo man ihm im Alltag begegnet und was man dagegen tun kann. Dabei beleuchtet sie die unterschiedlichsten Aspekte des „modernen“ Antisemitismus und erörtert auch, wie man mit Antisemiten und ihren Aussagen umgehen sollte.

Vielen Dank an NetGalley.de und den Berlin Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

5 Gründe, warum man dieses Buch lesen sollte

Es beschreibt die Arten von Antisemiten – und warum sie alle gefährlich sind
Lipstadt zufolge kommt nur ein kleiner Teil antisemitischer Aussagen von Extremisten. Häufiger sind Stereotype so in der Gesellschaft verankert, dass Menschen sich entweder gar keine Gedanken darüber machen, was sie in ihren Aussagen reproduzieren oder sich keine Gedanken darüber machen, wie sich ihre Worte auswirken.
Das Problem an Extremisten ist, dass sich ihre Worte allzu oft in antisemitische Taten wandeln; das Problem mit allen anderen (im Buch z. B. „Salon-Antisemit“ genannt) ist, dass sie den Extremisten Futter liefern und es schwerer ist, gegen sie anzugehen.

Es macht die Aktualität und Relevanz des Themas deutlich
In jedem Kapitel des Buches nennt Lipstadt Beispiele, die ihre Meinung und Thesen unterstreichen. Es sind teilweise antisemitische Gewalttaten, teilweise Aussagen von Politikern, sie geht aber auch auf die Terroranschläge in Paris Anfang 2015 ein.
Was mich verblüfft und erschreckt hat, war, wie viel es tatsächlich zu nennen gibt. Lipstadt scheint einen unerschöpflichen Vorrat an Beispielen für antisemitische Taten und Worte.

Es macht deutlich, wie schwer es ist, dagegen anzukommen
Im Buch beschreibt Lipstadt, wie oft Kritik an Israels Politik in Antisemitismus umschlägt. Und wie schwer unter anderem genau diese Tatsache es macht, gegen antisemitische Aussagen vorzugehen. Denn wenn in diesem Zusammenhang Kritik am Antisemitismus geäußert wird, wird dies den Kritikern negativ als eine Verteidigung von Israels Politik ausgelegt. Ohnehin spielt wohl oft eine Täter-Opfer-Umkehr eine Rolle, was mich ehrlich gesagt einfach nur krank macht.

Es zeigt, dass Antisemitismus noch immer auf staatlicher und/oder politischer Ebene eine Rolle spielt
Vielleicht eines der erschreckendsten Erkenntnisse aus den vergangenen paar Jahren ebenso wie diesem Buch: es gibt noch immer (oder schon wieder?) Staaten, bei denen antisemitische Ansichten auf Staatsebene üblich und kein Problem sind. Das ist deshalb so erschreckend, weil im vergangenen Jahrhundert staatlicher Antisemitismus zu der Ermordung von sechs Millionen Menschen geführt hat.

Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.

Martin Niemöller 1976

Es macht deutlich, dass niemand von uns wegschauen kann und darf
Immer wieder musste ich an dieses Zitat von Martin Niemöller denken. Denn auch das betont Lipstadt immer wieder: Wer kein Problem damit hat, Juden anzugreifen (zunächst einmal unabhängig davon, ob in Wort oder Tat), wird vor anderen Bevölkerungsgruppen nicht halt machen. Und derjenige wird auch vor der Demokratie nicht haltmachen. Daher muss sich jeder gegen Antisemitismus stark machen – und ebenso gegen jede andere Form von Diskriminierung.

Viele andere Punkte sorgen zusätzlich dafür, dass meiner Meinung nach jeder dieses Buch lesen sollte. Dazu trägt bei, dass es fundiert und logisch ist, sich durch den Aufbau als E-Mail-Austausch auch sehr gut lesen lässt.
Am Ende gibt es zudem eine Mail, die sich speziell an Juden, und eine Mail, die sich an Nicht-Juden richtet. Richtet sich der Rest des Buches an alle Leser, werden in diesen beiden letzten Mails Fragen beantwortet, die sich speziell jeweils die beiden Gruppen stellen.

Weitere interessante Filme und Artikel zum Thema Antisemitismus:
DW-Dokumentation (englisch): Antisemitism in Europe
Die Bundeszentrale für politische Bildung hat ein Dossier zum Antisemitismus zusammengestellt. Neben  geschichtlichem Hintergrund und heutiger Situation, geht es auch darum, wie man ihm begegnet.
ZDF-Dokumentation: Wie antisemitisch ist Deutschland?
„New York Times“-Kommentar zum Antisemitismus als Mainstream-Meinung.
Beitrag im ARD-Panorama über Holocaust-Leugner in Deutschland.

Über Deborah Lipstadt:
Lipstadt wurde 1947 als mittleres von drei Kindern einer Kanadierin und eines Deutschen in New York City geboren. Sie machte ihren Abschluss in Amerikanischer Geschichte in New York, hatte aber auch einige Zeit in Jerusalem verbracht und erlebte dort den Sechstagekrieg. Sie machte ihren Master und promovierte in Jüdischer Geschichte. Sie widmet sich der Forschung zum Antisemitismus und Holocaust, dabei insbesondere auch der Holocaustleugnung.
Sie hat mehrere Bücher geschrieben; eines davon wurde 2016 als Verleugnung (Originaltitel Denial) verfilmt.
Quelle: Wikipedia

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Originaltitel: Antisemistism Here and Now | Übersetzer: Stephan Pauli
Hardcover: ISBN 978-3-8270-1340-8 | 24,00€
E-Book: ISBN 978-3-8270-7941-1 | 19,99€
304 Seiten | erschienen 2018

Verlagswebseite zum Buch

Bildquellen
Cover: Piper
Autorin: Wikipedia; Von International Committee of the Red Cross (ICRC) – Remembering the Shoah. 2/4 Presentations by Deborah Lipstadt and James Orbinski at 02:20, cropped, CC BY 3.0

Rezension – Sieben Tage und ein Jahr

Lucie hat sich geschworen, nie wieder in ihr Heimatdorf Strande zurückzukehren. Zu schmerzhaft sind die Erinnerungen daran. Doch als ihre Mutter einen Unfall hat und ihr Bruder sie um Hilfe bittet, macht sie sich schweren Herzens wieder auf den Weg dorthin.
Doch als die Probleme des familieneigenen Campingplatzes offenbar werden, wird aus dem geplanten Kurztrip ein monatelanger Aufenthalt. Und so muss sie sich ihrer Vergangenheit stellen – und dem Mann, der verantwortlich für ihren Schmerz ist. Unerwartete Hilfe erhält sie dabei vom Dorfarzt Sven, der sie auf vielen Ebenen heilt.

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Rezension – Café Honeybee

Greta ist mit ihrem Leben nicht glücklich. Nachdem ihre Mutter starb, schmiss sie ihr Studium hin, um im Café ihrer Großmutter Pru auszuhelfen. Außerdem unterstützt sie ihre Schwester, die Depressionen hat, und muss sich mit ihrem Freund herumschlagen, der die bröckelnde Beziehung retten will. Als sie nach einem Autounfall im Krankenhaus aufwacht und sich an nichts mehr erinnern kann, ist das ihre Chance, einen Ausweg aus ihrer verzwickten Situation zu finden. Und sie fasst einen Plan, das angeschlagene Familiencafé Honeybee zu retten.

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Rezension – Der kleine Laden in Bloomsbury

Das Glück scheint endlich einmal auf Posy herabzuscheinen, als sie einen kleinen Buchladen in Bloomsbury erbt. Mit Feuereifer macht sich daran, diesen wieder auf Vordermann zu bringen. Dazu soll auch beitragen, künftig nur noch Liebesromane mit Happy End zu verkaufen – schlechte Nachrichten gibt es ihrer Meinung nach genug.
Nur Sebastian, der Enkel der verstorbenen Besitzerin, hält davon wenig. Und so muss sich Posy mit dem unverschämtesten Kerl Londons rumschlagen, der leider aber auch sehr attraktiv ist. Um ihren Frust über ihn loszuwerden, schreibt sie selbst einen Liebesroman – mit Sebastian als Held.

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Rezension – Das Glück der handgemachten Dinge

Die Weltenbummlerin Jule ist rastlos. Sie hat keinen Job und auch keinen Plan, was sie nun tun soll. Also ergreift sie die Chance, in das Schwarzwälder Heimatdorf ihrer Großmutter zurückzukehren. Dort übernimmt sie eine ehemalige Schankwirtschaft und will diese in ein Kreativ-Café umwandeln. Denn sie liebt es, selber Dinge herzustellen und möchte den Kreativen im Dorf einen Ort geben, um zusammenzukommen und sich zu entspannen. Doch nicht alle im Dorf sind von dieser Idee begeistert und so sieht sie sich einigen Widersachern gegenüber.

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Rezension – Der schönste Grund, Briefe zu schreiben

Porvenir ist ein kleines spanisches Dorf. Sara lebt schon ihr ganzes Leben dort und trägt die Post aus. Doch nun soll die Postfiliale geschlossen werden, da es zu wenig Briefverkehr im Dorf gibt. Rosa, die Nachbarin von Sara, macht sich daran, an dieser Tatsache etwas zu ändern. Sie schreibt einen Brief und bittet die Empfängerin, ebenfalls einen zu schreiben. So wird eine Kette von Briefen in Gang gesetzt, durch den sich die Menschen im Dorf näher kommen.

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Rezension – Das Böse von nebenan

In Das Böse von nebenan berichtet Sibylle Tamin eingehend von vier Kriminalfällen, die sich in der deutschen Provinz zugetragen haben. Dies ist das einzige verbindende Element der Fälle, denn in ihrem Inhalt unterscheiden sie sich stark. Im ersten Teil geht es um einen jungen Mann, der zusammen mit einem Freund seine Familie umbringt. Darauf folgt die Aufdeckung des jahrzehntelange sexuellen Missbrauchs von Mädchen in einem Dorf, welche die Dorfgemeinschaft spaltet. Der dritte Fall ist dem nahezu diametral gegenübergestellt: ein Mann wird wegen der Vergewaltigung einer Kollegin angeklagt und verurteilt; zehn Jahre später stellt sich heraus, dass diese Anschuldigungen falsch waren. Fall 4 ist auf den ersten Blick kein Kriminalfall: eine Gemeinde in Niederbayern entbrennt ein Streit über die Umbenennung der Schule nach zwei Dorfmitgliedern, die 1945 13 jüdische KZ-Häftlinge retteten.

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Rezension – Ohne ein einziges Wort

Sarah ist Mitte Dreißig, steckt mitten in einer Scheidung – und lernt Eddie kennen. Bereits nach einer Woche zusammen ist beiden klar, dass die Sache zwischen ihnen etwas ganz Besonderes ist. Doch nachdem Eddie in einen lange geplanten Urlaub fährt, meldet er sich nicht mehr bei Sarah und reagiert weder auf ihre Anrufe noch Nachrichten. Verzweifelt sucht Sarah nach der Ursache dafür – und muss schließlich feststellen, dass sie daran nichts ändern kann. Denn der Grund ist sie selbst.

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Rezension – Annas (fast) perfekte Hochzeit

Seit sie ein kleines Kind war, hat Anna sich ihre perfekte Hochzeit ausgemalt und geplant. Als ihr Freund Bernd ihr am Silvesterabend einen Heiratsantrag macht, scheint der Traumhochzeit nichts mehr im Wege zu stehen. Auch beruflich sorgt die Hochzeit für eine Umorientierung, die bei den Kunden ihres kleinen „Vintage Salons“ richtig gut ankommt. Doch je näher die Hochzeit rückt, desto mehr läuft schief, bis zwischen der erträumten Feier und der Realität Welten liegen. Als dann auch noch Annas Jugendfreund auftaucht, muss sie sich fragen, was sie nun wirklich will. „Rezension – Annas (fast) perfekte Hochzeit“ weiterlesen

Rezension – Landeierforschung

Angestachelt durch ihre Kollegen und ihren Ex-Mann macht Anne, entgegen ihrer sonstigen Gewohnheiten, Urlaub in der deutschen Provinz. Kurzentschlossen schließt sich ihr Cousin Mike dem Landurlaub an und die beiden Kölner machen sich auf, das Landleben und seine Eigenheiten zu „erforschen“. In ihrem ersten Urlaubsort, Eisheim, erleben sie direkt allerhand. Denn Anne merkt nicht nur, dass sie es liebt zu reiten – sie trifft auch den attraktiven Ben. Und dieser bringt ungeahnte Seiten in ihr zum Vorschein. „Rezension – Landeierforschung“ weiterlesen