Rezension – Morgen gehört den Mutigen

Frankreich 1947: Die 19-jährige Charlie St. Clair bittet Eve Gardiner um Hilfe bei der Suche nach ihrer verschollenen Cousine. Eve entspricht gar nicht dem Bild einer freundlichen Hilfe: sie raucht Kette, flucht und ist entschieden abgeneigt, Charlie zu helfen. Doch dann erwähnt diese einen Mann, den Eve verdächtigt, sie im Ersten Weltkrieg als Spionin an die Deutschen verraten zu haben. Um ihre Rache zu bekommen, macht sie sich schließlich doch zusammen mit Charlie auf die Suche nach deren Cousine. „Rezension – Morgen gehört den Mutigen“ weiterlesen

Rezension – Berlin Beirut

Mahmoud kommt aus Beirut. Vor dem Bürgerkrieg in seinem Heimatland ist er 1977 in die DDR geflohen und wird von dort in den Westen geschleust.
Am Bahnhof Friedrichstraße wartet die 20jährige Maria auf ihn, um eben dies zu veranlassen. Ihr Onkel Albert, von den libanesischen Flüchtlingen Ali genannt, organisiert das Einschleusen. Wer seine Schulden nicht bezahlen kann, muss diese in seiner Diskothek abarbeiten – oder Autos in den Nahen Osten überführen.
Als Maria Mahmoud auf einem dieser Autokonvois begleitet, lernt sie seine Familie und den Bürgerkrieg kennen – und verliebt sich in ihn. Als sie schwanger wird, heiraten die beiden. Doch dann verstrickt sich Mahmoud in Deals, aus denen es keinen Ausweg zu geben scheint … „Rezension – Berlin Beirut“ weiterlesen

Rezension – A Man Called Ove

Ove hat Prinzipien. Und die müssen eingehalten werden. Also sorgt er in der Reihenhaussiedlung, in der er lebt für Recht und Ordnung, indem er die Einhaltung der Regeln überwacht.
Doch seitdem seine Frau Sonja gestorben ist und er außerdem altersbedingt seinen Job verloren hat, findet er keine rechte Freude mehr am Leben. Und so macht er sich in seiner pragmatischen Art daran, seinem Leben ein Ende zu setzen, um endlich seine geliebte Frau wieder zu treffen.
Die Vorbereitungen laufen auch richtig gut – bis nebenan eine neue Familie einzieht und zunächst einmal Oves Briefkasten über den Haufen fährt … „Rezension – A Man Called Ove“ weiterlesen

Rezension – Das Dorf der Wunder

Quelle: Aufbau
Quelle: Aufbau

Das Dorf der Wunder | Roy Jacobsen | Aufbau Taschenbuch | erschienen 2012
aus dem Norwegischen: Hoggerne | Übersetzerin: Gabriele Haefs
Taschenbuch: ISBN 978-3-7466-2771-7 | 9,99€

Im Winter 1939 herrschen -40°C, als die Russen in Finnland einmarschieren. Zuvor haben die Finnen die Dörfer evakuiert und auch in Suomussalmi fliehen alle Einwohner – bis aus Timo Vatanen. Der Holzfäller weigert sich, vor den Russen zu fliehen und wird durch sein gute Ortskenntnis bald unentbehrlich.

Mit diesem Buch habe ich in der Bücherei einen echten Schatz gefunden. Obwohl ich mich vom Klappentext her auf etwas anderes eingestellt hatte, wurde ich von der Geschichte nicht enttäuscht.
Das Buch erzählt vom Leben des finnischen Holzfällers Timo während des Zweiten Weltkriegs. Er wird durchgehend als „Dorftrottel“ und „Idiot“ bezeichnet, wird auch von den finnischen Dörflern herablassend und geringschätzig behandelt. Worauf das zurückzuführen ist hat sich mir allerdings nicht so richtig erschlossen, dies rettet ihn aber im Verlauf der Geschichte immer wieder. Er wird durch seine „Idiotie“ nicht als Gefahr angesehen und kommt auch mit einer Befehlsverweigerung eher durch.
Er wird einer kleinen Gruppe Russen zugeordnet, die nicht mehr kampftauglich sind und daher Bäume fällen und die restliche Division mit Feuerholz versorgen sollen. Er steigt schnell zu deren Anführer auf, insbesondere da er der einzige ist, der Ahnung vom Holzfällen hat. Zudem kann er durch seinen mangelnden Respekt vor den Befehlshabern immer wieder Vorteile für sich und seine kleine Kompanie rausschlagen.
Es geht in diesem Buch eindeutig nicht darum, die Welt im Ganzen zu bewegen. Timo kämpft keine heroischen Schlachten, er besiegt den Gegner nicht im Alleingang und er verändert auch den Lauf der Geschichte nicht. Aber inmitten der Wirren und Grausamkeiten des Krieges verändert er die Leben seiner russischen Kumpane und zeigt eine Menschlichkeit, wie sie wohl nur selten war – und vermutlich auch heute noch ist.
Ich habe oftmals gedacht, dass wir uns öfters ein Beispiel an Timo nehmen sollten. In einer Zeit voller Nationalismus, Diskriminierung und Krieg pfeift Timo auf Nationalität und Religion und hilft seinen Leidensgenossen, diesen Winter zu überstehen. Das Motiv hierfür bleibt unklar. Er sagt nie über sich, dass er aus diesem oder jenen Grund geholfen hätte. Aber vielleicht ist dies auch das Wichtigste an diesem Buch: zu zeigen, dass wir kein Motiv dafür brauch sollten, anderen Menschen zu helfen.

„That’s what you do when you see someone in need: you help them.“
– Ellen DeGeneres on The Ellen Show

Wir leben in einer Welt in der Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und der Hass auf alles Fremde wieder wachsen und Aufschwung bekommen (dabei sollte man meinen, dass wir etwas aus Timo Vatanens Zeit gelernt haben). Also sollten wir öfter einmal – wie Timo – auf Politik, Nationalität und Religion pfeifen und den Menschen helfen, die Hilfe benötigen.
Daneben bietet es aber auch einen eindrücklichen Einblick in das Leben der Soldaten an der bitterkalten Ostfront. Es zeigt auf, dass ein Großteil der einfachen Soldaten oftmals nur noch heim wollten zu ihren Familien. Selbstverständlich gab es unter den Russen ebenso wie unter den Deutschen oder allen anderen Truppen Menschen, die Freude daran hatten, Untergebene, Gegner oder unschuldige Zivilisten zu quälen. Aber ich denke, man darf davon ausgehen, dass es dem Gros der einfachen Soldaten, oftmals nur „Kanonenfutter“, nicht gefallen hat, in diesen Krieg verwickelt zu sein. Insofern hatte ich oftmals das Gefühl, dass dem Dorftrottel Timo gelungen ist, was vielen auch heute nicht gelingt: hinter die Fassade zu schauen, gesellschaftliche Konventionen zu ignorieren und die Menschen zu sehen.

Diesem Buch ist es durchgehend gelungen mich zu fesseln und trotz seiner verhältnismäßigen Kürze vermittelt es wichtige Gedanken und Inhalte auf spannende Weise. Ich lese ungern Kurzgeschichten oder Parabeln (als solche wird die Geschichte auf verschiedenen Websites bezeichnet), da ich immer das Gefühl habe, dass zu viel ungesagt bleibt. Ich bin kein Fan von Geschichten, in denen doppelt so viel zwischen den Zeilen wie in den Zeilen steht. Aber Roy Jacobsen findet genau die richtigen Worte und hat genau die richtige Art um mich zu fesseln.
Daher von mir eine dicke, fette Leseempfehlung!

goldene_SterneÜber Roy Jacobsen:
Jacobsen wurde 1954 in Oslo geboren. Sein Debüt, eine Sammlung von Novellen, erschien 1982, seit 1990 ist er Vollzeit-Autor. In Norwegen ist er bekannt für seine Kurzgeschichten, Romane und Kinderbücher und sehr angesehen. Seine Romane wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.
Quelle: Wikipedia (DE / EN)

Weitere Meinungen zum Buch:

Rezension – Die Geliebte des Meisterspions

Quelle: LYX
Quelle: LYX

Die Geliebte des Meisterspions | Joanna Bourne | Egmont LYX | erschienen 2012
aus dem Englischen: The Spymaster’s Lady | Übersetzerin: Firouzeh Akhavan-Zandjani
Taschenbuch: ISBN 978-3-8025-8676-7 | 9,99€
E-Book: ISBN 978-3-8025-8915-7 | 8,99€
Leseprobe

Der britische Meisterspion Robert Grey reist nach Frankreich, um die berüchtigte Spionin Annique Villiers aufzuspüren. Durch einen Zufall landen beide in derselben Gefängniszelle und müssen zusammenarbeiten, um sich zu befreien. Robert glaubt, dass Annique wertvolle Informationen über Napoleons geplanten Angriff auf England besitzt. Er will sie deshalb nach London bringen. Doch Annique gelingt es ein ums andere Mal, sich ihm zu entziehen. Und Robert muss schon bald feststellen, dass die schöne Französin tiefere Gefühle in ihm weckt.
Quelle: Verlagswebsite

Dieses Buch konnte meine Erwartungen leider nicht erfüllen. Das größte Problem waren eindeutig die beiden Hauptpersonen. Mit ihnen bin ich einfach durchgehend über die 435 Seiten nicht warm geworden. Im Klappentext und den ersten paar Kapiteln erschien Annique, das Füchschen, mir wie eine starke, unabhängige Frau. Doch dann wird sie plötzlich zu einem kleinen Mäuschen, das ständig einen Mann – natürlich nur Robert! – zum Anlehnen braucht. Zudem war sie mir durchgehend nicht sympathisch. Meistens empfand ich ihr Verhalten nur als unlogisch und nicht sehr freundlich.
Auch Robert reagiert mal so und mal so und ich wusste nie so genau, woran ich jetzt bin. Zu Beginn des Buches hasst er Annique, aber das erledigt sich irgendwann und warum, weiß ich auch am Ende des Buches nicht so genau. Davon einmal abgesehen kam er meiner Vorstellung eines erfolgreichen Spions um einiges näher als Annique.
Das Verhältnis zwischen den beiden war mir ein Rätsel. Als besonders störend empfand ich, dass Annique zwar schon von Kindesbeinen an im Dienst des französischen Geheimdienstes steht, ihre Mutter zeitweise ein Bordell betrieb, sie zugegebenermaßen die Männer gerne verführt um an Informationen zu kommen, aber dennoch Jungfrau ist. Warum müssen die Frauen in den Liebesromanen denn immer Jungfrauen sein? Warum können sie nicht eine Reihe von Liebhabern gehabt haben und ihre Männer verführen, statt andersherum? Und, vielleicht bin ich in diesem Punkt etwas übersensibel, aber besonders die erste Sexszene zwischen den beiden kam mir über weite Längen als nicht einvernehmlich vor. So ging es immer weiter und teilweise habe ich wirklich nur den Kopf geschüttelt über das, was sich zwischen den beiden abspielt.
Auch die Handlung selbst war in meinen Augen bestenfalls überladen, meistens aber verworren und verwirrend. Es wirkte, als wollte die Autorin unbedingt lange über ihr zwei Helden berichten und musste deswegen immer wieder einen neuen Plottwist einführen. Diese waren aber erstens teilweise sehr vorhersehbar und es kam zweitens viel zu oft zu solchen „Überraschungen“, sodass diese dann nicht mehr überraschend waren.

Ich gebe diesem Buch zwei Sterne, da ich sowohl die Grundidee als auch einige Entwicklungen im Buch sehr gut fand, die Geschichte aber mit zunehmender Dauer immer mehr nachgelassen hat und auch die Charaktere mich nicht voll überzeugen konnten.

2Sterne

Rezension – Frigid

Quelle: Piper
Quelle: Piper

Frigid | Jennifer L. Armentrout | Piper | erschienen 2016
aus dem Amerikanischen: Frigid | Übersetzerin: Vanessa Lamatsch
Taschenbuch: ISBN 978-3-492-30985-1 | 9.99€
E-Book: ISBN 978-3-492-97529-2 | 8.99€
Leseprobe

Seit ihrer Kindheit sind Sydney und Kyler beste Freunde. Mittlerweile gehen sie zusammen auf’s College, aber während Sydney die Zeit gerne mit einem guten Buch verbringt, nimmt Kyler alles mit ins Bett, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Im alljährlichen Skiurlaub werden sie von einem Schneesturm überrascht und stecken zusammen in der Skihütte fest. Während Sydney und Kyler sich ihren Gefühlen zueinander stellen, merken sie, dass sie in Gefahr stecken. Denn mitten in dieser abgeschottenen Gegend und meilenweit von Hilfe entfernt, trachtet ihnen offenbar jemand nach dem Leben.

Bisher haben mich Jennifer L. Armentrouts Bücher noch nie im Stich gelassen. Wenn ich ein gutes, nicht zu anspruchsvolles Buch lesen will, dann greife ich bei ihr nicht daneben. So war es auch mit diesem hier, Frigid. Zwar war ich im ersten Augenblick verwirrt, da ich dachte, es wäre ein weiterer Teil der Wait for you-Reihe, dieser Band ist aber der in sich abgeschlossene erste Teil einer neuen Reihe, auch wenn sich die Cover sehr ähnlich sind.
Es gibt einige Dinge, die mir an diesem Buch gut gefallen. Zum einen stört mich schon länger an den Romanen aus dem NA-Genre, dass ihre Protagonisten offenbar eine traumatische Vergangenheit haben MÜSSEN. Ich habe schon ein Weilchen keinen YA- oder NA-Roman mehr gelesen, in dem keine Vergewaltigung, kein prügelnder Vater oder sonst etwas in die Richtung vorkam. Damit will ich nicht sagen, dass diese Themen nicht in Büchern vorkommen sollten. Aber erstens fand ich es zum größten Teil schlecht aufgearbeitet und zum anderen bekommt man langsam das Gefühl, dass man ohne ein Trauma gar nicht mehr glücklich werden kann. Umso besser hat es mir daher gefallen, dass es in Frigid um zwei ganz normale Menschen geht. Weder Sydney noch Kyler haben etwas erlebt, das über die ganz normalen Erfahrungen eines Jugendlichen und jungen Erwachsenen hinausgeht – gescheiterte Beziehungen, Herzschmerz, Alkohol; das übliche eben.

Sich neben einem knisternden Kaminfeuer zusammenrollen und ein gutes Buch lesen? Eher mein Ding.
– Sydney (14% Kindle-Edition)

Ein wirklich großer Pluspunkt des Buches ist Sydney. Sie ist eine Leseratte, ein zuckersüßes Mädel und ich konnte mich oftmals in ihr wiedererkennen. Oben genanntes Szenario wäre für mich der Inbegriff der Perfektion. Außerdem ist sie eher introvertiert und das merkt man auch. Ähnlich wie ich denkt sie viel über die Aussagen anderer nach, macht sich dabei das Leben oftmals auch schwerer als es eigentlich ist. Ich fand ihre Gedankengänge einnehmend und witzig – und konnte mich ständig darin wiedererkennen. Womit sie aber so richtig den Nagel auf den Kopf getroffen hat, war für mich dieser Kommentar:

Was ich jetzt brauchte, war ein richtig gutes Buch – eines mit Tonnen von Sex und Existenzängsten und einem absolut unglaubwürdigen Happy End, das dafür sorgte, dass ich die Story gleichzeitig liebte und hasste.
– Sydney (89% Kindle-Edition)

Mein „Buch für zwischendurch“, wenn ich einfach die Schnauze voll hab von der Welt und weder denken kann noch denken will, dann brauche ich solche Bücher. Dass dies in einem Buch vorkommt, hat mich gefreut. Ich schäme mich dieser „Abschalt-Bücher“ nicht. Aber es wird so perfekt in Worte gefasst, wie ich über die Bücher denke, dass sich Sydney damit zu einer meiner liebsten Protagonisten gemacht hat.
Ansonsten zeichnet auch dieses Buch aus, was die anderen Bücher von Jennifer L. Armentrout auszeichnet: es ist witzig, unterhaltsam und einfühlsam. Die Unterhaltungen zwischen Kyler und Sydney haben mich oft zum Lachen gebracht. Die große Vertrautheit zwischen den beiden, da sie sich schon von klein auf kennen, merkt man ihnen an und ich fand, sie wurde im Buch gut rübergebracht.
Außerdem ist dieses Buch aus zwei Perspektiven geschrieben, Kyler und Sydney kommen abwechselnd zum Zug. Auch das hat mir gut gefallen, da man sich so wirklich gut in beide einfühlen konnte und die Handlungen beider nachvollziehen konnte.
Allerdings ist es mir stellenweise doch zu kitschig geworden und auch das Ende, mit Kylers Tattoo, fand ich ehrlich gesagt ein bisschen lächerlich. Es wurde dann einfach zu viel des Guten.
Auch der weitere Spannungsbogen, der durch die Angriffe auf Sydney und Kyler eingebaut wird, erschien mir manchmal übertrieben und wäre nicht unbedingt nötig gewesen. Ich verstehe, warum Armentrout diesen für ihren Schluss gebraucht hat, aber hätte man die beiden nicht anders zusammenbringen können? Denn was vermeintlich für Spannung sorgen sollte, hat in meinen Augen eher dafür gesorgt, dass die Geschichte entschleunigt wurde.

Insgesamt konnte mich das Buch aber überzeugen und Sydney macht all die kleinen Minuspunkte schnell wieder wett.

5SterneÜber Jennifer L. Armentrout:
Jennifer L. Armentrout wurde 1980 in West Virginia geboren; heute lebt sie dort zusammen mit Ehemann und Hund. Ihr bisher größter Erfolg waren die Wait for you-Reihe unter dem Pseudonym J. Lynn, sowie die Lux-Reihe. Davor schrieb sie schon zahlreiche Young-Adult-Fantasy- und Liebesromane, die international erfolgreich waren.
Quelle: Website der Autorin

Weitere Meinungen zum Buch:

Kaufen kann man das Buch beispielsweise bei buecher.de

Rezension – Realitätsgewitter

realitaetsgewitter
Quelle: Aufbau Verlag

Realitätsgewitter | Julia Zange | Aufbau | erschienen 2016
Hardcover: ISBN 978-3-351-03658-4 | 17,95€
E-Book: ISBN 978-3-8412-1172-9 | 12,99€
Leseprobe

Marla wirkt wie das Musterbeispiel einer deutschen Studentin: Sex, Drogen, eher wenig Uni, dafür viel Party, den Lebensstil lässt sie sich von ihren Eltern finanzieren, zu denen sie ansonsten kein Verhältnis hat und eigentlich weiß sie nicht so genau, wohin mit sich. Doch plötzlich bekommt ihre Fassade Risse und Marla fragt sich, ob das eigentlich wirklich ihr Leben ist, so wie sie es haben will. Eine Reise in ihre Heimat führt sie schließlich nach Sylt – immer auf der Suche nach sich selbst.

Marla ist schnell zu einer dieser Protagonisten geworden, zu denen ich ein ambivalentes Verhältnis habe. Einerseits konnte ich mich stellenweise gar nicht in sie einfühlen. Ihr Lebensstil unterscheidet sich zu stark von meinem und auch viele ihrer Ansichten konnte ich nicht teilen. Beispielsweise verstand ich nicht, wieso sie sich von ihren Eltern aushalten lässt – eine Sache, die mir zutiefst zuwider wäre. Sie lebt besonders zu Beginn ein Leben, das für mich niemals das Richtige sein könnte. Die Menschen, die sie um sich schart, entsprechen so gar nicht den Menschen in meinem Freundeskreis.
Andererseits fiel es mir oft erstaunlich leicht, mich in sie einzufühlen. Ihre verzweifelte Suche nach Zuneigung kann einen vermutlich gar nicht kaltlassen und bei der Konfrontation mit ihrer Mutter hat sie mir unglaublich leid getan.
Der Schluss war mir zu schwammig. Als sie von Sylt nach Berlin zurückkehrt, ist sie verändert, fühlt sich anders. Mir hat sich aber nicht erschlossen, was diesen Wandel bewirkt hat. Sie wirkt auf mich durchaus anders, entschlossener, mit sich selber eher im Reinen, als hätte sie etwas überwunden. Mir gefällt diese Marla ehrlich gesagt besser. Aber warum sie sich nun verändert hat, das wurde mir nicht klar.
Zudem hatte ich immer das Gefühl, dass die Autorin mir unbedingt etwas sagen will, die Moral von der Geschicht‘ quasi. Gleichzeitig hatte ich auch das Gefühl, dass ich einfach nicht auf diese Moral komme und kommen werde. Und das hat mich mit einer leichten Frustration zurückgelassen. Natürlich kann man sich dadurch seine eigenen Gründe zusammenreimen und sich möglicherweise auch eher mit Marla identifizieren. Aber ich bin und war kein „Zwischen den Zeilen lesen“-Typ. Daher hat mir das ein bisschen sauer aufgestoßen.

Marla und ihr Leben bieten die Möglichkeit, sich mit ihr zu identifizieren – sie scheint von allem etwas mitzunehmen. Der Schreibstil ist gut zu lesen und mit 157 Seiten ist es auch kein übermäßig dickes Buch. So ganz überzeugen konnte es mich allerdings nicht.

Tatsächlich habe ich gerade gar keine Ahnung, wo ich hingehöre, wer ich bin, was ich mit meinem Leben machen soll, ob alles eine Lüge ist oder ob ich eine Lüge bin.
– Marla (14% Kindle Edition)

4Sterne

Über Julia Zange:
Zange wurde 1987 geboren und studierte in Berlin Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation. Ihr erster Roman, Die Anstalt der besseren Mädchen, erschien 2008. Außerdem veröffentlichte sie mehrere Kurzgeschichten.
Julia Zange ist auch als Schauspielerin tätig und debütierte als Hauptdarstellerin in dem Film Mein Bruder Robert, der 2017 erscheinen wird.
Quelle: Wikipedia

Live erleben kann man die Autorin am 17. und 24. November in Berlin. Mehr Infos dazu auf der Website des Aufbau Verlags.

Weitere Meinungen zum Buch:


Vielen Dank an NetGalley und den Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Rockstars küsst man nicht – Kurz gefasst

Quelle: Egmont LYX
Quelle: Egmont LYX

Rockstars küsst man nicht | Kylie Scott | Egmont LYX | erschienen 2016
ISBN 978-3-7363-0150-4 | 9.99€ (Taschenbuch)
Leseprobe

 

Klappentext:
Schwanger! Und das ausgerechnet von Ben Nicholson, dem Bassisten der erfolgreichsten Rockband der Welt! Lizzy Rollins kann es nicht fassen. Schon lange hegt sie tiefe Gefühle für den attraktiven Rockstar, aber sie weiß, dass Ben keine feste Beziehung sucht. Ihre gemeinsame Nacht in Las Vegas war für ihn nur ein One-Night-Stand, nichts weiter. Nur gibt es da nun eine neue, viel tiefere Verbindung zwischen ihnen. Doch ist diese stark genug, Bens Mauern zu durchbrechen?
Quelle: Egmont LYX

Auf den vierten Teil der Rockstars-Reihe von Kylie Scott habe ich sehnsüchtig gewartet. Die vorherigen Teile um die Band Stage Dive waren alle lustig und lesenswert. Dieser Teil konnte meine Erwartungen aber – leider – nicht erfüllen.
Zum einen hatte ich oft das Gefühl, als wäre die Geschichte noch „unfertig“. Als hätte einfach unbedingt noch dieser vierte Teil um Ben und Lizzy geschrieben werden müssen – und als hätte es die Autorin eilig damit gehabt. Das hat dafür gesorgt, dass mir auch die Charaktere teilweise noch ein wenig unausgereift wirkten. Da es aus der Ich-Perspektive von Lizzy geschrieben ist, kann natürlich kein genauer Einblick in Bens Gefühlleben gegeben werden. Aber in den vorherigen Bänden ist es der Autorin dennoch immer gelungen ein schlüssiges und interessantes Bild der männlichen Hauptperson zu zeichnen. Ben allerdings wirkt, auch im Nachhineinn oft einfach nur platt.
Und so humorvoll die vorherigen Bände waren, wirkte dieses oft gezwungen lustig. Als hätte Scott versucht, an die ersten drei Geschichten anzuknüpfen und es wäre ihr nicht so recht gelungen.
Außerdem gab es zwischen Ben und Lizzy ein ständiges Hin und Her, das mir irgendwann einfach nur noch auf die Nerven ging.
Allerdings ist es auch in diesem Buch wieder wunderbar gelungen, die Entwicklung der Gefühle darzustellen. Das war richtig gut und hat mir nicht das Gefühl vermittelt, dass die Zwei sich einfach Hals über Kopf ineinander verlieben und die Schwangerschaft dann den Rest erledigt – salopp ausgedrückt.

3Sterne

One Hundred Days of Happiness

One_Hundred_Days_of_HappinessOne Hundred Days of Happiness | Fausto Brizzi | Picador | erschienen 2015
ISBN 9781447269014 | 15.19€
Leseprobe (englisch)

Über Fausto Brizzi:
Brizzi wurde 1968 in Rom geboren. Er ist Drehbuchautor, Regisseur und Produzent zahlreicher Filme, für die er auch schon mehrfach ausgezeichnet wurde. Einer seiner erfolgreichsten Filme ist Notte prima degli esami (engl.: The Night Before The Exams), der über 15 Millionen Euro einspielte und mehrere italienische und europäische Preise erhielt. One Hundred Nichts of Happiness ist sein Debütroman, der in Italien zum Bestseller wurde und in über 20 Ländern verkauft wird.
In zweiter Ehe ist er seit 2014 mit der italienischen Schauspielerin Claudia Zanella verheiratet.
Quellen: Picador, Wikipedia

Als Lucio Battistini erfährt, dass er aufgrund von Krebs nur noch drei Monate, also rund hundert Tage, zu leben hat, beschließt er, diese zu glücklichen Tagen zu machen – und ein paar Dinge ins Reine zu Bringen. Seine Frau Paola hat ihn nämlich rausgeschmissen und er schläft im Hinterzimmer der Bäckerei seines Schwiegervaters. In dem Bemühen, seine Frau zurückzugewinnen, will er die ihm verbliebenen Tage so glücklich wie möglich gestalten. Dafür reist er mit Paola und den beiden gemeinsamen Kindern einmal quer durch Italien, schließt neue Freundschaften, lacht und gibt sich Mühe, der Mann zu sein, der er immer sein wollte.

Dieses Buch hat mich richtig begeistert und zählt jetzt schon zu meinen absoluten Highlights des Jahres!
Das ein Buch über Krebs begeistern kann, wissen wir spätestens seit Das Schicksal ist ein mieser Verräter alle. Obwohl One Hundred Days of Happiness ein ähnliches Thema behandelt, ist es doch ganz anders. Denn Lucio gehört zu jenen, bei denen eine Behandlung wenig Sinn macht und quasi keine Aussicht auf Besserung besteht – und er lebt nicht jahrelang mit seiner Krankheit, sondern eben nur hundert Tage lang.
Dieses Buch ist keine Liebesgeschichte, sondern berichtet davon, wie ein Mann versucht, mit sich und seinem Leben ins Reine zu kommen, wobei er die Menschen um sich (und den Leser) inspiriert, zum Nachdenken anregt, zum Lachen bringt und zu Tränen rührt.
Das Buch ist aus der Ich-Perspektive geschrieben. Dadurch kann man sich noch einfacher in Lucio einfühlen und er hat mich manchmal wirklich laut auflachen lassen und mich im nächsten Moment zum Heulen gebracht wie ein Baby. Ich hätte mich am liebsten in meinem Bett zusammengerollt und das Buch nie wieder hergegeben.
Der Autor hat nicht den Sinn für das Realistische verloren, sondern eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle geschrieben – wie man sie erwartet von jemandem, der erfährt, dass er nur noch hundert Tage zu leben hat.
Ich hatte während des ganzen Buches das Gefühl, dass wirklich Lucio Battistini zu mir spricht und er all das wirklich erlebt hat: Hoffnung, Rückschläge, Freundschaft, Depressionen, Liebe. Fausto Brizzi hat es zudem auch noch geschafft, eine unglaubliche Spannung aufzubauen. Ich habe mit Lucio mitgefiebert und mitgefühlt. Allerdings hätte ich ihm manchmal auch am liebsten eine verpasst – wenn er wieder einmal kostbare Tage „verschwendet“ oder ich Entscheidungen von ihm einfach nicht verstanden habe. Nichts war vorhersehbar. Allerdings hat das diesen Lucio in meinem Kopf noch wirklicher gemacht (denn wann ist das Leben schon vorhersehbar?!) und wann sind Menschen schon fehlerlos? Brizzi hat wunderbare, liebenswerte, fehlerbehaftete Charaktere geschaffen, die ich sofort ins Herz geschlossen habe.

Mich hat das Buch mit Gefühl zurückgelassen, dass ich inspiriert und zum Nachdenken angeregt wurde. Es hat mir in Erinnerung gerufen, dass die Menschheit viel erreicht hat, aber dass Mutter Natur uns in unsere Schranken weisen kann. Dass wir leben sollten, als wäre jeder Tag der letzte, aber auch immer an unsere Mitmenschen denken sollten. Wir sollten nicht zu Lange damit warten, unsere Träume zu erfüllen, zu leben, Fehler gerade zu biegen.

Always remember that the only riches we possess are the dreams we have as children. They are the fuel of our lives, the only force that pushes us to keep on going even when things have gone all wrong.
– Lucio Battistini

goldene_Sterne

The Winter Crown

The_Winter_CrownThe Winter Crown | Elizabeth Chadwick | Sphere | erschienen 2014
ISBN 978-0-7515-4825-9 | £7.99
Leseprobe (englisch)

Über Elizabeth Chadwick:
Chadwick wurde 1957 in Lancashire geboren. Mit 15 schrieb sie ihren ersten historischen Roman und wollte fortan Autorin historischer Romane werden. 1990 zeigte schließlich die Penguin publishing group Interesse an ihren Büchern und im gleichen Jahr wurde ihr erstes Buch The Wild Hunt veröffentlicht. Nur vier Jahre später wurde ein weiteres Buch, First Knight, verfilmt. Mittlerweile gilt sie als die bekannteste Autorin von historischen Romanen in Großbritannien; ihre Werke wurden in 16 SPrachen übersetzt.
Sie ist verheiratet und hat mehrere Kinder.
Quelle: Wikipedia, ihr Blog

England 1154: Eleonore von Aquitanien wird zur Queen gekrönt – schwanger mit dem zweiten Kind von Henry II., ihrem Ehemann und König von England. Dieser hat eine klare Vorstellung davon, wie ihr Leben ablaufen wird: während er gegen Englands Feinde ins Feld zieht und auch Eleonores Besitz Aquitanien verteidigt, soll sie die gemeinsamen Kinder aufziehen. Doch Eleonore kämpft für mehr, sie will über ihr Leben entscheiden.
Die Romanbiographie erzählt von Eleonores Leben in den Jahren 1154 bis 1174; von den acht gemeinsamen Kindern der beiden, wie die Wertschätzung Eleonores gegenüber ihrem Ehemann langsam in Verachtung umschlägt und wie sie für sich und ihre Kinder kämpft.

Dieses Buch ist der zweiter Teil einer Trilogie um Eleonore von Aquitanien (ich verwende die deutsche Schreibweise; Chadwick hat sie im Buch Alienor geschrieben und auf dem Cover könnt ihr eine weitere Schreibweise sehen), die als eine der mächtigsten Frauen des Mittelalters gilt. Dass es der zweite Teil ist, habe ich erst nach einiger Zeit gemerkt (und auch nur, weil ich das Buch gegoogelt habe) und es ändert nichts daran, dass das Buch gut zu lesen ist. Man muss den ersten Teil nicht gelesen haben, um das Geschehen zu verstehen.
Eleonore von Aquitanien wird als eine Frau dargestellt, die ganz Teil ihrer Zeit ist und derselben manchmal doch ein wenig voraus, was beispielsweise ihre Ansichten über die Stellung der Frau angeht. So sieht sie durchaus ein, dass die Männer das stärkere Geschlecht sind und es ist für sie selbstverständlich, dass ihr Mann Mätressen hat. Aber vor allem gegenüber ihrem Ehemann besteht sie sehr darauf nicht einfach nur ein, salopp gesagt, Brutkasten zu sein. Sie ist Königin von England, sie ist sich ihrer Macht bewusst und will besonders über Aquitanien, ihre Heimat, selbst entscheiden.
Auch wenn viele ihrer Gemütsregungen aus heutiger Zeit wenig nachvollziehbar sind (beispielsweise wenn sie sich die Schuld am Tod ihres ersten Sohns im Alter von drei Jahren gibt), so fühlt man doch mit ihr mit. Ich habe sie teilweise wirklich darum bemitleidet, dass sie in dieser männerdominierten Welt leben musste, aber sie behauptete sich immer wieder auch gegenüber ihrem Ehemann und man muss natürlich sehen, dass sie als Königin doch mehr Mitsprache und vor allem ein angenehmeres Leben hatte, als eine einfache Bäuerin der Zeit.
Chadwick ist es in meinen Augen gut gelungen, die Konflikte in Eleonores Leben gut darzustellen, zu zeigen, wie sehr Eleonore manchmal zwischen ihren Pflichten als Königin und ihren Pflichten als Mutter hin- und hergerissen war. Es wurde auch gezeigt, dass Eleonore oft abwägt, welche Kämpfe sie ausficht und wann sich ein Kampf nicht lohnt, dass sie aber manchmal auch einfach von ihren Gefühlen mitgerissen wurde, besonders wenn es um ihre Kinder geht.
Henry wird als ein nahezu kontrollsüchtiger Mann, besonders was die Regierungsgeschäfte angeht, dargestellt und zusammen mit Eleonores Ansichten über ihren Mann wandeln sich auch die des Lesers. Obwohl ich ihm gegen Ende seines Lebens (wenn man Wikipedia glauben darf), nicht mehr hätte begegnen wollen, fand ich das Buch teilweise sehr einseitig. Oft wurde auch anderen Mitgliedern von Eleonores Hof ein Stimme gegeben, bei Henry wäre es mir nicht aufgefallen, dass er einmal zu Wort kommt. Auch wenn viele seiner Handlungen sicherlich zweifelhaft waren, fand ich das Bild, das von Eleonore gezeichnet wurde, zu verklärt. Natürlich bin ich keine Historikerin, aber auch viele ihrer Handlungen waren eher zweifelhaft – dennoch lässt Chadwick erst gegen Ende Kritik an Eleonore von Zeitzeugen in Form von anderen Blickwinkeln aufkommen.
Zur Sprache sei zu sagen, dass es das ein oder andere Wort gibt, das mir unbekannt war – insbesondere zeittypische Wörter, die heute nicht mehr in Gebrauch sind. Allerdings kann man diese entweder aus dem Kontext erschließen oder sie tauchen so selten auf, dass es nicht wirklich nötig ist, sie zu kennen.

Ich fand es sehr faszinierend, über eine Frau und eine Epoche zu lesen, über die ich so gut wie nicht wusste. In naher Zukunft will ich auch noch die beiden anderen Teile lesen, denn dieses Buch hat mein Interesse am Leben dieser außergewöhnlichen Frau geweckt.

„This is not about God. It is about men’s desires and stubborn will to have the last word.“
– Eleonore von Aquitanien

5Sterne