5 gute Gründe, „Wenn die Wahrheit Kopf steht“ zu lesen

Regelmäßig gibt es Berichte über die zunehmende Islamfeindlichkeit in Deutschland und nennt mich dazu ein wenig intolerant: aber zu 98% verstehe ich Gruppierungen wie AfD oder Pegida nicht. Vielleicht bin ich dafür grundsätzlich zu logisch denkend, vielleicht wurde mein Vertrauen in den Staat noch nicht enttäuscht, vielleicht bin ich naiv, wenn ich an Statistiken glaube, die ich nicht selbst gefälscht habe, solange sie aus seriöser Quelle kommen: Mir sind Argumente von Islamkritikern normalerweise ein Rätsel.
Schon allein die scheinbar grundlegende Annahme, dass alle Muslime Islamisten sind und/oder uns etwas Böses wollen, ist in meinen Augen ganz offensichtlich falsch – es waren ja auch nicht alle Christen des 11. bis 13. Jahrhunderts Kreuzritter. Dass Christen (und christliche Staaten) nicht immer ganz einwandfrei gehandelt haben (und es auch heute nicht immer tun), scheint aber einige wenig zu bekümmern, wenn sie sich nun gegen eine komplette Religion stellen.
Dennoch bin ich nicht zu verbohrt, um die Gegenseite wenigstens verstehen zu wollen. Dabei soll dieses Buch helfen. Daher kommen hier fünf Gründe, warum ihr es unbedingt lesen solltet: „5 gute Gründe, „Wenn die Wahrheit Kopf steht“ zu lesen“ weiterlesen

Denn Liebe ist stärker als Hass

Denn_Liebe_ist_stärker_als_Hass
Quelle: Amazon

Denn Liebe ist stärker als Hass | Shlomo Graber | Riverfield | erschienen 2015
ISBN 978-3-9524463-0-0 | 29.90€
Leseprobe

Über Shlomo Graber:
Graber wurde 1926 in der Tschechoslowakei geboren. 1931 siedelte die Familie nach Ungarn über, im Mai 1944 wurden sie nach Auschwitz deportiert. Nach Aufenthalten in zwei weiteren KZs und einem Todesmarsch, den er überlebte, wurde Shlomo Graber am 8. Mai 1945 im KZ Görlitz befreit. Außer dem Vater wurden alle Familienangehörigen ermordet.
Drei Jahre später wanderte er nach Israel aus, bevor er 1989 nach Basel übersiedelte. Dort arbeitet er als Kunstmaler.
Quelle: Grabers Website

In seiner Autobiographie erzählt Shlomo Graber wie er drei Konzentrationslager und einen Todesmarsch überlebt und wie er schließlich die Befreiung erlebt. Er berichtet auch von seinem Werdegang nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg und davon, wie er trotz des Holocausts und des Verlusts seiner Familie, seinen Lebensmut bewahrt.

In diesem Buch schafft Graber es, eine Balance zwischen seiner eigenen Geschichte und dem Weltgeschehen zu halten. Besonders zu Beginn ergänzt sich dieses wunderbar. So erfährt man, wie einzelne Entscheidungen der Nazis letztendlich zur Deportation der Familie führen. Gleichzeitig erfährt man, wie Grabers Jugendjahre ablaufen.
Da das Buch wie ein Roman geschrieben ist und zudem viel mithilfe von Anekdoten erzählt wird, bereitet es keinerlei Schwierigkeiten, das Buch zu lesen – ich habe es verschlungen. Dennoch wird der Geschichte dadurch nicht ihre Wichtigkeit und Tragik abgesprochen. Und sie zeigt auch wieder, dass man die KZs nur durch reinen Zufall überleben konnte – wenn Wächter doch einmal ein Auge zudrücken oder man durch Glück an etwas zu Essen kommt.
Inmitten dieser Hölle bewahrte sich Graber eine unglaublich positive Haltung und einen Lebensmut, der mich oft überrascht hat. Zwar hadert er, verständlicherweise, mit der Tatsache, dass seine Familie ermordet wurde und dass sich seine Heimat innerhalb eines Jahres drastisch verändert hat. Auch sein erster Besuch in Deutschland nach einigen Jahren bereitet ihm Probleme. Aber insgesamt hat er eine sehr positive Einstellung und betont immer wieder, dass er den Deutschen gegenüber keinen Hass hegt.
Wir scheinen manchmal zu vergessen, dass wir nicht für die Taten unserer (Ur-)Großväter-Generation verantwortlich sind. Ich will damit auf keinen Fall sagen, dass wir vergessen sollten, was die Nationalsozialisten verbrochen haben. Aber ich finde es schon auffällig, dass hier in Großbritannien europäische Geschichte – insbesondere auf Deutschland bezogen – quasi mit dem Zweiten Weltkrieg endet. Besonders ausgeprägt ist das in den Buchhandlungen: Viele, viele Bücher zum Dritten Reich, vereinzelt dann noch zum Mauerfall, aber das war’s! Und auch wenn wir uns gerade politisch mal wieder nicht mit Ruhm bekleckern (Stichwort Landtagswahlen), ist es in meinen Augen falsch, uns auf diesen enormen Riesenfehler aus unserer Vergangenheit zu reduzieren – letztendlich sind wir auch das Land der Dichter und Denker!
Insofern hat mir die Haltung Grabers also sehr gut gefallen. Auch in vielen anderen Punkten, die er anspricht, sei es politisch oder persönlich, konnte ich mit ihm übereinstimmen. Dadurch zählt dieses Buch aber auch zu einem der am wenigsten kontroversen Erinnerungen an den Holocaust, das ich bisher gelesen habe. Bei der Judenverfolgung gab es zwar offenbar keine Perversion, die nicht möglich war, aber in vielen anderen Büchern fällt es dennoch schwer, gewisse Entscheidungen und Gefühlslagen nachzuvollziehen. Wie sollte dies auch möglich sein? Letztendlich, denke ich, kann nur ein KZ-Überlebender einen KZ-Überlebenden wirklich verstehen. Aber bei Shlomo Grabers Autobiographie fiel mir das erstaunlich leicht – fast schade, denn so hat es mich um einiges weniger zum Nachdenken angeregt.
Besonders in Erinnerung bleiben wird mir, dass er Hitler den „kleinen Mann mit dem kleinen Schnauzer“ nennt. Dadurch nimmt er ihm den Schrecken und macht ihn ein wenig lächerlich.

5Sterne