Duales Studium abbrechen – Teil I

Hallo meine Lieben,

in der Sidebar steht, dass es hier auch um den „ganz normalen Wahnsinn“ gehen soll. So richtig will dieser Beitrag da aber nicht reinpassen, denn mit ganz normal hat das Thema wenig zu tun. Aber es ist sehr persönlich, hat mir viel Kopfzerbrechen bereitet und ich habe mich oft ein bisschen verloren gefühlt im Dschungel von Informationen. Daher dieser Artikel. Es wird sicher noch die ein oder andere Person geben, die ihr duales Studium abbrechen will – vielleicht kann diese Reihe dabei hilfreich sein.

Zunächst einmal zu meiner Situation und wie diese sich entwickelt hat. Ich habe 2016 mein duales Studium an der DHBW Stuttgart im Studiengang BWL-Handel angefangen. Dafür entschieden hatte ich mich, da ich nicht 100%ig wusste, was ich studieren möchte. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass im breiten Feld der Betriebswirtschaftslehre etwas für mich dabei sein würde und natürlich ist auch die Idee verlockend, direkt Einblick ins Berufsleben zu haben und Geld zu verdienen. Tatsächlich habe ich bereits während der ersten Theoriephase ein Fach gefunden, das mir richtig gut lag. Dummerweise war es Jura. „Dummerweise“, weil das zwar durchaus in Teilen gelehrt wird während des BWL-Studiums, aber letztendlich kein Fokus darauf liegt.

Damals sagte ich mir: „Du hast noch 5 weitere Semester, fast drei Jahre. Irgendetwas wirst du finden, dass dir ebenso gut liegt.“ Man kann es sich schon denken: dieser Fall ist nicht eingetreten. Auch in drei weiteren Theoriesemestern und ebenso vielen Praxisphasen habe ich nichts gefunden, was mir so viel Spaß bereitet, mich so sehr interessiert und anspricht, wie Jura.

Dennoch bereue ich nicht, dieses BWL-Studium angefangen zu haben. Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt und werde zu einigen davon auch nach dem Ende des Studiums Kontakt haben. Zudem habe ich vieles gelernt, dass unabhängig vom BWL-Studium interessant und gut zu wissen ist. Die zwei Jahre waren also keineswegs für die Katz.

Teil I: Abbrechen oder weitermachen?

Zunächst einmal gilt für das duale Studium, was auch für jedes andere Studium gilt: Man darf seine Meinung ändern. Man darf feststellen, dass das Studienfach doch nicht das Richtige ist. Aber es gilt auch eine zweite Sache: man sollte es aus den richtigen Gründen abbrechen. Dazu wurden schon ganze Artikel geschrieben, wenn ihr also wissen wollt, wann ihr euch Gedanken über einen Studienabbruch Gedanken zu machen, schaut doch einmal HIER oder HIER vorbei.

Auf einen falschen Grund möchte ich allerdings an dieser Stelle genauer eingehen. Und zwar solltet ihr das Studium nicht abbrechen, weil es gerade eine stressige Zeit ist. Dieses wird es während des Studiums immer wieder geben, aber sie gehen erstens auch vorbei und zweitens wird es auch im Beruf nicht immer nur Friede, Freude, Eierkuchen sein.
Zudem gibt es von Seiten der DHBW (und dies wird vermutlich für viele Hochschulen gelten, die ein duales Studium anbieten) Beratungsangebote. Wenn euch der Stress stark zusetzt, lasst euch zunächst dort beraten. Gut möglich, dass ihr danach ein bisschen klarer seht und feststellt, dass euch euer Studium noch immer zusagt.

Wenn das auf euch aber nicht zutrifft und ihr gute Gründe habt, das Studium abzubrechen, lasst euch von der Tatsache, dass das Wörtchen „dual“ vor dem „Studium“ steht, nicht abhalten!

Wenn ihr euch durch ein Studium quält, das nicht zu euch passt, ist niemandem geholfen – euch nicht, eurem Ausbildungsunternehmen nicht und eurem Umfeld nicht. Auch eure Noten werden tendenziell nicht besser, wenn die Motivation flöten geht und ihr werdet mit der Gesamtsituation immer unzufriedener.

Habt kein schlechtes Gewissen

Was ihr euch keinesfalls einreden lassen solltet, ist ein schlechtes Gewissen. Ein solches gegenüber dem Ausbildungsbetrieb ist schon deshalb fehl am Platz, da jener im umgekehrten Fall (er will euch kündigen) keine Skrupel hätte – warum solltet ihr sie haben?
Und was eure Familie und Freunde angeht: hier gibt es gleich zweimal keinen Grund für ein schlechtes Gewissen. In Anbetracht der Tatsache, dass ihr euer eigenes Geld verdient (habt), liegt bzw. lagt ihr (vermutlich) niemandem auf der Tasche. Stattdessen sollten sie euch in einer Entscheidung unterstützen, die euch glücklich macht.

Letztendlich gilt nämlich vor allem eines: es geht hier um euer Leben. Ihr seid dafür verantwortlich, denn ihr müsst letztendlich mit euren Entscheidungen leben. Es ist kein Weltuntergang, zuzugeben, dass man einen Fehler gemacht hat. Und ihr habt das gute Recht, unangenehme Entscheidungen zu treffen, wenn ihr dadurch glücklich(er) werdet.

Eine Arbeitskollegin hat mir vor kurzem gesagt: „Glück ist das wichtigste im Leben. Wenn man nicht glücklich ist, sollte man schleunigst etwas an seiner Situation ändern.“ Das sollten wir uns viel öfter einmal zu Herzen nehmen.

„Ein solcher Studienabbruch ist kein Versagen, sondern ein mutiger Schlussstrich, mit dem man eine Fehlentwicklung stoppt.“
– Wilfried Schumann im SPIEGEL

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Hier einige Anlaufstellen, falls ihr in einer Krise (auch unabhängig vom Studium) steckt:
Studienberatung DHBW Stuttgart (https://www.dhbw-stuttgart.de/themen/einrichtungen/studienberatung/beratung-studierende/) – dieses Angebot gibt es auch an den anderen Standorten, einfach auf der jeweiligen Website nach der Studienberatung suchen
Nummern der Telefonseelsorge: 0800/111 0111 oder 0800/111 0222
Viele Kliniken bieten zudem psychologische Beratung im Notfall an, dafür einfach das örtliche Klinikum googlen
Hilfetelefon für Frauen, die Gewalt erfahren (haben): 08000/116 016
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