Der Friedhof in Prag

Der Friedhof in Prag | Umberto Eco | dtv | erschienen 2010Der_Friedhof_in_Prag
ISBN 978-3-423-14227-4 | €11.90

Über Umberto Eco:
Eco wurde 1932 im piemontesischen Alessandria geboren. Er studierte zunächst Philosophie und Literaturgeschichte, arbeitete danach für kurze Zeit beim italienischen Fernsehen. Ab 1956 erschienen einige Sachbücher von ihm. Von 1975 bis 2007 war er als Professor an der Universität Bologna tätig. Außerdem erhielt er von 39 Universitäten weltweit die Ehrendoktorwürde.
Obwohl eines seiner Sachbücher, Einführung in die Semiotik, auch heute noch ein internationales Standardwerk ist, erlangte er weltweite Berühmtheit erst mit seinem Roman Der Name der Rose.
Seit 1962 ist er mit seiner deutschen Frau Renate Ramge verheiratet, mit ihr hat er zwei Kinder.

1830 wird der Protagonist des Romans, Simon Simonini, geboren. Zwar geht er bei einem Juristen in Lehre, erlernt dort aber in erster Linie das Fälschen von Dokumenten. Durch diese Tätigkeit kommt er im Laufe seines Lebens mit den unterschiedlichsten Geheimdiensten in Kontakt. Im Zuge seiner Arbeit wird er zu den Schauplätzen der französischen und italienischen Politik geführt, lernt wichtige Persönlichkeiten seiner Zeit kennen und wird durch seine Fälschertätigkeit zu einem der einflussreichsten Drahtzieher hinter den Kulissen. Letztendlich wird er als einer der Erfinder der Protokolle der Weisen von Zion dargestellt, quasi als Höhepunkt seines Lebens. Gleichzeitig wird so sein Einfluss auf das weitere Geschehen in der weltweiten Politik offensichtlich.
Der Roman ist als eine Art Tagebuch aus Simoninis Sicht geschrieben, unterbrochen immer mal wieder von einem Erzähler, der die Einträge kommentiert, sowie dem Abbé Dalla Piccola, der Simoninis Eintragungen ergänzt und teilweise einen Dialog mit ihm führt.

Die ersten paar Seiten von Der Friedhof in Prag fand ich verwirrend. Man wird in ein Geschehen hineingeworfen, welches der Protagonist nicht wirklich versteht. Das macht es dem Leser natürlich auch nicht leichter, zu verstehen, was da vor sich geht.
Wenn man aber einmal im geschehen angekommen ist, ist das Buch sehr spannend! Ich musste immer mal wieder schmunzeln, wenn Simonini hinter jeder Ecke eine jüdische oder freimaurerische oder jesuitische Verschwörung vermutet und dann eine Verschwörung gegen diese Verschwörung einleitet – sodass am Ende die einzige Verschwörung, die stattfindet, seine ist.
Ein wichtiges Thema des Buches ist der Antisemitismus, der sich während Simoninis Leben immer weiter verbreitet. Ich habe mich dabei immer gefragt, ob dass jetzt überspitzt dargestellt wurde oder nicht. Lachen musste ich dagegen über den ausgeprägten Frauenhass (oder die Frauenangst?!) Simoninis. Für die Frauen war das 19. Jahrhundert zwar nicht zum Lachen, aber wozu dieser Frauenhass Simonini treibt, ist schon erstaunlich!

Umberto Eco hat es in meinen Augen geschafft, mit viel Humor ein authentisches Bild der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen im 19. Jahrhundert zu erschaffen und dabei noch einen spannenden Roman zu schreiben!

„Beten wir dafür, dass es immer ein paar Juden gibt, die man fürchten und hassen kann. Wir brauchen einen Feind, um dem Volk eine Hoffnung zu geben.“
Pjotr Iwanowitsch Ratschkowski

4Sterne

Rezension – Das Lächeln der Fortuna

England 1360: Der 12-jährige Robin läuft aus dem Kloster davon, nachdem sein Vater, der Earl of Waringham, Selbstmord begangen hat und das Gut der Waringhams einen neuen Earl bekommt. Zwischen dessen Sohn Mortimer und Robin, der sich als Pferdeknecht verdingt, entwickelt sich schnell eine tiefe Feindschaft. Schließlich verlässt Robin das Gut zusammen mit seinem taubstummen Freund Leofric. Als Mortimer ihn aufhalten will, besiegt er diesen im Kampf, gibt sich selbst als Earl of Waringham aus und schickt Mortimer ans andere Ende Englands. So führt in sein Weg wieder in die Welt des Adels und an der Seite des Duke of Lancaster kämpft er in zahlreichen Kriegen, bekommt schließlich ein eigenes Lehen zugesprochen – und steht Mortimer, dem rechtmäßigen Earl of Waringham, wieder gegenüber.

Das Buch ist seit 2009 in meinem Besitz und obwohl es ein dicker Schmöker mit über 1000 Seiten ist, habe ich es schon mehrere Male durchgelesen. Bücher, in denen der Aufstieg eines armen Menschen an die Spitze der Gesellschaft beschrieben wird, interessieren mich und zudem ist der Fall und Aufstieg von Robin spannend geschrieben. Gablé hat einen wirklich tollen Auftakt für ihren Ritterepos hingelegt. Die englische Geschichte ermöglicht es, einen spannenden Roman zu schreiben, mit Höhen und Tiefen wie im echten Leben. Zudem hat Gablé sympathische Hauptfiguren geschaffen und durch Robins Lebensweg erfährt man sowohl vom harten Leben der Bauern als auch dem ausschweifenden des Adels im mittelalterlichen England. Verständlich wird dadurch auch, warum Robin kein hochnäsiger Adliger wird, sondern immer ein „Bauernfreund“ bleibt. Trotz dieses eher untypischen Protagonisten, wird die Welt des Mittelalters anschaulich, interessant und ehrlich, eben auch mit den hässlichen Seiten, dargestellt.

Über Rebecca Gablé:
Rebecca Gablé wurde 1964 am Niederrhein geboren und machte nach dem Abitur eine Lehre zur Bankkauffrau. Als solche war sie auf einem Stützpunkt der Royal Air Force tätig, wo ihr Interesse an England erwachte. 1990 schrieb sie ihren ersten Roman und gab daraufhin ihren Beruf auf. In Düsseldorf begann sie ein Literaturstudium, wandte sich aber zunehmend der Mediävistik zu. 1995 erschien bei Lübbe ihr erster Kriminalroman, zwei Jahre später gelang ihr mit dem historischen Roman Das Lächeln der Fortuna der Durchbruch. Seitdem hat sie noch zehn weitere historische Romane veröffentlicht.
Quelle: Website der Autorin

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Hardcover: ISBN 978-3-431-03610-7 | 19,99€
Taschenbuch: ISBN 978-3-404-13917-0 | 12,90€
E-Book: ISBN 978-3-8387-0947-5 | 8,99€
Hörbuch: ISBN 978-3-7857-1429-4 | 14,99€
1.196 Seiten | erschienen 1997

Verlagswebseite zum Buch

Bildquelle
Rebecca Gablé: Facebook  – (c) by Olivier Favre